Archive for Januar, 2009


Die Illuministen

Ich weiß nicht, wer die ‚Illuminaten‘ sein sollen, die durch so viele obskure Websites geistern, aber ich weiß, wer die Illuministen waren und wer in der heutigen Zeit ihr Erbe angetreten hat.

Im 16. und 17. Jahrhundert gab es schon die technische Möglichkeit, Druckwerke massenhaft herzustellen, und es gab auch schon die Konzentration der Produktionsmittel bei jenen kirchlichen und weltlichen Mächten, die sich eines solches Hirnpfluges für ihre Ziele zu bedienen wussten, aber nur ein ungefähres Zwanzigstel der Menschen konnte lesen. Unter diesen Umständen entstand als Massenprodukt zur sozialen Kontrolle der Menschen nicht jene Form von Zeitung, wie wir sie heute kennen; eine Zeitung, die eher privat und in aller Ruhe gelesen wird und die ihren Leser auf eine eher „sanfte“ Art zu überzeugen sucht. Es war damals erforderlich, dass jemand die Massendrucksachen, in denen der Druck auf die Massen gefestigt wurde, vorlas. Diese Publikationen waren — für heutige Verhältnisse — riesige Flugblätter, die reichlich mit Grafiken geziert wurden, um einen Teil des Inhaltes auch dann noch zu transportieren, wenn einmal kein Vorleser in der Nähe war. Solche Blätter wurden öffentlich ausgehängt; sie waren dazu bestimmt, angeschlagen zu werden.

Um auch ja die Aufmerksamkeit recht auf diese Blätter zu lenken, um das neugierige Interesse der Menschen daran zu entfachen, wie wohl die Botschaft klingen mag, die darauf von Buchstaben transportiert wird, die noch für die meisten Menschen unverständlich waren, wurden die Illustrationen nach dem Druck in kräftigen, völlig übertriebenen Farben ausgemalt. Dieses wenig kreative Stück Handarbeit verrichtete ein Illuminist. Das war ein ganz gewöhnlicher Beruf, der in der Folgezeit mit zunehmender Alphabetisierung immer entbehrlicher werden sollte und schließlich ausstarb.

Doch die verschwundene berufliche Tradition der Illuministen hat heute noch ihren Nachhall überall dort, wo in Massenmedien mit grellen Bildern und übertriebenen Darstellungen die Aufmerksamkeit der Rezipienten so erzwungen werden soll, dass sich unter diesem Mantel beinahe jede Lüge als wichtige Nachricht transportieren lässt — ob es sich hier um die bewegten und bewegenden Bilder in der Glotze oder um Tittitainment und aufgebauschte Skandälchen in den gedruckten Boulevardmedien handelt, ist für das angewendete Prinzip der Geistabschaltung gleich. Dass unter schriller Verpackung Übles in die Hirne gepfropft wird, ist in der Geschichte der Medien mit Massenwirkung konstant geblieben. Und die Illuministen damals und ihre Enkel im Geiste heute, sie taten und tun doch vieles von dem, was auf gewissen schrägen Websites den ‚Illuminaten‘ zugeschrieben wird…

22.99999999987037 😉

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Das Wissen am Stammtisch

Wenn sich ein Mensch Wissen zu einem Thema aneignet, so bedeutet dies, dass er viel Zeit auf sein Thema verwendet, dass er sich mit den bekannten Fakten und Deutungen dieser Fakten vertraut macht, dass er seinen Geist an diesem Material abarbeitet und häufig bedeutet es auch, dass er für diese Tätigkeiten Geld ausgibt. Manchmal ersprießt aus dieser Tätigkeit und der damit verbundenen Einsicht ein leises Pflänzlein Erkenntnis, oft nicht einmal das.

