Tag Archive: Journalismus


Erfolgreiche Selbstemanzipation

Die Politik und der Journalismus sind voller Menschen, die sich so sehr von sich selbst emanzipiert haben, dass sie sich bei ihren dummen Untaten, intelligenzverachtenden Lügen und halbseidenen Machenschaften nicht mehr schämen müssen, sondern ganz allgemein und persönlich völlig unverbindlich über die Schwäche der menschlichen Natur klagen können — ohne die geringste Dämpfung ihres grenzenlosen Narzissmus.

Angenehm

Wie angenehm für eine Regierung ist doch der Journalist, der die Äußerungen seiner Regierung einfach nur abschreibt, statt sie zu hinterfragen, sie mit der Wirklichkeit zu vergleichen und die meist dahinter stehenden Einseitigkeiten, wenn nicht gar dreisten Lügen aufzudecken. So ein Journalist hat überall Pressefreiheit. Der muss gar nicht eigens in die BRD kommen, um Journalist zu sein, der fühlt sich auch in Nordkorea, Saudi-Arabien, China oder der Türkei wohl und freut sich auch dort über die reichen Ehrungen seiner Journalistenehre und den staatlichen Schutz seiner Arbeit. Er geht nur leider nicht dorthin. 😦

Aber was so ein Journalist von seinen Lesern denken muss, dass er auch noch glaubt, diese würden ihm ein schönes Leben als Regierungs- und Wirtschaftssprechpuppe finanzieren, das ist und bleibt ein unergründlicher Abgrund der journalistischen Intelligenz.

Ein Jahr „gilets jaunes“

Der Vorübergehende sagte zu Mitmensch Pressegläubig: „Jetzt, in diesen Tagen, werden die immer noch laufenden Proteste der ‚Gelbwesten‘ in Frankreich ein ganzes Jahr alt, aber dein Journalist erzählt dir lieber in bunten Bildern einen vom Fußball, Hoeneß, Brexit, Johnson und Trump, während die gesamte Gesellschaft eines Nachbarstaates der BRD und EU-Kernlandes lichterloh in Flammen steht. Wenn du denen nachläufst, die dich dumm halten, kannst du dich darauf verlassen, dass du dumm, manipulierbar, entpolitisiert wirst. Vermutlich wirst du hinterher sagen, dass du von alledem nichts gewusst hast“.

Pawlowsche Contentindustrie

[…] indem man sich das Thema aufdrängen lässt, ist man dem Spin schon verfallen

Ein Aussage, die sich jeder Journalist ständig vor Augen halten sollte, wenn er etwas anderes sein möchte als ein Werbeplatzvermarkter an einem dummen Emotionskochtopf.

Der Wert der Werte

„Wenn die ARD-Tagesschau in Format, Tonfall und Darbietung einer echten Nachricht darüber berichtet, welche Folgen die oft sehr gedankenlosen bis dummen Tweets von Präsident Donald Trump für die Kurse an der Börse haben„, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann weißt du genau, welchen Wert die dort gehandelten Werte in Wirklichkeit haben: Den kalten, dummen und schwankenden Wert der Hoffnung, der Gier, der Psyche. Und die Berichte von diesem psychischen Zirkus, angereichert um bedeutungsleere Kennzahlen und wortreiche Gerüchterstattung, verkaufen dir die Journalisten nun schon seit über zwei Jahrzehnten als Essenz des menschlichen Wirtschaftens“.

Nazis

Journalisten sind die Menschen, die den anderen Menschen erzählen, dass „Nazis“ — je nach Anschein der Sachlichkeit auch als „Neonazis“, „Rechtsradikale“, „Reichsbürger“ oder „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet — alle diejenigen Menschen seien, die die journalistische Berichterstattung für falsch, einseitig, manipulativ und propagandistisch statt wie gewünscht für objektiv und faktentreu halten. Das einzige Mittel, diesem ständigen, auch unterschwellig verabreichtem journalistischen Nazivorwurf zu entkommen, ist blinder Glaube und gläubige Gefolgschaft für alles, was der Journalist jeden Tag erzählt und fordert. Und. Die ständige Verdrängung der Tatsache, wie totalitär und quasifaschistisch dieser blinde Glaube und diese gläubige Gefolgschaft im Grunde sind.

