Tag Archive: Journalismus


Überzeugend

Eine so genannte „künstliche Intelligenz“ — im Regelfall ein angelerntes neuronales Netzwerk — wird von vielen Menschen bereits für intelligent gehalten, weil sie ähnlich wie die meisten Menschen nicht einfach „Ich habe keine Ahnung“ antwortet, wenn ihr das faktische Wissen oder das Verständnis fehlt, sondern sich aus sprachlichen Versatzstücken und Mustern eine plausibel klingende Antwort zurechtlegt und diese dermaßen wortreich formuliert zum Besten gibt, dass sich die Fehler gut dahinter verstecken können. Sie hätte damit gleichermaßen gute Aussichten, den Journalisten und den Politiker zu ersetzen, die sich jeden Tag gegenseitig mit einem guten Tropfen Dunning-Kruger zuzuprosten und zu berauschen verstehen, stets sehr zum Schaden der restlichen Welt.

Die Vergessenmacher

Die Journalisten in den Staaten, deren Herrschende und Besitzende nichts dagegen tun oder es gar klammheimlich begrüßen, dass Julian Assange in London im Gefängnis langsam zu Tode gefoltert wird, erregen sich jeden Tag künstlich und laut über die Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit in Russland. Sie wären sicherlich auch in Russland oder in der „Volksrepublik“ China etwas geworden.

Dem deutschen Volker

„Es ist nicht so, dass die Classe politique nicht am Wohl des Volkes interessiert wäre“, sagte der Vorübergehende zum Bildzeitungsleser. „Es gibt immer jemanden, der von der Politik dieser Feudalisten profitiert. Lediglich ein bisschen mehr als 99 Prozent der Bevölkerung gehören nicht dazu; diese haben scheibchenweise immer weniger und es fehlt ihnen an immer mehr und zunehmend Existenziellem. Inzwischen, nachdem Wohnungslosigkeit für viele Menschen zum Normalzustand geworden ist, geht es ans Essen, das sich immer weniger Menschen leisten können. Unterdessen bekommt die Bundeswehr, die Armee des Staates mit dem siebtgrößten Militäretat der Welt, völlig grundlos zusätzliche hundert Milliarden Euro neue Staatsverschuldung, bezahlt mit dem Schweiß und der Lebenszeit derer, die jetzt noch Kinder und ungeboren sind. Schau dir an, wofür Geld und Wille da ist, und schau dir an, wofür Geld und Wille fehlt, und du weißt, wo es lang geht, wenn sich den Geisterfahrern aus der Classe politique niemand in den Weg stellt. Aber mit deinen von Journalisten aufgekochten Emotionen bleibst du nur dumm und weißt gar nichts“.

Unwichtige Naturwissenschaften

Es ist sehr einfach, zu verstehen, warum die Naturwissenschaften in Politik und Journalismus keine Rolle spielen: Die Physik beschäftigt sich mit dem, was messbar ist; die Chemie beschäftigt sich mit dem, was Substanzen formt und zusammenhält; die Medizin beschäftigt sich mit dem, was die Gesundheit erhält; die Biologie beschäftigt sich mit dem, was lebt und die Mathematik beschäftigt sich als wichtige Strukturwissenschaft mit dem logischen Schließen, Folgern und streng deduktiven Ausbauen ihres Gegenstandes, um rationale Denkprozesse zu sichern und kommunizierbar zu machen. Nichts davon hat politische Relevanz, nichts davon ist für die Propaganda im Kapitalismus brauchbar, beinahe alles daran steht im Widerspruch zum Kapitalismus mit seiner antiwissenschaftlichen Ideologie des von Zinseszins-Dynamiken getriebenen grenzenlosen exponentiellen Wachstums auf beschränktem Raum.

Journalistischer Maßstab

In der lichtlosen Arbeitskammer des contentindustriellen Journalismus könnte eine große, osrambestrahlte, blinkende und unübersehbare Tafel aufgehängt sein: Je schlechter sich eine Nachricht anhört, desto besser ist die Nachricht fürs Geschäft.

