Archive for April, 2021


Der Gewähltere

Ja, Recep Tayyip Erdoğan ist ein Autokrat und brutaler Antidemokrat hart an der Grenze zum Diktator, aber er ist in alledem immer noch viel gewählter als diese Ursula von der Leyen.

Arbeitsplätze

„Sie reden immer von den Arbeitsplätzen, die so wichtig sind, aber sie reden niemals von den Menschen, die dort die Arbeit machen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „und ganz genau so sieht ihre Politik auch aus“.

Der Cargokult des Journalismus

Journalisten lassen immer häufiger Hashtags in ihre Texte drucken, ganz genau so, wie vortechnische Menschen, die einmal Errungenschaften, Erfolgen und Annehmlichkeiten technisierter Zivilisationen begegneten, in einigen Fällen das Verhalten der technisiert zivilisierten Menschen in einem absurden Cargokult nachäfften, ohne dabei etwas von der Technik zu verstehen. Nichts könnte die abgehängt-rückständige Parallelwelthaftigkeit des derzeitigen Journalismus und vieler Journalisten besser dokumentieren als die dumme und primitive Magie solcher gedruckten Hashtags.

Relative Genießbarkeit

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Wenn man dir ein Glas Schlamm zum Trinken hinstellt, findest du das Brackwasser gleich genießbarer, und wenn du Gestalten wie Merz, Laschet, Scholz, Spahn, Scheuer und Söder siehst, kommt dir Frau Merkel auch nicht mehr so schlimm vor. Aber glaub mir, auch vom kleineren Übel wirst du kotzen müssen“.

Verbrauchsgut

Der contentindustriell-massenmedial synchronisierte Zeitgeist hat einen hohen Verbrauch an Wörtern und jedes von ihnen blinkt aufdringlich mit seiner Neuigkeit, doch die Zustände bleiben währenddessen ermüdend gleich.

Worte wie Nutten

Kanone — Der Journalist nennt sein das Produkt seines täglichen Tuns ein Sturmgeschütz der Demokratie, aber in Wirklichkeit ist es eine Gulaschkanone Merkels.

Blickwinkel — „Die Bösen“ denken regelmäßig, dass sie selbst „die Guten“ sind. Selbstbild ist trügerisch.

Unverständnis — „Ich verstehe gar nicht, wie mich diese unterfickten Schabracken für einen Sexisten halten können“, sagte der Sexist.

Jetzt rede ich! — Wer die Redefreiheit dafür in Anspruch nimmt, den Sprechenden mit Lärmen zu übertönen, um ihn zum Schweigen zu bringen, ist ein Feind der Redefreiheit. Das gleiche gilt für den, der zwar leiser ist, aber sich jahrelang darin geübt hat, minutenlang gar nichts zu sagen. Erstere demonstrieren gern, letztere sind jene, gegen die demonstriert wird.

Juristen und Politiker — Sie hocken jahrzehntelang gut alimentiert auf ihren bequemen Stühlen und machen ihre Sicht zum Maß aller Dinge.

Eheliche Pflicht — Wir brauchen mehr Kinder im Land. Da muss man sich zum Sex zwingen. Man kann dabei ja an etwas Schönes denken.

Pferd — Das tote Pferd hat nichts davon, wenn der Reiter absteigt. Nur der Reiter, der wieder vorwärts kommt. Wo tote Pferde geritten werden, hält man die Pferde für wichtiger als den Reiter.

Sehet und schmecket! — Die christliche Liturgie ist so etwas wie ein Bullshitbingo für Rentner.

Der Weg — Verlaufen kann man sich oft, ankommen nur einmal.

Nach Corona — Nach langem, völlig planlosen Verlauf werden sie endlich sagen: „Es verlief alles wie geplant und wir haben eine gute Arbeit gemacht“. Und Journalisten werden es, meinungsstark und merkbefreit, wie sie nun einmal sind, für die Wahrheit halten, als Wahrheit in den journalistischen Produkten vermelden, und jeder, der widerspricht, verbreitet Fake News.

Keine Mangelware — Die Welt ist voller Menschen, die ganz genau wissen, wie andere Menschen zu leben haben.

Qualitätsmerkmal

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen, der auf ein Spiegel-Magazin deutete: „Ja, das sind Qualitätsjournalisten. Und zwar mit Journalistenqualität“.

Das „zurück zur Normalität“, das von Gegnern der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung eingefordert wird, ist eine völlig unreflektiete Forderung, in der sich allerdings eine Tatsache sehr deutlich widerspiegelt: „Normalität“ ist ein Durchschnittswert des Verhaltens, mehr nicht. Und so wandelbar ist die „Normalität“ auch. Unter den Bedingungen der Coronaseuche ist es zum Glück normal geworden, dass die meisten Menschen ein hoffentlich vernünftiges und wirksames persönliches Risikomanagement betreiben, um ihr individuelles Risiko zu senken; und es ist auch normal, dass sie Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen, damit diese als mögliche Seuchenherde andere weder der Gefahr noch der Furcht vor einer Infektion aussetzen. Nur völlig asoziale Menschen, viele von ihnen mit einem bereits sichtbar werdenden Alkoholproblem, entziehen sich dieser Normalität. Wenn es die Coronaseuche nicht gäbe, wären die Vorkehrungen des persönlichen Risikomanagemens und der angemessenen Rücksichtnahme nicht nötig. Die Forderung nach „Normalität“ ist in Wirklichkeit eine Forderung des dummen, psychischen und antizivilisatorischen Bedürfnisses nach einer zügellosen Rücksichtslosigkeit, und genau so sehen die von Polizeien ungewöhnlich weich behätschelten Demonstrationen dieser Forderer auch aus. Noch in der Behätschelung dieser Fordernden durch die Polizei — die im Kontext von mit Wasserwerfern ausgeschossenen Augen bei friedlichen S21-Gegendemonstranten wie eine Liebeserklärung anmutet — zeigt sich ein Spiegelbild. In dieser ungewöhnlichen Milde der unmittelbar und sonst auch recht grob die Herrschaftsgewalt ausübenden Beamten spiegelt sich, dass die Forderung der Demonstranten nach unendlicher Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit ganz genau der Grundpfeiler jener notdürftig verlarvten rücksichtslosen Gier ist, die als so genannter „Kapitalismus“ nach Auffassung der Herrschenden und Besitzenden das gesamte Miteinander der Menschen durchwalten soll und die sich ebenfalls in der praktisch wirkungslosen und manifest irrsinnigen „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ von Politik und Verwaltung widerspiegelt.

Es ist „anwenderfreundlich“ geworden…

Früher gab es auch Idioten, aber ohne das Internet wussten die nichts voneinander.

Erwin Pelzig

Mal weg von der Erde

Weltraumtourismus ist der bisherige Gipfel der spätkapitalistischen Dekadenz.

Politische Schwarmintelligenz

Jeder politische Ausschuss und jede Kommission kann und wird Beschlüsse fassen, die deutlich dümmer als die Summe der Dummheit seiner Mitglieder sind.