Archive for Oktober, 2006


Jesus aus Prekarien

In welchem Widerspruch durch der ganze christliche Kult um Jesus zu dem steht, was als historisches Leben Jesu selbst noch durch den „offiziellen“ biblischen Bericht durchschimmert.

Da hat sich Jesus gleich zu Anfang ein paar Leute ausgesucht, die mitmachen sollten. Und was das für Leute waren! Die ersten vier, die er aufforderte, waren Fischer. (Mt. 4, 18-22) Und auch die anderen erwecken nicht den Eindruck von Kultur und Bildung, eher schon von Armut, Halbwelt und Prekariat. Ob dieser Haufen wohl das Bild abgegeben hat, das später vom religiösen Kitsch so gern gemalt wurde und das noch später in den Traumafabriken Hollywoods so aufwändig verfilmt wurde?

Ich weiß nicht, wie es klang, wenn sich die Fischer am See Genezaret unterhalten haben. Aber ich habe noch ganz genau im Ohr, wie es klingt, wenn sich die Fischer in St. Pauli unterhalten. Und jedesmal, wenn ich irgendwo so einen schwuchtelig verkleideten Jesusverkäufer aus einer beliebigen christlichen Gemeinschaft mit weihevoller Stimme Aufgeblähtes reden höre, muss ich wieder daran denken. Und lachen.

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Die Spiegelbilder Hitlers

Viel zu viele Menschen, die sich mit Adolf Hitler beschäftigen, fallen selbst noch Jahrzehnte nach dem vollständigen Scheitern dieses Großmörders auf seine Propaganda herein. Die Hitler-Propaganda wurde nicht müde, zu betonen, dass „der Führer“ wie ein Messias gekommen sei, das deutsche Volk zu befreien; ein ganz und gar einmaliges Ereignis.

Wer Adolf Hitler für ein geschichtlich einmaliges Ereignis hält, ist nicht nur bis zur Blindheit kurzsichtig und unverschämt bescheiden in seiner Analyse, er stimmt auch verhängnisvoll in den Chor derer ein, die Hitler während seiner blutigen Wirkungszeit professionell verherrlicht haben. Jeder, der einer solchen Auffassung folgt, steht verdächtig in der Nähe des Neofaschismus.

In Wirklichkeit ist nichts „Einmaliges“ an Hitler, es handelt sich um die ganz normale deutsche Barbarei; um den entfesselten Spießbürger. Sogar die Stimme Hitlers kann man immer noch recht häufig in Deutschland hören, sie fällt nur wegen ihrer geringen Auswirkung und wegen der Feigheit und Verantwortungslosigkeit der so sprechenden kaum auf. Wer sich einmal eine „Führerrede“ angehört hat und gleich anschließend in eine ganz normale deutsche Gäststätte gegangen ist, um den am Stammtisch geschwungenen Reden zu lauschen, wird den dort gepflegten Ton bis in feine Details der Kälte, des Hasses und der Unmenschlichkeit hinein sehr vertraut finden. Die Reden Hitlers sind — übrigens ganz wie die heutige Sprache der bürgerlichen Kampfpresse aus dem Springer-Verlag — am Stammtisch abgelauscht, entspringen dem Inbegriff eines typisch deutschen, bierseligen Duckmäusertums, das bis heute noch jeden Fortschritt im Keime erstickt hat. Deshalb konnte auch ausgerechnet das beschauliche und beinahe unerträglich spießige München zur „Hauptstadt der Bewegung“ werden; mit fröhlichem Sang auf, zum Schlachtefest für Deutschland, Prost!

Auch die Verbrechen Hitlers sind nicht von einmaliger Größe. Dass Hitler und Stalin so leicht und schnell zu einem Abkommen kommen konnten, hatte seinen Grund auch in einer gewissen Gleichheit in der Skrupellosigkeit und Menschenverachtung dieser beiden Staatsverbrecher. Dass Stalin sein Mordhandwerk mit weitaus geringerer Effizienz ausübte, lag nicht an besseren Absichten, sondern an geringeren Möglichkeiten — das industrialisierte Deutsche Reich konnte eben auch richtige Mordfabriken bauen.