Wenn sich ein Mensch kein Wissen zu einem Thema aneignet, so bedeutet dies, dass alle seine Aussagen zu diesem Thema nur eine Angelegenheit seines persönlichen Glaubens sind, bestenfalls notdürftig gestützt durch ein paar Bröcklein stützender Information, die mehr episodischer Natur sind, zufällig und ohne besondere Absicht gefunden wurden. Leider macht das solche Aussagen nicht leiser. Schon gar nicht am deutschen Grab des Geistes, dem Stammtisch.

(Und auch nicht in Talkshows und „Sachbüchern“.)

Mit fröhlichem Gruß an W. W. — mach bitte weiter, auch wenn du schon neidisch auf Sysiphus geworden bist!

Die blinde Gier

Wenn so ein Dummkopf beim Drei-Karten-Monte sah, dass die Ecke einer Karte umgeknickt war, oder dass auf der Rückseite der Karte ein kleiner Fleck war, denn hat er natürlich nicht gewusst, dass es nur so hergerichtet war, um ihn glauben zu machen, dass er im Vorteil wäre. Er meinte wirklich, dass der Spieler es nicht sieht. Oft hatte er es dann so eilig, sein Geld [für den Einsatz] zur Hand zu kriegen, dass er dabei seine Kleidung zerriss. Nachdem diese Dummköpfe ihr Geld gesetzt hatten und die Karte umgedreht hatten, sahen sie, dass die Markierung nur zu diesem Zweck angebracht wurde. Das machte sie immer irre, denn sie mussten einsehen, dass sie mit ihren eigenen Mitteln geschlagen wurden. Sie wurden oft sehr aggressiv und wollten ihr Geld zurück, aber sie hätten nicht einen Moment an eine solche Forderung gedacht, wenn sie selbst das Geld von einem blinden Spieler gewonnen hätten — und sie mussten ja denken, dass der Spieler so gut wie blind ist, sonst hätte er doch auch die Markierung auf der Gewinnkarte bemerken müssen. Sie haben erwartet, einen Blinden auszurauben, und sie fanden sich selbst in der Lage des Beraubten. Ich habe niemals auch nur einen Deut Mitleid mit diesen Leuten gehabt, und ich hätte jeden Kampf aufgenommen, bevor ich denen auch nur einen einzigen Cent zurückgegeben hätte.

aus „George Devol, Forty Years a Gambler on the Mississippi“
[Die Übelsetzung des Textes ist von mir]

Also, lasst euch nicht von irgendwelchen Falschspielern übern Tisch ziehen, die bei ihrem Betrug so tun, als wenn ihr nur gewinnen könnt, dabei aber nichts als Verachtung für euch übrig haben. Ich bin jetzt mal wieder für ein paar Tage weg… 😉

Smart Bomb

So genannte „intelligente Waffen“ machen die mörderische Tätigkeit des Krieges nicht einen Deut intelligenter.

