Ich werde niemals Vater sein.

Aber wenn ich Vater wäre, würde mein Kind — ebenso wenig wie ich — niemals seinen Geburtstag feiern. Jedenfalls nicht mit mir. Es gibt wichtigere Ereignisse im Leben eines Menschen als die recht passiv über ihm ablaufende Geburt, und doch gerät ihr Datum in Vergessenheit.

Eines Tages würde mein Kind mir gegenüber das erste Mal ein sehr wichtiges Wort erkennbar bewusst gebrauchen. Dieses wäre das Wort „Nein„. Diesen Tag würde ich im Kalender markieren. Und. Ich würde ihn jedes Jahr mit meinem Kind feiern, den Nein-Tag. Dieses Datum stünde dafür, dass mein Kind gelernt hätte, den Willen eines größeren und mächtigeren Wesens nicht unwidersprochen hinzunehmen, sondern klar und unmissverständlich den eigenen Unwillen mitzuteilen.

Ich würde so ein Ereignis zum Grund nehmen, einen Jahrestag zu feiern, den ich für menschenwichtiger hielte als die körperliche Geburt. Ich würde auch dafür sorgen, dass mein Kind wüsste, wie wichtig dieses Ereignis ist. Es handelt sich nämlich um das Erwachen des ersten Bewusstseins um die eigenen Bedürfnisse und des Wunsches, diese auch durchzusetzen — selbst denn, wenn dies kaum als möglich erscheint.

Die meisten Eltern scheinen so etwas nicht als Grund zum Feiern zu nehmen, sondern das erwachende Bewusstsein mit Gewalt zu brechen.

Deshalb haben wir hier auch die Zustände, die wir hier eben haben. Und deshalb haben wir so wenige der Menschen, der klar, vernehmbar und unmissverständlich Nein dazu sagen.