Doch es bedarf nicht einmal des Führers, es reicht das Prinzip des Kapitalismus völlig hin, um den Massenmorden ihre scheinbare „Einmaligkeit“ zu nehmen: Dass in der heutigen Zeit von allen Massenmedien unbeachtet und damit anonym jeden Tag 45.000 bis 65.000 Menschen Hungers sterben, während andernorts Lebensmittel industriell vernichtet werden, um die Preise trotz der Überproduktion stabil zu halten, ist ein Verbrechen, dass beider Schurken Lebenswerk im Zweijahrestakt überflügelt — und das schon seit Jahrzehnten.

Wer Hitler und den parareligiösen Hitlerismus als „einmaliges historisches Schicksal“ betrachet, kann mit dieser Haltung verblüffend leicht für eine Wiederholung dieser Zustände empfänglich werden. Es ist verblüffend, wie viele „Antifaschisten“ gewaltbereite Strukturen ausgebildet haben, die nur mit Mühe von der damaligen SA zu unterscheiden sind. Nur wer die Wurzeln des Nationalsozialismus in der ganz alltäglichen deutschen Barbarei entdeckt, erhält eine Chance, sich persönlich gegen diese Kälte, Stumpfheit, Fühlverweigerung immun zu machen, die letztlich zum Faschismus führt.

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Es ist wirklich nicht leicht zu verstehen, warum die römisch-katholische Kirche oder eine andere christliche Sekte etwas gegen die künstliche Befruchtung haben sollte. Diese Vorgehensweise wäre doch geradezu die Erfüllung der gesamten lustfeindlichen Sexualmoral einer zur Religion erhobenen Neurose.

Endlich ist durch ein technisches Verfahren eine Fortpflanzung möglich, ohne dass dabei auch nur die geringste Lust empfunden wird. Dem Einwand, dass das für die technische Befruchtung benötigte Sperma ja durch lustvolle Masturbation gewonnen würde, kann auch leicht begegnet werden: Es wäre durchaus möglich, die zur Befruchtung nötigen Spermien ebenfalls auf lustfreiem technischen Wege zu gewinnen, etwa durch einen kleinen, schmerzhaften Einstich in die Hoden — schon stimmte die Bilanz für die Moralmonopolisten wieder.

Einen derart reinen Sex hätten die Kirchenväter in ihrer beflissen betenden Selbsthilfegruppe gewiss eher im Himmel unter dem Einfluss Gottes erwartet. Ein weiteres Indiz dafür, wie höllisch der Himmel der Christen ist.

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Die Macht

Ich habe es mir angewöhnt, die Fernbedienung eines Fernsehers einfach nur noch „Die Macht“ zu nennen.

Der Mensch, der über „Die Macht“ verfügt, kann damit einen normalen Raum in einen Vorhof der Hölle und einen schrecklichen Ort völliger Geistlosigkeit verwandeln, was dann viele Menschen in diesem Raum zu enthirnten Glotztrotteln und Zombies macht.

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Wie kommt es eigentlich, dass diese Sendungen in unseren halbstaatlichen Fernsehanstalten zu überhand nehmen? Diese Sendungen, die nicht mehr in deutscher Sprache gehalten sind, die deshalb für einen großen Teil der Zuschauerschaft völlig unverständlich sind, die aber auch nicht untertitelt werden?

Zum Beispiel war da heute Abend so eine fragwürdige Show mit einem gewissen Herrn Hinterseer, den nicht zu kennen keine besondere Lücke ist. Diese Sendung, die vor spießbürgerlichen Kitsch und Heilewelt-Spektakel nur so triefte, lief zur besten denkbaren Sendezeit: am Samstag ab viertel nach Acht, gleich nach der Tagesschau. Es wurde auch gesprochen in dieser Sendung, und zwar in einer Sprache, die für jene Menschen, die nördlich der Donau leben so gut wie unverständlich ist.

Und das zur besten Sendezeit! Kann sich jemand vorstellen, dass auf diesem Sendeplatz von der ARD eine Sendung platziert würde, die Interpretationen norddeutsche Volkslieder transportierte und zum größten Teil in Niederdeutsch (Plattdüütsch) gehalten wäre?

Ist Deutschland etwa schon völlig übernommen worden von diesen Klappstühlen, deren „kulturelle“ Hervorbringungen in der Mühle der Content-Industrie den Eindruck jahrhundertelanger Inzucht in Bergdörfern erwecken?

