Tag Archive: Dummheit


Bequem

Signal oder Threema habe ich nicht, dann können wir uns demnächst wohl nicht mehr schreiben.

Mitteilung eines WanzApp-Nutzers an einen meiner Freunde

„Dummheit ist eine sehr bequeme Sache“, sagte der Vorübergehende zu seinem übertrieben optimistischen Zeitgenossen, „und die Menschen fühlen sich sehr wohl darin. Das ist das größte Problem aller Zivilisationen, in denen Dummheit nicht zu starken Nachteilen für die Dummen führt oder — wie in der Bimbesrepublik Deutschland — sogar ganz im Gegenteil zu Ehre, Karriere und Macht. Schließlich wird sich die Dummheit im Prozesse, der über die Gesellschaft abläuft, ihre Bahn brechen, und wo so viele Dumme den Morgen einer neuen Zeit zu sehen glaubten, wird die Finsternis eines zweiten Mittelalters hervorkommen, mit allem, was dazu gehört, hervorkommen: Feudalismus, Wissenschaftsleugnung, Individualitätsverlust, Aberglaube, Primat des Psychischen und Massenwahn. Da helfen auch die ganzen gadgets nicht mehr, sondern ganz im Gegenteil“.

„Zurück zur Normalität“

Das „zurück zur Normalität“, das von Gegnern der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung eingefordert wird, ist eine völlig unreflektiete Forderung, in der sich allerdings eine Tatsache sehr deutlich widerspiegelt: „Normalität“ ist ein Durchschnittswert des Verhaltens, mehr nicht. Und so wandelbar ist die „Normalität“ auch. Unter den Bedingungen der Coronaseuche ist es zum Glück normal geworden, dass die meisten Menschen ein hoffentlich vernünftiges und wirksames persönliches Risikomanagement betreiben, um ihr individuelles Risiko zu senken; und es ist auch normal, dass sie Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen, damit diese als mögliche Seuchenherde andere weder der Gefahr noch der Furcht vor einer Infektion aussetzen. Nur völlig asoziale Menschen, viele von ihnen mit einem bereits sichtbar werdenden Alkoholproblem, entziehen sich dieser Normalität. Wenn es die Coronaseuche nicht gäbe, wären die Vorkehrungen des persönlichen Risikomanagemens und der angemessenen Rücksichtnahme nicht nötig. Die Forderung nach „Normalität“ ist in Wirklichkeit eine Forderung des dummen, psychischen und antizivilisatorischen Bedürfnisses nach einer zügellosen Rücksichtslosigkeit, und genau so sehen die von Polizeien ungewöhnlich weich behätschelten Demonstrationen dieser Forderer auch aus. Noch in der Behätschelung dieser Fordernden durch die Polizei — die im Kontext von mit Wasserwerfern ausgeschossenen Augen bei friedlichen S21-Gegendemonstranten wie eine Liebeserklärung anmutet — zeigt sich ein Spiegelbild. In dieser ungewöhnlichen Milde der unmittelbar und sonst auch recht grob die Herrschaftsgewalt ausübenden Beamten spiegelt sich, dass die Forderung der Demonstranten nach unendlicher Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit ganz genau der Grundpfeiler jener notdürftig verlarvten rücksichtslosen Gier ist, die als so genannter „Kapitalismus“ nach Auffassung der Herrschenden und Besitzenden das gesamte Miteinander der Menschen durchwalten soll und die sich ebenfalls in der praktisch wirkungslosen und manifest irrsinnigen „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ von Politik und Verwaltung widerspiegelt.

Politische Schwarmintelligenz

Jeder politische Ausschuss und jede Kommission kann und wird Beschlüsse fassen, die deutlich dümmer als die Summe der Dummheit seiner Mitglieder sind.

Erfahrung

Grinsend sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen: „Erfahrung ist die Summe der erlebten Misserfolge, und Unerfahrenheit ist die Häufigkeit, mit der man seine Erfahrungen erst gemacht hat, nachdem man sie gebraucht hätte. Dummheit ist im Gegensatz dazu der Zustand, der sich durch alle Erfahrung nicht spürbar ändert und deshalb unabhängig von Erfahrungen ist; ein Zustand, der mit den immer gleichen Methoden der dummen Psyche vorgeht und dabei hofft, dass vielleicht beim nächsten Mal etwas anderes herauskommt — schau dir nur Politik und Verwaltung während der Corona-Seuche an“.