Das Tabuwort in Presse und Glotze

Es gibt in der deutschsprachigen Presse und im deutschsprachigen Rundfunk ein Tabuwort, das beinahe niemals von Journalisten in den Mund genommen wird, um Taten damit zu benennen, und zwar das Wort „Rassismus“ oder das davon abgeleitete Adjektiv „rassistisch“. Nachdem die Journalisten jahrelang von „Fremdenfeindlichkeit“ und „fremdenfeindlichen Angriffen“ sprachen, wenn sich einmal nicht der „Antisemitismus“ gegen die verbliebenen Juden in Deutschland richtete, nur, um den tabuisierten Rassismus besser in ihrer Berichterstattung verstecken zu können, gehen sie jetzt dazu über, noch eine ganze Größenordnung irreführender von „Hassverbrechen“ zu sprechen, als ob der Hass das Verbrechen wäre und nicht das Verbrechen. Die Frage, ob es sich dabei um dumme Propaganda oder um einen kindischen Abwehrzauber durch Wegschauen und Verschweigen handelt, ist schwierig zu beantworten.

Die Zerstörung des Journalismus

Ich verspreche es, ja, ich gebe sogar mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort: Dies ist meine letzte kommentarhafte Anmerkung zu Rezo, und auch meine längste.

Eigentlich sollte es zu den vornehmsten Aufgaben eines Journalisten gehören, im Vorfeld einer Wahl ins Archiv zu schauen und eine Bewertung der bisherigen politischen Arbeit von Politikern und Parteien im Lichte der aktuellen Wahlversprechungen, Wahlversprecher, Wahlprogramme und sonstigen Reklamelügen vorzunehmen, damit jeder Mensch dazu ermächtigt wird, eine vernünftige und kluge Wahlentscheidung zu treffen.

Diese Aufgabe wird von Journalisten und journalistischen Produkten durchgehend nicht mehr angegangen. Stattdessen setzen diese mit der ganzen Kälte und Dummheit der Psyche die politische Reklame durch weitere Emotionaliserung und Deintellektualisierung fort, bis hin zur politisch vollständig irrelevanten und selbstverständlich menschlich niemals ehrlich beantworteten Frage „Wie fühlen sie sich?“ im Interview.

Die immer weiter und gefährlicher um sich greifende Neigung zur Irrationalität, Faktenflucht, Entintellektualisierung und Kurzsichtigkeit in der Politik ist die direkte Folge einer journalistischen Tagespraxis, die aus der Einsicht heraus, dass ihr eigentliches Geschäft die Vermarktung von Reklameplätzen ist, selbst schon seit Jahrzehnten Ton, Stil, Dummheit, Methodik und psychische Manipulation der Reklame auf- und angenommen hat, um die für das eigentliche Geschäft zentralen Reklameplätze um so besser und nahtloser einbinden zu können (und sich zugleich darüber verwundert und verbittert, dass niemand mehr für diese wie Reklame aussehende, kollektive contentindustrielle Leistungsverweigerung bezahlen will). Dies wird ergänzt um einen Strom der „Breaking News“, der alles Geschehene im Strom des aufgeregten Noch-Neueren mit sich ins Vergessen fortreißt, damit es keine Spuren und Erfahrungen bei Lesern und Zuschauern hinterlasse — bei einem rein psychischen Eindruck des Informiert-Seins, versteht sich.

Wenn ein junger und betont jugendlich aussehender YouTuber dann diese an sich journalistische Leistung erbringt, die von Journalisten seit Jahren verweigert wird [Archivversion gegen den gesetzlich erzwungenen Depublikationszwang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der BRD] und damit ein mittelgroßes Erdbeben im Wahlergebnis auslöst, weil er es geschafft hat, eine ganze Generation zu politisieren, dann zeigt er damit auch auf, wie wichtig diese an sich journalistische Leistung in den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren gewesen wäre und wie sehr es das Gefüge der Gesellschaft verändert hätte, wären Menschen nur dazu ermächtigt worden, auf Grundlage eines journalistisch aufbereiteten Archivs informierte Entscheidungen zu treffen.

Was die „Zerstörung der CDU“ unbeabsichtigt mit in den Fokus gerückt hat, ist die längst geschehene und doch immer weiter voranschreitende Zerstörung des Journalismus in Presse und Glotze, die schon jetzt eine leistungsschutzrechtgeschützte Ruine hinter den abbröckelnden Fassaden früherer Herrlichkeit und Unentbehrlichkeit hinterlassen hat. Dass Rezo bei diesem einen, auch für seine Verhältnisse außerordentlich erfolgreichen Video sowohl auf die Monetarisierung durch YouTube als auch auf Reklame verzichtet hat, obwohl auch er von Monetarisierung und Reklame lebt, ist eine durchaus fiese, unterschwellige Botschaft, an deren Zufälligkeit ich in einem wochenlang durch Recherche vorbereiteten Video nicht glauben kann und deren Sprengkraft zurzeit kaum ein Journalist wahrzunehmen willens oder imstande ist. Die von Rezo direkt angesprochene Generation ist indessen sehr wohl willens und imstande, diese unterschwellige Botschaft mindestens halbbewusst wahrzunehmen, und dort wird sie möglicherweise einen weit bleibenderen Eindruck als das kurzfristige tagesaktuelle Feuerwerk hinterlassen.

