Tag Archive: Satire


Ich brauche keinen Datenschutz, weil ich nichts zu verbergen habe.
Ich brauche keine Meinungsfreiheit, weil ich nichts zu sagen habe.
Ich brauche keine Freizügigkeit, weil ich nicht umziehen will.
Ich brauche keine andere Partei als CDUCSPDUAFDPGRÜNETC, weil ich die nicht wähle.
Ich brauche kein Frauenwahlrecht, weil ich Mann bin.

Und deshalb braucht das auch niemand anders. Außer, er ist irgendwie krank, kriminell oder gewalttätig.

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Satirefähigkeit verloren

Früher konnte ich noch Satire machen, indem ich lächerliche Absurditäten in einer Weise ausdrückte, die vordergründig sachlich klingt. Diese Kommunikationform ist längst von der classe politique übernommen worden, und zwar so ernstgemeint, dass einem das Lachen dabei vergeht.

Aus den kranken Häusern

Der Unterschied zwischen Neues aus der Anstalt im Zweiten Deutschen Fiasko und der als Satire deklarierten Intensivstation, mit dem die Zuschauer von N3 gelegentlich unterhalten werden sollen, er besteht darin, dass die Menschen in der „Anstalt“ wenigstens zum Schein für die Besucher noch ein wenig wach gehalten werden, während auf der „Intensivstation“ das Koma als Normalzustand betrachtet wird.

Jedes Mal, wenn ich im Vorübergehen einer Glotze begegne, erschrecke ich mich über die unfassbare Schlichtheit des darin Dargebotenen…

Hannover heißt Hochdeutsch

Hannover heißt Hochdeutsch - Selbst in der Sprache streben wir den Durchschnitt an - Hannover. Immer an der Leine. Die Stadt mit dem gewissen Nichts.

Ein paar Worte zum Hintergrund und zur Inspiration dieser kleinen Satire gibt es beim Frontbumpersticker.

Computer

Computer (der, von Deutschsprechern auch „Rechner“ genannt) — Bezeichnung für eine technische Vorrichtung, deren Zweck darin besteht Elektrizität und Programmierfehler in Wärme zu verwandeln.

Stümpern gegen Satire

fdp_bruederleEines muss man der FDP in diesem Wahlkampf ja lassen, und das muss wirklich auch ein Vorsatz und ein Plan sein: Sie hat ihre überall hingeklebten Plakate derart mies gestaltet, dass es niemandem Spaß machen wird, eine Satire auf diese Plakate — oder wie man neuerdings zu sagen pflegt: einen Remix — anzufertigen. Somit bleibt die FDP, obwohl sich nach dem jüngsten Scheitern der darin vertretenen Ideologie vom „freien“ Wirtschaften als Zielscheibe für den ätzenden Spott geradezu anbietet, davon verschont, dass kreative Richtig-Dichter den platten und offen in den Stil der Bildzeitung abgleitenden Dummschwätz von Brutto, Netto und Mitte in angemessener Weise richtig stellen.

Die gezielte Stümperei der dafür gewiss gut bezahlten Marketingleute im Auftrage der neoliberalen Kampfpartei geht so weit, dass auf dem Plakat mit Rainer Brüderle das „r“ des Schlachtrufes in Gelb auf gelbem Hintergrund aufscheint und kaum noch zu lesen ist. Es mag ja sein, dass „Deutschland es besser kann“, aber wer mag sich den ernsthaft in solche Miserablität hineinziehen lassen… :mrgreen:

Wahl

Wahl (die) — Ein Verfahren, das es ermöglicht, den Willen einer kleinen Clique von Besitzenden und Machthabern als den ‚Willen des Volkes‘ auszugeben. Dieser Schwindel wirkt am besten, wenn er regelmäßig wiederholt wird, damit sich viel Aufmerksamkeit darauf richte und damit von den wirklichen Machtverhältnissen abwende.

Das Boot ist voll

Endlich wird für uns verständlich, warum so viele schwer kriminelle Menschen in den Parlamenten oder — noch schlimmer — im Management der großen Konzerne unterkommen und dort mit ihrem asozialen Verhalten teilweise riesige Schäden anrichten. Es ist nicht etwa so, dass diese Schurken nicht im Gefängnis landen, weil die Justiz in der BR Deutschland blind würde, so sie auf Geld stößt. Nein, die Antwort ist viel banaler: Es ist einfach kein Platz in den Gefängnissen.

Wie Kunst bei YouTube verschwindet

Mein kleiner YouTube-Kanal liegt ja weitgehend brach, ich veröffentliche dort nur in seltenen Ausnahmefällen etwas. Das meiste sind kleine, gerenderte Videos, die oft nicht mehr sind als technische Experimente, seltsame Kunst, skurrile Wahnbilder, unmögliche Lebewesen oder dadaistische Direktdeutungen deutscher Wörter wie etwa beim Wort „Mondbahn“. Kurz: Es handelt sich vor allem um Kunst, die ich irgendwann einmal am Computer erstellt habe. Es gibt Menschen, denen so etwas gefällt, und es gibt Menschen, denen so etwas nicht gefällt. Nicht zu erwarten ist allerdings, dass jemand ein Problem damit haben könnte.