Denkfehler vor dem Internet

Damals, als es noch kein Internet gab, haben wir allen Ernstes geglaubt, dass die verbreitete Dummheit einfach nur eine Folge der Tatsache sei, dass der Zugang zu Wissen für viele Menschen eher schwierig und oft teuer war.

Heimlichkeit

„Schau dir die Auswürfe des contentindustriellen Journalismus in Glotze und Presse an, schau, was für Personen darin in die Aufmerksamkeit gestoßen werden: Wer in dieser korrupten, dummen Gesellschaft etwas halbwegs Erstrebenswertes, mit Aufmerksamkeit und Gestaltungswille Verbundenes werden möchte, der muss schon unheimlich dumm sein“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und schlau ist man hier besser heimlich„.

Grüße an Nena!

Fehler

„Es gibt Fehler, die werden aus Versehen gemacht“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und es gibt Fehler, die werden aus Dummheit, Gier, Korruption oder Angst gemacht“.

Meinungsfreiheit

Die Welt ist voller Menschen, die das Wort „Meinungsfreiheit“ hören, und es nicht so verstehen, dass sie ein Recht auf das Eintreten für ihre eigene Meinung haben (selbst dann noch, wenn sie dumm ist), sondern so, als ob sie ein Recht auf „eigene Fakten“ hätten — und wer diese nicht anerkennt, ist in ihren Augen ein Extremist, Nazi oder Unterdrücker. Und nicht nur die Welt ist voll davon, vor allem Politik, Parteien, Kultuswesen, Verwaltung und Sozialwissenschaften sind voll mit diesen Menschen, die dort ausgedehnte, von der Wirklichkeit emanzipierte Parallelgesellschaften bilden. Nicht erst seit der Coronaseuche.

Oder, um es mit der gegenwärtigen Verwaltung und Politik angesichts der über der Gesellschaft ablaufenden Coronaseuche und mit Jens Spahn zu sagen: „Im Supermarkt gilt: Ein Kunde auf zwanzig Quadratmetern. In den Schulen gilt: 33 Schüler auf siebzig Quadratmetern. Und im Bus gilt: Hundert Personen auf 27 Quadratmetern. Das ist doch einfach, logisch und einleuchtend“.

„Social Media“

„Social Media“ wird „Social“ Media genannt, weil es sich dabei weder um ein intellektuelles, noch um ein intelligentes, noch um ein informiertes Medium handelt.

Verrannt

Der Vorübergehende sagte zum Lachenden: „Ich kann verstehen, dass du lachen musst, wenn du jemanden liest oder hörst, der sich so völlig in eine Idee verrannt hat, dass es aussieht, als könne er gar nicht mehr klar denken; ich kann verstehen, dass du es erheiternd findest, wenn sich Scharfsinn und Dummheit auf das Allerköstlichste kombinieren, um die absonderlichsten Bezüge herzustellen und darzulegen — aber übe dich in Demut! Jedesmal, wenn du jemanden des Wahnes bezichtigst, hilft dir das auch dabei, deine eigenen Narzissmus zu füttern und dabei deine eigene Verranntheit zu vergessen, die allen deinen Wahrnehmungen deine verrannten Deutungsmuster auferlegt. Wer weise geworden ist, lacht jedesmal auch über sich selbst im Spiegelbilde, wenn er die offenbare Dummheit anderer auslacht. Die Wirklichkeit. Ist sehr konkret und spottet in ihrem Wirken allen einfachen Mustern“.

Sein und Fühlen

Während einige sagen „Ich denke, also bin ich“, sagen immer noch die meisten „Ich bin dumm, und ich fühle mich gut“.

Ich prophezeie: Wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte der Coronaseuche in den nächsten Tagen zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, um den Menschen in Gebieten mit geringem Infektionsrisiko keine unverhältnismäßigen Einschränkungen aufzuerlegen, dann wird es in diese Gebiete einen (von der dortigen Wirtschaft mit offenen Armen und Kassen begrüßten) „Lockerungstourismus“ geben, der dazu führt, dass es schnell wieder vorbei ist mit der geringen Inzidenz.

Und wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte nicht zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, ist das auch schlecht.

Dummheit ist ein viel größeres Problem als Corona. Auf allen Ebenen.