Der christliche Judenfreund

Wer diese „Freunde“ hat, benötigt keinen Feind mehr auf dieser Welt. Wo immer eine Veranstaltung gegen den Antisemitismus in Deutschland stattfindet, wo immer Menschen gegen das neue Erstarken des Rassismus demonstrieren, wo immer des Holocaust gedacht wird, wo immer eine öffentliche Veranstaltung oder Kundgebung zum so genannten „Nahost-Konflikt“ stattfindet, da tauchen diese „Freunde“ auf und bringen es in ihrem geistlosen religiösen Fanatismus zu beachtlichen Leistungen der Herzlosigkeit, der Perversion, des Rassismus und des Denkverzichtes. Es sind die unauffällig gekleideten Männer und Frauen aus der „Partei Bibeltreuer Christen“ oder vergleichbaren Zusammenschlüssen, die unentwegt jedem, der es hören will, und eigentlich auch jedem, der es nicht hören will, darlegen, wie gern sie den Staat Israel und die Juden haben. Nein, nicht etwa, weil die kulturellen und politischen Leistungen des Staates Israel bewundert werden, sondern weil den Juden und dem Staate Israel in der christlichen Lehre dieser „Freunde Israels“ eine besondere endzeitliche Rolle zugeordnet wird, die sie zu erfüllen haben — jemand muss sich ja hinstellen und die „letzte Schlacht Gottes“ gegen „alle Königreiche der Welt“ kämpfen, damit endlich der Wille Gottes geschieht und dieser Jesus Christus endlich wiederkommt, um „sein Reich“ zu errichten und endlich unauslöschliches Höllenfeuer auf alle Menschen regnen zu lassen, denen solche Fürze nicht durch das Gehirn geistern. Deshalb soll der Jude, der von solchen „Freunden“ immer auch als Israeli verstanden wird, gleich wie er die Politik dieses Staates Israel auch verachten mag, auch ja kein annektiertes Land zurückgeben oder auf andere Weise nach Frieden streben, denn das Beharren auf diesen Eroberungen entspricht ja dem Text des Evangeliums, dem wörtlichsten Worte Gottes; und das eroberte Land kommt aus den Verheißungen Gottes. Wehe dem Juden, der solch kalter Vereinnahmung widerspricht, er ist wohl kaum ein richtiger Jude, da wird die Liebe solcher „Freunde“ flugs ein bisschen kühler. Wehe auch dem Israeli, der stolz darauf ist, dass die Religion in seinem Staat eine eher untergeordnete Rolle spielt und der zornig darüber ist, dass sie zu Kriegszwecken dauernd instrumentalisiert wird und der sich dennoch darüber freut, wie sich die Homosexuellen in Tel Aviv organisieren und engagieren, um dort eine bunte Subkultur zu bilden. Das ist für so einen „christlichen Freund Israels“ völlig unverständlich, aber dieser „Freund“ kann auf diesem Hintergrund wenigstens verstehen, warum sich der „Segen Gottes“ nicht in anhaltenden militärischen Erfolgen der Israelis zeigt. Nein, so ein Jude und so ein Staat Israel hat für diese seine „christlichen Freunde“ gar keine richtige Existenzberechtigung mehr…

…sondern nur einer, der im idiotischen religiösen Fatalismus gegen die Wand läuft, der sich selbst zerstört, um solchen „Freunden“ zu gefallen und der dabei nach Möglichkeit noch viele andere Menschen in den Tod reißt. Die Juden sollen sich gefälligst im Staate Israel sammeln und dort die Apokalypse vorbereiten! Das ist ein rechter Jude nach der Auffassung dieser „Freunde“!

Weshalb die Flyer mit den diesbezüglichen Texten, derartige politische Reden und das Programm der PBC und der christlichen Sekten im Dunstkreis dieser sich als philosemtischen verlarvenden, scheinbar religiös motivierten Judenhasser — einschließlich der Tätigkeiten und Schriften des niederländischen „Evangelisten“ Wim Malgo mit seinem unerträglich rassistischen „Mitternachtsruf“ — nicht als Volksverhetzung betrachtet und verfolgt werden, gehört zu den Geheimnissen der zuständigen Staatsanwälte. Es könnte damit zu tun haben, dass es ausnahmsweise um religiös verbrämte Gewaltverherrlichung durch Christen — und nicht durch Moslems — geht.

Sorry, das kam jetzt etwas außerhalb der Aktualität, aber ich brauchte einfach ein paar Tage, um den Kloß aus dem Hals zu kriegen. Es wird auch beim nächsten medial begleiteten Gemetzel wieder aktuell sein.

Bildung und Blädheit

Dem, der wenig kennt, erscheint vieles wunderbar.

Chinesisches Sprichwort

Im April des Jahres 2002 veröffentlichte die US-amerikanische National Science Foundation die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage über den gegenwärtigen Stand des wissenschaftlichen Verständnisses in den USA.

