Latest Entries »

Chatbot

Die vom journalistisch-politischen Komplex nahezu allgegenwärtig gemachten Mitglieder der Classe politique der Bundesrepublik Deutschland wirken wie Chatbots, die jede Eingabe ohne semantische Analyse nach Schlüsselreizen und Schlüsselwörtern durchsuchen, um dann ihre Antwort aus ihrer gesammelten Schatztruhe generischer Phrasen ohne belastbaren Inhalt oder ertastbare Substanz zu geben, je nach Thema gern auch mit einigen Spritzern Pathos dekoriert. Wenn diese Menschen die Sprache überhaupt zur Mitteilung von Ideen und Plänen verwenden können, dann scheinen sie es vor allem untereinander zu tun, in parlamentarischen und lobbyistischen Dunkelkammern, die der Öffentlichkeit entzogen sind. Die Intelligenz der Bevölkerung verachten sie. Und Angela Merkel ist die Meisterin dieser hässlichen Kunst. Sie kann zehn Minuten lang flüssig wohlgefällig-hohle Worte aus ihrem Munde strömen lassen, ohne dabei etwas zu sagen — nur für längere Reden bedarf sie eines Manuskriptes, weil ihr aktiver Phrasenschatz begrenzt ist. Deshalb ist sie hier auch Bundeskanzlerin geworden und wurde immer und immer wieder gewählt; gewählt von Menschen, die eine starke Sedierung und eine völlige Vermeidung jeglicher Gehirntätigkeit mit Frieden und Harmonie verwechseln. Jene Menschen aber, die sich bei dieser infantilen Behandlung durch Politik und Journalismus verschaukelt und beleidigt fühlen, werden fragwürdigen Populisten zugetrieben.

Mobilität

Der Propagandaexperte, der es hinbekommen hat, dass das Wort „Mobilität“ für Motoren steht und das Fehlen von Motoren für Stillstand, war mit seiner Propaganda fast so erfolgreich wie der andere Feind, der es hinbekommen hat, dass „Verteidigung“ für Militär steht. Alle plappern es nach, und keinem kommt eine Frage auf.

Zuversicht

Wenn der Herr Bundespräsident über die Bildzeitung mich und dich und dich zur „Zuversicht“ angesichts der Corona-Seuche aufruft, dann weiß ich nicht genau, ob es die Bildzeitung in ihrer ständigen Anfeuerung der dümmsten und niederträchtigsten Regeungen oder ob es der Herr Steinmeier in aller seiner antisozialen und zukunftsfressenden SPD-Pracht ist, der jedes zarte Keimblättchen einer ans Licht wollenden Zuversicht mit bleierner Schuhsohle zertreten und erstickt hat. Nur eines ist sicher: Hier ist zusammengewachsen, was schon lange zusammen gehört.

Nicht ich verunglimpfe das Amt des Bundespräsidenten. Der Herr Bundespräsident tut es.

Lachen reicht nicht

„Um eine Kritik abzuwehren“, sagte der Vorübergehende, „ist es nicht ausreichend, einfach über die Kritiker zu lachen, um ihre Kritik ignorieren zu können. Darauf fallen nur die Dümmsten rein“.

Verwirklichen

„Wenn du deine Träume verwirklichen willst“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann ist es vor allem anderen erforderlich, dass du aufwachst und damit aufhörst, deine Träume nur zu träumen“.

Gluck…

Wer in seinen Gedanken versinken will, sollte auf eine ausreichende Tiefe achten, damit es nicht in Geplansche endet.

Über die Türe

Man sollte über die Türe, die in die diversen „Reality-Shows“ des Gossenfernsehens mit so genannten „Promis“ führt, einen Spruch anbringen, damit auch jeder Interessierte den Weg dorthin findet: „Mich kennt kein Schwein, ich will hier rein“.

Vorübergegangen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Nichts, woran sich die Menschen noch erinnern, ist vorbei. Und. Das meiste, woran sich die Menschen nicht mehr erinnern, ist ebenfalls nicht vorbei“.

Unwahr

„Es ist nicht wahr“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dass sich die Wahrheit von selbst durchsetzt, sondern es ist eine Art Aberglaube — und es bedarf nur eines Blicks in ein Geschichtsbuch, um diesen Aberglauben zu zerschmettern. Wenn sich Wahrheit durchsetzt, dann nur, weil es eine Gelegenheit zu offenem, unkontrollierten Dialog gibt, ohne dass ein Henker oder Kerkermeister mithört. Jene, die kein Interesse daran haben, dass sich Wahrheit durchsetzen könnte, werden jede noch so Gelegenheit zu offenem, unkontrollierten Dialog vernichten und jede noch so durchschaubare Ausrede finden, um das als Rechtsdurchsetzung oder gar Demokratie zu tarnen“.

Nachmittag

Am Kaltlichthimmel flüstert halber Mond zarges Licht.
Laut rauscht die Straße durch leere Läden.
Die Märkte frohlocken.
Die Zahlen rocken.
Hinter Weihnachtsdekoration verkriecht sich das Leben.

Naziproblem

Ein Staat, in dem es möglich ist, dass ein Innenminister eines seiner Bundesländer — der übrigens kein Mitglied der AfD ist, sondern einer „bürgerlichen“ Partei angehört — sich seine private Faustfeuerwaffe von einem Neonazi-Prepper kauft, nachdem er Polizeibeamte seines Bundeslandes jahrelang auf dem Schießstand des gleichen Neonazi-Preppers das Schießen üben ließ, hat ein Naziproblem. Es besteht nicht in den vom politisch-journalistischen Komplex bizzar vergrößerten Demonstrationen derer, die auf der Straße gegen Corona-Maßnahmen demonstrieren und so sehr für alles und jeden offen sind, dass sie nicht mehr ganz dicht sind.

Die naheliegende Frage, warum die NSU-Akten für hundertzwanzig Jahre als Staatsgeheimnis weggeschlossen werden, könnte Teile der Bevölkerung beunruhigen.

Ton

Dieser Tonfall derer, die sich immer als besonders „sensibel“ inszenieren, dieser verachtungsvolle und radikal unsensible Tonfall, den diese Agitator*innen gegenüber ihren Gegnern verwenden, er macht in seinem Spiegelbild klar, wie aufgesetzt und verlogen die gern zur Schau gestellte Sensibilität ist und was sich hinter dieser Fassade verbirgt.