Eines dieser kleinen Werke wurde gestern von YouTube entfernt. Dies geschah unter Bezugnahme auf die Community-Richtlinen von YouTube, gegen die ich angeblich mit diesem Video verstoßen hätte. Dies ging einher mit dem recht drastischen Hinweis, dass bei einem weiteren Verstoß mein Konto gesperrt würde.

Nun, ich habe diese Richtlinien daraufhin genau gelesen und mir überlegt, gegen welche ich wohl verstoßen haben könnte. Das Video war nicht einmal ansatzweise sexuell, geschweige denn pornografisch. Es zeigte keine Misshandlung eines Tieres, keinen Drogengebrauch und schon gar nicht eine Anleitung zum Bau einer Bombe, und es hat auch nicht zu so etwas aufgefordert. Keine Gewalt und keine schockierenden Bilder. Es wurde von mir selbst gerendet und verletzt kein fremdes Urheberrecht, nicht einmal in Ansätzen. Es enthielt auch keine sexistische, rassistische oder in anderer Weise menschenverachtende Hassrede, zumal ich so etwas gar nicht überzeugend hinbekäme. Ich verband damit kein rücksichtsloses Verhalten, ich gab niemandes Daten preis, bedrohte niemanden, verletzte keine Privatsphäre. Und Spam war es auch nicht. Übrigens: Wenn ich einmal durch die bildvollen und geistleeren virtuellen Hallen bei YouTube wandele, denn sehe ich dort fast alles, was in diesen hier kurz angedeuteten Richtlinien völlig sinnvollerweise unterbunden werden soll, vor allem sehe ich Verletzungen des Urheberrechtes. Ich mache so etwas nicht, und zwar niemals — was ich bei YouTube hochlade, ist von mir selbst oder ich habe den Rechteinhaber um Erlaubnis gefragt.

Es war einfach nur ein kleines Kunstwerk. Mehr nicht. Es war eines dieser Videos, die jene Menschen langweilig finden müssen, die nach Unterhaltung suchen. Es zeigte nur eine einzige Szene, ohne jeden Ton dazu. Es zeigte eine im Wind flatternde Flagge. Diese Flagge hatte in der Farbgebung eine beabsichtigte Ähnlichkeit zur Flagge des Deutschen Reiches unter der Diktatur Adolf Hitlers, allerdings habe ich die Swastika gegen ein anderes, in seiner „Ästhetik“ verblüffend ähnliches Symbol ausgetauscht, um dieses Symbol auf diese Weise satirisch zu verfremden und damit etwas offensichtlich zu machen. Wie das ausgesehen hat, kann man dem folgenden Standbild entnehmen:

Standbild aus dem satirischen Video: Die Flagge des Vierten Reiches

Der satirische Charakter und die zu seiner Erzielung angewendeten Stilmittel sollten aus diesem einen Bild heraus völlig offensichtlich sein. Die Verfremdung einer allzu vertrauten grafischen Gestaltung aus der für viele Menschen sehr bedrückenden Wirklichkeit der heutigen Bundesrepublik Deutschland, die durch eine andere Farbgebung satirisch offen gelegte Ähnlichkeit einer Ikonografie, die für die staatliche Bundesanstalt für Arbeit erstellt wurde, mit einer Ikonografie, die sich mit einem finsteren, unmenschlichen, barbarischen und mörderischen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte verbindet, sie lag dabei völlig in meiner künstlerischen Absicht. Dass ich dies mit dem gedanklichen Hintergrund getan habe, dass es in der Verherrlichung der Arbeit um jeden Preis eine in meinen Augen ungesunde Kontinuität in Deutschland gibt und dass ich die jüngeren Entwicklungen der Arbeitsmarktpolitk, insbesondere den unter einer rot-grünen Regierung geschaffenen, staatlich subventionierten Arbeitsmarkt für nicht-existenzsichernde Elendsarbeit im Zustand der größtmöglichen Abhängigkeit von behördlicher Willkür, auf diesem Hintergrund sehr kritisch sehe, wird — meiner Meinung nach — wohl jedem Denkenden beim Betrachten des Werkes selbst auffallen und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Es ist dies ein Werk, das sich eigentlich nicht falsch interpretieren lässt; es lässt aber — wie jedes Werk — sehr wohl zu, dass sich ein Mensch daran reibt, dass er nicht damit einverstanden ist, dass er es kritisieren will, dass er es ob seiner Schärfe relativieren will. Ja, es kann sogar auf dem durchscheinenden Hintergrund als völlig geschmacklos, zynisch und widerwärtig verworfen werden, sonst wäre es ja auch keine gute Satire.

