Tag Archive: Journalismus


Jetzt, nachdem Julian Assange verhaftet wurde und seiner Auslieferung an den Weltüberwachungs-, Kriegsverbrecher- und Folterstaat USA entgegenschaut, jammern höchstöffentlich und mit Schlachtzeilen voller preiswerter öffentlich dargebotener Entrüstung und Solidarität genau die gleichen Journalisten, die sich ansonsten in tiefgebückter Staatsfrömmigkeit, diensteifriger Schönschreiberei (oder häufiger: Verschweigen) des Zerfalls der europäischen Gesellschaften und der ungekennzeichneten Wiedergabe von PResseerklärungen im redaktionellen Teil gefallen, über den Verlust der Pressefreiheit. Unmittelbar, nachdem die professionellen contentindustriellen journalistischen Apparate nach jahrelangem Lobbyismus in den Dunkelkammern der Volksvertretungen ihr europäisches „Leistungsschutzrecht“ für Presseverleger bekommen haben, das in seinem Wesenskern auf ein Verbot jeglichen nicht-kommerziellen partizipartiven Internet und damit auch auf ein Verbot eines Journalismus für Jedermann und Allefruhn hinausläuft, damit die von solchen Standesrechten geschützte Pressefreiheit auch ja ein Privileg einiger Dutzend Milliardäre bleibe!

Diese Journalisten, die da mit industriell millionenfach verstärkter Lügenstimme im schrillen Chor über den Verlust der Pressefreiheit jammern, sind genau diejenigen Journalisten, an denen die Pressefreiheit schon seit Jahrzehnten völlig verschwendet ist. Was für eine spuckende Verachtung für Julian Assange, wenn sein Name, sein Bild und seine Person schließlich noch für derartige Machenschaften eines zutiefst lichtscheuen Packs durch den Dreck gezogen wird. Als ob eine Verhaftung nicht schlimm genug wäre! Ich wollte, dass ich tausend Münder und eine tausendfache Speiseröhre hätte, damit ich angesichts dieser Krokodilstränen angemessen erbrechen könnte!

Gruß auch an Claas Relotius!

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Pornojournalismus

Der Vorübergehende sagte zu seinem zeitungsgläubigen und sich deshalb für informiert haltenden Zeitgenossen: „Im Kern gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen pornografischen und journalistischen Websites. Beide werden nur betrieben, um ein gutes Umfeld für die Vermarktung von Reklame zu schaffen und auf diesem Wege Reibach einzubringen — und die Inhalte ordnen sich vollständig diesem Geschäftsziel unter“.

Die Schüler

Der Vorübergehende zeigte auf die Demonstration von Schülern und sagte: „Es fällt viel leichter, die Schüler an einem Freitagvormittag während der Schulzeit zum Demonstrieren und ‚Schulstreiken‘ zu motivieren als an einem Sonntagvormittag. Und die Journalisten beim atemlosen Vermarkten von Reklameplätzen sind ganz hingerissen von den Kindern, die sich ein paar Stunden lang so sehr einsetzen, nachdem ihnen gesagt wurde, dass sie sich einsetzen sollen… solange die gleichen Kinder die Missstände, die in ihr eigenes Lebens ragen, etwa das zerfallende Schulgebäude mit den ekelhaften sanitären Anlagen, stumm und widerspruchslos hinnehmen, als eine Gegebenheit ihres Lebens betrachten und so für den Rest ihres Lebens lernen. Immer. Wenn Kinder hervorgezerrt werden, um politische Propaganda zu machen, wird es grenzenlos zynisch“.

„Journalisten“, sagte der Vorübergehende müde zu seinem Zeitgenossen, „täten viel für die politische Bildung, wenn sie Politiker nicht danach fragten, was sie planen, denken und glauben, um ihnen anschließend das gründliche Entleeren von Sprechblasen zu gestatten; sondern wenn sie stattdessen danach fragten, inwieweit sie die von ihnen mitgestalteten Prozesse verstehen und auf Grundlange welcher Evidenz dieses Verständnis beruht — und nur klare, nachvollziehbare, prüfbare Antworten auf diese Fragen akzeptierten“.

