Tag Archive: Tod


Totenstarre

Als der von bürgerlicher Esoterik Verblendete zu ihm sagte, der Tod sei nur ein Übergang, ein Wechsel, eine Bewegung, ein Neuanfang, da hätte der Vorübergehende beinahe gefragt: „Wie gleichförmig, langweilg, reglos, repetitiv muss das Leben eines Menschen geworden sein, dass er sich eine Quatschreligion ausdenkt, in der er alle eigentlichen Attributes des Lebens dem Tode zuschreibt?“. Aber er hat es nicht gefragt, denn es wäre sowieso zu spät gekommen. Nachdenken und lernen können nur die Lebenden.

Wohnungspolitik

Als der Zeitgenosse ihm sagte, dass er den Eindruck habe, die Mieten würden erstmals seit Jahren ein bisschen sinken, sagte der Vorübergehende: „Dann sieht es jetzt also so aus, als würde das Coronavirus durch erhöhte Sterbezahlen in den Städten eine wirksamere Wohnungspolitik betreiben als sämtliche politische Parteien der Bundesrepublik Deutschland in den letzten vierzig Jahren“.

Bei Gott

Als der Vorübergehende über einen Verstorbenen hörte, er sei jetzt bei Gott, dachte er sich, dass dieser Mensch während seines Leben wohl nicht bei Gott gewesen sein wird.

Der Kern der Religion

„Menschen, die kaum wissen, was sie mit ihren paar Jahren Lebenszeit anfangen sollen und die schon diese fressende, grollende Leere in sich spüren, wenn sie seuchenbedingt mal ein paar Monate lang weniger Ablenkung als gewohnt haben“, sagte der Vorübergehende zu seinem Gefährten, während sie an einer Kirche vorübergingen, „wünschen sich ein ewiges Leben“.

101-Jährige schleicht sich aus Senoirenheim -- Um ihrer Tochter zum Geburtstag zu gratulieren, hat sich eine 101 Jahre alte Frau aus einem Braunschweiger Seniorenheim geschlichen. Sie habe dafür den Notausgang genommen, teilte die Polizei gestern mit. Gegenüber den Beamten bestritt sie zunächst, dass sie in dem Altenheim lebt. Im Gespräch mit der Tochter stellte sich aber heraus, dass sie dort seit zwei Wochen wohnt, ihre Tochter aber schmerzlich vermisst. Zumindest aus dem Streifenwagen heraus konnte die Seniorin ihre Tochter kurz sehen, bevor die Polizisten sie ins Heim zurückbrachten.

Wer in einen der diversen rechtsfreien Räume in der BRD kommt, die im Regelfall von den großen christlichen Kirchen der BRD errichtet wurden und die für obszön viel Geld des Staates und der staatlich vorgeschriebenen Zwangsversicherungen aufrechterhalten werden (ohne die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angemessen zu entlohnen), hat keine Menschenrechte mehr und ist reine Verfügungsmasse geworden. Das damit verbundene unmenschliche Unrecht wird von allen Behörden und Polizeien der BRD mit aller Gewalt unterstützt, es macht im Wirtschaftsfaschimus ja jeder nur seinen Dienst. Es ist gut, das zu wissen und immer ein wirksames Gift dabei zu haben. Lieber ein Ende in schmerz- und bewusstloser Atemdepression als ein bewusstes Erleben der finanziell äußerst lukrativen Entrechtung und Verwurstung.

Ich habe das schon mit acht Jahren als vollständig entrechteter Mensch in der christlichen Folterhölle eines ev.-luth. Kinderheimes gelernt. Andere lernen es leider erst, wenn sie alt sind und sich kaum noch helfen können.

Sterbewahrscheinlichkeit

Es ist in der tristen, herzkalten BRD auch mitten in der laufenden Corona-Pandemie wahrscheinlicher, dass ein Mensch durch Selbstmord stirbt, als dass er an Corona stirbt. Und auch bei dieser selbst gewählten, aber nicht immer frei gewählten Todesart haben ältere Menschen ein höheres Todesrisiko als jüngere, und Männer haben ein rd. drei Mal so hohes Todesrisiko wie Frauen, es sieht also alles in allem ähnlich aus wie bei Corona.

Das läuft nur deshalb nicht jeden Abend in der Tagesschau des Parteienstaatsfernsehens einer „marktkonformen Demokratie“ (A. Merkel), weil irgendwelche pharmaindustriellen Aktiengesellschaften keine Impfstoffe gegen den Selbstmord entwickeln und verkaufen können, um ihren Aktionären riesige Dividenden vom dadurch erzielten Reibach auszuschütten. Dafür müsste im Land der Kälte das menschliche Miteinander anders werden, und das geht nicht, weil ganze Geschäftsmodelle zusammenbrächen, die auf dem objektiven Unglück und der persönlichen Aussichtslosigkeit der Mehrheit der Menschen aufgebaut sind. Deshalb hat Corona für den Journalismus in Presse und Glotze mehr Relevanz als Selbstmord.

