Archive for Mai, 2014


Vergessliches Internet

Eine Gruppe von Menschen benötigt das Funktionsmerkmal „Vergessen“ von Internetinhalten ganz besonders: Angehörige der classe politique, die nicht wünschen können, dass ihr Reden und Tun von gestern in der Erinnerung bleibt. Sie waren dem von Regierenden aus der classe politique besetzten Europäischen Gerichtshof gewiss sehr dankbar.

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Die Überwachungsbürger

Während früher die Geheimdienste das Problem hatten, ihre Wanzen über längere Zeiträume mit Strom zu versorgen, sind wir so hilfsbereit und laden unsere Smartphones regelmäßig auf

Markus Kompa

Das proklamierte Bett

Wenn doch jeder, der nach Genuss seines Twitter- und Facebook-Streams mit einem leicht anbringbaren und ebenso leicht wieder entfernbaren Aufkleber ein Bett für Edward Snowden zu haben proklamiert, nur irgendwo in einer Ecke seines Wohnquaders eine Decke auf den Boden legte und einen der vielen Obdachlosen aus seiner direkten Umgebung darauf schlafen ließe¹, wie viel wäre damit schon gegen die sich ausbreitende menschliche Kälte gewonnen! Das Kleben der Menschenrechte ist so leicht und selbstgerecht, das Leben der Menschenrechte ist so unpopulär und angstverhindert.

¹Der zugegebenermaßen etwas strenge Geruch vieler Obdachloser verschwindet übrigens sehr schnell, wenn man sie auch für ein paar Minuten die Dusche benutzen lässt…

Licht und Altpapier

Altpapiertonnen in finsterer, brutalistischer Betonumgebung, dahinter sind Bäume und alles überstrahlendes Licht sichtbar

Die Bäume machen aus Licht Holz, und dieses Holz landet zum Teil — nach einigen industriellen Weiterverarbeitungen — mit schell vorübergehenden Sinnlosigkeiten bedruckt in einer Altpapiertonne. Und. Über allem gleißt das Licht der Alles gebenden Sonne, das physikalische Vorbild jedes Gottes, den die Menschen je aus ihrer Psyche geformt haben.

Wenn die Menschen ein Parlament wählen, das in der Praxis der Europäischen Union keine politische Gestaltungsmöglichkeit hat und wenn die Menschen mit dieser Wahl eine weitgehend undemokratische EU zu legitimieren helfen, dann ist diese Wahl wahrlich kein Hochfest der Demokratie.

Der feierlich Geehrte

Ich spürte den sozialen Druck des Konformismus […] ich spürte, dass ich eine begehrte Auszeichnung erhalten hatte und gleichzeitig ein Stück von mir dabei verlor

Jacob Appelbaum zu seinem Henri-Nannen-Preis

Gesetzesrentner

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wird heute 65 Jahre alt. Und. Die gegenwärtige CDU-SPD-CSU-Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat es schon längst in die Rente geschickt — die feierlichen Reden der classe politique anlässlich des runden Geburtstages nehmen unterdessen die wenig tröstlichen Nachrufe am Grabe vorweg.

Meine Wahlempfehlung (für jede Wahl)

Anders, als Anhänger und Mitglieder einer Partei empfehle ich hier keine bestimmte Partei. Ich empfehle nicht einmal das Wählen, außer, jemand findet das gegenwärtige, in meinen Augen scheindemokratische und neufeudale System der Herrschaft über sein Leben so gut, dass er es explizit und aktiv legitimieren möchte. Wer dieses Herrschaftssystem nicht gut findet, sollte gar nicht erst wählen gehen.

Leider gibt es viele Menschen, die es gut finden, wenn sich eine classe politique bildet, die unkontrolliert ihrem Hang zur Selbstbezüglichkeit und Korruption folgen kann. An diese richte ich mich.

Nur diesen Menschen gilt meine hier gegebene Wahlempfehlung.