Kranke Affen

Wenn ein Affe mehr Bananen hortete, als er selbst essen könnte, wenn er niemanden etwas davon abgäbe, während die anderen Affen in seiner Horde immer häufiger hungern, dann würden Verhaltensforscher sicherlich genau untersuchen wollen, wie und warum dieser Affe so krank geworden ist. Wenn Menschen so handeln, dann werden diese kranken nackten Affen von Journalisten nicht etwa als kranke nackte Affen bezeichnet, sondern in jeder Zeitung und auf jedem Bildschirm als Vorbild und Anführer für alle anderen nackten Affen präsentiert.

Aufmerksamkeit

Nichts ist realsatirisch wertvoller als ein contentindustrieller Journalist auf der Suche nach wirksamer Clickbait, der sich in seinem Tintengekleckse psychisch hochmanipulativ und in großer Breite darüber empört, dass politische Aktionen lediglich um jeden Preis öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen wollen.

Die Wachenden haben eine einzige und gemeinsame Welt, von den Schlafenden aber wendet sich jeder seiner eigenen zu.

Heraklit

Hör auf damit, mir jeden Tag zu erzählen, wie ich mich fühle und wie ich mich fühlen soll! Du hast mich noch niemals danach gefragt, wie ich mich fühle. Du glaubst, alle Antworten zu haben.

In Wirklichkeit bist du ein eingebildeter Dummkopf aus einer Parallelgesellschaft, in der ich nicht vorkomme.

Seit Jahrhunderten schon nicht mehr.

Und wenn du mich persönlich nach „meinem Gefühl“ gefragt hättest, hätte ich es dir nicht gesagt. Ich vertraue dir nicht. Aus Erfahrung. Aus langjähriger, schmerzhafter und persönlicher Erfahrung. Aber wenn ich den Eindruck gewinne, dass deine Aufmerksamkeit länger als eine zweckdienlich-werbewirksame Minute dauern wird, dass du es ernst meinst und nicht einfach nur manipulativ an mir herumstupsen willst, sage ich dir vielleicht, was ich denke. Das halte ich im Übrigen für wesentlich interessanter als die Reaktionen meiner Psyche auf die Zustände, allein schon, weil man es bestätigen, widerlegen oder relativieren kann. Deshalb bekommt es eine über mich selbst hinausgehende Bedeutung, im Gegensatz etwa zu einer Angabe, dass ich mich jeden Tag in den Schlaf weinte, fern von jedem warmen Ohr, in der alleinigen Gesellschaft meiner Tränen.

Ich hasse dich ja nicht mit dem herzlosen Menschenhass, der dein ganzes Leben prägt, du herzfressender Hasstäter!

Hör auf damit, mir zu erzählen, was ich (oder die von dir konstruierte Gruppe von Menschen, der du mich flugs zuordnest) will! Du hast mich noch niemals danach gefragt, was ich will. Es hat dich auch nie interessiert. Meistens weiß ich es noch selbst, trotz der ganzen Reklame.

Nimm deine Kamera weg! Halt sie wieder auf etwas mit großen Brüsten, viel Geld oder empörender Korruption und Heuchelei! Es hat dich niemals interessiert, wie ich aussehe, also schmück dich nicht sinnlos mit meiner Kopftrophäe, unter der du voller Stolz deine Erzählung erzählst!

Du bist Abschaum. Ekel. Alles Schlechte, Kranke und Zerstörerische komprimiert, im Dienste jeder schlechten Sache. Seit Jahrhunderten. Auch im Faschismus wärst du etwas geworden.

