Tag Archive: Tod


Posthume Beliebtheit

„Geizige Menschen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „sind nur bei Erben beliebt. Und auch dort erst nach ihrem Tod“.

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Sanftmut

Zu seinem Zeitgenossen sagte der Vorübergehende: „Was dir wie eine weise Sanftmut des Alters vorkommt, wie eine Geburt aus Erfahrung und Reflexion, ist eine Schlaffheit und Resignation, die erst von voranschreitender Kraftlosigkeit und schließlich von Leblosigkeit gefolgt werden wird“.

Rechtschreibfehler

Als Thomas de Mahy, Marquis von Favras sein Todesurteil las, sagte er „Ich sehe, dass ihr drei Rechtschreibfehler gemacht habt“. Es waren seine letzten Worte. Seit Geist weht seitdem kalt, kernverfehlend und besserwisserisch durch die Schulen, durchs Bürgertum und durchs Internet, leider im Regelfall ohne tödliche Folgen.

Das Schicksal der Radfahrer

Was für ein seltsames Schicksal diese Radfahrer aber auch haben, dass sie niemals von einem Autofahrer totgefahren, sondern stets nur von einem Auto erfasst werden. In der hirnfickenden Pseudoobjektivität der journalistischen Sprachgebräuche in Presse und Glotze spiegelt und bestärkt sich die eiskalte Menschengruppenverachtung der bürgerlichen Gesellschaft, die immer erst dann als Metastase des Faschismus erkannt und verworfen wird, wenn die verachteten Gruppen nach ihrer Herkunft, Sprache, Kultur oder Genetik benannt werden.

Achtung

Die Toten werden mehr als die Lebenden geachtet, nicht zuletzt deshalb, weil sie sich gegen die leicht instrumentalisierbare Heuchelei der Achtung nicht mehr widersprechend zur Wehr setzen können.

Die Unsterblichen

Vieler Menschen Tod ist nur die Fortsetzung ihres Lebens mit anderen Mitteln.

Tot…

Es gibt Geld wie Heu, es ist bloß in den Händen der falschen Leute!

Heiner Geißler (CDU), ᛉ 3. März 1930, ᛣ 12. September 2017

Morgen

„Es ist morgen nicht besser und auch nicht leichter“, sagte der Vorübergehende zu seinem mürrisch die Passivität und den Bückgang rationalisierenden Zeitgenossen, „aber du bist morgen einen Tag älter“.

Begräbnis

„Das Deprimierendste und Zermürbendste an dieser Trauerfeier“, sagte der Vorübergehende nach der Beerdigung, „ist ihr kalter, geschäftsmäßiger Ablauf gewesen“.

Rest in pain!

Heute vor achtzehn Jahren ist nach einem viel zu langen und vor allem für andere Menschen aufs Ärgste folgenreichen Leben der prägende hannöversche Stadtplaner Rudolf Hillebrecht gestorben, der Zeit seines Lebens und mit beachtlichem Erfolg an der Fortsetzung der britischen Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges mit architektonischen Mitteln gearbeitet hat.

Gut, dass dieser Schreibtischtäter nie wieder aufsteht!

Vom Blümchenabwurf auf seinem Grab auf dem Engesohder Friedhof bitte ich abzusehen. Eine gewisse Düngung des wehrlos den Kadaver ertragenen Bodens ist wesentlich angemessener.

Er-Schöpfungsgeschichte

„Es werde Nichts“, sagte der weise Sterbende.

„Es ist ja nicht so, dass die Journalisten überhaupt keinen Begriff von Würde hätten“, sagte der Vorübergehende zum Blinden mit seinen sehenden Augen, „schau nur, sie haben ihren Zuschauern und Zulesern einen ganzen Lastwagen voller Leichen von Flüchtlingen gezeigt, und sie haben keinen einzigen der toten Menschen unkenntlich gemacht. Der Begriff des Journalisten von der Würde spiegelt sich dennoch darin, dass sie das auf dem Lkw aufgedruckte Firmenlogo verpixelt haben“.

Nein, ich bringe das Foto nicht…