Category: Gute Nacht


Vatertag

Man sollte den „Vatertag“, dieses Hochfest der Amateure des Alkoholismus, modern, hipp und englischtümelnd umbenennen, man sollte ihn nur noch den Real-Motherfuckers-Day nennen.

Stehfahrrad

Im Vorübergehen an einem so genannten „Fitness-Center“ zeigte der Vorübergehende auf den zugehörigen Parkplatz und sagte zu seinem Begleiter: „Schau sie dir an, die Krone der Schöpfung, die Gattung, die sich selbst als weisen Menschen bezeichnet! Mit dem Auto fahren sie hierher, um in einem Stehfahrrad zu strampeln, und sie können dabei noch nicht einmal lachen, diese unfreiwilligen Clowns“.

Polizeisprache

Ich lese häufig in Presseerklärungen der Polizei die Beschreibung „Plötzlich überquerte das Kind die Straße“, aber ich habe noch nie die Beschreibung „Als das Kind die Straße überquerte, erschien plötzlich ein Auto“ gelesen.

Normalisierung

Aus den unmittelbar aufheulenden contentindustriell-journalistischen Alarmsirenen wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und wegen des seitdem anhaltenden Menschengemetzels in der Ukraine ist längst die vertraute Rubrik „Der Kriegstag im Überblick“ mit seinen Tickern, Infohäppchen, Propagandastücken, Geschichtchen und Belanglosigkeiten im Wie-fühlen-sie-sich-Tonfall geworden, dekoriert mit Reklame und mit Reklame, dem einzigen Geschäft der Contentindustrie. Wir leben in einer schnellen Zeit, denn das ging sehr schnell.

Neun Euro

Ich wage zu prophezeien: Wenn eine Nahverkehrs-Monatskarte für neun Euro verfügbar ist, dann werden ein paar Monate später alle Kaufleute, Manager und Politiker aus dem Ozean ihres Parallelwelt-Geschwätzes darob überrascht tun, dass es nicht etwa der mangelnde Komfort des Nahverkehrs ist, der seine Nutzung verhindert, sondern der seit Jahrzehnten viel zu hohe Preis für seine Nutzung. Und dann werden sie schnell versuchen, diese Einsicht wieder zu vergessen und sie in der Schublade für politisch irrelevante Einsichten ablegen, denn sie hindert doch sehr an der nächsten Fahrpreiserhöhung.

Gar nicht auszudenken, was für Einsichten sie gewinnen könnten, wenn sie zusätzlich zum Neun-Euro-Ticket auch noch versuchten, ländliche Regionen der BRD so an den Nahverkehr anzuschließen, dass der Nahverkehr auch dort benutzbar wird.

Aussehen

„Wie aktivistisch, entschieden und gerecht er doch aussieht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dieser grün-wählende SUV-Fahrer in seinem energiefressenden Volkspanzer, der bei jeder Gelegenheit Fridays for Future öffentlich auf Twitter applaudiert — von seinem neuen „Smartphone“ aus, das dermaßen vorsätzlich als fabrikneuer Müll konzipiert wurde, dass man nicht einmal mehr problemlos den Akku tauschen kann“.

Beine

Wenn die Dummheit Beine hätte, würde sie jedem Idioten hinterherlaufen. Leider hat sie keine Beine und muss sich der Menschen bemächtigen, um ihre Beine zu haben.

An einen Abrisskalender

Auch die schlechteste Zeit hat ihren guten Tag: Den Letzten.

Piglatin

Die modernen Blender und Lügner aus Presse, Pop, Produktvermarktung und Politik benutzen immer die englische Sprache, wenn sie ein Beinahe-Nichts zu einem interessanten Etwas aufpusten wollen. Früher hätten sie Latein genommen.

„Ich gehe jetzt rüber zu Mastodon“

Im Rausche hält sich das Glühwürmchen für einen Scheinwerfer, und jedes Gekrieche schwingt sich zum Adlerflug empor.

Feiner Zwirn

„Kleider machen Leute“, sagte der Clown.

Bitte parken Sie nicht in zweiter Reihe... -- ...im Kurvenbereich Raimundstraße/Mozartstraße -- ...im Kurvenbereich Siemensstraße/Mozartstraße -- ...gegenüber der Einfahrt. Halten Sie hier bitte die Einfahrt frei

Der hannöversche Aldi-Markt an der Ecke Siemensstraße/Mozartstraße (Südstadt) bittet die Anwohner, dass sie beim Abstellen ihrer Autos doch die Verkehrsregeln einhalten mögen. Nein, nicht aus Solidarität mit Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten und generell Menschen, sondern weil zurzeit noch eine Baustelle hinzukommt, so dass die Liefereinfahrt regelmäßig nicht mehr mit LKW erreicht werden kann. Denn der Autofahrer in seiner wahnhaften Sucht sagt sich nur: „Sicher, Lebensmittel sind wichtig, aber Parken ist doch auch wichtig“ und parkt asozial und behindernd. Nicht nur ein Autofahrer, sondern im Zweifelsfall jeder. Der Polizei und dem Ordnungsamt der „autofreundlichen Stadt“ Hannover, der Hauptstadt eines Bundeslandes der Bundesrepublik Deutschland, dessen bananenaffiner Ministerpräsident Stephan Weil sich seine Regierungserklärung vor dem Vortrag in der Bütt des Landtages auch mal von VW korrekturlesen lässt, damit VW auch ja nicht darüber verärgert ist, sind die Zustände schon seit Jahrzehnten völlig gleichgültig. Selbst dann noch, wenn in der dritten Reihe geparkt wird. Und die Autos, zunehmend in der modernen Ausführung als SUV-Volkspanzer, werden größer und raumfressender und raumfressender und größer.