Archive for November, 2016


Urteil

Denken ist schwer, darum urteilen die meisten

Carl Gustav Jung

Advertisements

Die neue Nachbarin

Die deutsche Frau von nebenan sagte über die neue Nachbarin mit ihren fünf lebhaften Kindern: „Was für eine asoziale Frau“. Die türkische Frau von der anderen Seite nebenan sagte: „Was für eine gesegnete Frau“.

Raub

Jeder Krieg ist ein Raubzug. Immer.

Wenn einige Vorkämpfer für die Rechte der Menschen gegen erheblichen gesellschaftlichen Widerstand und unter oft physischem wie psychischem Schmerz so weitgehend ihre Erfolge errungen haben, dass ihre Forderungen längst genannt werden dürfen, ohne lächerlich zu wirken und ohne auf offenen Hass zu stoßen, ja, dass sie bereits zum festen, nicht mehr hinterfragten Bestandteil der bourgeoisen Politik und ihrer journalistischen Ausdeutung geworden sind, dann kommen die Nachkämpfer_innen wie ein Krebsgeschwür der einst not-wendigen Bewegung: All diese Unterstützer_innen, die mit ihrer Unterstützung inzwischen nichts mehr zu verlieren haben, weil es weitgehend ungefährlich geworden ist, sich für die Rechte der Menschen zu engagieren. Da es bei den Nachkämpfer_innen wegen des von ihnen gewählten Zeitpunktes keine wirklich drängende existenzielle Not mehr gibt, die von ihnen bekämpft wird, kämpfen sie freilich auf Außenstehende absurd wirkende Scheingefechte mit auf Außenstehenden absurd wirkenden Mitteln; dabei selbst gut finanziell abgesichert, mit allen von ihren Vorkämpfern kaum erträumbaren Möglichkeiten ausgestattet und oft in den von ihnen dabei offen verachteten bourgeoisen Institutionen reich alimentiert. Sie übernehmen von den mittlerweile gesellschaftlich akzeptierten Vorkämpfern den aggressiven, einst einem not-wendigen Kampf geschuldeten Tonfall und die um Aufmerksamkeit und billiges Gefühl schreiende populistische Methodik, doch ihr Feind ist eine in paraanalytischer Sprache verpackte, untereinander wie die heilige Erkenntnis mitgeteilte Leere, in deren zum Hass freigegebenen Hohlraum im Zweifelsfall jeder Mensch auch aus geringsten Anlässen untergebracht und vor einem aufgeheizten Mob für die Kühlung des Mutes präsentiert werden kann, ohne dass ein davon betroffener Mensch sich dagegen mit Mitteln der halbwegs zivilisierten Auseinandersetzung wehren könnte. Das Ziel beinahe aller Tätig- und Tätlichkeiten der Nachkämpfer_innen ist nicht die Herstellung von Menschenrecht, sondern möglichst bequem zu erreichende persönliche psychische Abfuhr für allerlei individuelles Ungemach der Vergangenheit; die grundsätzliche Haltung, die alle Nachkämpfer_innen in ihrer Verschiedenheit eint, ist eine manisch-depressive Verantwortungslosigkeit, der es nicht gelingt, mit den von den Vorkämpfern errungenen Möglichkeiten, Rechten und Freiheiten etwas wahrhaft Konstruktives mit gesellschaftlicher Strahlkraft für ein besseres Leben anzufangen. Unterdessen. Produziert der weiter über die Gesellschaft ablaufende Prozess seine zwangsläufige Not und Ungerechtigkeit für Viele, die mit den aufgesetzten Scheuklappen der Nachkämpfer_innen nicht sichtbar sind. Zu schlechter Letzt gelingt es den Nachkämpfer_innen gar, dass der Zustand vor den Erfolgen der Vorkämpfer von vielen Zeitgenossen als ein besserer Zustand denn der ablaufende Irrsinn wahrgenommen wird, weil sie die verschwenderische psychische Albernheit und das ziellose Hassgerase der Nachkämpfer_innen der offen von bourgeoisen Medien transportierten Propaganda ebendieser Nachkämpfer_innen folgend mit den Zielen der Vorkämpfer identifizieren, so dass das Krebsgeschwür der Nachkämpfer_innen schließlich den an sich begrüßenswerten gesellschaftlichen Fortschritt auffrisst. Nichts hat so rettungslos verloren wie eine innerhalb des bourgeoisen Gesellschaftssystems erfolgreiche emanzipatorische Bewegung.

