Archive for Juni, 2010


Schwert und Schild des Internet

Nur ein Beispiel dieser Metapher, die sogar in freier Software Widerhall findetDie visuelle Metapher, mit der „Sicherheitssoftware“ für die Internet-Benutzung sich häufig ihrem Nutzer gegenüber darstellt, ist ein bemerkenswertes Spiegelbild der Zustände im derzeitigen Internet. Sehr beliebt bei den Herstellern der Software ist die Metapher des Schildes, die in eine längst vergangene Zeit der Gewalt und Kriegsführung zurückweist; in eine Zeit, in der die Menschen im Kampfe noch mit Schwertern, Streitäxten, Piken, Armbrüsten und dergleichen mehr aufeinander eindroschen, um sich zu ermorden und in der ein Schild Schutz im Kampfe bot, wenn man es richtig und geübt einzusetzen verstand.

In dieser auf das Mittelalter zurückgreifenden optischen Metapher und in ihrer Verbreitung zeigt sich, in welchen Zustand das Internet derzeit geraten ist. Wer durch diesen virtuellen Raum geht, soll auf seinen Wegen jederzeit dafür gewappnet sein, einer ruchlosen Bande von „Räubern“ und „Mordbrennern“ zu begegnen, die jede sichtbare Schwäche als Einladung für ihre Übergriffe betrachtet und ohne Erbarmen aus dem Hinterhalt zuschlägt. Und ich muss sagen, dass das eine durchaus treffende Beschreibung für das gegenwärtige Mittelalter des Internet ist. Es ist auch das Körnchen Wahrheit hinter dem politisch-propagandistischen Geschwafel vom „rechtsfreien Raum“, mit dem die Hirne und Seelen gebeizt werden sollen, um sie bereit zu machen für die staatlichen Überwachungsgelüste, deren Zielsetzung und „argumentative“ Begründung allerdings nur selten Bezug auf die konkrete Wegunsicherheit im Internet nimmt — ein breites Bewusstsein dafür wäre auch schlecht für die breite Kommerzialisierung durch jene Contentindustrie, die viel zu stark mit der classe politique verflochten ist — sondern bevorzugt einige Randerscheinungen des Irrsinnes mit hohem moralischen Empörungspotenzial herauspickt, um mit diesem psychischen Hebel dafür zu werben, die Dystopien eines George Orwell noch übertreffen zu können.

In derzeitigen „Mittelalter des Internet“ sehne ich mich oft nach der von mir ebenfalls erlebten „Steinzeit des Internet“ zurück, die ich glücklicherweise auch erleben durfte. Auch damals gab es die Übergriffe und allerlei Schlechtes, aber es war dünn besiedelt und man begegnete gewissen asozialen Subjekten nur selten, so dass es insgesamt entspannter und fröhlicher zuging. Ja, in mir macht sich ein Überdruss ob der Barbarei des Internet breit, der durch das schöne Sommerwetter eher noch vergrößert wird. Es gibt ja immer noch hübschere Betätigungen als das Führen sinnloser, technischer Kämpfe an Orten, an denen man sich nur etwas Ausdruck verschaffen möchte…

Wenn ich demnächst einige heftig angegriffene meiner Projekte aus dem Internet nehmen sollte, ist dies der Tatsache geschuldet, dass ich die gegenwärtig laufenden Attacken unter den Bedingungen meines Daseins nicht mehr behandeln so kann, wie es erforderlich wäre. Der Hintergrund dieser Attacken lässt sich übrigens an anderer Stelle im Internet nachlesen. Die Barbarei ist allgegenwärtig.

Advertisements

Zu allen Reden und Erklärungen

Es kann jedem einmal passieren, dass er Unsinn redet. Das wird erst schlimm, wenn er es feierlich tut.

Michel de Montaigne (1689-1755)

Denk an den Kopf!

Vorsicht! Astbruch!

Nein, da gehe ich jetzt doch nicht durch den gefährlichen Wald mit seinen astwerfenden Bäumen, sondern doch lieber längs der Bundesstraße… 😉

Orgel

Zeitgenosse: Deutsch ist die Orgel unter den Sprachen.

Nachtwächter: Eine Sprache, die für einen leckeren Kuchen das Wort „Zwetschgendatscherl“ findet, erinnert mich eher an das Schlagzeug als an Orgelpfeifen.

Was ich meinem Feinde wünsche…

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, werden begehren zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen.