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Beten

Aus einem Gespräch zwischen dem Nachtwächter und einem aufdringlichen und herzlosen christlichen Missionar, dessen geistliche Heimat offenbar eine evangelikale Gemeinschaft US-amerikanischen Musters ist.

Missionar: Wollen wir gemeinsam beten?

Nachtwächter: Wenn es dich nicht stört, dass wir zu verschiedenen Göttern beten, Bruder…

Missionar: Aber es gibt doch nur einen Gott.

Nachtwächter: Ja, das stimmt. Aber du wirst zu deiner Angst beten, Bruder; und ich werde zu Gott beten. Das ist der Unterschied.

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Quantitatives Merkmal

Manche Sätze und manche Texte sind nur deshalb so lang geworden, weil der Sprecher oder Schreiber glaubte, dass bloßer Wortreichtum schon Intelligenz bedeute.

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Sparen

Wie doch im gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozess alle Worte ihrer Bedeutung beraubt werden, damit man mit ihnen die Menschen verblenden und verdummen kann!

Von diesem Wortraub ist zum Beispiel das Wort „Sparen“ betroffen.

An sich bezeichnet das „Sparen“ eine völlig vernünftige Form des Handelns. Wenn jemand Überfluss hat, legt er von diesem Überfluss etwas für kärgere Zeiten bei Seite; er spart, um gegen die Unwägbarkeiten der Zukunft gewappnet zu sein.

Doch heute sind die kargen Zeiten als dauerhafter Zustand für viele Menschen gekommen. Und da erzählt man den Menschen, dass es „sparen“ sei, wenn sie billige Lebensmittel bei Unternehmen kaufen, die den niedrigen Preis durch geringe Qualität der Produkte und optimierte Ausbeutung der Arbeitskraft der Mitarbeiter erzielen. In Wirklichkeit handelt es sich hier nicht um ein „sparen“, was ja einen Überfluss voraussetzte, von dem zu sparen wäre, sondern es handelt sich um ein Angebot für die Armut betroffenen Menschen, die zum richtigen Sparen nichts mehr übrig hätten.

Aber man erzählt den von Armut betroffenen Menschen nicht, dass es sich um ein Angebot für Arme handele, sondern, dass sie „sparen“ könnten.

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Recht und Rache

Wie eng doch Recht und Rache zusammen liegen, nicht nur im Klang der Worte! Man muss sich nur einen der großen politischen Schauprozesse des Medienzeitalters ansehen, etwa den Prozess gegen Saddam Hussein. Das zu erwartende Urteil für diesen Metzger und Volksvergaser steht für jeden Denkenden außerhalb jedes Zweifels, aber es muss eben einen Anschein des Rechts erhalten, wenn man diesen Mörder unter dem Banner der neuen Staatsmacht ermordet.

Für viele wird es erst dann gerecht sein, wenn gerächt wurde. Und die Rache ist ein Gericht, das kalt serviert wird — kalt und in wallenden Roben.

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Freier Download: WordPress-Plugin Delete Comment IP

Ein wichtiger, aber zu wenig beachteter Grundgedanke des Datenschutzes ist es, dass die Speicherung von nicht benötigten Daten vermieden wird, um die Privatheit der betroffenen Menschen zu schützen.

Wenn jemand einen Kommentar in einem WordPress-Blog hinterlegt, dann wird seine IP-Adresse, seine Mailadresse und die Identifikation des benutzten Browsers in der Datenbank gespeichert. Diese Daten können zunächst durchaus nützlich sein, um einen Kommentar „behandeln“ zu können, etwa, um eine Rückfrage per Mail stellen zu können. Nach einiger Zeit handelt es sich jedoch um völlig nutzlose Daten, die einfach nur zum Selbstzweck in der Datenbank gehalten werden.

Darüber hinaus ist es durch die in der EU gesetzlich vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung der Internet-Provider möglich, dass an Hand dieser Daten ein kommentierender Leser auch noch nach sehr langer Zeit identifiziert wird. Da es niemals wirklich sicher zu stellen ist, dass die verschiedenen gespeicherten Daten nicht in falsche Hände geraten und dort zusammen geführt werden, entsteht durch die unnötige Speicherung ein an sich vermeidbares Risiko für die Privatheit eines Lesers.