Dem gegenwärtigen „Bildungs“-System der USA — dieses dient ja auch als Vorlage für den laufenden Umbau des Beschulungs- und Hochschulsystemes in der BR Deutschland nach den Vorgaben rein wirtschaftlicher Anforderungen — gelingt es vortrefflich, viele Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn mit einem höheren Abschluss auszustatten und damit auf dem recht geduldigen Papier einen Eindruck von Bildung zu erzeugen. So kamen auch nur 17 Prozent der befragten Menschen nicht über die normale Schulbildung hinaus, die verbleibenden 83 Prozent verfügten nach den in den USA üblichen Maßstäben über eine höhere Schulbildung, und 53 Prozent der Befragten haben im Laufe ihrer „Ausbildungskarriere“ auch eine US-amerikanische Hochschule oder Universität von innen gesehen und dort einen Abschluss erworben.

Wer nun glaubt, dass eine solche Breite schulischer und hochschulischer Ertüchtigungen für die wirtschaftliche Verwurstbarkeit der Menschen doch wenigstens eine Schulung des kritischen Geistes und damit eine gute Abwehr des Aberglaubens und der Dummheit seien, wird von den weiteren Ergebnissen der Erhebung ernüchtert werden. Ein gutes Drittel der Befragten ist der Meinung, dass wir zurzeit regelmäßig von Außerirdischen besucht würden, und offenbar stellt sich niemand von diesem Drittel der befragten Menschen die Frage, was diese ganzen „kosmischen Brüder“ hier nun tun, wo sie sich aufhalten und wieso ihre gesamte Aktivität so spurlos bleibt. Ebenfalls ist ein gutes Drittel der Befragten davon überzeugt, persönliche Glückszahlen zu haben, vierzig Prozent sind der Auffassung, dass der altbabylonische Aberglaube der Astrologie eine Wissenschaft sei und rund zwei Drittel der Befragten sind von der Existenz so genannter „PSI-Phänomene“ überzeugt; sie halten also Gedankenlesen, Hellseherei und Telekinese trotz des Fehlens jeglichen reproduzierbaren Beleges für ebenso sichere Tatsächlichkeiten wie etwa die täglich jedem Menschen erfahrbare Gravitationswirkung der Erde.

Wenn sich „Bildung“ darauf beschränkt, Menschen zu genormten und untereinander leicht vergleichbaren Batterien für die betrieblichen Produktionsprozesse zu machen, so dass sich der Denkende schon einmal fragt, warum die Leistung nicht gleich in Watt angegeben wird, denn kommen breite Dummheit und Barbarei gleich hinterher — und den fehlenden Rest zur völligen Verblödung liefert die tägliche Portion aufwühlenden, psychischen Materiales, das in der hypnotischen Situation des unentwegten Glotzens in Geist und Seele gepfropft wird.

Wer in Deutschland über die Zustände in den USA lächelt, vergisst, dass die USA uns in solchen Dingen nur ein einziges Jahrzehnt voraus sind. Auf der anderen Seite dieser eingängigen und immer wieder wiederholten Forderung nach Elite-Schulen und Elite-Universitäten nach US-Vorbild steht die Auffassung, dass wirkliche Bildung für die Mehrzahl der Menschen ein unerreichbares Gut bleiben soll.

Die liebevolle Zerfleischung

Er: „Ich lasse das nicht einfach so zu, dass jetzt alles vorbei sein soll. Ich werde um dich kämpfen.“

Sie: „Gegen wen willst du dabei kämpfen?“

Es scheint ein grundlegender und niemals in Frage gestellter Leitsatz des gesamten heutigen Journalismus zu sein, dass eine über das Oberflächliche hinaus gehende Untersuchung eines beliebigen Themas nur das Thema kaputt macht.

Und so sieht der Journalismus denn auch aus… :mrgreen:

Die Achse des Dummen

Die Achse der aufgeklärten Gesellschaft, jener mentale Mittelpunkt, um den sich alles drehte, war das Museum und das Labor; die Besinnung auf das bereits Errungene, seine Festigung und die äußerst mühsame Überprüfung aller Annahmen zur experimentellen Sicherung der Erkenntnis. Die Achse der jetzigen, der bis zur Verdummung abgeklärten Gesellschaft ist schon längst das Kaufhaus geworden.

