Latest Entries »

Damals klang das alles etwas anders

Eine Partei kann nach dem Gesagten auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein, wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können

Das Bundesverfassungsgericht in seiner Begründung des KPD-Verbotes

Verwaltet und erkaltet

Der Zeitgenosse des Vorübergehende sagte dem Bettler erbost „Ich bin doch nicht das Sozialamt“, statt ihm einfach nichts zu geben. Der Zeitgenosse des Vorübergehenden dokumentierte mit diesen Worten, dass er die Menschlichkeit schon längst für einen Verwaltungsakt hält, der — auf einen Antrag hin, der für einige fühlende Menschen demütigender und würdezerbrechender als das Betteln ist — vom Staate in einem technisch optimierten Verfahren gewährt werden muss. Kein Wunder, dachte sich der Vorübergehende, dass es so kalt nach Deutschland geworden ist.

Bau und Abend

In seiner Stimmung unbeschreibliches Foto trister Zweckarchitektur im Abendlicht.

Kindergeschwätz

Die Kinder der Judenmörder sprechen von der „christlich-jüdischen“ Leitkultur, die es gegen die „Islamisierung“ zu verteidigen gelte.

Weihnachten

Ein Weihnachtsbaum, der an der ausgesprochen hässlichen und kalten Fassade des hannöverschen Funkhauses aufgestellt ist

Populismus (2)

„Je stumpfer und aussichtsloser die Menschen ihre Leben zu verleben haben, desto schärfer müssen die psychischen Reize werden, mit denen sie sich ihre Zeit auf Erträglichkeit würzen“, dachte sich der Vorübergehende, als ihm jemand die AfD als „Alternative“ nahelegte. Nichts ist kälter als die Psyche.

Die Lügner

„Es sind die Lügner“, sagte der Vorrübergehende, „die dich vor dem ‚postfaktischen Zeitalter‘ warnen, und es sind die Populisten, die vom ‚Populismus‘ sprechen, wenn sie sehen, dass jemand ihre Methodik erfolgreich kopiert“.

Das psychische Selbstbedienungssystem

Dass menschliche Ratio dies nicht zu erfassen vermag, gilt den Gläubigen als Beweis der Wunderkraft ihres Bemühens, es zu glauben. Je abstruser das Narrativ, desto größer muss wohl die Kraft sein, es zu glauben. Auf diese Weise bauen alle Gläubigen der Welt seit jeher das Wunder des Wahns in den Begriff ihres Gottes mit ein. So fügt sich auf wunderbare Weise, quod erat demonstrandum. Psychiater sagen zu solchen Konstrukten: geschlossenes Wahnsystem

Thomas Fischer, Bundesrichter

Die Datennackten

Leute, die Gardinen und des Abends Vorhänge vor ihre Fenster ziehen, damit man nicht so leicht in ihr Wahnzimmer hineinschauen kann, aber auf die Datensammlung Facebooks, Googles, Twitters und Konsorten sowie die immer mehr ausgeweitete staatliche Überwachung angesprochen, schnell und ohne jeglichen Umweg ihrer Worte über das Gehirn versichern, dass sie doch nichts zu verbergen hätten; Leute, die sich nicht einen Moment in ihrem Leben daran stören, das börsennotierte Wirtschaftsunternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell mehr über sie, ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Ideen, ihre Vorlieben und ihre Tagesabläufe wissen als der Nachbar, mit dem sie immerhin das gleiche Haus teilen und dem sie doch im Zweifelsfall nicht recht vertrauen würden – kurz: Leute, die mit ihrem täglichen Tun die unablässige Überwachung zur Norm erheben, die sich dabei noch persönlich ermächtigt fühlen, die alles dafür tun, dass jede Form der Privatheit zum Verdachtsmoment oder doch mindestens zur befremdlichen, eigenbrötlerisch anmutenden Verschrobenheit gerät, über die man Witze machen kann, diese Leute sind es, die freiwillig und aktiv mit ihrer gewohnheitsmäßigen Entblößung vor den Borgköniginnen individuumsverneinender Kollektive, welche sich zum tieferen Hohn für dieses Wort als „sozial“ bezeichnen, dafür Sorge tragen, dass der neue Faschismus komme. Dass auf den Selbstentblößungssites dieser Leute in technokratisch-neurotischer Manie jegliche Form oder auch nur Andeutung der körperlichen Nacktheit zensiert wird, ist ebenso ein treffliches Spiegelbild der dort geforderten intellektuellen, psychischen und ästhetischen Nacktheit wie die weitgehende Unempfindlichkeit derartiger Selbstentblößungssites gegenüber hetzerisch die Psyche aufkochenden Lynchmobinhalten ein Spiegelbild des dort geforderten und geförderten, neubourgeoisen Faschismus ist.

Populismus

Als eine Ursache für populistische Tendenzen gilt u. a. eine fehlende Bürgernähe und eine große Distanz zwischen den Interessen und der Sprache einer Gemeinschaft und denen der Regierenden bzw. des Establishments

Wikipedia, Lemma „Populismus“

Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

„Hater“

Der Vorübergehende sagte auf den Vorwurf, er sei ein hater kurz, schnell und beinahe etwas zu unüberlegt: „Ich bin lieber ein Hasser als ein Heuchler“.