Mit warmem Gruß an R. G. und meine anderen Hasser_innen!

Genetisch

Zum entschieden antirassistisch geprägten Zeitgenossen gewandt, sagte der Vorübergehende: „Du klingst ein wenig, als glaubtest du, ‚die Deutschen‘ hätten den Rassismus in ihren Genen“.

Er konnte nicht lachen, der Zeitgenosse.

Mehrheitsverhältnisse

Die Majorität der Dummen ist unüberwindlich und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei indes wird gemindert durch Mangel an Konsequenz.

Albert Einstein.

Fake ist alles, aber auch alles fern

Keiner stört sich daran, wenn dein Essen ein fake ist, der dir durch Einsatz von Chemie schmackhaft gemacht wird; keiner stört sich daran, wenn dein Bild von den Werten der Gesellschaft ein fake ist, der dir durch emotional und psychisch manipulative Klischees aus den Medien in das Bewusstsein gestopft wird, ohne den kleinsten Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit zu haben; keiner stört sich daran, wenn die Demokratie ein fake ist, der in Wirklichkeit eine Oligarchie verselbstständigter Parteienapparate aus einer Parallelgesellschaft ist — aber wenn die Nachrichten, aus denen du dich informierst, fake news sind, die nicht den fake news aus Presse und Glotze entsprechen, dann ist bei hinreichend großen politisch-gesellschaftlichen Auswirkungen das allmedial geäußerte Entsetzen groß. Friss weiterhin Scheiße, glaub weiterhin an kitschesüße Illusionen, wähl weiterhin das Übel, von dem du ein bisschen weniger kaltes Kotzen kriegst und bedank dich bei deinem Feind, dem Journalisten, der dich auch weiterhin im Auftrag von Milliardären und Werbern beliebig manipulieren können will! Dafür kannst du dich dann — du darfst dich nur nicht langweilen und musst deine Sinne mit ständigem input fluten, damit dein Gehirn auch ja nicht mit selbstständiger Denktätigkeit beginne — als guter Staatsbürger fühlen, der mit seinem Tun und Leben dazu beiträgt, dass alles in Ordnung bleibt.

Gruß auch an die „neue“ Kanzlerkandidatin der CDU, der unmittelbar nach Verkündigung ihrer erneuten Kandidatur eine große Bühne bei Anne Will zur Verfügung stand und die sich mutmaßlich jetzt schon darauf freut, dass sie die Fortsetzung der großen Koalition als einen großen Sieg feiern kann!

Freakshow

Früher gab es auf den Jahrmärkten die freak shows zur Belustigung der rohen Geister, heute gibt es die talk shows im Fernsehen.

Gelaberkompetenz der Kompetenzforderer

Politiker, Journalisten und „Alphablogger“, die aufmerksamkeitsheischend in Kameras, Mikrofone und Social-Media-Diensten von der fehlenden „Digitalkompetenz“ unter den Menschen in der BRD sprechen, sind gar nicht so sehr anders als Analphabeten, die vom fehlenden Interesse der Menschen an Literatur daherlabern, obgleich sie kaum ihren eigenen Namen entziffern können, wenn er geschrieben vor ihnen steht.

Mit Gruß an die Förderer, Verlinker und Nachplapperer der netzpolitischen SPD-Tarnorganisation D64!

Die manipulierten Wahlentscheidungen

Zunächst ein kleiner Schlenker in das Gestern.

Im letzten Wahlkampf in der Bundesrepublik Deutschland sprach sie die SPD gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus, die CDU für eine Erhöhung um zwei Prozent. In den Koaltionsverhandlungen haben sich CDU, SPD und CSU dann auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent geeinigt.

