Tag Archive: Journalismus


Der Eifer, mit dem Journalisten über die Nichtigkeit berichten, dass eine privatwirtschaftliche Website, die so etwas ähnliches wie ein globales Forum für verkürzende, unterkomplexe Stummeltexte anbietet, endlich auch einmal einen Stummeltext des amtierenden US-Präsidenten gelöscht hat… dieser Bericht erstattende Eifer ist nur ein Spiegelbild des Eifers, mit dem sich die so berichtenden Journalisten jeden Tag und jede verfügbare Minute ihres leeren Lebens das Weltbild von vorbeirollenden verkürzenden und unterkomplexen Stummeltexten machen lassen — deren Auswahl und Sichtbarkeit übrigens genau wie der Journalismus der Contentindustrie allein für die emotional-psychische Manipulation der Reklame optimiert wird; das Geschäftsmodell derer, die kein seriöses Geschäftsmodell haben.

Vor rd. vierzehn Jahren habe ich den Satz „Twitter ist der neue Journalismus“ noch als Satire gemeint. 😦

Reziprok

Moderne Journalisten erkennt man daran, daß sie schreiben können, aber nicht denken.

Karl Schwarzer

„Je mehr Daten es über COVID-19 gibt und je mehr Erkenntnis über diese gefährliche und sehr ansteckende Krankheit gewonnen wird“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „desto weniger wird in Glotze und Presse davon berichtet, obwohl es doch so viel zu berichten gäbe. Für jene Feinde der Vernunft, die sich als Journalisten dazu entschlossen haben, von der Vermarktung von Reklameplätzen zu leben, ist ein psychisch empörender rassistischer Mord durch einen Polizeibeamten nebst großen Demonstrationen und Ausschreitungen in den fernen Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika wegen der geilen Bilder nun einmal ein besserer Wurm an der Reklameangel als nüchterne Informationen, die das Leben der Menschen direkt und existenziell betreffen. Da ist es kein Wunder, dass die Demonstrationen der Menschen, deren billige Psychen sich allzuleicht von professionellen Werbeplatzvermarktern aufkochen lassen, zu regelrechten Coronaparties geraten — und niemand, der vor ein paar Wochen noch vor den so genannten ‚Hygienedemos‘ mit teils hysterischem Unterton gewarnt hat, sieht darin ein Problem“.

Ball und Börse

Die Journalisten aus dem Sport- und Börsencasinoressorts scheinen gerade wenig zu tun zu haben und haben sich diversifiziert, so dass die (völlig unseriös erhobene und deshalb unzuverlässige) Anzahl der Corona-Infektionen und der Corona-Toten jeden Tag gemeldet wird, gern auch mit Ländervergleich, ganz so, als handele es sich um den DAX oder die Bundesliga-Ergebnisse. Beim Genuss dieses kalten, contentindustriellen Stiles fragt man sich unwillkürlich, ob man auf diese Zahlen auch schon wetten kann.

Die bessere Welt dank Corona

„Ist es nicht wunderbar“, sagte der Vorübergehende zu seinem nachrichtengläubigen Zeitgenossen, „dass dir dieser Journalist in allen Blättern und auf allen Kanälen schon seit Wochen jeden Tag nur noch von Corona erzählt, dass sich also die Klimakatastrophe, von der er zuvor jeden Tag erzählt hat, offenbar irgendwie von allein gelöst hat? Denn sonst würde dir der Journalist ja davon erzählen, wenn das Thema weiterhin wichtig wäre“. :mrgreen:

Konsumlaune

Als am Vorübergehenden ein Nachrichtenticker mit dem Text „Corona: Konsumlaune sinkt auf Rekordtief“ vorbeiscrollte, sagte er leise: „Das ist aber auch immer ein Jammer für diese Wirtschaftsredaktionen in Presse und Glotze, dass diese Menschen so eine geringe Sterbelaune haben! Wenn sie sich doch nur opferten und entschlossen für die wahren Werte der Wirtschaftsredaktion und ihrer Sponsoren stürben, für die guten Zahlen und das Wachstum und die Dividenden“.

