Tag Archive: Hass


Hate Speech

Nachdem die Menschen sich daran gewöhnt haben, jeden Widerspruch und jedes nicht ganz stubenreine Wort des Diskurses als „Hass“ zu bezeichnen, wundern sie sich darüber, wo der ganze „Hass“ herkommt — und die wirklichen Hasser können sich hinter klaren Meinungsfreiheiten verschanzen, gegen jede Zensur aussprechen und mit der hinter ihrem Rücken versteckten Benzinflasche neben den Brand stellen um die Harmlosen zu spielen. Selten nur war politischer Aktivismus so dumm, so kontraproduktiv, so brandstiftend, so ein perfektes Spiegelbild.

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Den Anderen hassen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Ich kann dich gar nicht hassen. Wofür sollte ich auch? Dafür etwa, dass du nicht bist wie ich? Hasste ich dich dafür, würde ich ja genau so wie du werden“.

Der Hass im Netz

„Bevor es den ‚Hass im Netz‘ gab“, sagte der Vorübergehende zu Mitmensch Mediengläubig, „gab es jahrelang und ohne jegliche Kritik den Hass in der Presse — und zwar gegen jeden, der Sozialleistungen bezieht, statt für einen Hungerlohn oder gar für umsonst zu arbeiten. Die Verschiebung dieses gewollten und systematisch massenmedial erzeugten Hasses auf jene, deren Elend und Bedürftigkeit noch größer als bei den ursprünglich gemeinten ist, wird die von Milliardären für ihre Tätigkeit bezahlten Brandstifter an den Schreibtischen bei allem Schrecken aber nicht so erschrecken, dass sie mit der ständig verabreichten Hetze gegen Armut und arme Menschen aufhören werden. Die Grundlage für den derzeitigen ‚Rassismus‘ ist nicht die Rasse, nicht die Religion und nicht die Kultur von Menschen, sondern die Betrachtung menschlichen Lebens durch eine rein wirtschaftliche Verwertungsbrille und die dumme psychische Energie des Neides derer, die sich mit viel zu wenig Widerstand gegen ihre Verwertung ausbeuten lassen“.

Der Heilige Schein, so betet ihn an!

„Ich lebe mit dir zusammen in einer Welt“, sagte der Vorübergehende zu seiner Begleiterin, „in der die Menschen einerseits so christlich sind, dass sie einem Muslim die Mitgliedschaft in einem christlichen Schützenverein verwehren, in dem die Menschen andererseits aber so wenig von den eh schon spärlich überlieferten Worten Jesu gelesen haben, dass sich niemand auch nur spürbar darüber verwundert, wenn ausgerechnet so eine menschenverachtende, blut- und schweißschlürfende Form des institutionalisierten Vampirismus wie eine Bank unter dem hübschen, frommen Namen ‚Heiliger Geist‘ firmiert. Und dieses Desinteresse an allem, was dieser Jesus jemals gesagt haben soll. Und dieser in dumpfer Angst wurzelnde und deshalb unbegründbare Hass gegen alles Fremde und Andere. Das. Ja. Genau. Das. Ist. Die christliche Religion und das Wertesystem der gegenwärtigen Gesellschaft“.

Was ich meinem Feinde wünsche…

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, werden begehren zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen.

