Tag Archive: Werbung


Widerlich: Zukunftswerkstatt Ihmezentrum

Gefragt, was denn seiner Meinung nach das am besten zu einem halb zur Ruine zerfallenen, brutalistischen Menschenschließfach aus Beton passende Bildchen sei, sagte der alte Satan von Werber mit einem breiten, menschenverachtenden Grinsen: Nehmt eine Sonne, nehmt ein Windrad, nehmt ein Vogelhäuschen, nehmt einen Baum und nehmt einen Menschen, der im Schatten dieses Baumes müßiggeht. Da sagte der PR-Beauftragte: Das ist genial, so machen wir das! Anschließend zogen die beiden Menschenfeinde eine weiteres Näschen Kokain, fühlten sich groß, wichtig und wahr und machten sich an ihre brechreizerregende Arbeit:

Schild am Bauzaun des Ihmezentrums. Ihmeplatz 7e, 2. Etage: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Küchengärten Linden nach links. Darunter das Logo von 'Transition Town Hannover e.V.': Im Hintergrund ein Windrad, im Zentrum eine Sonne, davor ein Baum mit Vogelhäuschen, in dessen Schatten der Schattenriss eines Menschen am Baume gelehnt ausruht.

Fürwahr eine Zukunftswerkstatt wie aus der ärgsten Dystopie; schade nur, dass sie gegenwärtig, ja, in Form der Reklame allgegenwärtig ist.

Advertisements

Austausch

Die Reklame ist ein psychologisch optimiertes Manipulationsverfahren, das die Bedürfnisse des Menschen mit Kaufwünschen austauscht.

Targeted Advertising

„Wenn algorithmusgesteuertes ‚Targeted Advertising‘ funktionieren würde“, sagte der Vorübergehende zum Spiegel-Online-Leser, „dann bekäme ich überhaupt keine Werbung mehr und brauchte auch keinen Adblocker mehr als Abwehrmittel gegen die Werbung, weil die Algorithmen erkennten, dass ich weder auf Werbung klicke noch gewillt oder dazu fähig bin, für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu bezahlen“.

Widerliche Propagandalügen zum Ihmezentrum

Als der Vorübergehende an der Wiese gegenüber dem Ihmezentrum, auf der anderen Seite der Ihme, vorüberging und von einem Band endlos abgespielt den folgenden von Fahrstuhlmusik begleiteten Text hören musste, bekam er deutlich angeschwollenen Hals:

Die Fotos, die ich zum Text gestellt habe, sind aus dem Zeitraum 2006 bis 2017. Direktlink zum Video auf YouTube.

Abriss: Jetzt. Alternativen: Keine.

Ich bitte um Entschuldigung für die schlechte Audioqualität.

Genetik

Menschenverachtende Reklame für ein Fitness-Studio: Deine Genetik ist keine Ausrede -- Jetzt in Hannover

Werbesprache und Wahrheit

Dieses Google Home ist übrigens kein Lautsprecher, auch wenn jeder Journalist das zurzeit so nennt. Es ist ein Mikrofon.

Peinlich…

Es ist schon mehr als nur ein bisschen peinlich, wenn der Spiegel aus seiner angeblichen „Bestsellerliste“ einen Titel streicht und mit dieser Streichung völlig klar macht, dass es sich bei seiner Behauptung best seller über dieser Liste um nichts weiter als eine Reklamelüge handelt, die nichts mit Verkaufszahlen, aber viel mit redaktionellen Entscheidungen mit mutmaßlichem Schleichwerbehintergrund zu tun hat.

„Lügenpresse“ mag als Wort pfui und nazi sein, aber eine „Wahrheitspresse“ ist es nicht und nie gewesen. Wer glauben will, dass es an anderen Stellen des gleichen Blattes anders ist, glaube weiter… aber ein Grund zu diesem dummen, der Wahrnehmung widersprechendem Glauben besteht nicht.

Bedrohlich und bedenklich

Die jeweilige Situation wird medial-journalistisch stets als bedrohlich (also die psychische Deutung der Angst und Machtlosigkeit anreizend) und nicht als bedenklich (also die Verstandesfunktionen anreizend) dargestellt, denn Menschen, die sich bedroht fühlen, reagieren mit ihrem psychischen Affenprogramm, als müssten sie vorm Tiger fliehen — und sind dementsprechend anfällig für alle Richtungsweisung und für jedes Angebot, dass ihnen das starke Unlustgefühl ihrer Angst zu nehmen verspricht. Würde die jeweilge Situation als bedenklich dargestellt, also als etwas, was von jedem betroffenen Menschen bedacht werden muss, um eine reflektierte, bewusste und selbstverantwortliche Entscheidung zu treffen, dann würden viel häufiger viel mehr Menschen ihre Entscheidungen nicht mit der Psyche, sondern mit ihren vernünftigeren und einem durch die Zivilisation deutlich gesicherterem Leben angemesseneren Geistesfunktionen treffen. Ein Mensch, der seine Entscheidungen bedenkt, statt sie aus bestenfalls vorbewussten und kaum noch verbalisierbaren Regungen zu treffen, ist freilich eine schlechte „Zielgruppe“ im Sinne der intelligenzverachtenden Sprache der Werber; und der Transport von Reklame ist leider das eigentliche und einzige Geschäftsmodell der Contentindustrie, so dass in den Produkten der Contentindustrie aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen ein für den Reklametransport passendes Umfeld geschaffen werden muss. Der medial-journalistische Apparat der Contentindustrie ist Hauptbefeuerer der mörderischen Irrationalität in den gegenwärtigen Gesellschaften, er hat darin die Religion der mittelalterlichen Gesellschaften beerbt. Da nimmt es nicht Wunders, dass diese übernommene Rolle bedrohlicher- und bedenklicherweise mit dem gleichen Absolutheits- und Wahrheitsanspruch eingenommen wird.

Die Baukunst des Abrisses

Foto eines Gebäudes, das gerade abgerissen wird. Davor ein Transparent am Bauzaun mit der Werbung 'Baukunst'.

Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

Forever Fun

Reklame-Graffito an einem Kiosk/Stehcafé in der Ritter-Brüning-Straße in Hannover: Forever Fun

Spiegelbild der Reklame

Im Journalismus und in seinem Täter, dem Journalisten, spiegelt sich die Reklame wider, die er in Ermangelung eines seriöseren Geschäftsmodelles zu transportieren hat; er ist genau so reißerisch, unwahr, drängelnd, im schlimmsten Sinne des Wortes sendungsbewusst, manipulativ, intelligenzverachtend, psychisch, verdummend, entpolitisierend, gewalttätig, übervergewältigend, raumgreifend und feindlich wie jene geworden.