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Besser

Vielleicht wäre es besser, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten. Alle Religionen und alle Heilige bergen ein Gewaltpotential in sich. Deshalb brauchen wir jenseits aller Glaubensvorschriften zuallererst geltende Moralvorstellungen, eine Ethik. Gerne auch eine säkulare Ethik.

Tenzin Gyatso, der 14. und gegenwärtige Dalai Lama

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Bettelampel

„Seltsam“, sagte der Vorübergehende zu seinem Gefährten, „dass es zwar diese immerroten Bettelampeln, an denen man erst einen Knopf drücken muss, um daraufhin irgendwann einmal Grün zu bekommen, zwar für Fußgänger und Radfahrer gibt, aber niemals für Autofahrer“.

Die andere Göttin

Als der Vorübergehende von einem seiner staatsgläubigen Zeitgenossen mit der dummen deutschen Redensart „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“ anstelle eines diskutablen Einwurfes belästigt wurde, antwortete er vor tiefem Ekel breit grinsend: „Leider werden die einflussreichen, unser ganzes Dasein mitbeeinflussenden Ämter hier nicht von Gott vergeben, sondern von Angela Merkel“.

Der Mondtourist

Ich wünsche mir von ganzem Herzen und mit ganzem Gehirne, dass der gewiss schwerreiche Mensch — er wird sicherlich mehr Geld zur Verfügung haben, als er während seiner Lebensspanne ausgeben kann, aber er mag nichts davon verschenken, denn vom Schenken hat er es ja nicht — der in Kürze eine touristische Visite um den Erdmond herum machen wird, bei dieser Reise tödlich verunglückt.

Dieser Wunsch ist völlig frei von jedem Hass und wird auch nicht durch Neid angetrieben.

Deshalb soll es dabei auch gar nicht zu unnützem Leiden kommen. Wer immer dieser obszön reiche Mondtourist ist, er möge hoch hinaufsteigen und luzifergleich in die Nacht hinein leuchten, wenn sein Leib vaporisiert, noch bevor eine scheußliche Vorstellung wie die des Todes oder auch „nur“ des Schmerzes sein Gehirn erreicht. Ja, so lange er noch in der zerbrechlichen, künstlich nachgemachten Erdatmosphäre seines Raumfahrzeuges lebt, möge er sich über seine sicherlich nicht billige, aber aus seiner Sicht den Preis wohl werte Reise freuen.

Als eines der teuersten Feuerwerke der bisherigen Menschheitsgeschichte möge er zusammen mit den flüssigen und verdampfenden Metallteilchen seiner Raumkapsel kurz und unübersehbar das Firmament erleuchten, um grell und schrecklich in die Finsternis der Menschheit hineinzustrahlen und so gründlich vernichtst zu werden, dass die anschließende „Bestattung“ zur reinen Farce wird; da helfen dann auch nicht mehr die scharf gestellten Fernsehkameras für die voyeuristischen Massen in ihrem niederträchtigen Versuch, Tränen und Gefühle einzufangen.

Ein Signal soll es sein, kurz und lautlos und unübersehbar.

Ein Signal an alle anderen überaus reichen Menschen, die so viel mehr haben, als sie während ihrer beschränkten Lebenszeit sinnvoll ausgeben können.

Ein Signal, das ihnen unverdrängbar klarmacht, dass sie die Erde nicht so leicht verlassen können. Ein Signal, das ihnen aufzeigt, dass der Weg zu den Sternen gefahrvoller und schwieriger als jeder Weg auf der Erde ist, selbst, wenn man, anders als der größte Teil der Menschheit, über Geld nicht nachdenken muss. Ein Signal, das ihnen Zeugnis davon ablegt, dass ihr psychisches Paralleluniversum eine dumme, lulle und klebrige Illusion ist; dass es auch für sie keine zweite Erde gibt, für welche man die alte Erde wegwerfen kann, nachdem sie für einen Berg Geldes vollständig ausgebeutet, ausgelutscht und verbrannt wurde.

Ein Signal, dass sie so nicht unbegrenzt weitermachen können, weil sie im gleichen Boot wie der Rest der Menschen sitzen.

Nur, wenn dieses Signal durch ein gnädiges technisches Versagen oder vermittels einer weise vorgenommenen Sabotage gegeben wird und — der ebenfalls schwierig wie die leeren, schwarzen Weiten des Weltraumes überwindbaren psychopathischen Abwehr zum Trotze — bei den anderen, so überaus reichen Menschen ankommt, nur dann wird die Reise des ersten Mondtouristen sinnvoll für andere, wird sie zu mehr als etwas Content, mit dem Presseverleger Werbeplätze vermarkten und eine Fußnote in den künftigen Büchern, die Technik- und Raumfahrtgeschichte dokumentieren.

Nur, wenn jene wenigen Menschen, die den Großteil der Güter der Erde ihr Eigentum nennen und doch nicht mit einer gütigen Geste Armut und Elend so weit es Menschen möglich ist vom Antlitz der Erde verschwinden lassen, ohne dafür auch nur auf etwas verzichten zu müssen, sondern ihr Eigentum immer mehr zu mehren trachten, bemerken müssen, dass ihr zynisches, oft menschenverachtendes Monopoly-Spiel spätestens die Grenzen ihres Planeten als Grenze hat, eröffnet sich eine ganz leise Chance auf einen Wandel.

