Tag Archive: TV


Assistenz

„Fernsehen“, sagte der Vorübergehende zum Glotzenden, „ist betreutes Träumen für jene, die so stumpf geworden, dass sie es unbetreut und aus eigenem Antrieb nicht mehr können oder wollen“.

Mit hinreichender Realitätsflucht wird sogar betreutes Denken daraus.

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Winke winke, nochmal!

Als der Vorübergehende mitbekam, was für eine billige, mit basalen Mitteln unter Umgehung des Intellekts an der Aufmerksamkeit zerrende Unterhaltungssendung im Hintergrund im Fernseher vor sich hinflimmerte und hinplapperte, sagte er: „Das ist ja wie die Teletubbies für Erwachsene“. Aber als kurz danach auf eine vorgeblich politische Sendung umgeschaltet wurde, veränderte sich der Eindruck nicht, den der Vorübergehende von der Darbietung bekam.

Bedrohlich und bedenklich

Die jeweilige Situation wird medial-journalistisch stets als bedrohlich (also die psychische Deutung der Angst und Machtlosigkeit anreizend) und nicht als bedenklich (also die Verstandesfunktionen anreizend) dargestellt, denn Menschen, die sich bedroht fühlen, reagieren mit ihrem psychischen Affenprogramm, als müssten sie vorm Tiger fliehen — und sind dementsprechend anfällig für alle Richtungsweisung und für jedes Angebot, dass ihnen das starke Unlustgefühl ihrer Angst zu nehmen verspricht. Würde die jeweilge Situation als bedenklich dargestellt, also als etwas, was von jedem betroffenen Menschen bedacht werden muss, um eine reflektierte, bewusste und selbstverantwortliche Entscheidung zu treffen, dann würden viel häufiger viel mehr Menschen ihre Entscheidungen nicht mit der Psyche, sondern mit ihren vernünftigeren und einem durch die Zivilisation deutlich gesicherterem Leben angemesseneren Geistesfunktionen treffen. Ein Mensch, der seine Entscheidungen bedenkt, statt sie aus bestenfalls vorbewussten und kaum noch verbalisierbaren Regungen zu treffen, ist freilich eine schlechte „Zielgruppe“ im Sinne der intelligenzverachtenden Sprache der Werber; und der Transport von Reklame ist leider das eigentliche und einzige Geschäftsmodell der Contentindustrie, so dass in den Produkten der Contentindustrie aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen ein für den Reklametransport passendes Umfeld geschaffen werden muss. Der medial-journalistische Apparat der Contentindustrie ist Hauptbefeuerer der mörderischen Irrationalität in den gegenwärtigen Gesellschaften, er hat darin die Religion der mittelalterlichen Gesellschaften beerbt. Da nimmt es nicht Wunders, dass diese übernommene Rolle bedrohlicher- und bedenklicherweise mit dem gleichen Absolutheits- und Wahrheitsanspruch eingenommen wird.

Fernsicht

Früher habt ihr auf den Fernseher geglotzt. Heute glotzt der Fernseher auf euch.

Einer der Einträge beschreibt zum Beispiel, wie die Hacker eine Software entwickelt haben, mit der sich eine bestimmte Serie von Samsung Smart-TVs in Wanzen verwandeln lassen. Die Geräte mit der Typenbezeichnung F-8000 wurden demnach mit einem Programm namens „Weeping Angel“ angegriffen und haben danach alle Gespräche im Raum an einen CIA-Server übermittelt. Der Fernseher erweckt dabei den Anschein, als sei er ausgeschaltet. Einzig eine winzige blaue LED-Leuchte auf der Rückseite weist darauf hin, dass das Gerät aktiv ist

(Archivierte Version der Tagesschau-Meldung gegen die von Presseverlegern in den Dunkelkammern des Reichstages lobbyistisch durchgesetzte „Depublikation“ von Inhalten des BRD-Quasistaatsfernsehens)

Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

Terrorexperte

„Oh, die haben einen Terrorexperten für die Nachrichtensendung“, sagte der Vorübergehende, weil es ihm so unwiderstehlich juckte, „der hat doch sicherlich viele Jahre lang als Terrorist gearbeitet“.

Freakshow

Früher gab es auf den Jahrmärkten die freak shows zur Belustigung der rohen Geister, heute gibt es die talk shows im Fernsehen.

Die sechs Planeten

Als der Vorübergehende den trailer der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ sah, sagte er in schelmischen Tonfall zu seiner Zeitgenossin: „Schau nur, die haben sechs Weltkugeln“.

Die Stimme für Deutschland

Jetzt, da das gleiche Untenhaltungsmanagement beim NDR, das — vor allem anderen von Vermarktungsmöglichkeiten ausgehend — so richtig wertneutral beflissen entschieden hat, dass Xavier Naidoo für die BRD zum ESC entsendet wird, sich wegen der schlechten Presse ob dieser Entscheidung flugs dazu umentschied, ihn doch nicht zu nehmen, stellt sich nur und immer noch die Frage, wen sie wohl an seiner Statt nächstes Jahr nach Schweden schicken werden. Mein Tipp: Helene Fischer.

Kinder gehen immer

Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus

Kai Gniffke, Chefredakteur der ARD-Tagesschau

Quiz

Ein nach Aussehen und medienkompatiblen Redefluss ausgewählter Typ, der zur Lehrerberuf völlig ungeeignet wäre, wirft sich in die Pose des Steißtrommlers und stellt Fragen, die auch mit erweiterter Allgemeinbildung nicht beantwortbar wären. Andere Typen formen ihr Unwissen in stammelnde Worte. Aus dem Publikum ansteckendes Gejohle. Vor den Fernsehern die Menschen, deren Prominenz oder Aussehen nicht für die televisionäre Illusion ausreicht, die sich dieses Schauspiel anschauen. Wichtige Fragen bleiben ungestellt. Wichtige Antworten bleiben ungehört. In den eingeblendeten Zahlen dünstelt das Geld durch die Flimmerstunde, die Quelle der kultivierten Dummheit, der Garant für den Erhalt von Herrschaft und Sklaverei.

Babylonischer Vorhöllenhokuspokus

Die täglichen Börsenberichte in Presse und Glotze in ihrer Sammlung tagesaktuell erstellter, nichts-sagender und völlig faktenfreier Phrasen über Gefühl, Stimmung und Möglichkeiten sind nichts weiter als der babylonische Vollhöllenhokuspokus der Astrologie für Menschen, deren „Sterne“ längst die Scheine geworden sind.