Archive for Oktober, 2020


Langweiler

Man sagt mir nach, dass ich ein Langweiler sei, weil ich ausführlich zu erklären versuche, wie mein Befinden ist (und dabei durchaus die eine oder andere erzählerische Verrenkung machen kann, um meine Selbstachtung nicht zu gefährden), wenn mich jemand formell-beiläufig fragt, wie es mir geht.

Menschen, die Fragen stellen, weil man eben Fragen stellt und nicht, weil sie etwas wissen oder besser verstehen wollen, sind sehr viel langweiliger. Die meisten von ihnen bekommen den einzigen intellektuellen Anreiz und einen Großteil ihres Nichtalltagswissens aus jenen Kreuzworträtseln, mit denen sie diese Langeweile unterdrücken wollen; die quälende Ödnis der Zeit, die immer dort entsteht, wo die Großhirnrinde eines Menschen verhungert.

Die Fahne laut, zum Sprechen fest entschlossen!

Lass deine Zunge keine Fahne sein, die im Wind eines jeden Gerüchtes zu flattern beginnt.

Imhotep (2686-2613 v.u.Z.) zugeschrieben

Berlin (dpa). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor dem Hintergrund deutlich steigender Corona-Infektionszahlen erneut an die Bürger appelliert, durch weniger Kontakte bei der Eindämmung der Pandemie mitzuhelfen. „Wir sind nicht machtlos gegen das Virus, unser Verhalten entscheidet, wie stark und wie schnell es sich ausbreitet. Und das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen“, sagte sie in ihrem Videopodcast.

(Nein, Herr Presseverleger, für so ein direktes Übernehmen von dpa-Meldungen gibt es keine Links von mir. Sie hätten ja doch nur so viel Wert wie eine Postwurfsendung mit Reklame.)

Während Angela Merkel uns in ihrer wöchentlichen Jahresendansprache erklärt, was das Gebot der Stunde ist, läuft in Hannover im Niedersachsenstadion (aktuell als „HDI-Arena“ vermarktet) das Zweitligaspiel Hannover 96 gegen Fortuna Düsseldorf vor genehmigterweise bis zu 9.800 Zuschauern, die sich auf ihrem Weg in Richtung Stadion und beim Warten am Einlass nicht so fern voneinander halten konnten, wie sie dann im Stadion auseinandergesetzt wurden. Während Angela Merkel uns in ihrem schlechten Theater erzählt, dass wir viel weniger Menschen treffen sollen, läuft auf dem hannöverschen Schützenplatz das hannöversche Oktoberfest, ein Prosit der Gemütlichkeit. Während die Presseagenturen und die Reklamevermarktung des Presseverlegerwesens melden, dass wir mit unserem Verhalten darüber entscheiden sollen, wie schnell sich Corona ausbreitet, wurde in Hannover-Laatzen auf dem Messegelände gerade die Infa beendet.

Sowohl Infa als auch Fußball als auch Oktoberfest sind hier behördlich abgenommen und genehmigt worden. Schließlich wird dabei ja auch Geld umgesetzt, viel viel Geld. Wenn heute in Hannover drei Menschen in Nachbarschaftshilfe anlässlich eines Umzuges in einer Wohnung die Wände streichen, ist das hingegen illegal und wird mit einem gesalzenen Bußgeld bestraft, wenn sich diese Menschen beim Ausüben ihrer Menschlichkeit von der Polizei erwischen lassen. Egal, wie gut die dabei lüften, wie sorgsam sie das Mund-Nasen-Wärmtuch über Mund und Nase ziehen und wie angemessen vorsichtig sie sind.

Frau Merkel, sie vielbestiegen duftendes Lustmädchen der Wirtschaft und der Mafia, sie von Pastoren und FDJ geschultes und völlig empathie- und schambefreites Lügenmaul mit ihrem Mund voller schillernder Sprechbläschen mit luftigsten Inhalt und sie korrupte Politdarstellerin mit ihren Händen, die vor lauter empfangenen Zuwendungen und Festhalten an der politischen Macht nicht mehr handeln können: Sie und ihre ganzen Schergen und Speichellecker können mich mal gepflegt im Arsche lecken! Ihre furzwarmen Worte aus ihrer selbstverherrlichend-verlogenen Internetbewochenschauung können sie sich gern in diejenige Leibespforte zurückstecken, aus der sie ihnen entfleucht sind.

Seuchenbekämpfung ist übrigens Bundessache, die folglich auch durch ein Bundesgesetz geregelt ist. Wenn sie mir das nicht glauben, Frau Merkel, weil ich nur so ein dahergelaufener Blogger in diesem Neuland voller fake news und hate speech bin, dann fragen sie einfach mal den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages, der ihnen unentgeltlich zur Verfügung steht. Leider gibt es Wichtigeres für ihre aus Seilschaften und Korruption bestehende Bundesregierung als die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit der Bewohner der Bundesrepublik Deutschland, und das merkt man als Bewohner der Bundesrepublik Deutschland.

