Category: Dunkle Gedanken


Ölpest

„Wenn Daten das ‚Öl des 21. Jahrhunderts‘ sind“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann ist das Internet eine riesige Ölpest. Diese wird aber von niemanden bekämpft, sondern alle pumpen immer noch mehr Öl hinein, egal, wieviel Schönes und Lebendiges dabei verendet“.

Streicheleinheit

„Dieser Hund“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „wurde so lange bespielt, gelobt und gestreichelt, bis sein Maulkorb fertig war“.

Friedenszahn

Wie friedliebend, ja, pazifistisch doch das Gebiss eines Haifisches anmutet, wenn man es mit der „Sanftmut“ und „Friedfertigkeit“ der entfesselten Religionen der Menschen vergleicht. Und die Ideologien sind nur psychische Bastardkinder der Religionen, gewoben aus dem selben psychischen Material.

Die Irren, Wirren und Wahnsinnigen

„Die Irren, Wirren und Wahnsinnigen“, sagte der Vorübergehende erschöpft, „tun mit allergrößter Anspannung und unerschütterlicher Überzeugung immer wieder das Selbe, erwarten aber, dass diesmal endlich etwas anderes dabei herauskommt“.

Kopiermaschine

„Das Internet“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „ist eine riesengroße verteilte Kopiermaschine. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, dass Privates, Empfindliches und Intimes im Kopierer am besten geschützt sei, aber heute vertraut man auf Versprechungen, dass in der Kopiermaschine nicht kopiert würde, und immer häufiger wird einem sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass man darauf vertrauen solle, zum Beispiel bei seinen Gesundheitsdaten“.

Wandlung

Im Laufe der Jahre verwandelt sich die Hoffnung immer sichtbarer in die trüge Dummheit, die sie von Anfang an gewesen ist. Wer klug ist, gibt die Hoffnung auf, bleibt nicht mehr passiv und schaut auf das, was noch möglich ist. Denn mehr gibt es nicht.

Arschlöcher

Die bourgeois-pseudolinke sexistisch-rassistisch-feministische Entscheidung, alle heterosexuellen hellhäutigen Männer pauschal als Arschlöcher zu betrachten, zu bezeichnen und mit den absurdesten Vorwürfen zu beleidigen, hat viele heterosexuelle Männer zu Arschlöchern gemacht. Wer daran glaubt, dass man eines Feindes bedürfe, um dem Leben oder einer Bewegung ein Ziel zu geben, darf sich über kraftraubende Kämpfe nicht wundern — denn der deutlich beschriftete Beleg, dass Frieden und Ausgleich nicht gewünscht sind, wird ja selbst geliefert, ja, schon vor jedem Austausch und jedem Gespräch geliefert. Schade, ein wenig Zivilisation wäre gewiss für alle Menschen erfreulicher als die angestrebte Barbarei gewesen.

Nach dem Tod

Ängstlich gefragt, was denn nach seinem Tod geschehe, antwortete der Vorübergehende lächelnd: „Eine Menge Dinge werden nach meinem Tod geschehen, aber ich bin an ihnen nicht mehr beteiligt“.

Zombiebankrott

Der schlimmste Bankrott ist nicht das Fehlen von Geld, sondern der Verlust jeglicher Substanz, während das Geld noch in Massen vorhanden ist, auch deshalb, weil es zuvor jahrzehntelang für wichtiger als jede Substanz gehalten wurde. Dieser Bankrott erzeugt kein Scheitern, sondern Zombiefizierung und unendlich langsame Verwesung bei lebendigem Leib, gruselig für jeden, der davon betroffen ist. Ob es der spirituelle Bankrott der christlichen Religion ist, der dazu führt, dass niemand mit einem spirituellen Bedürfnis noch in eine der heuchlerischen christlichen Kirchen geht; ob es der demokratische Bankrott so genannter „demokratischer“ Parteien ist, der dazu führt, dass die Interessen einer immer kleineren Minderheit auf Kosten aller Menschen mit aller Gewalt und Heimtücke zur Politik gemacht werden; ob es der intellektuell-ästhetische Bankrott der gesamten Contentindustrie ist, der dazu führt, dass nur noch schablonenhafte Einfalt statt lebendiger Vielfalt ausgeworfen wird — ein großer Teil der Gesellschaft ist schon von solchen Zombies geprägt, die begleitet von Exzellenzinitiativen und Werbefeldzügen gruselig langsam vor sich hin verwesen und ihre hirnlosen Zuckungen zum Standard für alle Menschen machen wollen. Es ist leider nicht so, dass Totgesagte länger leben, sondern es ist so, dass sich für lebendig haltende Untoten länger und mehr dahinquasseln, als es erträglich ist. Und niemand. Setzt ihnen den erlösenden Kopfschuss.

Affen

„Es ist schon erstaunlich“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „wie viel Trauer und Bestürzung dadurch ausgelöst wird, weil zu Silvester ein paar Affen im Zoo verbrannt sind, und wie wenig Trauer und Bestürzung dadurch ausgelöst wird, wenn ein Obdachloser im Winter erfriert. Die Liebe zum Tier ist regelmäßig ein Spiegelbild der Menschenverachtung“.

Augengröße

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Die Frauen donnern sich immer auf, als seien die Augen der Männer größer als die Gehirne der Männer — und sie haben mit dieser Strategie Erfolg“.

Fremdenfeind

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Der Mensch, den du einen Fremdenfeind nennst, hasst in seiner Bewusstlosigkeit nur ein Spiegelbild. Er ist sich in seinem eigenen Leben schon lange sehr fremd geworden“.