Tag Archive: Journalismus


Im 21. Jahrhundert

Ich denke, also bin ich… hier falsch.

Die Wurzel der blühenden Blödheit

Nach der Dummheit der meisten Mitmenschen gefragt, antwortete der Vorübergehende: „Die meisten Mitmenschen lassen ihre Sinne von Journalisten auslenken, aber Wissen, Einsicht und Intelligenz spielen im Journalismus keine Rolle. Jeder dahergelaufene bezahlte Fußballspieler mit seinem abgrundtief inhaltsleeren Tun und Reden nimmt in den journalistischen Machwerken im Rundfunk, Druck und Internet mehr Raum ein als ein Nobelpreisträger. Der Niedergang der denkenden Menschheit mit allen seinen unerfreulichen Folgen ist direkt vom contentindustriellen Journalismus herbeigeführt worden — immer in dem Bewusstsein, dass Dummheit ein besseres Umfeld für die Vermarktung von Reklameplätzen ist“.

Glaubwürdigkeit

Mit jeder einzelnen unwahren und psychomanipulativen Reklame, die als eigentlicher Geschäftszweck der contentindustriellen Machwerke mit dem Journalismus zusammengebunden wird, verliert dieser Journalismus ein bisschen mehr an Glaubwürdigkeit. Und mit jeder javascriptmissbräuchlichen Vorschaltseiten-Nötigung, den Adblocker abzuschalten, um die contentindustrielle Website lesen zu können, schärft sich der Blick des Lesers auf den eigentlichen Geschäftszweck der contentindustriellen Machwerke, was diesen Abrieb sehr beschleunigt.

Journalisten sind diejenigen Menschen, die ihre Leser und Zuschauer vor den gefährlichen fake news warnen, dabei neben den industriell erstellten fake news der Werber stehen und wegen ihrer Betriebsdummheit gar nicht mehr bemerken, wo sie stehen. Kein Wunder, dass angesichts dieses Anblickes viele Menschen nur noch Spott und Verachtung für so viel Dummheit übrig haben.

Gezwitscher

Nachdem Journalisten aus Presse und Glotze in ihrem Bildhunger immer häufiger dazu übergingen, Twitter-Kürzsttexte als Beleg dafür, wie das Internet über eine Sache denkt in ihren contentindustriellen Machwerken zu präsentieren, fingen die Twitter-Nutzer damit an, sich für die Stimme der Mehrheit des Internets, ja, der gesamten Bevölkerung zu halten. Die manifeste Dummheit, die sich jeden Tag auf Twitter zeigt, ist ein Spiegelbild der Dummheit des Journalismus.

Nawalny

Die gleichen Leute, die sich mit soviel eigens dafür aufgesetzter Überzeugung für Alexej Nawalny einsetzen, schweigen über die jahrelange Folter von Julian Assange. Sie wollen keine Freiheit für alle aus politischen Gründen inhaftierten Menschen, sondern sie wollen nur die Freiheit für die aus politischen Gründen inhaftierten Menschen anderer Staaten. Was diesen tief staatsfromm Überzeugten jene „Pressefreiheit“ bedeutet, die sie bei im Zuge ihrer Lügen in obszönen Worten abfeiern, kann man am Spiegelbild des Zerfalls von Julian Assange erkennen, der seit Jahren medial und politisch vergessen gemacht werden soll, damit er um so grober behandelt werden kann.

Möge das Zeitalter des contentindustriellen Journalismus, der sich, so lange ich denken kann, immer in den Dienst jeder bösen, mörderischen und niederträchtigen Sache gestellt hat, möglichst schnell zu Ende gehen; mögen alle seine Diener und Profiteure in Armut und Verachtung fallen!

Der Cargokult des Journalismus

Journalisten lassen immer häufiger Hashtags in ihre Texte drucken, ganz genau so, wie vortechnische Menschen, die einmal Errungenschaften, Erfolgen und Annehmlichkeiten technisierter Zivilisationen begegneten, in einigen Fällen das Verhalten der technisiert zivilisierten Menschen in einem absurden Cargokult nachäfften, ohne dabei etwas von der Technik zu verstehen. Nichts könnte die abgehängt-rückständige Parallelwelthaftigkeit des derzeitigen Journalismus und vieler Journalisten besser dokumentieren als die dumme und primitive Magie solcher gedruckten Hashtags.

Fälschung und Fälschung

Wer dem contentindustriellen Journalismus ernsthaft etwas entgegensetzen will, statt ihn einfach ersatzlos absterben und bedeutungslos werden zu lassen, sollte dabei nicht versuchen, Form und Kälte des contentindustriellen Journalismus zu imitieren und um jeden Preis vermeiden, unter Umgehung jeder Analyse und jedes Bewusstseins zum bloßen Spiegelbild des contentindustriellen Journalismus zu werden, sondern etwas spür- und belegbar Besseres produzieren — denn wer würde bei der Wahl zwischen Original und Imitat nicht das Original bevorzugen!