Hör auf damit, mir zu erzählen, dass ein perfide gängelndes System aus Belohungen und Bestrafungen dazu da ist, mich zu einem besseren Menschen zu machen! Schau dir mal die Regierungsbank an! Die hätte es nötig. Die empfängt diese „Zuneigung“ aber gar nicht. Seit Jahrhunderten. Und dann schau dir die Menschen an, die reich geworden oder geboren sind! Die empfangen diese „Zuneigung“ ebenfalls nicht. Seit Jahrhunderten. Stattdessen sind die Gefängnisse voll mit Schwarzfahrern, Cannabisrauchern und verarmten Menschen, die ihr Essen aus den Mülltonnen „stehlen“.

Ich bin nicht so dumm, wie du glaubst. Und. Ich werde niemals so dumm sein, wie du mich machen willst.

Hör auf damit, mich anzulügen! Und vor allem: Hör auf damit, dich selbst anzulügen! Es gibt bessere Clowns als dich. Solche, über die man lachen kann. Auch außerhalb der Parallelgesellschaft einer schwafelvollen „sozialwissenschaftlichen“ Fakultät.

Du hast nur faulen Zauber. Und schnellbindenden Beton für Zustände, die verändert werden müssen. Seit Jahrhunderten.

Du bist widerlich.

Schon seit Jahrhunderten.

Lass mich in Ruhe!

Und bitte, fang an zu denken oder geh einfach sterben. Das ist ja kein erträglicher Zustand, was du geworden bist.

Für R.

Wie Berufswünsche entstehen

Lange bevor ich Journalist wurde, habe ich eine Lehre gemacht, Sortimentsbuchhändler, aus Verlegenheit, irgendwas mit Büchern, wenn man gern liest, so wie Journalisten Journalisten werden, weil sie in Mathe nicht gut waren

Wolf Lotter

Es ist keine Energiekrise

Auch, wenn zurzeit jeder Journalist dieses Wort in Mund und Feder führt: Es gibt in der BRD keine „Energiekrise“. Das Wort ist irreführende Propaganda. Die gegenwärtige Krise ist eine Politikkrise, in welcher der korrupten Classe politique Gestaltungswille, Versäumnisse und politische Sabotagen der letzten fünfundzwanzig Jahre um die Ohren fliegen, und nichts anderes. Und ja, auch den so genannten „Grünen“ fliegen die von ihnen selbst mitvorangetriebene Massenverarmung und die staatlich subventionierte Hartz-IV-Lohndrückerei in einem politisch bis heute explizit gewünschten Sozialterrorsystem um die Ohren, während ihnen erneuerbare Energien in der Vergangenheit offenbar nicht so wichtig waren wie das Ausleben ihres Armenhasses. Dass den Grünen ihre in den Wahlkämpfen beworbenen politischen Ambitionen nach der Wahl nicht mehr so wichtig sind, hat übrigens eine Kontinuität bis heute.

Daran, wie das alles journalistisch vergessen gemacht werden soll, könnt ihr erkennen, dass Journalisten eure Feinde sind. Behandelt sie genau so, wo immer ihr ihnen begegnet. Wer schreiben will, nennt sich Autor und schreibt; wer aber unterbezahlter Speichellecker der Classe politique und Schreibtischmittäter sein will, nennt sich Journalist und sorgt mit täglicher Lüge und Tatsachenverzerrung für die kontinuierliche Verschlechterung des Lebens aller Menschen.

Ablehnung

„Ich stelle fest, dass ich das Internet als Nachrichtenquelle um so stärker ablehne“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „je mehr es zu einer solchen gemacht wird“.

Der journalistisch-politische Komplex

Politiker sind die Menschen, denen es egal ist, ob etwas für die beherrschten Menschen richtig oder falsch ist, wenn sie nur Worte finden, mit denen sie es richtig erscheinen lassen können. Und Journalisten sind die Menschen, die ihnen dabei durch schlichtes Weitertragen dieser Sprechakte helfen, statt diese Verblendungsversuche mit der kombinierten Macht der Logik und des Archives zu zerlegen und mit dieser Tun die beherrschten Menschen zum Denken zu ermächtigen, zu Beherrschern ihres Denkens und Wollens zu machen. An den Taten wird Vernunft, Plan und Ziel erkannt, am Getue das Geschmeiß.