Tag Archive: Bitteres


Totenstarre

Als der von bürgerlicher Esoterik Verblendete zu ihm sagte, der Tod sei nur ein Übergang, ein Wechsel, eine Bewegung, ein Neuanfang, da hätte der Vorübergehende beinahe gefragt: „Wie gleichförmig, langweilg, reglos, repetitiv muss das Leben eines Menschen geworden sein, dass er sich eine Quatschreligion ausdenkt, in der er alle eigentlichen Attributes des Lebens dem Tode zuschreibt?“. Aber er hat es nicht gefragt, denn es wäre sowieso zu spät gekommen. Nachdenken und lernen können nur die Lebenden.

Raumfahrt

Wer will, dass sich die Menschen für die Raumfahrt, für das ewige und ereignislose Fallen durch ein leeres Schwarz, begeistern, muss die Erde unbewohnbar und den Alltag der Menschen öde machen.

Stellenleser

„Sie lesen Stellen, sie lesen nicht den Text“, sagte der Vorübergehende zum Zuträger der üblen Nachrede, „sie durchwühlen mit dem Computer megabyteweise den Text, bis sie ein geeignetes Triggerwort gefunden haben, um es schön als ‚Beweis‘ präsentieren zu können, damit es geglaubt werde. Sie reden von der Gerechtigkeit, aber ihr Tun ist voll des ungerechtesten und feigsten Rufmordes, und um den Mob auch ja gut zu steuern, legen sie gleich noch in Nachäffung geheimdienstlicher Tätigkeit ein kleines Dossier dazu, das im Wesentlichen einigen Google-Suchen entspricht, damit der Mob direkt reagieren kann und nicht erst umständlich suchen, lesen und bewerten muss, was vielleicht die Nachdenklicheren von dummen Taten abhalten würde. Das mit den Buchstaben, die Laute festhalten, haben sie wohl verstanden, aber das mit dem Sinn nicht. Deshalb können sie nicht lesen, und sind wie funktionale Analphabeten darauf zurückgeworfen, Stellen anstelle des Textes zu lesen — und bei alledem fühlen sie sich wie eine intelligente und wissende Elite, die eine übermenschlich wichtige Sache voranbringt, was der narzisstischen Pflege ihres Gewissens sehr entgegenkommt. Wenn sie sich doch nur einmal im Spiegel betrachten könnten, damit sie sehen, zu was sie geworden sind! Ich glaube, um diesen unerfreulichen Blick und diese Reflexion zu vermeiden, suchen sie nach immer abstruseren Sprachverbrechen bei anderen Menschen“.

Krisensicher

Ob Pandemie und marktkonforme Seuchenbekämpfung, oder ob die gemeinste Normalität der BRD dem Leben der Menschen ihren Stempel aufpresst: Die einzige Berufsgruppe, deren Berufstätige sich niemals Sorgen wegen der laufenden Entwicklung zu machen brauchen, sind die Psychiater.

Wohnungspolitik

Als der Zeitgenosse ihm sagte, dass er den Eindruck habe, die Mieten würden erstmals seit Jahren ein bisschen sinken, sagte der Vorübergehende: „Dann sieht es jetzt also so aus, als würde das Coronavirus durch erhöhte Sterbezahlen in den Städten eine wirksamere Wohnungspolitik betreiben als sämtliche politische Parteien der Bundesrepublik Deutschland in den letzten vierzig Jahren“.

Deckel

„Auf jeden Topf passt ein Deckel“, sagte der Vorübergehende etwas albern zum Traurigen, „spätestens, wenn es sich um die Urne handelt“.

Gewissen

„Er wird es noch zu etwas bringen“, sagte der Vorübergehende zum Zeitgenossen, als sie sich über einen Dritten mit großem politischen Engagement unterhielten, „er hat ja ein wirksames Gewissen, das aus einer inneren Stimme besteht, die ihn ständig davor warnt, sich erwischen zu lassen“.