Jedem anderen empfehle ich die völlige Verweigerung der Wahl. Es gibt keinen Grund, freiwillig ein „Spiel“ mitzuspielen, das man ablehnt und bei dem man denkt, nur verlieren zu können.

Und wie schon gesagt, ich — als jemand, der dieser Ochlokratie nichts mehr abgewinnen kann — empfehle nicht eine bestimmte Partei, sondern ich empfehle die Verwendung der Augen, der Ohren, des Mundes, des Tastsinnes, ja, zuweilen gar des Geruchssinnes und anschließend des Hirnes bei der Wahl. (Dabei stehe ich völlig offenbar auf einer anderen Seite als jene professionellen Lügner¹, die für die Durchführung der Wahlreklame der Parteien viel Geld erhalten haben.)

Wenn sie wirklich wählen wollen, schauen sie sich vor ihrer Stimmabgabe ihr Wahllokal bitte einmal ganz genau an! Nehmen sie sich dafür, wenn sie das können, ruhig eine halbe Stunde Zeit! Oder auch etwas mehr. Sie sind schließlich im Begriffe, eine Entscheidung zu treffen, die für Jahre halten muss. Und danach denken sie noch einmal über ihre Entscheidung nach, denn ihre früheren Entscheidungen sind zu dem Zustand geworden, den sie gesehen und teilweise gar gerochen haben.

Häufig werden staatliche Schulen als Wahllokale benutzt. Schauen sie sich die Schule an! Machen sie sich bei ihrem langsamen Rundgang völlig bewusst, dass hier der Ort ist, an dem die Kinder von heute auf die (zurzeit natürlich nur bruchstückweise bekannten) technischen, sozialen und intellektuellen Anforderungen der kommenden Zeit vorbereitet werden — und dass die hier vorbereiteten Kinder in einer absehbaren Zeit ihr Leben im Alter finanzieren müssen²! Schauen sie sich den Zustand des Gebäudes an! Sie werden in sehr vielen Fällen verschimmelte Wände, erbärmliche sanitäre Anlagen, jahrzehntealte und teilweise kaputte Schulmöbel vorfinden. Dieser Zustand kombiniert sich mit Lehrmaterialien, die wie ein Anachronismus ins Jetzt hineinragen und damit den Eindruck vom oft ruinenhaften Zustand des Gebäudes vervollständigen. Davon, dass die technische Ausstattung vor zehn Jahren schon altmodisch war, ganz zu schweigen.

Lassen sie das auf sich wirken! Und dann benutzen sie ihren von Wahlreklame und nichtssagenden Floskeln von Chancen, Arbeit und Sicherheit eingelullten Verstand und überlegen sie, ob es so weitergehen soll, wie es unter der Herrschaft der in der politischen Praxis so leicht verwechselbaren Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen gelaufen ist! Und dann wählen sie etwas anderes! (Aber vorher lesen sie bitte noch diesen Text zu Ende, denn er geht weiter.)

Was ebenfalls häufig als Wahllokal verwendet wird, sind staatliche oder (in der BRD: staatlich finanzierte) kirchliche Altersheime, die man hier, um das unangenehme Wort vom „Alter“ mit all seinen scheußlichen Assoziationen von Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit, Widerstandsunfähigkeit, Fremdbestimmtheit, Armut, körperlichem und intellektuellem Zerfall, voranschreitender Krankheit, Schmerzen und Tod nicht mehr nennen zu müssen, offiziell-euphemistisch als „Seniorenzentrum“ bezeichnet. Widerstehen sie der Verdrängung, die ihnen durch Euphemismen abverlangt wird, und nehmen sie sich auch hier eine halbe Stunde, bevor sie eine Entscheidung treffen, die für Jahre gilt und Menschen in Amt und Herrschaft bringen, die ihnen jahrelang keine Rechenschaft mehr schuldig sind und die sie und ihre Intelligenz — wenn nicht gerade Wahlkampf ist — offen verachten! Schauen sie sich die Menschen an, die im Altersheim arbeiten, und versuchen sie, in Gespräche zu kommen, um zu erfragen, wie man als Mensch von dieser Arbeit leben kann und wie diese Arbeit bezahlt wird! Sprechen sie mit den Menschen, die in diesem Altersheim leben und fragen sie danach, wie ihr Alltag aussieht, was sie essen, wie man sich im Altersheim um ihre Schwäche kümmert und wie sie behandelt werden! Fragen sie auch mal nach einem Dekubitus, und auch danach, ob auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet wird, oder ob lieber Tabletten gegen die aufkommende Demenz gegeben werden.