Auch, wenn diese Chance wahrscheinlich nicht ergriffen wird; auch, wenn der Nebel der Verdrängung und die Macht der Gewohnheit, diese beiden zivilisatorischen Feinde in der Psyche des Menschen, für ein schnelles Vergessen sorgt: Diese Chance ist immer noch mehr als das Nichts, das ein „Erfolg“ dieser „Mission“ für die Menschen auf der Erde bereithielte.

Und deshalb wünsche ich mir ein schreckliches, tödliches Unglück für einen anderen Menschen.

Ohne Neid auf diesen Menschen.

Ohne Hass gegen diesen Menschen.

Und eigentlich auch völlig ohne Hoffnung.

Entfaltung

Wie schade, dass so viele Menschen vom Grundrecht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit nur das darin implizite Recht auf den Erhalt und die Pflege ihrer Dummheit wahrnehmen.

Redefreiheit

Ja, ich halte die Redefreiheit im Internet für unentbehrlich und absolut schützenswürdig. Und für ebenso unentbehrlich halte ich ein Killfile; in moderneren Webplattformen die Möglichkeit, zu blockieren, zu ignorieren und unsichtbar zu schalten sowie in allen von mir verantworteten Websites die Möglichkeit zum Löschen — ohne mich weiter mit den Kommunikationsversuchen von Spammern, Neurotikern, Propagandisten und Idioten beschäftigen zu müssen. Aus der Redefreiheit folgt schließlich keine Pflicht zum Zuhören.

Hohl

Wenn eine Idee in einen hohlen Kopf tritt, dann kann sie dort auf der Stelle den ganzen Raum einnehmen, ist doch nichts anderes da, was ihr den Platz streitig machen könnte. Tatsächlich zeigt sich die Schläue auch in einer Resistenz gegen Ideen, die niemals prüfungslos übernommen werden. Doch ein mit Beton gefüllter Schädel, der sich von keiner Wirklichkeit mehr erreichen lässt, ist und bleibt ebenfalls dumm.

Glück

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Aber ich habe doch Glück mit den Frauen. Sie beachten mich meistens nicht“.

Als dem Vorübergehenden in der Universität erklärt wurde, dass man jetzt nicht mehr „die Studenten“, sondern „die Studierenden“ sagt, schaute er kurz um sich und dachte anschließend ganz leise bei sich: „Dabei gibt hier so viele Studenten, die keine Studierenden sind“.

Facebook

Ihr Ausdruck ändert sich, doch die Dummheit bleibt die selbe. Wer seinen kommerziellen Internetauftritt ausschließlich auf Facebook hat, der hätte vor einigen Jahren auch mit dümmlichem Stolz „Optimiert für den Internet Explorer“ unter seine Website geschrieben — und auf mich (nebst vieler anderer Menschen) verzichtet.

Politiker über die Mieten

Wenn die Menschen sich keine Wohnung in der Stadt mehr leisten können, sollen sie doch in die Hamburger Elbphilharmonie gehen!

UFO-Kamera

Als dem Vorübergehenden ein Video gezeigt wurde, das brutalbraune Hetzjagden in Chemnitz belegen sollte, sagte er zu seinem Zeitgenossen: „Kennst du UFO-Videos, die beweisen sollen, dass es UFOs gibt? Die scheinen immer mit speziellen UFO-Kameras aufgenommen zu werden, so dass sie stets eine Bildqualität haben, in der man mehr errät als erkennt. Und öfter, als einem lieb sein kann, gibt es keine belastbaren Informationen über die Quelle des schlechten Videos. Ja, solche völlig unbrauchbaren Videos gibt es selbst dann noch, wenn ein ‚UFO‘ über eine Großstadt schwebt, obwohl heute jeder ein Smartphone mit wesentlich besserer Kamera in seiner Tasche trägt. Aber keines der Videos wird von dieser Faktenlage davon abgehalten, sich zu und unter jenen zu verbreiten, die schon längst entschieden haben, was sie sehen wollen. An ein solches Futter für die Psyche musste ich unwillkürlich denken, als ich dieses Video sah: In einer mittelgroßen Stadt gibt es im Zeitalter der selbst für arme Menschen erschwinglichen HD-Handykameras nicht mehr und kein besseres Material von den behaupteten ausgedehnten Menschenjagdszenen als ein nahezu unkenntliches Video ohne klaren Kontext“. Als der Zeitgenosse daraufhin unwirsch zum Vorübergehenden „Du klingst wie ein Nazi-Sympathisant“ sagte, antwortete der Vorübergehende: „Und du klingst wie ein tiefgläubiger UFOloge, der nur allzugern das klar zu sehen vermeint, was er glauben will“.

Der Vorübergehende hat jetzt einen Freund weniger, was schade ist — aber besser als der Schaden, den am Geiste nimmt, wer sich seine so leicht erheizbare Psyche zum Freund macht.