101-Jährige schleicht sich aus Senoirenheim -- Um ihrer Tochter zum Geburtstag zu gratulieren, hat sich eine 101 Jahre alte Frau aus einem Braunschweiger Seniorenheim geschlichen. Sie habe dafür den Notausgang genommen, teilte die Polizei gestern mit. Gegenüber den Beamten bestritt sie zunächst, dass sie in dem Altenheim lebt. Im Gespräch mit der Tochter stellte sich aber heraus, dass sie dort seit zwei Wochen wohnt, ihre Tochter aber schmerzlich vermisst. Zumindest aus dem Streifenwagen heraus konnte die Seniorin ihre Tochter kurz sehen, bevor die Polizisten sie ins Heim zurückbrachten.

Wer in einen der diversen rechtsfreien Räume in der BRD kommt, die im Regelfall von den großen christlichen Kirchen der BRD errichtet wurden und die für obszön viel Geld des Staates und der staatlich vorgeschriebenen Zwangsversicherungen aufrechterhalten werden (ohne die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angemessen zu entlohnen), hat keine Menschenrechte mehr und ist reine Verfügungsmasse geworden. Das damit verbundene unmenschliche Unrecht wird von allen Behörden und Polizeien der BRD mit aller Gewalt unterstützt, es macht im Wirtschaftsfaschimus ja jeder nur seinen Dienst. Es ist gut, das zu wissen und immer ein wirksames Gift dabei zu haben. Lieber ein Ende in schmerz- und bewusstloser Atemdepression als ein bewusstes Erleben der finanziell äußerst lukrativen Entrechtung und Verwurstung.

Ich habe das schon mit acht Jahren als vollständig entrechteter Mensch in der christlichen Folterhölle eines ev.-luth. Kinderheimes gelernt. Andere lernen es leider erst, wenn sie alt sind und sich kaum noch helfen können.

Ausblick

Am Ende des Lichts ist noch eine ganze Menge Tunnel übrig.

Sprengstoff

Als er hörte, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un mit der Entwicklung neuer Atomwaffen drohe, sagte er mit leisem Seufzen: „So schade, dass man mit Lebensglück und Nahrungsmitteln keine Bomben bauen kann. Denn sonst wären die Bewohner Nordkoreas wohl immer satt und glücklich“.

Ein Woodstock für Trump-Anhänger

Tagesschau24 Livestream -- Eskalation in Washington -- Trump-Anhänger dringen ins Kapitol ein -- Dazu der Ticker mit den Breaking News: WikiLeaks-Gründer: Gericht in London lehnt Freilassung von Assange ab -- Dreikönigstreffen der FDP

Die Ohnmacht der Satire

Der Satire steht ein Recht auf Übertreibung zu, damit in ihrem Zerrspiegel die Doppelmoral, Lüge, Frechheit, Gier und Dummheit nur um so deutlicher werden, sehr zur Erheiterung aller, die diese Zustände in ihrem Alltag mittragen. Nach so viel lustvollem Lachen über alles, was einem das Leben auffrisst, kann man ja gleich damit weitermachen. Aber die Satire hat keine Kraft mehr, wenn ihr Gegenstand in bizarrer Verzerrung, grober Heuchelei, Selbstverherrlichung und völliger Schambefreiung gar nicht mehr übertreibbar ist, wie dies etwa bei der amtierenden Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel der Fall ist. Wo die Satire von ihrem Recht auf Übertreibung keinen Gebrauch mehr machen kann, steht nur noch die kulturell deutlich tieferstehende, würdelose und klare Worte nutzende Benennung und Beschimpfung der Zustände, ihrer Macher und ihrer Profiteure offen, eine Tätigkeit, die beim Schreiber, Sprecher, Leser und Hörer fühlbar weniger Lust, aber dafür leicht Verstörung und Unwillen auslöst, doch selbst darin immer noch ein wenig besser als die Mittäterschaft des Schweigens und Einfach-Weiterfunktionierens ist.

In diesem Sinne applaudiere ich im klatschendem Einklang mit der Bundesregierung und allen Landes-, Bezirks-, Regions- und Stadtregierungen, welche die laufende zweite Corona-Welle vorsätzlich und planvoll hervorgerufen haben, den vielen namenlosen und unterbezahlten Helden der Corona-Pandemie in der Bundesrepublik Deutschland. Freut euch über den Applaus und funktioniert einfach weiter! Und versucht nicht, eure Miete und euren Einkauf ebenfalls mit Applaus zu bezahlen!