Category: Dunkle Gedanken


Vorübergegangen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Nichts, woran sich die Menschen noch erinnern, ist vorbei. Und. Das meiste, woran sich die Menschen nicht mehr erinnern, ist ebenfalls nicht vorbei“.

Unwahr

„Es ist nicht wahr“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dass sich die Wahrheit von selbst durchsetzt, sondern es ist eine Art Aberglaube — und es bedarf nur eines Blicks in ein Geschichtsbuch, um diesen Aberglauben zu zerschmettern. Wenn sich Wahrheit durchsetzt, dann nur, weil es eine Gelegenheit zu offenem, unkontrollierten Dialog gibt, ohne dass ein Henker oder Kerkermeister mithört. Jene, die kein Interesse daran haben, dass sich Wahrheit durchsetzen könnte, werden jede noch so Gelegenheit zu offenem, unkontrollierten Dialog vernichten und jede noch so durchschaubare Ausrede finden, um das als Rechtsdurchsetzung oder gar Demokratie zu tarnen“.

Mode

Auch, wer vor der Mode wegläuft, geht in gewissem Sinne mit der Mode.

Gott-Los

Die Religion handelt mit dem gleichen Stoff wie die Lotteriegesellschaft, mit der Hoffnung, die passiv macht und warten lässt — nur, dass man von den Gewinnern bei der Lotteriegesellschaft manchmal lebendig geschriebene Geschichten in der Zeitung lesen kann, während man von den „Gewinnern“ der Religion nur in den Todesanzeigen liest. Die scheinbare Todesverachtung fanatisch religiöser Menschen ist nur das Spiegelbild der Lebensverachtung der Religion.

Alexa

In einem Haushalt, in dem ein Internet-Abhörmikrofon von Amazon im Wahnzimmer aufgestellt war, fragte der Vorübergehende unvermittelt in den Raum hinein: „Alexa, hörst du heimlich mit?“, und die Große Schwester antwortete: „Nein, ich spioniere dich nicht aus, ich respektiere deine Privatsphäre“. Daraufhin sagte der Vorübergehende breit grinsend: „Siehst du, du kannst völlig beruhigt sein und die respektiert fühlen, deine Überwacherin hat es dir doch selbst zugesichert. Ich möchte mich aber lieber woanders mit dir unterhalten“.

Brandfest

„Die Wahrheit zu verbrennen, ist unmöglich“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „denn sie ist selbst das Feuer. Deshalb verbrennen Unterdrücker lieber Bücher, zensieren Websites und erschießen oder verknasten Menschen, aus deren Mund die Wahrheit zu hören ist“.

Luthers Erben

„Der Reformationstag“, sagte der Vorübergehende, „ist das deutsche Gruselfest“.

Die Ohnmacht der Satire

Der Satire steht ein Recht auf Übertreibung zu, damit in ihrem Zerrspiegel die Doppelmoral, Lüge, Frechheit, Gier und Dummheit nur um so deutlicher werden, sehr zur Erheiterung aller, die diese Zustände in ihrem Alltag mittragen. Nach so viel lustvollem Lachen über alles, was einem das Leben auffrisst, kann man ja gleich damit weitermachen. Aber die Satire hat keine Kraft mehr, wenn ihr Gegenstand in bizarrer Verzerrung, grober Heuchelei, Selbstverherrlichung und völliger Schambefreiung gar nicht mehr übertreibbar ist, wie dies etwa bei der amtierenden Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel der Fall ist. Wo die Satire von ihrem Recht auf Übertreibung keinen Gebrauch mehr machen kann, steht nur noch die kulturell deutlich tieferstehende, würdelose und klare Worte nutzende Benennung und Beschimpfung der Zustände, ihrer Macher und ihrer Profiteure offen, eine Tätigkeit, die beim Schreiber, Sprecher, Leser und Hörer fühlbar weniger Lust, aber dafür leicht Verstörung und Unwillen auslöst, doch selbst darin immer noch ein wenig besser als die Mittäterschaft des Schweigens und Einfach-Weiterfunktionierens ist.

In diesem Sinne applaudiere ich im klatschendem Einklang mit der Bundesregierung und allen Landes-, Bezirks-, Regions- und Stadtregierungen, welche die laufende zweite Corona-Welle vorsätzlich und planvoll hervorgerufen haben, den vielen namenlosen und unterbezahlten Helden der Corona-Pandemie in der Bundesrepublik Deutschland. Freut euch über den Applaus und funktioniert einfach weiter! Und versucht nicht, eure Miete und euren Einkauf ebenfalls mit Applaus zu bezahlen!

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Die Fundamentalisten

Die Fundamentalisten kann man daran erkennen, dass sie jedes ihrer eigenen Hirngespinste als „Gottes Wort“ — oder bei Ideologen: als „Wissenschaft“ — ausgeben, und bei alledem nur darauf bedacht sind, alle anderen Menschen unter dem Deckmantel der Religion oder Wissenschaft dazu zu zwingen, genau so zu denken wie sie selbst. Dabei interessieren sie sich für nichts weniger als für ihre jeweiligen hl. Bücher (aus denen sie aber gern leckere Rosinchen zur Abfütterung ihrer billigen Psyche picken) oder für die Wissenschaft (aus der sie aber bevorzugt das Unklarste, Grenzigste und Ungesichertste nehmen, weil es sich beliebig verbiegen lässt und dabei immer noch ein bisschen wie Wissenschaft ausschaut).

Priorität

„Um es ernstzunehmen“, sagte der Vorübergehende grinsend zu seiner Zeitgenossin, „ist dieses einmalige, vorübergehende Leben viel zu wichtig“.

Vergissmeinnicht

Die Redensart, dass das Internet nicht vergesse, bedeutet in ihrem Spiegelbild nur, dass es sich auch an nichts erinnert, weil es keiner Sache herausragende Bedeutung und damit Priorität zuweist und sie damit privilegiert, um anderes dafür auszusortieren. Wer nicht vergisst, ist nicht klug und weise, sondern dumm und geschmacklos.