Es sind nicht nur die Zeit und das Geschäft der gerontokratischen Volksparteien, die gezählt sind und die sich auch mit Zensurforderungen — notdürftigst als „Regulierung der Meinungsfreiheit“ getarnt — nicht mehr lange erhalten können, wenn diese Parteien so weitermachen. Es ist auch die Zeit und das Geschäft der journalistisch tätigen Contentindustrie, die abgelaufen ist, weil niemand mehr ihre Reklame und Leistungsverweigerung braucht.

Jetzt, nachdem Julian Assange verhaftet wurde und seiner Auslieferung an den Weltüberwachungs-, Kriegsverbrecher- und Folterstaat USA entgegenschaut, jammern höchstöffentlich und mit Schlachtzeilen voller preiswerter öffentlich dargebotener Entrüstung und Solidarität genau die gleichen Journalisten, die sich ansonsten in tiefgebückter Staatsfrömmigkeit, diensteifriger Schönschreiberei (oder häufiger: Verschweigen) des Zerfalls der europäischen Gesellschaften und der ungekennzeichneten Wiedergabe von PResseerklärungen im redaktionellen Teil gefallen, über den Verlust der Pressefreiheit. Unmittelbar, nachdem die professionellen contentindustriellen journalistischen Apparate nach jahrelangem Lobbyismus in den Dunkelkammern der Volksvertretungen ihr europäisches „Leistungsschutzrecht“ für Presseverleger bekommen haben, das in seinem Wesenskern auf ein Verbot jeglichen nicht-kommerziellen partizipartiven Internet und damit auch auf ein Verbot eines Journalismus für Jedermann und Allefruhn hinausläuft, damit die von solchen Standesrechten geschützte Pressefreiheit auch ja ein Privileg einiger Dutzend Milliardäre bleibe!

Diese Journalisten, die da mit industriell millionenfach verstärkter Lügenstimme im schrillen Chor über den Verlust der Pressefreiheit jammern, sind genau diejenigen Journalisten, an denen die Pressefreiheit schon seit Jahrzehnten völlig verschwendet ist. Was für eine spuckende Verachtung für Julian Assange, wenn sein Name, sein Bild und seine Person schließlich noch für derartige Machenschaften eines zutiefst lichtscheuen Packs durch den Dreck gezogen wird. Als ob eine Verhaftung nicht schlimm genug wäre! Ich wollte, dass ich tausend Münder und eine tausendfache Speiseröhre hätte, damit ich angesichts dieser Krokodilstränen angemessen erbrechen könnte!

Gruß auch an Claas Relotius!

Pornojournalismus

Der Vorübergehende sagte zu seinem zeitungsgläubigen und sich deshalb für informiert haltenden Zeitgenossen: „Im Kern gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen pornografischen und journalistischen Websites. Beide werden nur betrieben, um ein gutes Umfeld für die Vermarktung von Reklame zu schaffen und auf diesem Wege Reibach einzubringen — und die Inhalte ordnen sich vollständig diesem Geschäftsziel unter“.

Die Schüler

Der Vorübergehende zeigte auf die Demonstration von Schülern und sagte: „Es fällt viel leichter, die Schüler an einem Freitagvormittag während der Schulzeit zum Demonstrieren und ‚Schulstreiken‘ zu motivieren als an einem Sonntagvormittag. Und die Journalisten beim atemlosen Vermarkten von Reklameplätzen sind ganz hingerissen von den Kindern, die sich ein paar Stunden lang so sehr einsetzen, nachdem ihnen gesagt wurde, dass sie sich einsetzen sollen… solange die gleichen Kinder die Missstände, die in ihr eigenes Lebens ragen, etwa das zerfallende Schulgebäude mit den ekelhaften sanitären Anlagen, stumm und widerspruchslos hinnehmen, als eine Gegebenheit ihres Lebens betrachten und so für den Rest ihres Lebens lernen. Immer. Wenn Kinder hervorgezerrt werden, um politische Propaganda zu machen, wird es grenzenlos zynisch“.

„Journalisten“, sagte der Vorübergehende müde zu seinem Zeitgenossen, „täten viel für die politische Bildung, wenn sie Politiker nicht danach fragten, was sie planen, denken und glauben, um ihnen anschließend das gründliche Entleeren von Sprechblasen zu gestatten; sondern wenn sie stattdessen danach fragten, inwieweit sie die von ihnen mitgestalteten Prozesse verstehen und auf Grundlange welcher Evidenz dieses Verständnis beruht — und nur klare, nachvollziehbare, prüfbare Antworten auf diese Fragen akzeptierten“.