Tag Archive: Bitteres


Träume

Die Schlafenden sehen tote Menschen in den Träumen, die Wachen sehen tote Träume in den Menschen.

Gravitationswellen gemessen

Wie schön es doch wäre, wenn die 20:00-Uhr-Tagesschau jeden Tag mit einer dreiminütigen Meldung aus der physikalischen Grundlagenforschung begönne¹, bevor der politischen und wirtschaftlichen Barbarei der Jetztzeit im pseudosachlichem Ton der Pressepropaganda ihr täglicher, breiter und letztlich völlig unwidersprochener Raum gegeben wird! Dann könnte man wenigstens drei Minuten davon ertragen, bevor der Hirnbeiz begönne…

¹Ja, es gäbe vermutlich jeden Tag eine Meldung, denn Forscher forschen.

Weihnachtlich

„Alles ist so weihnachtlich geworden“, sagte der zynische Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „und an den Außengrenzen Europas haben sie jetzt sicher auch den NATO-Stacheldraht mit gleißen Lichterketten umwunden, um sich des Lichtes der Liebe zu entsinnen, das in die Welt gekommen ist. Man kann schon ahnen, dass die Armeen Europas bald schon ein großes Feuerwerk anrichten werden“.

Kind, da ist dein Platz!

Ein Sitzplatz für Kinder in einem Supermarkt, vor einem Bildschirm-Kinderunterhaltungsgerät mit deutlich sichtbarer Werbung des Geldspielgeräte-Herstellers Gauselmann drauf

Ideal für Eltern, die folgendermaßen reden: Kind, da ist dein Platz! Also hör schon auf zu quengeln, während ich im überfüllten Laden die Einkäufe für das schöne, gemütliche Weihnachtsfest mache! Und lern schön, dass die Sonne, die du auch auf den Geldspielgeräten von Gauselmann siehst, Spaß, Freude und etwas totgeschlagene Langeweile bedeutet, denn da lernst du fürs Leben!

Gesehen in einem Edeka-Markt in Hannover

Bereitwilliges Ladekabel

Als der Vorübergehende sah, wie sein Zeitgenosse das Ladekabel in sein Wischofon¹ steckte, sagte er nur: „Wenn das der Erich Mielke noch erlebt hätte, dass die Menschen ihre Wanzen selbst aufladen und den Strom dafür selbst zahlen“…

¹Wischofon ist mein Wort für das Reklamewort „Smartphone“.

Zwanzig Jahre später

Der Vorübergehende sagte: „Inzwischen bin ich zu kraftlos, um noch etwas aufzubauen, zu wissend, um noch jemanden zu trösten und zu einsam, um noch etwas anderes als zynisch sein zu können“.

Denkspiegel

Als die Zeitgenossin zum Vorübergehenden von ganz normaler Angst erfüllt „Was sollen denn die Leute denken?“ sagte, antwortete der Vorübergehende mit einer einzigen Frage: „Und was ändert der Gedanke eines anderen Menschen daran, was du bist, träumst, denkst und möchtest?“, und er setzte fort: „Was dir Angst macht, ist niemals das für dich völlig bedeutungslose Denken anderer Menschen, sondern die Möglichkeit ihrer Gewalt, mit der sie dich behandeln könnten, wenn sie deine Lebendigkeit bemerkten. Deshalb verkriechst du dich lieber. Wer abweicht, wird bestraft. So ist das nun einmal in einer faschistoiden Gesellschaft“.

Krebsreligion

Der unbedingte, allformgebende, niemals angezweifelte Glaube an immerwährendes Wachstum (selbst noch auf begrenztem Raume) ist die Religion einer Krebszelle — und das Fundament gegenwärtiger Politik. Die Entwicklung von Gesellschaften, deren herrschende und besitzende Klasse diese Religion übernommen hat, ist folglich keine Überraschung — vor allem, wenn es keine Immunantwort des Volkskörpers¹ mehr gibt, wenn diese amoklaufende Krankheit nicht unter beherztem Einsatz von Galgen und Guillotinen wie ein Eiter ausgeschieden wird, sondern zur allgemeinen, alternativlosen Religion für jeden wird; ja, wenn stattdessen die Gesunden wie eine Krankheit ausgeschieden werden, so bald sich ihr Widerstand auch nur im Kleinsten regt, weil hoffnungslos Gläubige glauben, damit eine Krankheit zu bekämpfen und wenn eine alles durchwaltende Überwachung den Widerstand noch im Kleinsten und Privatesten erkennt, durchleuchtet, brandmarkt, polizeilich abschaltbar macht, kann der Verlauf dieser gesellschaftlichen Erkrankung, dieses Weltkrebses, leicht vorhergesagt werden und ist für die gesamte davon betroffene Menschheit ausgesprochen betrüblich.

¹Wer als erster „Nazi“ schreit, hat gewonnen!

Spielend aufs Leben vorbereiten

Kinderspielzeug auf einen Hinterhof

Drei Dinge sinds, drei „Errungenschaften“ unserer „Kultur“, auf die Kinder schon spielerisch vorbereitet werden müssen: Das Auto; das kraftfressende Sportgerät, mit dem man sich in seiner „Freizeit“ auf unnötig anstrengende und ineffiziente Weise bewegt und natürlich der Einkaufswagen…

Bildung 2.0 im Smartzeitalter

Es gibt immer mehr und auch leider immer mehr einflussreiche Menschen, die glauben, dass Word, Excel und Powerpoint als „Bildung“ völlig ausreichend sind und dass sich der gesamte „Informatikunterricht“ an der Schule deshalb auf die Bedienung dieser drei Anwendungen beschränken sollte. Weil Word alle Rechtschreibfehler korrigiert, Excel alles Wichtige ausrechnen kann und Powerpoint dann die anderen Menschen mit effektvoll aufbereiteten dürren Fakten und Argumenten verblenden kann.

Der stolze Sünder

Der Vorübergehende hörte im Vorübergehen den Ton der Gedenkveranstaltungen zur Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager, er hörte, wie mit gedämpfter Stimme und langsamer Sprache die Einzigartigkeit und Unermesslichkeit der deutschen Schuld über die Asche der Toten hinweg in den wehrlosen Äther proklamiert wurde, und er dachte sich nur in stiller, hilfloser Wut: „Mitglieder der deutschen classe politique und ihre Anhänger und Speichellecker sind immer noch stolz wie Luzifer und ziehen sich angesichts verlorener Kriege und gescheiterter Politik gern darauf zurück, was für eine großartige, einmalige, in ihrer Unmenschlichkeit übermenschliche Leistung doch der Holocaust gewesen ist, den uns keiner nachmacht. Nur um ihren darbenden, kindischen Narzissmus daran zu mästen, mit der ganzen fressenden Kälte der Psyche zu mästen, während sie in lächerlichem Theater dem Bewusstsein Reue und Einsicht vorspielen“.

Mit Gruß an Frank-Walter Steinmeier (SPD)

Arbeitsteilung

„Das ist Arbeitsteilung“, sagte der Vorübergehende, „Für die Empathie sind in Deutschland die Hunde zuständig, das wollen die Menschen nicht auch noch leisten“.

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