Tag Archive: Tod


Tod eines Arbeiters

Foto einer Zeitungsanzeige -- Grenzenlos pietätlos -- Redaktion VW Wolfsburg II -- Wie menschenverachtend bei VW mit den Kollegen umgegangen wird, das versteht keiner mehr! Nachdem sich ein offensichtlich kranker Kollege mehrere Tage ins Werk geschleppt hat, wurde es dann doch zu viel für ihn. Am Dienstag, dem 10.12.2019 brach der Kollege A., 59 Jahre alt, während der Nachtschicht auf dem Weg aus der Pause am Heber in der Halle 12 mit Herzinfarkt tot zusammen! Bis der Notarzt und die Polizei ihre Arbeit beendeten und ein Bestatter den Verstorbenen abholte, lag dieser für mindestens 2 Stunden an der Linie, die natürlich nicht gestoppt wurde. Stattdessen wurde der verstorbene Kollege hinter einigen Materialkisten versteckt und mit einer Plane abgedeckt. Die Kollegen mussten dann an ihm vorbei fahren, um die Linie zu versorgen. Als sich einige über diesen Zustand erregten, wurden sie vom Meister mit den Worten zur Arbeit geschickt: »Der ist eh tot, der merkt nichts mehr!«. Ein weiterer merkte noch an: »Wenn die Alten sterben, ist mehr Platz für die Jüngeren!«. Wie asozial und gefühlsfrei sind die Führungskräfte bei VW geworden, die doch immer, wenn Mehrarbeit ansteht von einer »Familie« schwafeln? Was wäre wohl alles getan worden, läge stattdessen ein Vorstandsmitglied in der Halle? Kein Vorgesetzter muss sich so verhalten! Die Schuld haben letztlich die, die davon profitieren kranke Menschen zur Arbeit zwingen, die den Fortgang der Produktion höher bewerten, als den Anstand gegenüber Verstorbenen und die Meister absetzen, die »zu weich« sind! -- Der Vorwärtsgang spricht den Hinterbliebenen seine tiefe Anteilnahme aus!

via @arbeitsunrecht@twitter.com

Nach dem Tod

Ängstlich gefragt, was denn nach seinem Tod geschehe, antwortete der Vorübergehende lächelnd: „Eine Menge Dinge werden nach meinem Tod geschehen, aber ich bin an ihnen nicht mehr beteiligt“.

Abwehr

Religion ist nichts weiter als eine Abwehr des gefühlt endlosen Stroms der Ängste, die von der Thanatophobie hervorgebracht werden, und das sich Religion viel deutlicher auf den Tod als auf das Leben ausrichtet, ist das klarste Spiegelbild. Gott ist der Tod selbst. Die missionarischen Mörder, die im Namen ihres Gottes den Tod über die Welt tragen, leben, als hätten sie das verstanden, aber sie denken leider nicht so.

Gewohnheit

Bei vielen Menschen ist das Leben eher so eine Angewohnheit, die ihnen vertraut geworden ist und die sie deshalb nicht aufgeben wollen, als ihre aktiv und bewusst gestaltete, einmalige Zeit.

Blut- und Todeskult

Im Kirchengebäude flüsterte der Vorübergehende zu seinem Begleiter: „Die Freunde möglichst realistischer Darstellungen von Mord und Folter werden in einer kath. Kirche niemals enttäuscht sein“.

Geistestod

„Die Toten“, sagte der Vorübergehende im Vorübergehen an einem Friedhof zu seinem Zeitgenossen, „sind die, in denen nichts mehr wirklich denkt, in denen immer alles schweigt und in denen nichts mehr zur Aufruhr gereizt werden kann, völlig egal, was man mit ihnen macht. Und die idealen, von Politikern herbeigesehnten oder mit Gewalt heranerzogenen ‚Staatsbürger‘ sind ihnen verblüffend ähnlich“.

Die Vorfahren

Als der Vorübergehende mit einem Menschen sprach, der ihm immer wieder von den großen Leistungen Deutschlands in der Vergangenheit und von den großen deutschen Ingenieuren und Wissenschaftlern, Dichtern und Musikern erzählte, sagte der Vorübergehende nur: „Du klingst wie jemand, der lebt und auf seine Familie stolz ist, obwohl in dieser die Toten viel mehr wert sind als die Lebenden“.

Ruhe in Frieden

Dass so häufig „Ruhe in Frieden“ in die Grabsteine gemeißelt wird, ist ein Spiegelbild der Tatsache, dass den Menschen von ihren Mitmenschen so selten ein Leben in Frieden ermöglicht wird.

Die Zombieapokalypse der Gesellschaft

Diese Gesellschaft ist voller Menschen, deren Geist zwar schon mit dreißig Jahren oder noch früher gestorben ist, deren Körper aber erst mit achtzig Jahren beerdigt wird.

Posthume Beliebtheit

„Geizige Menschen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „sind nur bei Erben beliebt. Und auch dort erst nach ihrem Tod“.

Sanftmut

Zu seinem Zeitgenossen sagte der Vorübergehende: „Was dir wie eine weise Sanftmut des Alters vorkommt, wie eine Geburt aus Erfahrung und Reflexion, ist eine Schlaffheit und Resignation, die erst von voranschreitender Kraftlosigkeit und schließlich von Leblosigkeit gefolgt werden wird“.

Rechtschreibfehler

Als Thomas de Mahy, Marquis von Favras sein Todesurteil las, sagte er „Ich sehe, dass ihr drei Rechtschreibfehler gemacht habt“. Es waren seine letzten Worte. Seit Geist weht seitdem kalt, kernverfehlend und besserwisserisch durch die Schulen, durchs Bürgertum und durchs Internet, leider im Regelfall ohne tödliche Folgen.