Lassen sie das, was sie dort hören und erleben, auf sich wirken! Seien sie sich dabei völlig bewusst darüber, dass sie einen Blick in ihre eigene Zukunft getan haben! Und dann vergessen sie die feierlichen Sonntagsreden von Würde, Wohlstand, Sozialstaat, Gesundheit und Menschenrechten, benutzen sie ihren Verstand und überlegen sie sich, ob sie diese für sie vorgezeichnete Zukunft wirklich haben wollen! Denn in eine derartige Anstalt wird man sie unter der Herrschaft der in der politischen Praxis so leicht verwechselbaren Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen irgendwann abschieben, wenn sie nicht die Gnade eines frühen Todes erleben oder sich zum Freitod entschließen. Und dann wählen sie etwas anderes!

Und lassen sie sich niemals, niemals, niemals im Schatten sinnloser Prunkbauten zur Verherrlichung der classe politique und ihrer Herrschaftsausübung erzählen, für Bildung und die Würde des Menschen sei kein Geld da! Schauen sie sich stattdessen an, wofür das Geld da ist! Für Panzer immer, für Menschen nimmer…

Dann wird ihnen auch schnell klar, warum Parteien wie die CDU, SPD, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen in den Städten einiges an Aufwand treiben, um alte Menschen mit Bussen zum Wahllokal zu fahren: Wer noch eine andere Zukunft als den Tod vor sich sieht, kann diese Parteien wegen genau dieser Zukunft nicht wählen.

Wenn sie nach dieser Betrachtung und einiger Überlegung zu der Auffassung gelangt sind, dass eine Partei wie die „Alternative für Deutschland“, die alle gescheiterten Konzepte der Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen noch einmal an einer ganzen Gesellschaft ausprobieren möchte, eine bessere Wahl als die „Originale“ ist, dann werde ich sie nicht daran hindern, dieser Auffassung zu folgen³. Wenn sie meinen, dass die gescheiterten Rezepte von gestern die Antwort auf die Anforderungen von heute und morgen sind, dann wählen sie die AfD! Es ist ihr Recht, so sehr es mir und einigen von Verlagsmilliardären bezahlten Journalisten, die das Wort „Rechtspopulisten“ bis zur Bedeutungslosigkeit dehnen, auch missfällt. Wenn sie weiterhin wollen, dass die Technik der Vergangenheit subventioniert wird und die Technik der Zukunft behindert wird; wenn es ihr Wunsch ist, dass die Erwachsenen von morgen an den Schulen von heute auf die Anforderungen von gestern vorbereitet werden; wenn ihnen eine Gesellschaft erstrebenswert erscheint, in der menschliches Leben vor allem unter den Aspekten von Wirtschaftskraft, Umsatz und Ausbeutbarkeit betrachtet wird; dann freilich, dann brauchen sie nicht die AfD zu wählen: Sie sind mit CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen bereits gut bedient.

Wenn sie aber mit ihrer Wahl eine andere Richtung der Gesellschaft bewirken wollen, dann wählen sie etwas anderes! Die AfD ist — anders als etwa richtige „Rechtsparteien“ wie die NPD — zurzeit überflüssig wie ein Kropf, da sie für eine Fortsetzung dessen steht, was durch die Herrschaft der Apparate CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen gescheitert ist — und zwar unter beschleunigtem Abbau zivilisatorischer Errungenschaften.

