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Unvorbereitet

Beinahe niemand in der BRD ist auf ein durchzensiertes Internet vorbereitet, das gerade erst in der nützlichen Gelegenheit des Krieges Russlands gegen die Ukraine als Maßnahme „gegen russische Propaganda“ eingeführt wurde und in Zukunft wohl weiter nach den Vorgaben des jeweiligen politischen Tagesgeschäftes ausgebaut werden wird, damit nicht Teile der Bevölkerung durch beunruhigende Informationen verunsichert werden. Beinahe niemand in der BRD weiß, wie man Zensurmaßnahmen umgehen kann, und noch weniger Menschen wissen, dass es überhaupt ein Internet jenseits des Webbrowsers gibt. Beinahe niemand in der BRD weiß, wie man der Überwachung seiner gesamten Kommunikation entgehen kann, auch nicht nach den Enthüllungen Edward Snowdens — der zur Schande Europas ausgerechnet in Putins Russland Asyl gefunden hat und dort Zeugnis von der Wirklichkeit der Presse- und Meinungsäußerungsfreiheit in den westlichen „Demokratien“ ablegt — und auch nicht nach den Skandalen um den rechtswidrigen Einsatz von staatlicher Schadsoftware in der BRD.

Aber alle tragen sie ständig das Internet in der Tasche. Und fühlen sich frei.

Reden vom Internet

„Die meisten Mitglieder der Classe politique und ihre Freunde, die Journalisten“, sagte der Vorübergehende zum Genießer der Nachrichten und des Journalismus, „reden so vom Internet, wie ein Milliardär von der Arbeit spricht: Objektiv kenntnislos, voller bizarrer Vorstellungen und falscher Metaphern und dabei doch voller idiotischer Selbstgewissheit und Überzeugung“.

Tweet von Marco Buschmann, Bundesminister der Justiz, verifizierter Account vom 1. Februar 2022, 11:15 Uhr: Es ist nicht nur unerträglich, dass der entsetzliche Mord von #Kusel von einigen Telegram-Nutzern befürwortet wird. Wer eine Straftat öffentlich billigt, macht sich strafbar. Wir müssen den Fahndungsdruck im Netz erhöhen. Online-Streifen können da einen wichtigen Beitrag leisten.

Und der Vorübergehende setzte fort: „Pass nur auf, gleich kommt hier die Online-Streife vorbei, wird langsamer, wenn sie uns sieht, hält schließlich neben uns an, will unsere Online-Ausweise kontrollieren und nach der Kontrolle dürfen wir weitersurfen“.

Problem

Ich habe ein Problem mit Politikern, die ein Problem damit haben, dass es Internetdienste gibt, die beinahe keine Inhalte löschen.

Diejenigen Herrschenden, die am liebsten die selbstständige Denk- und Urteilsfähigkeit eines jeden Menschen mit Gewalt auslöschen würden, damit sie nicht mehr ihren Ambitionen im Wege steht, an diesem ersten Ziel aber trotz aller ihrer Versuche und Propaganda scheitern, diese verbrennen dann irgendwann als Ersatzhandlung Bücher, zensieren das Internet, überwachen die Kommunikation, verbieten Wörter und kriminalisieren mit Willkürgesetzen Äußerungen; und sie haben dafür stets hunderte von angeführten Gründen, die nicht nach Gewalt, sondern nach Schutz und Fürsorge für höhere „Güter“ als individuelle Freiheiten klingen.

Befähigung

Der, der da steht und diktieren will, was geschrieben wird, während alle schreiben, der ist der Analphabet.

Es ist „anwenderfreundlich“ geworden…

Früher gab es auch Idioten, aber ohne das Internet wussten die nichts voneinander.

Erwin Pelzig

Vergissmeinnicht

Die Redensart, dass das Internet nicht vergesse, bedeutet in ihrem Spiegelbild nur, dass es sich auch an nichts erinnert, weil es keiner Sache herausragende Bedeutung und damit Priorität zuweist und sie damit privilegiert, um anderes dafür auszusortieren. Wer nicht vergisst, ist nicht klug und weise, sondern dumm und geschmacklos.

