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Allmachtsgewebe

Die gefährlichsten und mörderischsten Menschen auf dieser Welt sind die Menschen, die fest und unverrückbar davon überzeugt sind, dass sie den Willen Gottes tun. Sie werden unmittelbar von denen gefolgt, die zwar keine tief verwurzelte Religion haben, aber dafür einer Ideologie, in der sie ebenso fest und unverrückbar davon überzeugt sind, dass die das Gute, Gerechte und Nötige tun. Die Empathielosigkeit, der moralisch verbrämte Hass und die Verachtung sind so tief in beiden drin, dass es im ersten Moment schwer fällt, sie zu unterscheiden. Religion und Ideologie sind aus dem gleichen psychischen Stoff gewebt, und sie sind genau das gleiche Gift.

Korrektur

Als sein Zeitgenosse sich vom Vorübergehenden verabschiedete und seiner Wege ging, da wusste der Vorübergehende, dass dieser Zeitgenosse in diesem Moment damit beginnt, sein Gedächtnis umzuschreiben, bis ihm das Erinnerte gut gefällt.

Abgabe

Wer ohnehin die wie eine Steuer aufs Wohnen erhobene Rundfunkabgabe erhält, ganz gleich, was gesendet wird, der braucht sich auch bei der Verhöhnung seiner Zuschauer und ihrer Intelligenz nicht in falscher Höflichkeit zurückzuhalten.

Arbeitsdreck

Wenn eine Fernsehreporterin von RTL von einem mit dem Handy filmenden Anwohner dabei erwischt wird, wie sie sich kurz vor ihrem erschütternden Bericht aus den Hochwassergebieten vor einem Trümmerhaufen mit etwas Schlamm schminkt, um anschließend zusammen mit ihrer durchaus gut gespielten Emotionalität den Eindruck aktiver Teilhabe und Hilfe vor Ort zu erwecken, gibt es daran nur eines, was schlimm ist: Die dabei sichtbar werdende, banale Selbstverständlichkeit, mit der diese vorsätzliche Fake-News-Produktion, dieser obszöne Betroffenheitsporno, vom dabei anwesenden RTL-Kamerateam hingenommen wurde.

Da ist niemand eingeschritten und hat gesagt, dass das so nicht ginge, dass das kein Journalismus und keine Nachrichtenpräsentation, sondern Show und emotional-psychische Manipulation sei, und zwar auf dem Rücken von Menschen, die gerade in einer fürchterlichen Katastrophe alles verloren haben, wofür sie gelebt und gebuckelt haben. Alle Beteiligten wirkten überaus entspannt. Alles war Routine. Einer schaute noch auf sein Handy. Es lief alles wie geplant, wie abgesprochen, wie üblich. Und es ist auch nicht für mich oder auch selbst nicht für Susanna Ohlen schlimm, sondern nur für RTL, denn es legt die eingeschliffenen, vermutlich in der gesamten mentalen Käfighaltung des Senders alltäglichen Machenschaften offen, mit denen die bewegten und bewegenden Bilder generiert werden, um die Zuschauer auch über den folgenden Werbeblock hinweg bei der Stange zu halten; den Werbeblock, der das Geschäft und damit das eigentliche Programm dieser Sendeanstalt ist.

Im erlogenen, aber sichtbaren Dreck, den diese „Reporterin“ als Herzschablone und Engagementkitsch auf sich verteilt, um ihrem folgendem Geschwall flugs etwas mehr „Authentizität“ zu verleihen, spiegelt sich der wahrhaftige und wahnhaftige, wenn auch meist unsichtbare Dreck der gesamten Contentindustrie: Der Arbeitsdreck der journalistischen Produktion. Die Frage, warum es so leicht möglich ist, dass erwachsene, wahlberechtigte Menschen in einer beeindruckend großen Breite so genannte Fake News mit den „qualitätsjournalistisch“ übermittelten Nachrichten verwechseln, beantwortet sich nach einem kurzen Blick auf diesen Spiegel: Da ist kein Unterschied mehr, bestenfalls noch ein gewohnheitsmäßiger Glaube an altbewährte Marken. Dieser zumindest, dieser konnte bei RTL nicht weiter beschädigt werden.

Claas Relotius ist überall. Und er sagt dir und mir und uns aus diesem Überall: Nach meinen Nachrichtungen sollst du dich richten und andere richten. Das ist der gegenwärtige Journalismus, der offene Feind derer, die ihn doch finanzieren sollen.

Grüße an Andreas.

Sterbt lachend!

Je schlechter es einem erheblichen Anteil der Menschen geht, desto mehr plump-erheiternde Unterhaltung läuft in der Glotze.

