Tag Archive: Bitteres


Gleichgültigkeit

Die so häufig gehörte Aussage „Mir ist die Überwachung egal, denn ich habe nichts zu verbergen“ ist in ihrem Kern gleichbedeutend mit der viel seltener gehörten Aussage „Mir ist das Grundrecht der Redefreiheit egal, denn ich habe nichts zu sagen“. Und genau so schafhaft, stumm und gleichgültig lassen die Menschen dann alles geschehen, hoffen darauf, dass das Schlimmste an ihnen vorübergeht und wollen hinterher von nichts gewusst haben.

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Der Mondtourist

Ich wünsche mir von ganzem Herzen und mit ganzem Gehirne, dass der gewiss schwerreiche Mensch — er wird sicherlich mehr Geld zur Verfügung haben, als er während seiner Lebensspanne ausgeben kann, aber er mag nichts davon verschenken, denn vom Schenken hat er es ja nicht — der in Kürze eine touristische Visite um den Erdmond herum machen wird, bei dieser Reise tödlich verunglückt.

Dieser Wunsch ist völlig frei von jedem Hass und wird auch nicht durch Neid angetrieben.

Deshalb soll es dabei auch gar nicht zu unnützem Leiden kommen. Wer immer dieser obszön reiche Mondtourist ist, er möge hoch hinaufsteigen und luzifergleich in die Nacht hinein leuchten, wenn sein Leib vaporisiert, noch bevor eine scheußliche Vorstellung wie die des Todes oder auch „nur“ des Schmerzes sein Gehirn erreicht. Ja, so lange er noch in der zerbrechlichen, künstlich nachgemachten Erdatmosphäre seines Raumfahrzeuges lebt, möge er sich über seine sicherlich nicht billige, aber aus seiner Sicht den Preis wohl werte Reise freuen.

Als eines der teuersten Feuerwerke der bisherigen Menschheitsgeschichte möge er zusammen mit den flüssigen und verdampfenden Metallteilchen seiner Raumkapsel kurz und unübersehbar das Firmament erleuchten, um grell und schrecklich in die Finsternis der Menschheit hineinzustrahlen und so gründlich vernichtst zu werden, dass die anschließende „Bestattung“ zur reinen Farce wird; da helfen dann auch nicht mehr die scharf gestellten Fernsehkameras für die voyeuristischen Massen in ihrem niederträchtigen Versuch, Tränen und Gefühle einzufangen.

Ein Signal soll es sein, kurz und lautlos und unübersehbar.

Ein Signal an alle anderen überaus reichen Menschen, die so viel mehr haben, als sie während ihrer beschränkten Lebenszeit sinnvoll ausgeben können.

Ein Signal, das ihnen unverdrängbar klarmacht, dass sie die Erde nicht so leicht verlassen können. Ein Signal, das ihnen aufzeigt, dass der Weg zu den Sternen gefahrvoller und schwieriger als jeder Weg auf der Erde ist, selbst, wenn man, anders als der größte Teil der Menschheit, über Geld nicht nachdenken muss. Ein Signal, das ihnen Zeugnis davon ablegt, dass ihr psychisches Paralleluniversum eine dumme, lulle und klebrige Illusion ist; dass es auch für sie keine zweite Erde gibt, für welche man die alte Erde wegwerfen kann, nachdem sie für einen Berg Geldes vollständig ausgebeutet, ausgelutscht und verbrannt wurde.

Ein Signal, dass sie so nicht unbegrenzt weitermachen können, weil sie im gleichen Boot wie der Rest der Menschen sitzen.

Nur, wenn dieses Signal durch ein gnädiges technisches Versagen oder vermittels einer weise vorgenommenen Sabotage gegeben wird und — der ebenfalls schwierig wie die leeren, schwarzen Weiten des Weltraumes überwindbaren psychopathischen Abwehr zum Trotze — bei den anderen, so überaus reichen Menschen ankommt, nur dann wird die Reise des ersten Mondtouristen sinnvoll für andere, wird sie zu mehr als etwas Content, mit dem Presseverleger Werbeplätze vermarkten und eine Fußnote in den künftigen Büchern, die Technik- und Raumfahrtgeschichte dokumentieren.