Community-Richtlinien

Es gibt in social media keine „Community-Richtlinien“ in dem Sinne, dass sich die Gemeinschaft selbst Richtlinien gegeben hätte, anhand derer sie ihr Miteinander gestaltet. Das Wort ist eine hirnfickerische Lüge, die leider viel zu oft wiederholt wird, als sei sie wahr. Es sind „Richtlinien“ eines digitalen Gutsherren, der nach Gutsherrenart entscheidet und je nach Bedarf oder geschäftlichen Möglichkeiten sein selbst gesetztes Gesetz beliebig anpassen darf, was die „Community“ nur abnicken kann. Oder etwas einfacher: Es ist „gutes altes“ Hausrecht. Dass der digitale Gutsherr sich hinstellt und faselt, als sei dieses Hausrecht aus der „Community“ entstanden und seine eigene Herrschaft so indirekt mit einem „Willen der Community“ begründet, ist nichts als eine dumme propagandistische Metapher für autokratische Tyrannei, und dass dieses fundamentalfalsche Wort „Community-Richtlinien“ von so vielen Menschen (und vor allem: so vielen Journalisten) unreflektiert übernommen wird, ist ein Spiegelbild der Unterordnung unter die Herrschaft eines Tyrannen. Nichts ist so antidemokratisch und antisozial wie social media.

Der Gell-Mann-Amnesie-Effekt

Kurz gesagt, der Gell-Mann-Amnesie-Effekt ist der folgende: Sie schlagen die Zeitung auf und lesen einen Artikel über ein Thema, in dem sie sich gut auskennen. In Murrays Fall ist es Physik. In meinem Fall ist es das Showbusiness. Sie lesen den Artikel und stellen fest, dass der Journalist überhaupt kein Verständnis der Fakten oder der Thematik hat. Oft ist der Artikel dermaßen falsch, dass er in Wirklichkeit die Geschichte rückwärts darstellt, indem er Ursache und Wirkung umkehrt. Ich spreche von den „Nasse- Straßen-verursachen-Regen-Geschichten“. Eine Zeitung ist voll von davon.

Wie es auch sei, man liest verärgert oder belustigt die vielen Fehler in einer Geschichte, und dann blättert man den zu nationalen oder internationalen Angelegenheiten und liest, als ob die restliche Zeitung irgendwie genauer über Palästina wäre als in dem dummen Unfug, den man gerade gelesen hat. Man blättert auf eine andere Seite um und vergisst, was man weiß.

Michael Crichton

Danke, T. und hackbyte, für den Hinweis! Genau so geht es mir fast jedes Mal, wenn Journalisten über ein Computerthema berichten, und ich habe daraus immer geschlossen, dass der Rest der Meldungen nicht gründlicher produziert werden wird. Ich gehe allerdings nicht von Dummheit, sondern häufig auch von vorsätzlicher Fehlinformation der Journalismusgenießer aus.

Immer das gleiche Spiel

Es gibt so viele Politiker, die in einer Krise presse- und fernsehwirksam den starken Mann spielen wollen; aber so wenige Politiker, die zur Abwechslung einmal in einer Krise den klugen Mann spielen wollen. Und jene, die schon vor der Krise den klugen Mann spielen wollen, lassen sich ebensowenig finden, wie sich die Journalisten finden lassen, die anlasslose Intelligenz als den genau den Wert hinstellen, der sie ist. Klugheit und Voraussicht sind nun einmal nicht so toller Content, wenn man möglichst viele Menschen zu den vermarkteten Werbeplätzen ziehen muss, weil genau das nun einmal die Tätigkeit ist, für die ein Journalist bezahlt wird.

Chatbot

Die vom journalistisch-politischen Komplex nahezu allgegenwärtig gemachten Mitglieder der Classe politique der Bundesrepublik Deutschland wirken wie Chatbots, die jede Eingabe ohne semantische Analyse nach Schlüsselreizen und Schlüsselwörtern durchsuchen, um dann ihre Antwort aus ihrer gesammelten Schatztruhe generischer Phrasen ohne belastbaren Inhalt oder ertastbare Substanz zu geben, je nach Thema gern auch mit einigen Spritzern Pathos dekoriert. Wenn diese Menschen die Sprache überhaupt zur Mitteilung von Ideen und Plänen verwenden können, dann scheinen sie es vor allem untereinander zu tun, in parlamentarischen und lobbyistischen Dunkelkammern, die der Öffentlichkeit entzogen sind. Die Intelligenz der Bevölkerung verachten sie. Und Angela Merkel ist die Meisterin dieser hässlichen Kunst. Sie kann zehn Minuten lang flüssig wohlgefällig-hohle Worte aus ihrem Munde strömen lassen, ohne dabei etwas zu sagen — nur für längere Reden bedarf sie eines Manuskriptes, weil ihr aktiver Phrasenschatz begrenzt ist. Deshalb ist sie hier auch Bundeskanzlerin geworden und wurde immer und immer wieder gewählt; gewählt von Menschen, die eine starke Sedierung und eine völlige Vermeidung jeglicher Gehirntätigkeit mit Frieden und Harmonie verwechseln. Jene Menschen aber, die sich bei dieser infantilen Behandlung durch Politik und Journalismus verschaukelt und beleidigt fühlen, werden fragwürdigen Populisten zugetrieben.

Die Sicht

Dass Menschen bei einer politischen Wahl eine aus ihrer Sicht und Lebenssituation völlig rationale und keineswegs „dumme“ Entscheidung treffen könnten, die nicht mit der Sicht eines Journalisten übereinstimmt, scheint im verfestigtem, radikalen Weltbild vieler Journalisten unvorstellbar zu sein.