Die schlimmsten und gefährlichsten Coronaleugner sind nicht irgendwelche in der Lupe des miesen Jornalismus bizarr vergrößerten Demonstranten, sondern die Coronaleugner in Politik und Verwaltung. Die zweite Welle ist politisch mindestens inkauf genommen, wenn nicht gar planvoll politisch gewollt und herbeigeführt. Was ein logistisches Wachstum — in seiner frühen Phase kaum von einer Exponentialfunktion zu unterscheiden — ist, das sollte der ehemaligen Naturwissenschaftlerin Angela Merkel noch sehr bewusst sein, denn sie hat es im Studium gelernt.

Treten sie zurück, Frau Merkel! Wegen ihrer Verbrechen vor ein Gericht gestellt werden sie ja leider nicht in ihrer Bundesrepublik Bananistan, und sollte es doch so weit kommen, wiederholen sie einfach die „Ehrenwort“-Nummer ihres CDU-Vorgängers Helmut Kohl. Gefängnisse sind hier leider nur für Schwarzfahrer, Cannabis-Raucher und Hartz-IV-Containerlebensmitteldiebe vorgesehen, nicht für eiskalte Schreibtischmörderinnen wie sie.

Geschmacksverstärker

„Hunger“, sagte der Vorübergehende mit vollem Munde, „ist der beste Geschmacksverstärker“.

Schnitt durch Durchschnitt

Als ihm ein Zeitgenosse wiedergab, wie er in „den Medien“ davon gehört habe, dass es „den Deutschen“ im Durchschnitt richtig gut gehe, entgegnete der Vorübergehende: „Stell jemanden mit einem Fuß auf die Herdplatte und mit dem anderen Fuß in die Tiefkühltruhe, und der gleiche mathematikmissbrauchende Statistiker und alle seine stinkenden Journalistenfreunde werden dir einen von einer durchschnittlichen Zimmertemperatur erzählen. Wenn dir ein Durchschnitt genannt wird, ohne dass eine Standardabweichung dazu genannt wird (am besten ergänzt um den Median, der oft einen guten Eindruck vom typischen Wert gibt), wirst du belogen, bestupst und manipuliert, und zwar vorsätzlich und jedes Mal. Und wenn dazu medial inszeniert gejubelt wird und du jubelst innerlich mit, dann haben sie dich endlich so dumm gemacht, wie sie dich haben wollen“.

Mahnend ins Land Alzheim geflüstert

Tweet des Bundesministeriums für Gesundheit @BMG_Bund, verifizierter Account, vom 14. März 2020 -- ! Achtung Fake News ! -- Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! -- Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen. -- Folgetweet des Bundesministeriums im Thread: Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen.

Glaubt den gewohnheitsmäßigen Lügnern aus der Bundesregierung kein verdammtes Wort aus ihrem nach Exkrement stinkenden Maul, egal, wie sehr sie und ihre diversen Lakaien und sonstigen Speichellecker aus dem Journalismus euch dafür beleidigen, als Nazis oder russische Bots beschimpfen und der Verbreitung von Fake News bezichtigen! Kein einziges Wort glaubt ihnen! Vertrauen ist dumm.

Zwei Tage nach diesem Tweet fingen die tief ins Leben eingreifenden Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung an, die zum Zeitpunkt dieses Tweets bereits weitgehend festgestanden haben. Vertrauen ist sowieso schon dumm, aber es ist ganz besonders dumm, wenn man solchen Lügnern vertraut.

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Die Fundamentalisten

Die Fundamentalisten kann man daran erkennen, dass sie jedes ihrer eigenen Hirngespinste als „Gottes Wort“ — oder bei Ideologen: als „Wissenschaft“ — ausgeben, und bei alledem nur darauf bedacht sind, alle anderen Menschen unter dem Deckmantel der Religion oder Wissenschaft dazu zu zwingen, genau so zu denken wie sie selbst. Dabei interessieren sie sich für nichts weniger als für ihre jeweiligen hl. Bücher (aus denen sie aber gern leckere Rosinchen zur Abfütterung ihrer billigen Psyche picken) oder für die Wissenschaft (aus der sie aber bevorzugt das Unklarste, Grenzigste und Ungesichertste nehmen, weil es sich beliebig verbiegen lässt und dabei immer noch ein bisschen wie Wissenschaft ausschaut).

Priorität

„Um es ernstzunehmen“, sagte der Vorübergehende grinsend zu seiner Zeitgenossin, „ist dieses einmalige, vorübergehende Leben viel zu wichtig“.

Verdacht

Ich habe den Verdacht, dass diejenigen, die am wenigsten an die Corona-Pandemie glauben, zum Ausgleich das meiste Klopapier kaufen.

Foto eines von Hamsterkäufern fast vollständig leergekauftes Toilettenpapierangebot in einem hannöverschen Supermarkt

Wachstum

Als im Rundfunk die aktuellen Coronazahlen für die BRD verlautbart wurden, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen: „Da hat die Regierung doch endlich das Wachstum, das sie unbedingt haben wollte und so sehr gefährdet sah“.