Mein neues Plugin Delete Comment IP begegnet diesem Problem auf sehr einfache Weise. Jedes Mal, wenn ein neuer Kommentar zum Blog abgegeben wird, werden für alle bestehenden Kommentare, die älter als fünf Tage sind, die folgenden gespeicherten Daten aus der Datenbank gelöscht:

  • Die IP-Adresse des kommentierenden Lesers,
  • seine angegebene Mailadresse, und
  • die Identifikation seines Browsers.

Die Daten werden nur bei freigegebenen Kommentaren gelöscht, die nicht als Spam gekennzeichnet sind. So lange ein Kommentar in der Moderation verbleibt, bleiben auch alle zugehörigen Daten erhalten und können eingesehen werden. Auch bei Spam kann es durchaus erwünscht sein, dass die Identifikation des Verantwortlichen möglich bleibt, deshalb findet hier ebenfalls keine Löschung statt.

Die Verwendung des Plugins ist sehr einfach. Sie brauchen nur die eine Datei in das Verzeichnis wp-content/plugins ihres Blogs hochzuladen. Anschließend muss das neue Plugin noch aktiviert werden; nach der Aktivierung läuft das Löschen der nicht mehr benötigten Daten jedes Mal automatisch ab, wenn ein neuer Kommentar, ein neuer Trackback oder ein neuer Ping in ihrem Blog veröffentlicht wird. Es ist nicht möglich und damit auch nicht nötig, irgendwelche Einstellungen vorzunehmen.

Wichtiger Nachtrag: Wer die Speicherung der IP-Adressen vollständig unterdrücken will, findet bei „Wir speichern nicht!“ ein fertiges Plugin zum freien Download.

Ein ekliges Wort

Wie unangenehm, ja geradezu eklig doch das umgangsprachliche Tätigkeitswort „glotzen“ ist, wie sehr es doch an Fotzen, motzen, kotzen und rotzen anklingt. Und doch benutzt der deutsche Volksmund dies ekle Wort für die stumpfe „Tätigkeit“ des Fernsehens, mit der die meisten Menschen viele Stunden ihrer Tage verleben.

Ob sich in der Bevorzugung eines derart widerwärtigen Wortes wohl auch etwas von dem Ekel vor sich selbst ausdrückt, den ein Mensch schon einmal empfinden kann, wenn er irgendwelche flackernden Schatten an seiner Statt leben lässt?

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Ein wenig beachtetes Problem im Zusammenhang des aktuellen Skandales um die Leichenschändungen durch Soldaten der deutschen Bundeswehr ist die Doppelmoral der politischen Reflexhandlungen auf die mediale Aufmerksamkeit für dieses Thema.

Einerseits ist der Auftrag und der Beruf des Soldaten die Anwendung der Staatsgewalt in ihrer rohesten und direktesten Form. Das erfordert beim Soldaten ein gewisses Maß an menschlicher Stumpfheit, Mitleidslosigkeit, Kälte und damit letztlich Barbarei, ohne die sich ein solcher Auftrag nicht erfüllen ließe. Diese Barbarei ist Spiegelbild der Barbarei jener Gewalt, auf der alle heutigen Staaten letztlich gegründet sind und in die alle heutigen Staaten zurückfallen, wenn die bloße Drohung mit der Gewalt nicht hinreichend ist, um die jeweiligen politischen Ziele zu erreichen. Die Barbarei ist also politisch gewünscht und gewollt, sie wird als „Härte“ und „Tapferkeit“ offen vom Soldaten eingefordert und in Fällen besonderer Selbstvergessenheit in der Gewaltanwendung auch mit ehrenvollen Auszeichungen öffentlich belohnt.

Wenn aber andererseits Menschen im Rahmen der Anwendung staatlicher Barbarei äußerst verachtenswerte Taten auf eigene Faust begehen, was ja angesichts der existenziellen Umstände eines Soldaten im Einsatz gar nicht so überraschend ist, so wird die medial dargebotene Empörung der politischen Kaste übergroß und die in Kameras und Mikrofone gesprochenen Worte triefen vor Moral und Menschenrecht.

Die so in der Öffentlichkeit auftretenden Vertreter des Staates zeigen durch diese Doppelmoral, welchem lichtscheuen Gesindel sie angehören. Das sollten sich gerade Soldaten, aber auch alle anderen Menschen genau vor Augen halten, wenn sie kaltschnäuzig für die Absichten dieser Menschen „ihren Job machen“.

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