Nur, wenn jene wenigen Menschen, die den Großteil der Güter der Erde ihr Eigentum nennen und doch nicht mit einer gütigen Geste Armut und Elend so weit es Menschen möglich ist vom Antlitz der Erde verschwinden lassen, ohne dafür auch nur auf etwas verzichten zu müssen, sondern ihr Eigentum immer mehr zu mehren trachten, bemerken müssen, dass ihr zynisches, oft menschenverachtendes Monopoly-Spiel spätestens die Grenzen ihres Planeten als Grenze hat, eröffnet sich eine ganz leise Chance auf einen Wandel.

Auch, wenn diese Chance wahrscheinlich nicht ergriffen wird; auch, wenn der Nebel der Verdrängung und die Macht der Gewohnheit, diese beiden zivilisatorischen Feinde in der Psyche des Menschen, für ein schnelles Vergessen sorgt: Diese Chance ist immer noch mehr als das Nichts, das ein „Erfolg“ dieser „Mission“ für die Menschen auf der Erde bereithielte.

Und deshalb wünsche ich mir ein schreckliches, tödliches Unglück für einen anderen Menschen.

Ohne Neid auf diesen Menschen.

Ohne Hass gegen diesen Menschen.

Und eigentlich auch völlig ohne Hoffnung.

Die guten Schüler

Ich sehe ja immer wieder Schulkinder, die sich am schweren Ranzen einen krummen Rücken mit den schlechtesten Büchern der Welt (Schulbücher) schleppen, während sie das Wissen der Welt in ihrem ungleich trageleichteren Handy zur Verfügung hätten, aber nicht schulisch nutzen dürfen. Es war niemals die Aufgabe der allgemeinen, mit Staatsgewalt durchgesetzen Zwangsschule, Bildung zu vermitteln. Es war immer die Aufgabe der allgemeinen, mit Staatsgewalt durchgesetzten Zwangsschule, junge Menschen so weit persönlich zu zerbrechen und mit Fertigkeiten auszustatten, bis sie als würdelose Batterien für die betrieblichen Produktionsprozesse, als wirtschaftliches Verschleißmittel „Menschenmaterial“ einsetzbar sind, während gleichzeitig ihr Lernwille und ihr angeborenweise sehr aufgewecktes Interesse so vernichtset wird, dass sie bis zu ihrem Tod geradezu Angst vor dem Erwerb von Wissen empfinden. Deshalb ist die allgemeine, mit Staatsgewalt durchgesetzte Zwangsschule ja auch eine Errungenschaft der frühen Industrialisierung…

Es geht in der Schule nur um Menschenvernichtsung. Die Durchführung ist Aufgabe des Lehrers, dafür gibt es den Sold. Alles an dieser Institution legt Zeugnis davon ab, insbesondere ihre stets bestehende Rückständigkeit, ihre bemerkenswerte Individuumsverachtung und die Gewalt, die Kindern auf jeder Ebene, auch durch die Druckweitergabe des Mobbings untereinander, angetan wird, während sie der Leidens- und Zwangsgemeinschaft der Schule ausgeliefert sind.

Man muss sich Faschisten als gute Schüler vorstellen…

Artgerecht

Wenn nur halb so viele Menschen nach dem Anblick gewöhnlichen menschlichen Elends die „artgerechte Haltung“ von Menschen einforderten, wie sich stets bereit finden, nach dem Anblick gewöhnlichen tierischen Elends die „artgerechte Haltung“ von Tieren einzufordern, dann würde schon viel Unerträgliches in der gegenwärtigen Zivilisation zumindest geächtet und vielleicht bald reduziert. In der Liebe zum Tier spiegelt sich der Hass auf Menschen.

Zu spät

Für ein „Wehret den Anfängen“ ist es längst zu spät. Wehret dem Ende!

