Tag Archive: Heuchelei


Sommer

„Es ist Sommer“, sagte der Vorübergehende zum Zeitgenossen, „und das merkt man daran, dass nach der 20-Uhr-Tagesschau noch eine Sondersendung kommt, weil es heißes Sommerwetter im Sommer gibt. Eine Sondersendung voller Klima und Forderung nach Reduktion von Treibhausgasen; ja, gerade ich und du, wir müssen reduzieren und wir müssen uns einschränken. Ich werde in Zukuft einfach nur noch jede zweite Mülltonne nach Essbarem durchsuchen. Währenddessen wartet die Bundesregierung gespannt darauf, ob der Russe auch wirklich wieder Gas zum Verbrennen liefert und denkt sich in der Zwischenzeit Konzepte für neue, möglichst antisoziale Steuern aus, wegen des Klimas, versteht ihr, wegen des Klimas“.

Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie viele Autokaufprämien ich in den letzten Jahrzehnten erlebt habe, alle begründet mit der Umwelt und dem Klima. Aber ich warte immer noch auf meine paartausend Euro von der Bundesrepublik Deutschland dafür, dass ich mir gar nicht erst ein Auto zulege. Es ist niemals um etwas anderes als Korruption und verdeckte Wirtschaftssubvention gegangen, und es geht auch jetzt um nichts anderes.

Wenn die christlichen Quasistaatskirchen der BRD damit werben, wie sehr sie sich um die Schwachen, Kranken und Benachteiligten kümmern, dann ist das, was sie in dieser heuchlerischen Lüge beschreiben, so selbstlos und nächstenliebend wie eine Katze, die anbietet, dass sie sich um Vöglein und Mäuse kümmern könne. Und für die, die von diesem „Kümmern“ betroffen sind, ist es ebenfalls eine unnötig lange Zeit voller Aussichtslosigkeit, Angst, Gewalt und Quälerei, die sich nur für den Kümmernden lohnt. Kein Hotelzimmer ist so wuchermäßig teuer wie das Loch, in dem man alte Menschen (oft als fremdbestimmte Verfügungsmasse gegen ihren expliziten Willen) im Alters-KZ unterbringt, und der Ausgebeutete, der dort zum BRD-Mindesthohn in der Nacht sitzt und für neunzig Langsamsterber auf drei Etagen verantwortlich sein soll, kann diesen Preisunterschied kaum erklären.

Die in letzter Zeit die Empörung anheizenden organisierten sexuellen Kindesmissbräuche in der röm.-kath. Kirche sind nur die Spitze jenes Eisberges der Menschenverachtung, der für die christlichen Quasistaatskirchen der BRD längst zum vollwertigen Ersatz für das Herz geworden ist.

Schweinehirte

Der Pfaffe, der dafür sorgt, dass sie der Kirche ihr Geld geben, damit die Kirche damit ihre vielen Kirchenprobleme lösen kann, aber ihnen das Gebet empfiehlt, um damit ihre Probleme zu lösen.

Uiguren

„Es ist schon faszinierend“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dass unsere Regierung immer erst bemerkt, dass Menschenrechte in China nichts wert sind, wenn es zum Thema in den Medien der Contentindustrie wird. Und wenn es dann wieder vergessen wird, weil die Neuigkeit von einer Flut neuerer Neuigkeiten überspült wurde, gibt es die nächsten Geschäfte. So gute Geschäfte!“

Lebensschutz

Wenn die Christen in den USA das Leben schützen wollten, dann würden sie sich nicht so einseitig auf den Schutz des ungeborenen Lebens vor einer Abtreibung konzentrieren, sondern sich auch um den Schutz des geborenen, ausgewachsenen und sehr viel bewusster leidensfähigen Lebens kümmern, das in Form von Soldaten eines Staates mit zwei relativ ungefährlichen Grenzen überall auf der Welt mordet und verreckt, wo es Öl oder außenpolitische Ziele gibt. Dass sie das nicht tun, nicht einmal in Ansätzen, zeigt deutlich, dass es ihnen auch bei der Abtreibung nicht um den lediglich vorgeschobenen „Schutz“ eines Lebens geht, sondern nur um die Bestrafung einer Frau für den Geschlechtsverkehr.