Madenmampf

Zeitgenosse: „Was hältst du vom ‚Dschungelcamp‘?“

Nachtwächter: „Keine Sendung im Fernsehen entsteht zufällig, einfach nur aus einer Laune heraus, ohne Planung. Mit dem Fernsehen spielt man nicht. Jedes Konzept wird schon lange vor der ersten internen Testproduktion untersucht, ob es für den Zweck des Mediums, die Vermarktung von Werbeplätzen, geeignet ist. So eine Show ist ein Industrieprodukt, gezielt und planvoll entworfen, unerfüllte psychische Bedürfnisse von Menschen zu bedienen, um die Menschen so fest zu binden, dass diese Fesselung einen nennenswerten Teil der Menschen auch über die Werbepause zieht. Was in dieser Show sichtbar wird, spiegelt nichts als die Wünsche der Menschen aus der Zielgruppe (der Werber) wider; letztlich sadistische Wünsche, dass jene fernen und besser gestellten ‚Promis‘ des medialen Blendglanzes auch einmal allerlei Ekles ertragen, letztlich sogar Scheiße fressen sollen. Genau. Wie es die Menschen aus der Zielgruppe der Werber in etwas übertragenerem Sinne jeden Tag ihres sklaventreuen Daseins tun müssen. Hier wird dem sozialen Neid der Namenlosen eine rein psychische Abhilfe geboten, die nicht allein eine geschauspielerte Illusion ist, sondern zusätzlich alle Bedingungen der Namenlosigkeit konserviert.“

Zeitgenosse: „Es kommt mir so vor, als seien die Shows im Fernsehen in den letzten Jahren immer schlimmer, reißerischer, menschenverachtender geworden. Wie wird wohl die Zukunft aussehen?“

Nachtwächter: „Vielleicht heißt die Show bald schon: ‚Ich bin ein Politiker , holt mich hier raus‘ — dann wüchse endlich zusammen, was schon lange zueinander strebt.“

Gruß an G. Aber nerv mich nicht noch einmal mit so einem Thema, sonst entsteht hier noch der Text ‚Alles spricht vom Dschungelcamp und ich schreibe über PISA’… 😉

WP-Plugins: Ich höre auf!

Wer häufiger in dieses kleine und weit gehend unbedeutende Blog schaut, weiß, dass es hier alles ohne Werbung, kostenlos und frei (unter Piratenlizenz oder — im Falle der Musik — unter einem ebenfalls recht freien Lizenzmodell, das lediglich die gewerbliche Verwendung der Werke verhindern soll, gibt). Ich halte nichts davon, aus jeder Kommunikation einen sozial optimierten Geschäftsvorgang zu machen.

Zur Freiheit meiner Veröffentlchungen gehört für mich auch eine Haltung, dass ich meine paar eigenen Programmierungen im Rahmen dieses Blogs anderen zur Verfügung stelle, so weit dies problemlos möglich ist. Ich bin der Meinung, dass alle Menschen von einer solchen Haltung des freien Gebens und Nehmens profitieren können. In der Praxis mache ich aus kleineren Programmierungen dann Plugins für WordPress, die ich unter freien Lizenzen zur Verfügung stelle, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können, und ich mache mir ferner die (geringe) Mühe, diese Plugins leicht in andere Sprachen übersetzbar zu gestalten und selbst zweisprachig (in deutsch und englisch) zu veröffentlichen, damit sie von größtmöglichem Nutzen sind.

So ist etwa der kleine Besucherzähler in der Seitenleiste…

So sieht dieser Zähler im Moment aus...