Vor zehn Jahren

Screenshot der Website der Fuldaer Zeitung vom 22. Juli 2011 -- Keine Entwarnung -- DOSSIER: Norwegen -- FULDA -- Kommentar zum Terroranschlag in Oslo und der Schießerei auf der Insel Utøya von Manfred Schermer. -- Der Terror ist zurück in Europa. Auch wenn die Urheber des verheerenden Anschlags von Oslo und der Schießerei auf der Insel Utøya noch nicht feststehen – es deutet vieles auf einen islamistischen Hintergrund hin. Norwegische Medien hatten die dänischen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, vor rund einem Jahr erst war eine islamistische Terrorgruppe aufgeflogen, und Norwegen ist als Nato-Mitglied am Afghanistan-Einsatz beteiligt. Man war also gewarnt, vor allem auch nach den missglückten Anschlägen von Stockholm im Nachbarland Schweden vom Dezember des vergangenen Jahres. -- Bislang waren die Norweger stolz auf ihre offene Gesellschaft. Die Mitte-Links-Regierung mit Regierungschef Jens Stoltenberg an der Spitze hat im Gegensatz zur Regierung im benachbarten Dänemark auf eine liberale Ausländerpolitik und einen Dialog mit muslimischen Zuwanderern gesetzt. Nun muss sie bitter erfahren, wie ihnen ihre Liberalität gedankt wird. So sympathisch eine offene Gesellschaft ist – sie lässt eben nicht nur ihren gesetzestreuen Mitgliedern, sondern auch Kriminellen und Terroristen Freiheiten, die in etlichen anderen Ländern seit den Anschlägen von New York, London und Madrid teils drastisch eingeschränkt worden sind. Offensichtlich nicht ohne Grund. Diesem feigen Terrorpack mit Großzügigkeit zu begegnen, hieße, ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen. Wer diesen Fanatikern versöhnlich kommen will, muss damit rechnen, dass ihm dies als Schwäche ausgelegt und skrupellos ausgenutzt wird. -- Der Anschlag auf das Herz des Osloer Regierungsviertels lässt nur einen Schluss zu: Es kann für Europa und auch für Deutschland keine Entwarnung geben. Die Gefahr weiterer Attacken bleibt bestehen – und damit leider auch das Paradoxon, dass wir unsere Freiheit offenbar nur schützen können, indem wir sie beschneiden.

Autospiegel

„In den deutschen Städten sind es nicht nur Schaufenster, Glasflächen und Spiegel“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „in denen sich die Autos spiegeln, sondern es ist stets die ganze Stadt“.

Autos

„Autos“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „stecken die Menschen jeden für sich in eine tonnenschwere Metallmaschine. Sie bringen Menschen auseinander“.

Da kam die Flut

Nach der Flut wird es zum politischen Thema, warum es im Vorfeld keine Warnung gab und es wird mit Wahlkampfgetöse nach der Verantwortung gefragt. Aber niemand fragt bei den zehntausenden an Corona verstorbenen Menschen in der weitgehend vermeidbaren zweiten und dritten Welle nach der Verantwortung, und politisch wird es höchstens ein Thema bei offener Korruption und Selbstbereicherung. Die „marktkonforme Seuchenbekämpfung“ und ihre Folgen eignen sich nicht für den Wahlkampf, und außerdem sind dabei doch nur Menschen gestorben oder schwer erkrankt. Bei der Flut gab es immerhin einen Sachschaden in Milliardenhöhe. Der ist für die Classe politique und ihre Speichellecker aus der Journaille viel wichtiger als jedes Menschenleben.

Kamm

So lange die Menschen Haare auf dem Kopf haben, stellen sie sich jeden Tag mindestens einmal hin und bringen ihre Haare in eine ordentliche Form. Es wäre schon viel gewonnen, wenn sie das auch jeden Tag mit den Gedanken in ihrem Kopf täten.

Erholung

Der Schlaf der Selbstgerechten ist viel seliger und erholsamer als der Schlaf der Gerechten.

Trotz der Flut

So lange in der Bundesrepublik Deutschland Dörfer und Wälder zerstört werden, um im großindustriellen Maßstab Braunkohle aus der Erde zu graben — eine Substanz, für die es nur eine Nutzungsform gibt, nämlich sie anzuzünden, damit sie brenne — so lange soll mir kein dafür verantwortlicher Politiker mit seinen Lügen über den Klimaschutz und seinen diversen Verteuerungsideen „wegen des Klimas“ kommen. Egal, aus welcher Partei. Und erst recht egal, ob gerade eine schreckliche Flutkatastrophe geschieht, die diesem asozialen Pack von verlogenen Heuchlern als praktische Wahlkampf-Kulisse dient, um sich in Gummistiefeln vor die Kameras zu stellen und plitscheplatsch zum Hohn für die Toten den Furz ihrer Lügen aus dem eklen Arschmund zu entlassen.