Offb. 9, 6

Wenn jemand älter wird, zeigt sich das auch daran, was er seinen Feinden im Hass wünscht. Der junge Mensch, voll der Kraft, will schlicht nur, dass das verhasste Mitwesen im Tode entschwindet, dass es stirbt. Der ältere Mensch denkt etwas anders und wünscht seinen Feinden das, was in der Blindheit zwischen den schweigenden Mauern aus Todesangst und Todesverdrängung als ein Segen empfunden wird, er wünscht ihnen ein hohes Alter. Nicht das Alter, das die Besitzenden und die geehrten Verbrecher erlangen, die sich mit ihrem Gelde über den Verfall hinwegtrösten und in allerlei Betätigung flüchten können. Sondern. Das Alter, das jenen zuteil wird, die ein gewöhnlicheres Leben verlebt haben. Diese Vernichtung der einstigen Kraft im steigenden Schmerz, dieses Vergessen der Gegenwart und die kindische Flucht in Erinnerungen an bessere Tage, die auch nicht mehr zu trösten vermögen. Dieser Verlust des Geschmackssinnes, des Geruchs, des Gehörs und aller anderen Möglichkeiten, eine dürftige Freude in seinem stinkenden Leben zu fühlen. Dieses Weggeworfensein, nachdem das Nutzleben zugunsten der Besitzenden verlebt wurde, dieses Abgeschobensein durch eine Verwandtschaft, die mit lufteleichtem Hirne vergisst, dass ihr noch das Gleiche bevorsteht. Diese notdürftig mit Blümchen und Gärtchen getarnten Ghettos, die man eigens für die Alten baut, damit sie auch leichter über dieses „es geht ihnen doch gut dort“ vergessen werden, diese Wohneinheiten darin, die schon wie ein Krankenhaus riechen, diese von den Institutionen der Kirche ausgebeuteten „Ein-Euro-Jobber“, die in diesen Ghettos mit der geringen Motivation eines Sklaven die letzten Zuwendungen ersetzen müssen. Die Ärzte, die nicht offen davon sprechen, wie die Erde ruft, diese zwanzig Medikamente und drei weiteren Medikamente gegen die Nebenwirkungen der zwanzig Medikamente, mit denen die Körpermaschine am Leben gehalten wird, so lange sich der Betrieb eines solchen Altenghettos noch lohnt. Diese paar Angehörigen, die zwei Mal im Jahr vorbeischauen — man hat ja so viel zu tun — und sich in dieser Frequenz schon auf ihre spätere Rolle als Hinterbliebene vorbereiten — und ihr meist misslingener Versuch, die Lästigkeit derartiger Besuche mit besonders überzogenen Äußerungen der Zuneigung zu übertünchen, als ob niemand mehr die im Munde verwesenden Lügen erschnuppern könnte. Und diesen Alltag, der aus den immergleichen Erzählungen der erinnerten Vergangenheit und der gegenwärtigen Krankheit im Ghetto besteht, und diese öden Bespaßungen, die über das alles im Ghetto hinwegtäuschen sollen. Und. Die im Ghetto haltende und durchaus berechtigte Angst, in seiner Schwäche und Einsamkeit „da draußen“ nicht mehr zurecht zu kommen.

Das ist es, was ich meinen Feinden wünsche, aber von ganzem Herzen! Mögen sie lange leben und in Schwäche und Ausgeliefertsein im endlosen Grau einsam, schmerzhaft und nur noch als passiver Wirtschaftsfaktor geachtet dahinsiechen! Würden Tiere so gehalten, wie in der BR Deutschland einige Menschen „gehalten“ werden, denn wäre der Aufschrei der Tierschützer gewaltig — aber für Eierfabriken und zukünftige Suppenhühner gibt es hier mehr eingefordertes Lebensrecht als für Menschen.

Die Anderen

Als die Syphilis zur großen Plage in Europa wurde, nannte man sie in Deutschland, in England und in Italien die „französische Krankheit“, in Frankreich jedoch lieber „die italienische Krankheit“. In Russland war es die „polnische Krankheit“, in der Mongolei hingegen die „russische Krankheit“. Die Japaner sprechen bis heute von der Syphilis etwas blumig als von einem „chinesischen Geschwür der himmlischen Strafe“.

Im zweiten Weltkrieg waren die Kakerlaken ein allgegenwärtiger Begleiter. In Deutschland nannte man die wenig appetitlichen Insekten „Russen“, und in Russland nannte man sie „Deutsche“.

Die Kakerlaken und die Erreger der Syphilis kennen weder Kanonenmusik noch Flaggen noch auf Landkarten gezeichnete Linien, innerhalb derer gewisse Formen der Gewaltausübung durch eine Clique von Besitzenden gelten. Solche kranken Kopfgeburten kennen nur die Menschen, und sie verwenden allerlei sprachliches Blendwerk, um die winzigen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen künstlich zu vergrößern und diesen Vergrößerungen psychische Wucht zu geben. Die Kakerlaken und die Erreger der Syphilis haben nichts weiter als ein DNA gewordenes Verlangen nach Erhaltung und Reproduktion. Deshalb wird es die Kakerlaken und die Erreger der Syphilis wohl auch dann noch geben, wenn sich die Menschen längst in sinnlosen Kämpfen auf einem Schlachtfeld voller Überfluss ausgetilgt haben. Die einzige Möglichkeit, diesen Ausgang des gegenwärtig über die menschlichen Gesellschaften ablaufenden Prozesses abzuwenden, bestünde darin, dass sich Menschen auf ihr Gemeinsames und auf ihre Fähigkeit zum intelligenten Handeln besinnen, dass sie einsehen, dass es so nicht weitergeht — wer würde so eine hoffnungslose Hoffnung entwickeln?