Archive for Mai, 2007


Die Feinde der Freiheit

Die größten und gefährlichsten Feinde der Freiheit sind jene Sklaven und Unfreien, die glauben, dass sie in ihren Zustand glücklich sind. Diese verwechseln Passivität und Verantwortungslosigkeit mit Glück; und in dieser Haltung tun sie alles dafür, dass auch kein anderer Mensch das Glück erfahren kann. Ja, sie sind sogar allzu schnell dazu bereit, für ihr eingebildetes „Glück“ und für ihre unverschämt bescheidene Unwissenheit zu morden und zu sterben.

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Weltreise

Die Deutsche Post folgt ganz dem geisteskranken Zeitgeist, und da muss natürlich auch werbend geschwafelt werden. Um zu schwafeln, eignet sich ein bisschen internationaltümelendes, aus Hohlwörtern zusammen gesetztes Englisch am besten, und findet sich das ebenfalls sehr modern zur Unkenntlichkeit stilisierte Posthörnchen inzwischen überall eingerahmt von den Worten „Deutsche Post [Posthorn] World Net“.

In gewisser Weise ist das passend. An vielen Orten in Deutschland kann einem der Weg zum nächsten Briefkasten schon einmal wie eine kleine Weltreise vorkommen. Vom Weg zur nächsten Filiale der Post will ich gar nicht erst reden.

Moral

Die Moral ist ein dürftiges Surrogat für jene Menschen, die Schönheit nicht begreifen können.

Musterbeispiel

Ein Musterbeispiel dafür, wie gefährlich die gegenwärtige Content-Industrie wirklich ist, kann zurzeit jeder Fernsehzuschauer und Zeitungsleser verfolgen. Der Zustand der gesamten Journaille unter den Bedingungen der Content-Industrie ist es geworden, dass die Meldungen einiger weniger großer Agenturen in aller Regel ohne Veränderung oder Ergänzung übernommen werden. Das ist schnell, billig und bequem; und es füllt die weißen Flächen zwischen jenen Werbeflächen, auf welche es allein noch im News-Geschäft ankommt.

Der eigentlich redaktionelle Teil der Publikationen wirkt dabei so gleich lautend, dass kein Lesekundiger ihn von den Hervorbringungen einer durch diktatorische Institutionen gleichgeschalteten Presse unterscheiden kann. Die Deutungshoheit für das Weltgeschehen liegt bei den im Hintergrund bleibenden Agenturen mit ihrer schwer durchschaubaren, aber doch sichtbaren Interessenlage. Natürlich wird die so entstandene Machtposition benutzt, um politische Ereignisse im eigenen Sinn umzudeuten, auch wenn dafür offen und völlig offensichtlich gelogen werden muss. Die Wiederholung der gleichen falschen Mitteilung aus etlichen Nachrichtenströmen gibt der bewusst eingesetzten Lüge Glaubwürdigkeit, selbst bei jenen Denkenden, welche die gleiche Quelle dieser Flut erkennen.

Das momentane Musterbeispiel ist die angebliche „Abschaltung“ eines Fernsehsenders in Venezuela.

Was in der Zeitung steht ist eben nicht halb so wichtig wie das, was nicht darin steht…

Heute (und nur heute, keineswegs morgen oder gar übermorgen) ist der erste Tag deines neuen Lebens. Du musst nur anfangen, damit aufzuhören, ein Leben weiter zu leben, das nicht das deinige ist.

Glaubwürdigkeit

Die weniger bewussten Menschen halten genau das für glaubwürdig und oft sogar für wahr, was sie immer und immer wieder zu hören, zu lesen, zu sehen bekommen. Es ist für diesen einfachen psychologischen Effekt auch nicht hinderlich, wenn dabei die Information stets aus der gleichen Quelle kommt. Was regelmäßig wiederholt wird, was bei jeder Gelegenheit neu angemerkt wird, das wird für wahr erachtet.

Die alten Religionen haben sich das zu Nutze gemacht, indem sie ihre recht monotonen „Wahrheiten“ täglich oder wöchentlich wiederholt haben und die von ihnen verkündeten Heilstaten im jährlichen kalendarischen Drama der Liturgie immer wieder aufgeführt haben. Und. Die erfolgreichen Diktatoren haben sich das zu Nutze gemacht, indem sie ihre recht monotone Propaganda auf allen medialen Wegen immer wiederholt haben. Und. Die Werbung in den modernen Gesellschaften macht sich das zu Nutze, indem die recht monotonen Anpreisungen in jeder nur erdenklichen Form immer wiederholt werden.