Im letzten Wahlkampf in der Bundesrepublik Deutschland sprach sich die CDU — namentlich die werte Frau Kanzlerin Angela Merkel — gegen eine allgemeine Maut für Pkw auf Autobahnen aus, die CSU sprach sich für eine Maut aus, die aber keine Mehrbelastungen bringen sollte. Was die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland demnächst bekommen werden, ist eine Maut mit Mehrbelastungen sowie eine Privatisierung der Autobahnen.

Es ist das Gestern. Niemand macht mehr ein Aufheben darum. Schon gar kein Journalist. Es ist ja lange her, so sehr es auch ins Jetzt hineinwirkt.

Die Journalisten, die derartige Falschmeldungen der Marke „Wahlkampflüge“ für keiner weiteren Aufmerksamkeit würdig halten, schreien allerdings mit lautem Alarmton und drücken auf jeden nur erdenklichen Angstknopf, weil „Falschmeldungen auf Facebook“ in den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika die Wahlentscheidungen so vieler Menschen bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen beeinflusst haben sollen, und zwar in der Summe so stark, dass es den Ausschlag für das schließliche, offenbar von diesen Journalisten völlig unerwünschte und von keinem dieser Journalisten vorhergesehene Ergebnis gab.

Ach, hätten doch nur die Journalisten das Monopol auf massenhaft kopierte Meinung und Lüge zurück! So hört man es deutlich aus den Zeilen seufzen.

Diese Journalisten sehnen sich deutlich sicht- und fühlbar nach der „guten alten“ Zeit zurück, in der es nur zwei Möglichkeiten gab, die Wahlentscheidungen von Menschen zu beeinflussen: Die ganz gewöhnlichen und niederträchtigen Wahlkampflügen der antretenden Parteien und die Lügen, Fehldarstellungen, verkürzten Wahrheiten und psychologischen Manipulationen durch den Journalismus in Presse und Glotze.

Möge dieses machtbesoffen-verlogene lichtscheue Gesindel niemals wieder die Zeiten zurück bekommen, nach denen es sich zurücksehnt.

Meinung und Glauben

Nicht die Tatsache, dass du eine Meinung hast und gewisse Dinge glaubst, macht dich zu einem unabhängigen Denker, und auch nicht, dass du darüber sprichst. Jeder Idiot hat eine Meinung und glaubt gewisse Dinge, und er lässt dabei kaum eine Gelegenheit zur Mitteilung aus. Was dich zu einem unabhängigen Denker macht, ist die Fähigkeit, deine Meinung zu ändern und deinen Glauben zu verlieren, wenn du neue Beobachtungen machst oder neue Informationen bekommst. Dabei wird aus dir nicht jemand, der weder Meinung noch Glauben hat. Aber aus dir wird jemand, der um die Beschränktheit und Bedingtheit seiner Einsichten weiß, ein unabhängiger Denker, ein Mehr als ein Affe, ein wirklicher Mensch, der sich mit weiser Menschenschläue auffüllt.

Jene nackten Affen hingegen, an denen das Menschsein verschwendet ist, sie weisen alles, was ihrer Meinung und ihrem Glauben widerspricht zurück, um die damit verbundene narzisstische Kränkung abzuwehren.

Digitalkompetenz

„Digitalkompetenz“, sagte der Vorübergehende, „was für ein schwachsinniges Wort, und wie oft es von völlig kompetenzfreien Gestalten im Munde geführt wird, weil es so einen schönen Klang hat, dass die Inhaltslosigkeit dahinter nicht auffällt. Von seiner Bedeutung her mutet es an, als ginge es um die Fähigkeit, Nullen von Einsen unterscheiden zu können. Angesichts solcher Blendwörter wäre in der Tat viel gewonnen, wenn wenigstens die meisten Menschen es endlich schafften, die Nullen schnell und ohne langes Nachdenken zu erkennen und mit ihnen so umgingen, wie es ihnen gebührt“. Nach kurzem Nachdenken fügte der Vorübergehende an: „Das gilt insbesondere für führende Nullen„.