So schade, dass der G’tt der Christen auf religiöse Heuchelei nicht mehr wie in biblischen Zeiten mit sofortiger Ermordung der Heuchler reagiert! Es wäre viel mehr Platz in den Kirchen, und sie wären viel ruhiger…

Predigt und Freiheit

Wenn in der Agitation und politischen Argumentation „höhere Werte“ eingesetzt werden, heißt das noch lange nicht, dass die Angehörigen der Classe politique sich selbst oder ihre politischen Beglückungsideen davon abhängig machen wollten, indem sie sich selbst an diese „höheren Werte“ binden, sondern ganz im Gegenteil. Und das galt bis jetzt noch für alle, die nach Amt, Herrschaft und Pfründen streben, nicht nur für die jeweilige Regierung. Gar prächtig hat die Politik der so genannten „demokratischen Staaten“ das Heucheln und Frömmeln von den christlichen Kirchen gelernt.

Überzeugungen

„Wenn der Kosmos den ganzen Furz deines Lebens ignoriert und du nicht einmal einen anderen Menschen nach deinen Überzeugungen umgestalten kannst“, sagte der Vorübergehende zum seinem Bruder im Staub, „dann versuch doch wenigstens, deine eigenen Überzeugungen selbst zu leben“.

Trotz der Flut

So lange in der Bundesrepublik Deutschland Dörfer und Wälder zerstört werden, um im großindustriellen Maßstab Braunkohle aus der Erde zu graben — eine Substanz, für die es nur eine Nutzungsform gibt, nämlich sie anzuzünden, damit sie brenne — so lange soll mir kein dafür verantwortlicher Politiker mit seinen Lügen über den Klimaschutz und seinen diversen Verteuerungsideen „wegen des Klimas“ kommen. Egal, aus welcher Partei. Und erst recht egal, ob gerade eine schreckliche Flutkatastrophe geschieht, die diesem asozialen Pack von verlogenen Heuchlern als praktische Wahlkampf-Kulisse dient, um sich in Gummistiefeln vor die Kameras zu stellen und plitscheplatsch zum Hohn für die Toten den Furz ihrer Lügen aus dem eklen Arschmund zu entlassen.

Zuschauerorientierung

„Die wenigsten Menschen tun das, was sie tun, weil sie es für richtig und freudvoll halten“, sagte der Vorübergehende leise zu seinem Mitmenschen, „sie tun es, weil sie dabei gesehen werden und die Anerkennung für die soziale Normerfüllung erhalten wollen. Dabei ist ihnen nichts peinlicher und schamvoller, als einmal dabei gesehen zu werden, wie sie ungehemmt tun, was sie für richtig und freudvoll halten“.

Hälfte

„Wenn jeder nur die Hälfte von dem selbst täte, was er von anderen verlangt“, sagte der Vorübergehende zu seinem Mitmenschen voller kostenlos feilgebotener Moral für andere Menschen, „dann wäre diese Erde gleich ein viel erträglicherer Ort“.

Genau derjenige Hartz-4-Mitarchitekt und Mitvorantreiber eines staatlich subventionierten Billigarbeitsmarktes, der in der Zeit zwischen 1998 und 2005 einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass sich die Menschen in der Gesellschaft weitgehend entsolidarisieren; jener, der mit seinen Komplizen aus SPD und Grünen systematisch, planvoll und im genauen Wissen um die Konsequenzen dieses Tuns die Sozialsysteme der Bundesrepublik Deutschland zu Verarmungs- und Repressionssystemen umgebaut hat; ja, genau dieser Frank-Walter Steinmeier sitzt jetzt gemütlich und von Bundeswehrsoldaten bewacht im Schloss Bellevue und hat die Chuzpe — die Fernsehkamera mutig im Blick, die Stimme an das niemals widersprechende Mikrofon gewandt und vom Staatsfernsehen übertragen — in weihevoller, wohlgesetzter Rede von den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland Solidarität einzufordern.

Der derbe deutsche Sprachgebrauch würde von einem „Arschloch“ sprechen. Aber nein, ich werde das Amt des Bundespräsidenten nicht so beleidigen, allein schon wegen des Strafgesetzbuches. Dieses Amt wird schon mehr als genug durch die unerfreuliche Person beleidigt, die es zurzeit bekleidet.

Sinkenlassen

Der Vorübergehende sagte zu seinem ängstlichen Zeitgenossen: „Sie können keine Obdachlosigkeit, keinen Hunger, keine Armut bekämpfen, aber sie wollen jetzt den Klimawandel bekämpfen. Lass das nur eine einzige Minute in dich sinken!“.