…ein WordPress-Widget, das hier jeder herunterladen, an seine eigenen Bedürfnisse anpassen und unter den Bedingungen der GNU/GPLv2 verwenden kann. Ich habe diesen Zähler zu einer Zeit programmiert, in der es zwar jede Menge teils recht aufwändiger Plugins für Statistiken aller Art gab, aber keinen schlichten, einfachen Zähler, der wenig Resourcen benötigt und für den Bloggenden leicht zu verwenden war — und ich hatte dabei auch im Hinterkopfe, dass einige Anbieter unter dem Deckmäntelchen der an sich recht lächerlichen Dienstleistung einer schlichten Besucherzählung SEO-Spamlinks in die Blogs einbetten oder gar ein Blog mit penetranter und gewaltsamer Reklame vergällen. So etwas ist wohl in der Regel unerwünscht, und solchen meines Erachtens schäbigen „Geschäftsmodellen“ wird am wirksamsten begegnet, indem freie Alternativen geschaffen werden, die jeder Bloggende ohne derartige Seiteneffekte verwenden kann.

Dieses sehr kleine Widget habe ich auch in die Plugin-Datenbank von WordPress eingetragen, weil es darin noch nichts Vergleichbares gab. Auf diese Weise lässt sich das Widget von interessierten Bloggern sehr viel leichter finden als etwa mit einer Google-Suche, die doch leider eine Flut derjenigen kommerziellen Angebote hervorspült, die eigentlich mit einem solchen Widget umgangen werden soll. Natürlich wurde es auch häufiger hier heruntergeladen…

So weit, so gut.

Es ist natürlich nicht so, dass jede kleine Programmierung von mir fehlerfrei wäre. Ganz im Gegenteil, es gibt keine Sache, die so einfach ist, dass ich sie nicht falsch machen könnte — und so lange ein Fehler nicht bei mir auftritt, bemerke ich ihn nicht einmal. Dafür finden ihn dann andere Benutzer meines Gestrokels, und bei mir häuften sich im Laufe der Zeit kleine Fehlerberichte für ein Stück Code, das in diesem Blog ganz hervorragend funktioniert. Es herrschte also ein gewisser Handlungsbedarf.

Vor ein paar Tagen habe ich mich „erbarmt“ und den (relativ kleinen) Fehler behoben. Es hat ein bisschen gedauert, weil ich nicht immer (und oft für viele Wochen gar nicht) eine brauchbare Arbeitsumgebung habe, und weil ich anfangs den Hinweisen wenig technikaffiner Menschen nicht entnehmen konnte, an welcher Stelle mein Fehler genau liegt. Nachdem ich den Fehler dann aber doch verstanden hatte, stand er noch für etwa fünf Monate unter vielen anderen Dingen in meiner großen TODO-Liste, und leider waren die anderen Dinge oft ein bisschen drängender — von den üblichen, niemals planbaren Unwägbarkeiten des Lebens, die zusätzlich dazwischen kommen, muss ich hoffentlich keinem Lebenden etwas erzählen. Aber irgendwann komme ich eben auch einmal dazu, das zu tun, was ich mir vorgenommen habe, und jetzt ist der Fehler draußen.

Es ist klar, dass ich die neue Version auch gleich in die Plugin-Datenbank eingetragen habe, damit niemand mehr die fehlerhafte alte Version herunterlädt.

Wenn man eine neue Version für ein halbwegs populäres WordPress-Plugin in diese Plugin-Datenbank bringt, wird darüber im halboffiziellen Blog „Weblog Tools Collection“ berichtet. [Dieses Blog, das Bloggende dazu auffordert, sich mit eingeblendeteter Reklame und eingebetteten Spamlinks für die Suchmaschinen ihr Schreiben „bezahlen zu lassen“, wird von mir bewusst nicht verlinkt.] Die aktuellen Einträge dieses Blogs werden im Dashboard (ich finde dieses Wort immer noch fürchterlich) jedes WordPress-Blogs sichtbar. Das ist durchaus begrüßenswert, da so jeder über Neuentwicklungen und neue Versionen bestehenden Codes informiert wird. Und es ist auch gar nicht überraschend, dass die Veröffentlichung einer neuen Version deshalb zu zwei Tagen mit deutlich erhöhten Zugriffszahlen führt, da sich eben viele Menschen die neue Version herunterladen — gar kein Problem, genau deshalb veröffentliche ich sie ja.

