Tag Archive: Freiheit


Freie Menschen

„Freie Menschen erkennst du daran“, sagte der Vorübergehende zum In-sich-selbst-Gefangenen, „dass sie nicht einfach ergeben dort stehenbleiben, wo der Zufall sie hinwirft“.

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Gefährlich…

Witze über Rollstuhlfahrer: Gehen eigentlich gar nicht, aber sitzen immer.

Es wird wirklich gefährlich für die Freiheit, wenn man der Satire vorwirft, dass sie böse und geschmacklos ist und sie bekämpft, damit sie nicht mehr den jeweiligen Gesinnungskitsch der reflexionsunfähigen Schlammseelen in jene unbarmherzige Lächerlichkeit ziehe, in der er gezogen gehört. Mir graut es vorm digitalen Biedermeier.

Zuspruch

„Du bist frei“, sagen die Freunde der modernen Sklaverei zum Geborenen, und dann helfen sie ihm während seiner gesamten Lebenszeit, die Ketten möglichst fest anzulegen und diese als „Freiheit“ zu bezeichnen. Wie viel diese „Freiheit“ wert ist, merkt erst, wer versucht, die Ketten abzulegen.

Absicht

„Die Menschen in ihrem unreflektierten Narzissmus glauben fest daran, dass sie Willensfreiheit hätten, weil sie mit einer Absicht handeln können“, sagte der Vorübergehende zu seinem Mitmenschen, „aber sie fragen sich niemals, wo ihre Absichten denn herkommen, ob sie wohl wirklich wollen können, was sie wollen. Da sitzt kein Mensch im Menschen, der freie Absichten und einen freien Willen hätte; da ist nur ein komplexer, dem allgemeinen Determinismus des Kosmos unterworfener karmischer Apparat. Freiheit ist nicht die Freiheit des Willens, zu bekommen, was er will, sondern Freiheit ist die Freiheit von Angst“.

Die Bedeutung der Freiheit

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

Vom Freiheitswillen der Unfreien

„Die Unfreien wollen in Wirklichkeit gar nicht frei werden“, sagte der Vorübergehende zum Gebundenen in seinen unsichtbaren Ketten, „sondern sie begnügen sich damit, wenn sie Aufseher über die Unfreien werden können. Und an dieser wuchtigen, impulsfressenden Trägheit der psychischen Sklaverei ist bis jetzt noch jede Revolution gescheitert und noch ungleich häufiger der Wunsch Einzelner nach einem neuen, anderen, besseren Leben. Lass einen Verschuldeten, der unter Schuld und Zinseszinsen ächzt, an Geld kommen! Sofort will er alles, was er nicht für die Zahlung seiner Schuld aufbraucht, mit möglichst hohem Zins an seine Bank verleihen, sollen doch die anderen schwitzen“.

Mut-Los

„Vermutlich fänden die meisten Menschen ihr Leben trotz vieler leidiger Umstände viel erträglicher und erfreulicher“, sagte der Vorübergehende zu seinem traurigen Zeitgenossen, „wenn sie doch nur den Mut fänden, ihr eigenes Leben zu leben“.

Unfreie Menschen

Unfreie Menschen erkennt man daran, dass sie nicht wissen, wie man sich seine Freiheiten bewahrt, dass sie nicht einsehen, warum man sich diese Mühe überhaupt machen sollte und oft sogar daran, dass sie nicht einmal wissen, was Freiheit ist.

Feindschaft

In einer Welt, in der die Freiheit durch Regierungen zerstört wird, werden diejenigen, die Freiheit schaffen, als Feinde angesehen

Zlatan Todoric

Gebrauchsgut

„Wer seine Freiheit nicht gebraucht“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „der kann sie zu nichts gebrauchen. Und er bemerkt gar nicht, wenn sie auf einmal verschwunden ist, weil sich nichts geändert hat“.

Irgendwie frei…

Wenn man will, was man muss, ist man irgendwie auch frei.

Dieter Hildebrandt