[…] nichts ist so flüchtig, wie das Interesse der Gerechten am Leid des anderen

Wir brauchen mehr Menschenschutzvereine

Vor einigen Tagen hat hier in Hannover ein Hund seine beiden Halter totgebissen, zwei Menschen, um die sich offenbar seit vielen Jahren kein anderer Mensch gekümmert hat (wenn man einmal von der gehetzten, überarbeiteten Krankenpflegerin absieht) und die in ihrem körperlichen Zerfall, ihrem Elend und ihrem scheibchenweisen Verrecken allein gelassen wurden. Doch jetzt. Soll der Hund, der die beiden totgebissen hat, am morgigen Montag getötet werden. Und wie aus dem Nichts gibt es auf einmal einen Tierschutzverein, der sich für den Hund einsetzt, damit er ja am Leben bleibe und alles ist voller tierliebestoller Aktivisten, die eine Tötung des Hundes verhindern wollen.

Das schmerzhafte, sich über Jahre erstreckende Elend von Menschen ist gleichgültig und kann ignoriert und an die professionelle — also profitorientierte — „Behandlung“ delegiert werden. Der schmerzlose und schnelle Tod eines Hundes ist ungerecht, fürchterlich und muss um jeden Preis verhindert werden. Die Tierliebe ist eine Maske des Menschenhasses und trägt unter der warmen Zuneigung zum befellten Mitlebewesen gern eiskalt faschistoide Züge. Was benötigt wird, sind Menschenschutzvereine — und ein Wesenstest für „Tierfreunde“.

Langes Leben

Die Psyche der Menschen wünscht sich ein langes Leben, weil sie sich davon träumt, dass es die Zeit der Jugend verlängert, aber was ihr Körper in der Erfüllung dieses Wunsches bekommt, ist eine Verlängerung der Schmerzen, Kraftlosigkeit und Fremdbestimmung in der Zeit des Alters — neben der in die Länge gezogenen, sehr lukrativen Körpererwertung im Pflegebetrieb.

Zum Jahresschluss

Blindhirnig, mit tollwütiger, geifernder Psyche, geht die Menschheit in eine neue Zeit und reproduziert mit neuen Möglichkeiten doch nur das Alte und das Uralte.

Die Unsterblichen

Vieler Menschen Tod ist nur die Fortsetzung ihres Lebens mit anderen Mitteln.

Politik

Politik ist das, was dein Leben ruiniert.

Deutsche Kultur

Bei der ungeheuren Beschleunigung des Lebens werden Geist und Auge an ein halbes und falsches Sehen und Urteilen gewöhnt

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

„Dein Bach, dein Goethe, dein Schiller, dein Leibniz, dein Schopenhauer, dein Nietzsche“, sagte der Vorübergehende zu seinem nur scheinbar intellektuellen, völlig verblendeten Zeitgenossen, der gerade im Begriffe war, sich in Rage zu reden, „sie sind nicht die deutsche Kultur. Sie spielen für das Leben der Menschen in Deutschland im Alltag keine Rolle mehr, wenn man einmal von ihrer institutionellen Verherrlichung in Schulbetrieb und Bildungsbürgertum absieht. Sie sind längst deutsche Geschichte. Die deutsche Kultur besteht in RTL; Fußball; Industriemusik vom volkstümlich klingenden Schlager bis hin zu Helene Fischer; unwidersprochenen und dreisten Politikerlügen vor jeder so genannten Wahl; halbiertem Halbwissen aus schlechten, emotional-manipulativen TV-Dokumentationen; als Talkshow verkleideter Politik-Spam zur medialen Unterstützung der völligen Entpolitisierung der Bevölkerung; alles durch- und zersetzender Korruption; ’sauberen‘ Dieselmotoren; Hauptstadtflughäfen und anderen Prunkbauten zur Selbstverherrlichung einer peinlichen poltischen Klasse, die als baufrische Ruinen in die wehrlose Landschaft klagen; der Verarmung, teilweisen Verelendung und Verdummung großer Teile der Bevölkerung; einer namenlosen und vielgestaltigen Angst davor, etwas an diesen beklagenswerten Zuständen zu ändern und schließlich in einer rein psychisch bleibenden Angstabwehr durch Verdrängung und der direkt daraus ersprießenden intellektuellen Selbsteinlullung und rückwärtsgewandten Verherrlichung des wieder herbeigesehnten, längst Vergangenen — eine deprimierende Ersatzbefriedigung für die eigentliche, längst mit kollektiver Kapitulation begrüßte Anforderung, das Seiende und Werdende in möglichst eträglicher Weise zu gestalten“.