Und nein, ich werde ihnen nicht sagen, was sie wählen sollen. Sie haben ein Internet, und sie haben ein Gehirn, und sie haben die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Gedanken zu verstehen, also nutzen sie, was ihnen zur Verfügung steht! Nur eines sage ich ihnen: Wählen sie etwas anderes als CDU, SPD, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, wenn ihnen ihr eigenes, einmaliges und schnell entschwindendes Leben etwas wert ist!

Fußnoten

¹Werbung ist professionelle — also zum Zweck des Gelderwerbs betriebene — Lüge, um Menschen damit unter Umgehung ihres Verstandes zu manipulieren. Ich finde diese „Profession“ verachtenswert und halte sie für schädlich und gefährlich, und ich wünsche mir Zustände, in denen Prostituierte, Kleinkriminelle und Penner ein höheres Ansehen haben als Werber, das Geschmeiß, das von solcher verachtenswerter Tätigkeit lebt.

²Angesichts der Bevölkerungsentwicklung müssen diese Kinder als Erwachsene sogar wesentlich produktiver sein, als sie selbst es in ihrem Leben jemals waren. Dies setzt Fähigkeiten und Fertigkeiten voraus, deren Grundlagen in der Schule gelegt werden müssen.

³Ich erwarte tatsächlich bei der Europawahl einen überwältigenden Erfolg für die AfD, selbst 15 Prozent scheinen mir möglich zu sein.

Der Satan des Internet

„Achte nur mal darauf“, sagte der Vorübergehende zu seinem Gefährten, „wie viel im Moment über Google berichtet wird, und zwar in einem Tone, als sei Google ein Satan des Internet¹ geworden, der alles kaputt macht und jedes Geschäft und jedes Menschen Privatsphäre bedroht. Und. Achte darauf, wie wenig im Moment über die Folgen der Weltüberwachung durch monströse staatliche Geheimdienste im Rechtsfreien Raum gesagt wird. Nichts ist für die Bosheit so nützlich, wie ein wohlgestaltetes und mit deutlichen Farben ausgemaltes Bild des Teufels zu haben, auf dass sie mit dem Finger zeigen kann“.

¹Google ist ziemlich böse. Aber der wahre Feind des Internet und aller seiner Nutzer — und das Wort „Satan“ heißt zu deutsch einfach nur „Feind“ — sitzt in den Geheimpolizeien und staatlichen Lausch-, Späh und Morddiensten, die jeden Menschen als einen potenziellen Verbrecher betrachten und überwachen.

Tarzan-Deutsch

Tarzan-Deutsch nennen es Türken, wenn Deutsche falsches Deutsch mit ihnen sprechen, weil sie hoffen, dass Türken sie dann besser verstehen. Tarzan-Deutsch spricht man langsam. Lässt alle Artikel weg. Duzt. Dekliniert die Verben nicht und baut die Sätze falsch. Es sind Sätze wie: „Herr Gezer, du wissen, Tochter nicht schlagen, weil ich reden mit dir.“ Mein Vater hat die Theorie, dass Tarzan-Deutsch schuld daran ist, dass manche der alten Türken nie richtig Deutsch lernen werden.

Özlem Gezer

Schlagwörter

„Die, die andere nicht mit Argumenten überzeugen können oder wollen“, sagte der Vorübergehende angesichts der Wahlplakate am Wege, „die ballen eine Faust aus ihrem hervorquellenden und niemals recht untersuchten Gedanken, und daraus entstehen ihre Schlagwörter“.

Rastplatz (7)

Hinweisschild, dass ein Hund hier nicht kacken soll, direkt neben einer Bank zum Draufsetzen