Category: Zitate


Der Traum der Herrschenden und Besitzenden

Der neoliberale Traum ist, dass das in punkto Reichtum obere Prozent der Bevölkerung genauso divers ist wie die restlichen 99 Prozent, damit niemand seine ökonomische Situation mehr auf Diskriminierung schieben kann. Dann können die Reichen nämlich behaupten, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft verdient habe. Bei Diversity-Bestrebungen geht es nicht in erster Linie darum, Ungleichheiten zu minimieren, sondern sie zu rechtfertigen.

Walter Benn Michaels, zitiert nach Fefe

Unfähig

Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.

Albert Einstein

Die Empfindlichkeit der Religion

Die Kirche rollt durch die neue Zeit dahin wie ein rohes Ei. So etwas von Empfindlichkeit war überhaupt noch nicht da. Ein scharfes Wort, und ein ganzes Geheul bricht über unsereinen herein: Wir sind verletzt! Wehe! Sakrileg! Unsere religiösen Empfindungen… Und die unseren-? Halten Sie es für richtig, wenn fortgesetzt eine breite Schicht des deutschen Volkes als „sittenlos“, „lasterhaft“, „heidnisch“ hingestellt und mit Vokabeln gebrandmarkt wird, die nur deshalb nicht treffen, weil sie einer vergangenen Zeit entlehnt sind? Nehmt ihr auf unsere Empfindungen Rücksicht? Ich zum Beispiel fühle mich verletzt, wenn ich einen katholischen Geistlichen vor Soldaten sehe, munter und frisch zum Mord hetzend, das Wort der Liebe in das Wort des Staates umfälschend – ich mag es nicht hören. Wer nimmt darauf Rücksicht?

Kurt Tucholsky

Der Gell-Mann-Amnesie-Effekt

Kurz gesagt, der Gell-Mann-Amnesie-Effekt ist der folgende: Sie schlagen die Zeitung auf und lesen einen Artikel über ein Thema, in dem sie sich gut auskennen. In Murrays Fall ist es Physik. In meinem Fall ist es das Showbusiness. Sie lesen den Artikel und stellen fest, dass der Journalist überhaupt kein Verständnis der Fakten oder der Thematik hat. Oft ist der Artikel dermaßen falsch, dass er in Wirklichkeit die Geschichte rückwärts darstellt, indem er Ursache und Wirkung umkehrt. Ich spreche von den „Nasse- Straßen-verursachen-Regen-Geschichten“. Eine Zeitung ist voll von davon.

Wie es auch sei, man liest verärgert oder belustigt die vielen Fehler in einer Geschichte, und dann blättert man den zu nationalen oder internationalen Angelegenheiten und liest, als ob die restliche Zeitung irgendwie genauer über Palästina wäre als in dem dummen Unfug, den man gerade gelesen hat. Man blättert auf eine andere Seite um und vergisst, was man weiß.

Michael Crichton

Danke, T. und hackbyte, für den Hinweis! Genau so geht es mir fast jedes Mal, wenn Journalisten über ein Computerthema berichten, und ich habe daraus immer geschlossen, dass der Rest der Meldungen nicht gründlicher produziert werden wird. Ich gehe allerdings nicht von Dummheit, sondern häufig auch von vorsätzlicher Fehlinformation der Journalismusgenießer aus.

Nichtzusammenarbeit

Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten wie die Zusammenarbeit mit dem Guten.

Mahatma Gandhi

Ablass

Viele, die über Ablaßkrämerei in der katholischen Kirche lachen, üben sie doch täglich selbst. Wie mancher Mann von schlechtem Herzen glaubt sich mit dem Himmel ausgesöhnt, wenn er Almosen gibt.

Georg Christoph Lichtenberg (Vermischte Schriften II)

Das hat sich inzwischen geändert…

Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen, sie hatten bisher nur nicht soviel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen.

Alice Schwarzer

Von der Dummheit

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos.

Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten: Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden — in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch — und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht gebot als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) — „Von der Dummheit“, Briefe und Papiere aus dem Gefängnis

Querdenkerwurzel

Allein schon der Begriff des „Querdenkers“ ist entlarvend, er hat neoliberale Wurzeln. In der Hochphase des Neoliberalismus in Deutschland, als Hartz IV und Agenda 2010 von Rot-Grün durchgepeitscht wurden, galten deren Propagandisten oftmals als mutige Querdenker, die „verkrustete Strukturen aufbrechen“ und „Besitzstandswahrer“ endlich zur Kasse bitten würden. Der Sozialstaatsabbau in der Bundesrepublik wurde mit einer scheinprogressiven Rhetorik propagiert – dies war eine der „Innovationen“ der damaligen Regierung Schröder/Fischer. Die heutigen Querdenker sind – ganz im Sinne des Extremismus der Mitte – nur eine Verwilderungsform ihrer neoliberalen Vorgänger.

Tomasz Konicz

Betrug

Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.

Johann Wolfgang v. Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 144

Die Fahne laut, zum Sprechen fest entschlossen!

Lass deine Zunge keine Fahne sein, die im Wind eines jeden Gerüchtes zu flattern beginnt.

Imhotep (2686-2613 v.u.Z.) zugeschrieben

Verboten

Alles andere als arbeiten war verboten: Spaziergänge in den Straßen, Spaß haben, Singen, Tanzen, Zusammenkommen, alles war verboten

George Orwell (1903-1950), 1984
Übelsetzung von mir