Offb. 9, 6

Wenn jemand älter wird, zeigt sich das auch daran, was er seinen Feinden im Hass wünscht. Der junge Mensch, voll der Kraft, will schlicht nur, dass das verhasste Mitwesen im Tode entschwindet, dass es stirbt. Der ältere Mensch denkt etwas anders und wünscht seinen Feinden das, was in der Blindheit zwischen den schweigenden Mauern aus Todesangst und Todesverdrängung als ein Segen empfunden wird, er wünscht ihnen ein hohes Alter. Nicht das Alter, das die Besitzenden und die geehrten Verbrecher erlangen, die sich mit ihrem Gelde über den Verfall hinwegtrösten und in allerlei Betätigung flüchten können. Sondern. Das Alter, das jenen zuteil wird, die ein gewöhnlicheres Leben verlebt haben. Diese Vernichtung der einstigen Kraft im steigenden Schmerz, dieses Vergessen der Gegenwart und die kindische Flucht in Erinnerungen an bessere Tage, die auch nicht mehr zu trösten vermögen. Dieser Verlust des Geschmackssinnes, des Geruchs, des Gehörs und aller anderen Möglichkeiten, eine dürftige Freude in seinem stinkenden Leben zu fühlen. Dieses Weggeworfensein, nachdem das Nutzleben zugunsten der Besitzenden verlebt wurde, dieses Abgeschobensein durch eine Verwandtschaft, die mit lufteleichtem Hirne vergisst, dass ihr noch das Gleiche bevorsteht. Diese notdürftig mit Blümchen und Gärtchen getarnten Ghettos, die man eigens für die Alten baut, damit sie auch leichter über dieses „es geht ihnen doch gut dort“ vergessen werden, diese Wohneinheiten darin, die schon wie ein Krankenhaus riechen, diese von den Institutionen der Kirche ausgebeuteten „Ein-Euro-Jobber“, die in diesen Ghettos mit der geringen Motivation eines Sklaven die letzten Zuwendungen ersetzen müssen. Die Ärzte, die nicht offen davon sprechen, wie die Erde ruft, diese zwanzig Medikamente und drei weiteren Medikamente gegen die Nebenwirkungen der zwanzig Medikamente, mit denen die Körpermaschine am Leben gehalten wird, so lange sich der Betrieb eines solchen Altenghettos noch lohnt. Diese paar Angehörigen, die zwei Mal im Jahr vorbeischauen — man hat ja so viel zu tun — und sich in dieser Frequenz schon auf ihre spätere Rolle als Hinterbliebene vorbereiten — und ihr meist misslingener Versuch, die Lästigkeit derartiger Besuche mit besonders überzogenen Äußerungen der Zuneigung zu übertünchen, als ob niemand mehr die im Munde verwesenden Lügen erschnuppern könnte. Und diesen Alltag, der aus den immergleichen Erzählungen der erinnerten Vergangenheit und der gegenwärtigen Krankheit im Ghetto besteht, und diese öden Bespaßungen, die über das alles im Ghetto hinwegtäuschen sollen. Und. Die im Ghetto haltende und durchaus berechtigte Angst, in seiner Schwäche und Einsamkeit „da draußen“ nicht mehr zurecht zu kommen.

Das ist es, was ich meinen Feinden wünsche, aber von ganzem Herzen! Mögen sie lange leben und in Schwäche und Ausgeliefertsein im endlosen Grau einsam, schmerzhaft und nur noch als passiver Wirtschaftsfaktor geachtet dahinsiechen! Würden Tiere so gehalten, wie in der BR Deutschland einige Menschen „gehalten“ werden, denn wäre der Aufschrei der Tierschützer gewaltig — aber für Eierfabriken und zukünftige Suppenhühner gibt es hier mehr eingefordertes Lebensrecht als für Menschen.

Prinzipien der Kriegspropaganda

  1. Wir haben diesen Krieg nicht gewollt.
  2. Personifizierung des Feindes.
  3. Unsere Zielstellungen sind humanitärer Art. Man muss die Tatsache verschweigen, dass es wirtschaftliche Ziele des Krieges gibt. Man stelle humanitäre Gründe in den Vordergrund.
  4. Berichte über Grausamkeiten des Gegners. Vermeide ungünstige Berichte über die eigene Seite.

Lord Ponsonby, britischer Diplomat, 1871

Wessen Freiheit gemeint ist

Die gegenwärtige Zeit wird einmal rückblickend als eine Zeit in den Geschichtsbüchern aufscheinen, in der man zwar weiterhin den alten Kampfbegriff von der „Freiheit“ in politischen Forderungen verwendete, aber damit nicht mehr in erster Linie die frühere Forderung nach einer Freiheit der Menschen meinte, der sich jede andere gesellschaftliche Strebung zu unterwerfen hat, sondern die „Freiheit“ der Märkte, an der sich jedes andere menschliche Streben auszurichten hat. Und man wird wohl konstatieren, dass dieser kleine Trick alles in allem gut funktioniert hat. Da bleibt nur zu hoffen, dass es nicht von pharmakologisch „glücklich“ gemachten Konsumenten in Ketten konstatiert wird.

Die Deutschlandfahne

Nach einigen Begegnungen mit so genannten „Fußballfans“ halte ich die Deutschlandfahne für etwas, das vor allem als alkoholischer Atem dem Munde dieser Menschen entströmt und mit der Nase wahrnehmbar ist.

Schiffsbau

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Deine Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und um die Arbeit zu verteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupéry

Der beste Kommentar…

Der in meinen Augen treffendste Kommentar zur gegenwärtigen Situation im europäischen Wirtschaftsraum (im Neusprech „Euro-Zone“ genannt) kommt schon aus dem Jahr 2000. Es handelt sich um die Werbung eines großen deutschen Herstellers von Geldspielgeräten. Dieser Kommentar sieht so aus:

Es ist schon zum Schießen, was manchen zum Thema Euro durch den Kopf geht

Beim Schießen sollte man übrigens beachten, dass jede Schusswaffe ein „gutes“ und ein „böses“ Ende hat, und dass der Erfolg der Tätigkeit maßgeblich davon abhängt, in welche Richtung das „böse“ Ende zur Schussabgabe gehalten wird. :mrgreen:

Der Satan

Wenn der Satan ein Christ wäre, denn wäre er katholisch.

Festtag

Zeitgenosse: „Deutschland hat gewonnen! Das ist wie Weihnachten!“

Nachtwächter: „Wieso? Hast du deshalb im Vorfeld sechs Wochen lang Stress gehabt und heute den obligatorischen Familienkrach hinnehmen müssen, und alles was übrig bleibt, ist ein Haufen Tinnef?“