Wenn das alles kein Problem ist, warum erzähle ich das alles in solcher Breite, fragt sich jetzt vielleicht der eine oder andere Leser.

Ganz einfach: In Folge der Veröffentlichung einer neuen Version meines kleinen und recht unwichtigen Widgets hatte ich (bis jetzt) 232 SEO-Spamkommentare, die mir von irgendwelchen Fäkalmaden in dieses bewusst werbefreie Blog gerotzt wurden. Der einzige Zweck dieser „Kommentare“ bestand darin, äußerst fragwürdige Blogimitate und Websites mit teilweise kriminellen Angeboten mit ein paar ausgewählten Schlüsselwörtern für Google und andere Suchmaschinen innerhalb dieses Blogs zu verlinken, um auf Seiten der Suchmaschinen das Ranking zu manipulieren und so dafür zu sorgen, dass diese Drecksseiten in den Ergebnislisten weiter oben positioniert werden.

Auch, wenn ein recht großer Teil dieser Pest automatisch erkannt wird, macht mir so etwas eine immense Arbeit — und die nicht erkannten, teils „liebevoll“ von Hand geschriebenen Schrottkommentare mussten natürlich händisch von mir gelöscht werden. Oder anders gesagt: Ich kam einen ganzen Tag lag nicht vom Rechner weg, weil ich dieser Seuche des modernen Internet in meinem kleinen und größtenteils harmlosen Blog nicht den geringsten Raum zu geben gedenke.

Unter der Bedingung solcher Zustände erachte ich es im Moment nicht mehr als tragbar, weitere Verbesserungen oder spätere Neuentwicklungen an dieser Stelle zu veröffentlichen. Wenn das einfache Veröffentlichen eines kleinen Stücks Codes, das einige Menschen nützlich finden, dazu führt, dass gewisse Verbrecher und zwielichtige Gestalten mein Blog als eine Plattform für ihr verachtenswertes Treiben missbrauchen, denn sehe ich mich völlig außerstande, ein solches kleines Stück Code in Zukunft zu veröffentlichen. Ich habe nämlich auch noch ein richtiges Leben, jenseits des Internet. Und. Die alltägliche SEO-Spam in diesem Blog ist schon schlimm genug.

Deshalb wird es hier in Zukunft niemals mehr ein veröffentlichtes WordPress-Plugin von mir geben — und deshalb werde ich eventuelle Fehlerkorrekturen auch nicht mehr publizieren. Die einzige „Alternative“, die ich im Moment zu dieser Entscheidung sehe, ist eine abgeschaltete Kommentarfunktion. (Die auffallend ähnlich gestrickten Spamkommentare wurden keineswegs nur bei den Einträgen für das Widget hinterlegt, sondern sie wurden am Tage der Veröffentlichung über das ganze Blog gestreut, so dass die Abschaltung der Kommentare für einen einzelnen Beitrag wohl nicht wirksam wäre.) Und das wäre für mich keine Alternative, sondern eine Kastration der Idee des Bloggens — da könnte ich auch gleich aufhören.

Zum Vergrößern klicken!

Zum bequemen Lesen einfach klicken. Die Original-Auktion wird ja leider schon in ein paar Tagen verschwunden sein, so dass man so ein „Mystisches Pommes Frites mit Dollarzeichen – Glücksbringer in der Finanzkrise“ dann nicht mehr sehen kann:

Eine Pommes mit Dollar-Zeichen vom Burger-King...

Wo der Verstand im Arsch ist und die Not an die Türe klopft, erblühen Aberglauben und Zauberei. Viel Glück noch in der Finanzkrise… :mrgreen: