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Unheilig: Freiheit

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Freiheit 2.0

Frei soll sein, wer das will, was er ohnehin schon muss.

Verantwortung

„Die Idee der Freiheit ist deshalb bei vielen Menschen so unbeliebt, und die Idee eines möglichst totalitären und alles regelnden Staates auf der anderen Seite bei vielen Menschen so beliebt“, sagte der Vorübergehende traurig zu seinem Begleiter, „weil aus der Freiheit eine Verantwortung für das erwächst, was ist und kommt. Freunde der Knechtschaft gegenüber dem Staate brauchen da nur noch tiefe, psychische Schuldkomplexe zu erwecken, und die Ökobewegung des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts ist ein Beleg, dass das auch ohne religiösen Überbau leicht machbar ist“.

Herbizid

Die Herrschenden und Besitzenden betrachten jedes noch so zarte und harmlose Pflänzlein der Freiheit, das irgendwo frech ersprießt und seine Blätter grünend in die Sonne hält, als ein Unkraut, das man mit allen Mitteln ausrotten muss.

Definition

Die Menschen haben noch nie eine gute Definition für das Wort „Freiheit“ gefunden, weil die Grundlage ihres Miteinanders das genaue Gegenteil von Freiheit war und ist.

Grenze

Hinter jedem Schlagbaum neben dem Hoheitszeichen eines Staates versteht man unter dem Begriff „Freiheit“ etwas anderes.

Das Freiheitsrecht

Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

Freie Menschen

„Freie Menschen erkennst du daran“, sagte der Vorübergehende zum In-sich-selbst-Gefangenen, „dass sie nicht einfach ergeben dort stehenbleiben, wo der Zufall sie hinwirft“.

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Gefährlich…

Witze über Rollstuhlfahrer: Gehen eigentlich gar nicht, aber sitzen immer.

Es wird wirklich gefährlich für die Freiheit, wenn man der Satire vorwirft, dass sie böse und geschmacklos ist und sie bekämpft, damit sie nicht mehr den jeweiligen Gesinnungskitsch der reflexionsunfähigen Schlammseelen in jene unbarmherzige Lächerlichkeit ziehe, in der er gezogen gehört. Mir graut es vorm digitalen Biedermeier.

Zuspruch

„Du bist frei“, sagen die Freunde der modernen Sklaverei zum Geborenen, und dann helfen sie ihm während seiner gesamten Lebenszeit, die Ketten möglichst fest anzulegen und diese als „Freiheit“ zu bezeichnen. Wie viel diese „Freiheit“ wert ist, merkt erst, wer versucht, die Ketten abzulegen.

Absicht

„Die Menschen in ihrem unreflektierten Narzissmus glauben fest daran, dass sie Willensfreiheit hätten, weil sie mit einer Absicht handeln können“, sagte der Vorübergehende zu seinem Mitmenschen, „aber sie fragen sich niemals, wo ihre Absichten denn herkommen, ob sie wohl wirklich wollen können, was sie wollen. Da sitzt kein Mensch im Menschen, der freie Absichten und einen freien Willen hätte; da ist nur ein komplexer, dem allgemeinen Determinismus des Kosmos unterworfener karmischer Apparat. Freiheit ist nicht die Freiheit des Willens, zu bekommen, was er will, sondern Freiheit ist die Freiheit von Angst“.