Ich habe dafür durchaus Verständnis. Kein Verständnis habe ich hingegen dafür, dass dieses Werk von YouTube — übrigens, nachdem es dort weit über ein Jahr lang weit gehend unbeachtet in einem praktisch unbekannten Kanal herumlag — unter Verweis auf Community-Richtlinien gelöscht wurde, an deren Kriterien gemessen schlicht nichts daran auszusetzen ist. Es handelt sich um einen Akt der Willkür. Und mir bleibt angesichts dieses Aktes der Willkür, über dessen Begründung ich neben dem Verweis auf die „Community-Richtlinien“ keine weitere Information erhalten habe und zu dem ich keinerlei Möglichkeit einer eigenen Stellungnahme habe, nur eine einzige Interpretation: Es ist für die gegenwärtigen Betreiber von YouTube (das ist Google) völlig unerwünscht, dass sich jemand künstlerisch mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt, und wo dieses doch einmal geschieht, wird dieser Ausdruck eines Menschen unterdrückt. Stattdessen sollen auf YouTube leicht verdauliche und unterhaltsame Inhalte präsentiert werden, selbst, wenn sich dieser Vorgang mit systematischen Verletzungen des Urheberrechtes verbindet — denn diese Form der „Kreativität“ passt wohl besser zum geschäftlichen Ziel, über eingeblendete Werbung Profit zu erzielen. Wer bei YouTube ein Video einstellt, sollte dies wissen und in Betracht ziehen, dass seine Inhalte einfach willkürlich entfernt werden können.

Ich betrachte diese Sperrung meines Videos auf YouTube jetzt als Bestandteil des Werkes — zeigt sie doch, dass auch die jetzige Gesellschaft über Strukturen verfügt, die gewisse Formen der Kommunikation gewaltsam unterdrücken. Gerade dadurch zeigt sich, wie groß der wahre Kern in der Satire wirklich war.

Der Weltuntag

An fast jedem Tag im Jahreslaufe ist ja so ein weitgehend unbeachteter Welttag für irgendetwas, zu dem sich allerhand Menschen und Institutionen ins rechte Licht setzen können, frei nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“. Der heutige 7. Mai ist da noch eine Ausnahme, er ist ein bislang völlig unbelegtes Datum.

Da ich davon ausgehe, dass sich schon im nächsten oder übernächsten Jahre jemand hinstellen wird, der mit genügend publizistischer und politischer Macht auch dieses Datum als irgendeinen Welttag abstempeln möchte, komme ich dieser zu erwartenden Entwicklung hier einmal zuvor und erkläre hiermit feierlichst den 7. Mai zum Welttag des „Lasst mich mit eurem idiotischen Welttag-Geschwafel in Ruhe“.

Religion und Satire

Religiöse Menschen haben oft ein erhebliches Problem, eine Satire dann als solche zu erkennen, wann diese den heiter prokelnden Finger dorthin legt, wo es im Gefüge ihrer Religion gutverdrängt schmerzt. Es ist auch gar nicht so verwunderlich, dass das so ist: Die wesentlichen Stilmittel der Satire sind nun einmal die groteske Überzeichnung, die teuflische und zynische Verharmlosung des Unerträglichen, die gezielte Verwendung des offenkundig Absurden in einer scheinbaren Argumentation und die Verbindung von Themenkreisen, die keinerlei inneren Zusammenhang haben. Alle diese Stilmittel sind dem Menschen in der Haltung der Religiosität wohl vertraut und psychisch derart wirkmächtig, dass sie trotz ihres heiteren und offenen Spieles mit vorbewussten Mechanismen der Wahrnehmung  den Stellenwert einer Wahrheit erlangen können und für eine solche gehalten werden — denn alle diese satirischen Stilmittel sind nur allzu gewöhnliche religiöse Muster in der religiösen „Argumentation“. Wer in seiner Religion glauben — also für wahr erachten — muss, dass eine trockene Oblate durch den Zauberspruch eines Priesters in der Konsekration zum leibhaftigen Gott wird, der hat sich ebenso jede Möglichkeit zum Verständnis und zum Genuss einer Satire verbaut wie jemand, der glaubt, dass ein bestimmtes Buch allein schon deshalb wahr und gottgegeben wäre, nur weil darin immer wieder geschrieben steht, dass es wahr und gottgegeben sei. In leider allzu vielen Fällen führt der tierhaft bitterernste Krampf, mit dem ein Mensch in der Haltung der Religion noch am Absurdesten und erkennbar Falschem festzuhalten trachtet zu einem Zynismus, der selbst von der derbsten Form der Satire nicht erreicht werden kann.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Militärbischof, zu ihrer heute erworbenen Auszeichnung! Sie haben es sich wirklich verdient!