Dass die gleichen Autokonzerne, die eben gerade noch ihren Aktionären Dividenden ausgeschüttet haben, jetzt im kalten Lande Alzheim schon wieder um Subventionen wegen der Folgen der Corona-Pandemie betteln und in den Dunkelkammern des Reichstages lobbyieren, ist ja auch so eine Tatsache, die in Presse und Glotze nicht erzählt wird. Wenn die verachtenswerte Gier zur Grundlage des Miteinanders werden soll — und genau das ist der so genannte „Kapitalismus“ — dann folgt ihr die Kälte auf dem Fuß. Selbstmord ist ein Tod, der durch menschliche Kälte verursacht oder erheblich mitverursacht wird.

Vom Verschwinden

Lächelnd sagte der Vorübergehende in eine Runde von Menschen hinein: „Bei den meisten Menschen ist es so, dass nahezu alles, was ihnen etwas bedeutet, verschwindet, nachdem sie gestorben sind, weil es immer nur in ihrem Kopf stattfand, auf der großen Kinoleinwand der Wahrnehmung, die nun zum Fraß des Gewürms wird. Und bei einigen Menschen ist es so, dass beinahe nichts, was ihnen etwas bedeutet, verschwindet, nachdem sie gestorben sind, weil es nicht in ihrem Kopf stattfand — und jeden dieser Menschen kann man leicht an seinem Humor erkennen, der nicht verletzend, sondern heiter ist“.

Schaden

„Der Tod“, sagte der Vorübergehende lächelnd, „ist ein bleibender Schaden“.

Vorsatzfrei

„Es ist kein Vorsatz von mir, dass ich nicht mehr so schreibe wie vor zehn Jahren“, sagte der Vorübergehende zum Fragenden, „sondern es ist mein Unvermögen, jetzt noch zu schreiben wie vor zehn Jahren, als hätte sich gar nichts in mir geändert. Die, die immer gleich klingen und stets die gleichen Muster bedienen — von Modern Talking bis zum Journalisten, Bundespräsidenten und Berufspolitiker — die dokumentieren im Spiegel dieser mechanisch anmutenden Monotonie, dass sie schon lange vor ihrer Verwesung geistig gestorben sind, ihr Werk wird von der Energie aus dem Zerfall gespeist, bis sie schließlich ausgebrannt sind“.

Angekommen

„Angekommen bist du“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „wenn du dich nicht mehr bewegst. Dein von Erinnerungen getragenes Fernweh nach einem besseren Dasein ist ein genau so illusionärer Trost wie deine kalendergeborenen Urlaube, Ablenkungen und Vergnügungen“.

Tod eines Arbeiters

Foto einer Zeitungsanzeige -- Grenzenlos pietätlos -- Redaktion VW Wolfsburg II -- Wie menschenverachtend bei VW mit den Kollegen umgegangen wird, das versteht keiner mehr! Nachdem sich ein offensichtlich kranker Kollege mehrere Tage ins Werk geschleppt hat, wurde es dann doch zu viel für ihn. Am Dienstag, dem 10.12.2019 brach der Kollege A., 59 Jahre alt, während der Nachtschicht auf dem Weg aus der Pause am Heber in der Halle 12 mit Herzinfarkt tot zusammen! Bis der Notarzt und die Polizei ihre Arbeit beendeten und ein Bestatter den Verstorbenen abholte, lag dieser für mindestens 2 Stunden an der Linie, die natürlich nicht gestoppt wurde. Stattdessen wurde der verstorbene Kollege hinter einigen Materialkisten versteckt und mit einer Plane abgedeckt. Die Kollegen mussten dann an ihm vorbei fahren, um die Linie zu versorgen. Als sich einige über diesen Zustand erregten, wurden sie vom Meister mit den Worten zur Arbeit geschickt: »Der ist eh tot, der merkt nichts mehr!«. Ein weiterer merkte noch an: »Wenn die Alten sterben, ist mehr Platz für die Jüngeren!«. Wie asozial und gefühlsfrei sind die Führungskräfte bei VW geworden, die doch immer, wenn Mehrarbeit ansteht von einer »Familie« schwafeln? Was wäre wohl alles getan worden, läge stattdessen ein Vorstandsmitglied in der Halle? Kein Vorgesetzter muss sich so verhalten! Die Schuld haben letztlich die, die davon profitieren kranke Menschen zur Arbeit zwingen, die den Fortgang der Produktion höher bewerten, als den Anstand gegenüber Verstorbenen und die Meister absetzen, die »zu weich« sind! -- Der Vorwärtsgang spricht den Hinterbliebenen seine tiefe Anteilnahme aus!

via @arbeitsunrecht@twitter.com

Nach dem Tod

Ängstlich gefragt, was denn nach seinem Tod geschehe, antwortete der Vorübergehende lächelnd: „Eine Menge Dinge werden nach meinem Tod geschehen, aber ich bin an ihnen nicht mehr beteiligt“.