Category: Dunkle Gedanken


Kultivierte Pyromanen

„Es gibt Paraphile, die erregt werden, wenn sie ein Feuer zu löschen versuchen, das sie selbst entfacht haben, und die Feuerwehren sind voll davon“, sagte der Vorübergehende zu seinem Begleiter, „und es gibt die kultiviertere, leider gesellschaftlich viel zu hoch angesehene Version dieser gefährlichen Paraphilie: Politiker, die erregt werden, wenn sie die Probleme zu lösen versuchen, die sie selbst verursachen. Und die Regierungen sind voll davon“.

Kosten

„Die Korruption in der BRD“, sagte der Vorübergehende ohne jede Fröhlichkeit zu seinem Zeitgenossen, „kostet nicht nur viel Geld, mit dem Besseres und Schöneres entstehen könnte, sie kostet auch den Verstand“.

Mit Gruß an S. und seine Töchter!

Wahlen in Italien

Wie bemerkenswert, also wert, dass man es bemerkt, es doch ist, dass sich keine einzige Feminist:in¹ öffentlich darüber freuen kann, dass nach der jüngsten Wahl in Italien erstmals in der Geschichte Italiens mit Giorgia Meloni eine Frau zur Präsidentin des Ministerrates wird. Das Schweigen der sonst so Lauten zu diesem vor ein paar Jahrzehnten (die noch deutlich in meine politisch bewusste Lebensspanne hineinragen) unvorstellbaren Erfolg ist tosend, und im Spiegelbild dieses Schweigens zeigt sich, das beim vorgeblichen Einsatz für Frauenrechte und Gleichberechtigung in Wirklichkeit längst andere politische Ziele verfolgt werden, dass es sich nur um eine sympathisch anmutende Reklame handelt, hinter der die Wirklichkeit eines eigentlichen Produktes verborgen werden soll; dass der Feminismus schon in seiner Selbstbezeichnung eine Lüge ist.

¹Neudeutsche Neusprech-Genderschreibweise ausnahmsweise, aber vorsätzlich als Stilmittel eingesetzt.

Schöpfer und Ausschöpfer

Die, die am genauesten zu wissen meinen, wer die Welt erschaffen hat, tun im Spiegelbilde ihres kindischen Glaubens den größten Teil dafür, die Welt zu vernichten.

Vorausschau zurück

„Die alle Brücken hinter sich abreißen“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „sehen neue Brücken vor sich, auf denen sie ihre Stiefel im Schnee erproben wollen. Nur sehr selten und niemals ohne eine damit verbundene, tiefe existenzielle Krise verlässt ein Mensch alles, was er kennt, ohne dabei etwas anderes, vertraut und gar nicht allzu neu anmutendes vor sich zu sehen. Die, die verlassen, verlassen nicht, sondern gehen zum Gleichen oder zu seinem ebenso vertrauten Spiegelbild: Von der Religion zur anderen Religion oder zur Ideologie, von der mies bezahlten Arbeit zum ungerecht entlohnten Job, vom Lebenspartner zur verblüffend ähnlichen großen Liebe, von der Arbeiterbewegung zum Faschismus, von der repräsentativen ‚Demokratie‘ mit ihrer Parteienoligarchie zur Diktatur, vom Pazifismus zum gerechten Krieg. Ohne eine tiefe und persönliche existenzielle Krise und das damit verbundene Leiden ist noch niemand wirklich klug, heiter, klar und einsichtig geworden; und wer nicht klug wird, bleibt sein Leben lang ein Häftling der eigenen Psyche, voller Angst vor allem Neuen und reißt erst dann die Brücken ab, wenn er tot ist“.

Captcha

Einer der größten Witze des 21. Jahrhunderts ist, dass die Computer damit angefangen haben, Menschen darum zu bitten, nachzuweisen, dass sie auch ja keine Roboter sind. Und niemand kann über diesen Witz lachen.

Von der Geduld

„Hab Geduld und finde dich damit ab, deine wenigen Jahre im Staub und in persönlicher Aussichtslosigkeit zu leben“, sagte der Vorübergehende zum Gewaltbereiten, „denn die monströsen Strukturen sind selbsterhaltend und haben Kraft, Mittel und Gewalt, offene Widersacher zu zerbrechen. Ein toter Elefant verwest nicht an einem Tag, und ein todkranker Elefant wird noch lange leiden, und dennoch ist ihr Ende schon da, und sie wissen es. Es reicht, wenn du dich von der Krankheit und der Verwesung fernhalten kannst, bevor du selbst zu Krankheit und Verwesung wirst und auch nicht so dumm bist wie jene vielen, die sich etwas vom Politikmachen versprechen, so wie alle vor ihnen, die schneller korrumpiert wurden, als sie ihre so erlangten Privilegien verstecken konnten, während sie den Anstand zum Verbrechen erklärten. Flucht ist besser als Heldentum, und am Ende bleibt nichts“.

Lehre

„Ich musste die vermutlich fünfzehn besten und kraftvollsten Jahre meines Lebens in einer schweren Depression verbrennen“, sagte der Vorübergehende zum Sklaven seiner dummen Hoffnung, „um zu verstehen, dass die meisten meiner Mitmenschen noch mehr Angst und noch weniger Freude in sich tragen, als ich es in dieser ganzen höllischen Zeit jemals für möglich und erträglich gehalten hätte. Niemals kann ihre Bitterkeit zu Licht werden, niemals können sie verstehen, dass es nur eine Freiheit in ihrem Dasein geben kann: Die Freiheit von Angst“.

Wathosen

„Zu guter Letzt“, sagte der Vorübergehende in seiner zerfallenden Heimat zu seinem Bruder im Staub, „werden sie den Leuten Wathosen geben, damit sie besser und mit geringerer Gesundheitsgefahr durch den Schlamm kommen, und VR-Brillen, damit sie sehen können, wie es einmal war. Und sie werden das Ergebnis ihres Zerstörungswerkes ‚Blühende Landschaften‘, ‚Park‘ und ‚Liebe zum Quartier‘ nennen, und wer es entgegen seinem atemberaubenden Ekel und seiner ob solcher Intelligenzbeleidigungen aufkommenden Wut schafft, ihnen zu widersprechen, wird von einer Horde dienstbereiter Journalisten und unbezahlter Lumpenpropagandisten als ein gefährlicher Antidemokrat und Nazi gebranntmarkt, mit dem niemand mehr etwas zu tun haben sollte“.

Orientierung

„Ich war in der BRD mein ganzes Leben lang von Menschen umgeben“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „die sich an den großen Dingen aus irgendeiner Vergangenheit orientiert haben und diese sogar kultisch verehrt haben, aber immer nur mit Angst und Sorge in die Zukunft blicken konnten und deshalb die Gegenwart ihres gesamten Daseins in Abwehr und Denkverweigerung verlebten. Und das erklärt leider alles, was ich ertragen musste“.

Die Preise

„Die Preise“, sagte der Vorübergehende beim Einkaufen zu einem Zeitgenossen, „fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht“.

Handvoll

„Viele Beziehungen scheitern daran“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „dass Menschen allen Ernstes daran glauben, dass sie mit den zwei Handvoll Liebe, die sich ab und an einander geben können, für ihr gesamtes Leben in der kalten Welt haushalten können müssten, statt sich eine andere Lebenswirktlichkeit zu suchen oder zu schaffen“.