Nachplappern

Wer Wahrheiten einfach nur unreflektiert und ohne eigene gedankliche Tätigkeit nachplappert und weitererzählt, erweckt ja schon den Verdacht, nicht zu den hellsten Leuchten im Lampenladen zu gehören, ist jedoch eher harmlos. Aber gefährlich dumm sind jene, die Unwahrheiten und bewusst geäußerte Lügen unreflektiert nachplappern und weitererzählen und damit massenhaft vermehren. Man nennt diese Menschen Journalisten: Ihr Werkzeug ist die Zwischenablage, ihre Tätigkeit ist die industrielle Anfertigung von Kopien, ihre Haltung ist die Intelligenzverachtung und ihr Beruf ist die Vermarktung von Werbeplätzen, die in so viel journalistischem Sumpf aus Lüge, Halb- und Unwahrheit gleich ein bisschen glaubwürdiger aussehen.

Verschwendet

An den meisten Journalisten in der BRD — und an ihren vielen Zulesern und Zuhörern — ist die Pressefreiheit verschwendet.

Zeitung zum Wählen

„Die AfD“, sagte der Vorübergehende kaum vernehmbar seufzend zum Aufgebrachten, „ist auch nichts anderes, als ob die seit Jahrzehnten allseits von Sport und Politik hörigst hofierte Bildzeitung endlich auch eine politische Partei gegründet hätte, nach der Volkszeitung, den Volksprodukten jetzt die Volkspartei. Die AfD ist längst ein Denkmal dafür geworden, was herauskommt, wenn die scharf emotionalisierenden, offen psychomanipulativen Methoden des contentindustriellen Journalismus unreflektiert als Politik verwendet werden; und die AfD ist dabei nur geringfügig weniger selbstgerecht, dumm und eitel als der durchschnittliche Journalist“.

Interview

Als der Vorübergehende im Hintergrund ein Interview hörte, sagte er: „Die Antworten sind vernünftiger als die Fragen, und das ist ungewöhnlich, denn meist sind die Fragen eines Journalisten nicht an einer Antwort interessiert, die etwas neues eröffnet, und die Antworten werden nur zum Spiegelbild dieses Desinteresses“.

Bild

Ein Bild lügt wirksamer und nachhaltiger als tausend Worte.

Erfolgreiche Selbstemanzipation

Die Politik und der Journalismus sind voller Menschen, die sich so sehr von sich selbst emanzipiert haben, dass sie sich bei ihren dummen Untaten, intelligenzverachtenden Lügen und halbseidenen Machenschaften nicht mehr schämen müssen, sondern ganz allgemein und persönlich völlig unverbindlich über die Schwäche der menschlichen Natur klagen können — ohne die geringste Dämpfung ihres grenzenlosen Narzissmus.

Angenehm

Wie angenehm für eine Regierung ist doch der Journalist, der die Äußerungen seiner Regierung einfach nur abschreibt, statt sie zu hinterfragen, sie mit der Wirklichkeit zu vergleichen und die meist dahinter stehenden Einseitigkeiten, wenn nicht gar dreisten Lügen aufzudecken. So ein Journalist hat überall Pressefreiheit. Der muss gar nicht eigens in die BRD kommen, um Journalist zu sein, der fühlt sich auch in Nordkorea, Saudi-Arabien, China oder der Türkei wohl und freut sich auch dort über die reichen Ehrungen seiner Journalistenehre und den staatlichen Schutz seiner Arbeit. Er geht nur leider nicht dorthin. 😦

Aber was so ein Journalist von seinen Lesern denken muss, dass er auch noch glaubt, diese würden ihm ein schönes Leben als Regierungs- und Wirtschaftssprechpuppe finanzieren, das ist und bleibt ein unergründlicher Abgrund der journalistischen Intelligenz.