Ölpest

„Wenn Daten das ‚Öl des 21. Jahrhunderts‘ sind“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann ist das Internet eine riesige Ölpest. Diese wird aber von niemanden bekämpft, sondern alle pumpen immer noch mehr Öl hinein, egal, wieviel Schönes und Lebendiges dabei verendet“.

Meinungsfreiheitsermöglichungsmaßnahmen

Die Zensoren für das Internet werden, von ihren PR-Agenturen beraten, schon in Kürze davon zu sprechen beginnen, dass sie nicht die Meinungsfreiheit unterdrücken, sondern sie durch ihre Schutzmaßnahmen ganz im Gegenteile erst ermöglichen und dass sie damit die eigentlichen Helden und Verwirklicher der Demokratie sind.

Asoziale Netzwerke

Die sozialen Zwänge, denen die letzten verbliebenen Unwilligen durch Freude, Chefs, Bildungseinrichtungen, Kollegen, Medien und Krämer ausgesetzt werden, damit sie endlich auch social media von WanzApp über Instavergrämung bis Fecesbook verwenden, haben längst asoziale Ausmaße angenommen.

Artikel 13

Seit das Internet auch für Menschen ohne besondere technische Fähigkeiten zugänglich und in der Folge ein ganz normaler Teil ihres Alltags geworden ist, bemüht sich die Classe politique atemlos darum, das einzige partizipative Massenmedium des Technikzeitalters zu zerstören, zu kriminalisieren, zu zensieren oder doch zumindest so stark zu beschädigen, dass es möglichst wenig Wirkung entfalten kann — von Ursula „Stoppschild“ von der Leyen bis Axel „Uploadfilter“ Voss zieht sich eine klare und deutliche Linie in die gleiche, unerfreuliche Richtung. Während die angebliche Politikverdrossenheit des Volkes mal bedauert und mal als große Gefahr für die Demokratie an die Wand gemalt wird, hat die real existierende Volksverdrossenheit der Politiker jedes erträgliche Maß überschritten und ist dabei leider nicht abwählbar. Das, was die Menschen stattdessen entschlossen und durchaus wirksam „abwählen“, weil sie wenigstens dazu die Möglichkeit haben, ist ein contentindustrieller Journalismus, der sich offen und unter Herbeiziehung jeder nur denkbaren Propaganda- und Manipulationstechnik in den Dienst dieser politischen Herzensangelegenheit gestellt hat und stellt.

Das einzig Erfreuliche ist, dass am heutigen Tag ganz viele junge Menschen mit frisch erwachtem politischen Bewusstsein und noch vielen Jahrzehnten Wahlberechtigung vor sich gelernt haben, was sie von der Politik der etablierten Parteienapparate und vom contentindustriellen Journalismus zu erwarten haben, während die tendenziell viel älteren Gleichgültigen im Austerben begriffen sind. Sicherlich, bis zu einer spürbaren gesellschaftlichen Wirkung dieses Anstoßes braucht es mindestens ein Jahrzehnt, und ich bin mir keineswegs sicher, ob ich in zehn Jahren noch leben werde, aber ich habe heute den Anfang vom Ende der bestehenden BRD-Parteienoligarchie und ihrer hoffnungslos volksverdrossenen, zutiefst grundgesetzlichfeindlichen und klar antidemokratischen Strukturen erlebt. Schade, dass es nicht nur für mich, sondern auch für Deutschland und seine Nachbarstaaten viel zu spät sein wird.

Besserer Versuch

„Es fehlt eine Sehnsucht nach dem, was so kurz nach der Anfangszeit des Web verloren gegangen ist. Jeder eigene Homepageversuch, und sei er noch so stümperhaft, ist immer noch besser als eine Facebook-Seite.