In der Wahl der Mittel sind Religion, Diktatur und der moderne Aberglaube heutiger Marken- und Produktwerbung sehr ähnlich. Wer Augen hat, zu sehen, der achte auf diesen billigen Trick.

Richtig falsch verstehen

Ich vermeide es, mit der Straßenbahn zu fahren, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden. In Hannover sind die Straßenbahnen etwas konfus, sie sind ein Zwitter aus normaler Straßenbahn und U-Bahn. Die gesamte Innenstadt ist untertunnelt, so dass die Augen sich am grauen Beton weiden können und vom Anblick des Ortes der Verwüstung verschont bleiben.

Die zentrale Station Hannovers ist der Kröpcke. Noch während die Bahn durch den Tunnel in die Station einfährt, die mit ihren riesigen Mosaiken in grün, türkis, fahlgelb und hellblau so aussieht, als sei sie eigentlich als Hallenbad konzipiert worden, sagt ein Tonband mit mechanischem Liebreiz den Namen dieser Station an. Der Text der Ansage lautet: „Kröpcke, Stadtmitte“. Ich verstehe diesen Text immer als „Kröpcke statt Mitte“; und ich finde, dass das völlig richtig verstanden ist.

Sprachblendzauber (2)

Die Werbung wird nicht müde, neue und verbesserte Produkte anzubieten. Dies geschieht etwa, wenn Bestandteile von Waschmitteln in Perlenform gepresst wurden oder wenn einfach nur die Verpackung anders gestaltet wurde.

Damit auch die alten, weniger guten Produkte der gleichen Marke von gläubigen Deppen gekauft werden, werden sie in der Werbung die bewährten Produkte genannt.

Weder Ochs noch Esel

Man möchte sämtliche Stellungnahmen der ganz demokratischen Einheitsparteien in der Bundesrepublik in folgender, schon vertrauter Weise zusammenfassen: Die Globalisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Wenn etwas billiger gemacht wird, dann wird das in aller Regel als eine Preissenkung bezeichnet. Wird hingegen etwas teurer gemacht, so ist die Rede von einer „Anpassung“ der Preise. Der hannöversche Stromversorger „Stadtwerke Hannover“ nennt seine recht deftige Preiserhöhung in einem Rundschreiben eine „Tarifanpassung“.

Kurzer Abschied

Als ich unterwegs war, fuhr an mir ein Autobus vorbei. An diesem Autobus prangte selbstverständlich Werbung. Es war Werbung für einen Immobilien-Dealer. In großen, roten, recht freundlichen Lettern waren die Worte „GRUND LEHRTE“ auf den Bus geklebt.

Als ich das las, musste ich an diesen „reizvollen“ Ort Lehrte denken. Und ich dachte, dass dieser Text auch passend für einen kurz gefassten Abschiedsbrief eines Selbstmörders wäre.

Der Nein-Tag

Ich werde niemals Vater sein.

Aber wenn ich Vater wäre, würde mein Kind — ebenso wenig wie ich — niemals seinen Geburtstag feiern. Jedenfalls nicht mit mir. Es gibt wichtigere Ereignisse im Leben eines Menschen als die recht passiv über ihm ablaufende Geburt, und doch gerät ihr Datum in Vergessenheit.

Eines Tages würde mein Kind mir gegenüber das erste Mal ein sehr wichtiges Wort erkennbar bewusst gebrauchen. Dieses wäre das Wort „Nein„. Diesen Tag würde ich im Kalender markieren. Und. Ich würde ihn jedes Jahr mit meinem Kind feiern, den Nein-Tag. Dieses Datum stünde dafür, dass mein Kind gelernt hätte, den Willen eines größeren und mächtigeren Wesens nicht unwidersprochen hinzunehmen, sondern klar und unmissverständlich den eigenen Unwillen mitzuteilen.

Ich würde so ein Ereignis zum Grund nehmen, einen Jahrestag zu feiern, den ich für menschenwichtiger hielte als die körperliche Geburt. Ich würde auch dafür sorgen, dass mein Kind wüsste, wie wichtig dieses Ereignis ist. Es handelt sich nämlich um das Erwachen des ersten Bewusstseins um die eigenen Bedürfnisse und des Wunsches, diese auch durchzusetzen — selbst denn, wenn dies kaum als möglich erscheint.

Die meisten Eltern scheinen so etwas nicht als Grund zum Feiern zu nehmen, sondern das erwachende Bewusstsein mit Gewalt zu brechen.

Deshalb haben wir hier auch die Zustände, die wir hier eben haben. Und deshalb haben wir so wenige der Menschen, der klar, vernehmbar und unmissverständlich Nein dazu sagen.