Symbolfoto: Breaking News

Eine NBC-Nachrichtensendung -- NBC4, New York -- BREAKING NEWS -- FACEBOOK IS DOWN

Die Krisenvermeider

„Wenn es im Journalismus nicht um Reklamevermarktung, sondern um Fakten gehen würde“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann hätten wir in der BRD keine Medienkrise, sondern eine Staatskrise“.

Reiter

„Für diese Reiter ist kein Pferd zu tot„, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, als sie am Gebäude eines Presseverlages vorübergingen.

„Hassverbrechen“

„Achte auf die Sprache, in der die Nachrichten nachgerichtet werden, damit du dich danach richtest!“, sagte der Vorübergehende während der Tagesschau. „Wenn ein Araber oder ein sonstiger Nichtarier in ein Gebetshaus geht und dort betende Menschen ermordet, ist das Terrorismus, wenn aber ein Arier in ein Gebetshaus geht und dort betende Menschen ermordet, ist das ein Hassverbrechen. Denn ein Arier kann dort, wo man Nachrichten nachrichtet, niemals ein Terrorist sein“.

Screenshot von der Tagesschau-Website: Mutmaßlicher Täter offenbar identifiziert -- Der mutmaßliche Täter habe sich den Beamten gestellt und sei festgenommen worden, hieß es weiter. Medien berichteten, der Verdächtige sei als ein 46 Jahre alter Amerikaner identifiziert worden, der in Sozialen Netzwerken durch rechtsgerichtete Kommentare aufgefallen sei. Die Behörden erklärten, sie würden die Tat bei ihren Ermittlungen als Hassverbrechen einstufen. Das FBI hat demnach die Ermittlungen übernommen. Die Behörde geht derzeit davon aus, dass der Mann alleine gehandelt hat. Der Verdächtige wird mit Schusswunden im Krankenhaus behandelt.

Quelle des Screenshots: ARD-Tagesschau [Archivversion im Lande Depublizierungspflicht]. Sachdienliche Hinweise, worin wohl der Unterschied zwischen so genanntem „Terrorismus“ und so genanntem „Hassverbrechen“ liegen könnte, nehmen alle Journalismusdienststellen entgegen.

Diese Autos aber auch immer!

Wenn Journalisten sich der Aufgabe entledigen müssen, darüber zu schreiben, dass ein Fahrradfahrer von einem Autofahrer totgefahren wurde, greifen sie sehr häufig zu einer bemerkenswerten Sprache: „Der Radfahrer wurde von einem Auto erfasst“. Ganz so, als seien die Autos schon längst selbstfahrend und als sei ihr Fahrer passiver Zuschauer, wenn Christine sein Auto jemanden umbringt. Diese völlige journalistische Verfehlung dessen, was bei einem solchen Unfall wirklich geschehen ist, wird nur noch vom Schönsprech überboten, den das gleiche Geschmeiß von Journalisten verwendet, wenn einmal ein Mensch von einem Polizeibeamten erschossen wurde. Denn diese Polizeibeamten haben schon seit Jahrzehnten Faustfeuerwaffen, mit denen man nicht mehr schießen muss. Stattdessen „löst sich ein Schuss“, und dann ist jemand tot. Was für ein Pech aber auch für den Toten!

Journalistenmache

Heutzutage machen drei verbrauchte Phrasen und eine schamlose Lüge einen Journalisten.

Blendende Atomprogramme

Immerfort reden und schreiben die Journalisten an der Propagandafront vom Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas oder des Irans, niemals verlieren sie auch nur ein Wort über das Atom- und Raketenprogramm der Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika. Dabei ist es der letztere Staat, die USA, der sich in der jüngeren Vergangenheit durch völkerrechtswidrige Angriffskriege mit geheimdienstlich erfundenen Kriegsgründen hervorgetan hat — und mittelbar dafür verantwortlich ist, dass Europa immer noch mit einer beachtlichen Menge von Flüchtlingen aus Nordafrika konfrontiert ist. Wer seinen Blick von Journalisten ausrichten lässt, wird blind und dumm, und genau das ist die erwünschte Wirkung. Denn blind und dumm lässt sich mit einfachen psychologischen Tricks in blindwütig und kriegsbereit transformieren.

Temperaturabhängig

Wie still es doch letztes Jahr im Regensommer zum gleichen Thema war. Doch je wärmer der Sommer, desto schreiber Journalisten über den Klimawandel.