Tag Archive: Werbung


Werbesprache und Wahrheit

Dieses Google Home ist übrigens kein Lautsprecher, auch wenn jeder Journalist das zurzeit so nennt. Es ist ein Mikrofon.

Peinlich…

Es ist schon mehr als nur ein bisschen peinlich, wenn der Spiegel aus seiner angeblichen „Bestsellerliste“ einen Titel streicht und mit dieser Streichung völlig klar macht, dass es sich bei seiner Behauptung best seller über dieser Liste um nichts weiter als eine Reklamelüge handelt, die nichts mit Verkaufszahlen, aber viel mit redaktionellen Entscheidungen mit mutmaßlichem Schleichwerbehintergrund zu tun hat.

„Lügenpresse“ mag als Wort pfui und nazi sein, aber eine „Wahrheitspresse“ ist es nicht und nie gewesen. Wer glauben will, dass es an anderen Stellen des gleichen Blattes anders ist, glaube weiter… aber ein Grund zu diesem dummen, der Wahrnehmung widersprechendem Glauben besteht nicht.

Bedrohlich und bedenklich

Die jeweilige Situation wird medial-journalistisch stets als bedrohlich (also die psychische Deutung der Angst und Machtlosigkeit anreizend) und nicht als bedenklich (also die Verstandesfunktionen anreizend) dargestellt, denn Menschen, die sich bedroht fühlen, reagieren mit ihrem psychischen Affenprogramm, als müssten sie vorm Tiger fliehen — und sind dementsprechend anfällig für alle Richtungsweisung und für jedes Angebot, dass ihnen das starke Unlustgefühl ihrer Angst zu nehmen verspricht. Würde die jeweilge Situation als bedenklich dargestellt, also als etwas, was von jedem betroffenen Menschen bedacht werden muss, um eine reflektierte, bewusste und selbstverantwortliche Entscheidung zu treffen, dann würden viel häufiger viel mehr Menschen ihre Entscheidungen nicht mit der Psyche, sondern mit ihren vernünftigeren und einem durch die Zivilisation deutlich gesicherterem Leben angemesseneren Geistesfunktionen treffen. Ein Mensch, der seine Entscheidungen bedenkt, statt sie aus bestenfalls vorbewussten und kaum noch verbalisierbaren Regungen zu treffen, ist freilich eine schlechte „Zielgruppe“ im Sinne der intelligenzverachtenden Sprache der Werber; und der Transport von Reklame ist leider das eigentliche und einzige Geschäftsmodell der Contentindustrie, so dass in den Produkten der Contentindustrie aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen ein für den Reklametransport passendes Umfeld geschaffen werden muss. Der medial-journalistische Apparat der Contentindustrie ist Hauptbefeuerer der mörderischen Irrationalität in den gegenwärtigen Gesellschaften, er hat darin die Religion der mittelalterlichen Gesellschaften beerbt. Da nimmt es nicht Wunders, dass diese übernommene Rolle bedrohlicher- und bedenklicherweise mit dem gleichen Absolutheits- und Wahrheitsanspruch eingenommen wird.

Die Baukunst des Abrisses

Foto eines Gebäudes, das gerade abgerissen wird. Davor ein Transparent am Bauzaun mit der Werbung 'Baukunst'.

Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

Forever Fun

Reklame-Graffito an einem Kiosk/Stehcafé in der Ritter-Brüning-Straße in Hannover: Forever Fun

Spiegelbild der Reklame

Im Journalismus und in seinem Täter, dem Journalisten, spiegelt sich die Reklame wider, die er in Ermangelung eines seriöseren Geschäftsmodelles zu transportieren hat; er ist genau so reißerisch, unwahr, drängelnd, im schlimmsten Sinne des Wortes sendungsbewusst, manipulativ, intelligenzverachtend, psychisch, verdummend, entpolitisierend, gewalttätig, übervergewältigend, raumgreifend und feindlich wie jene geworden.

Werte Werber! Werte Journalisten!

Was eine „Werbung“ ist, und was eine „Spam“ ist, entscheiden die Empfänger, nicht die Sender. Adblocker sind für die meisten ihrer Nutzer — neben der Funktion als unentbehrliche Hilfsmittel für die Computersicherheit angesichts der Schadsoftwareverteilung über Werbenetzwerke — gefühlte Spamfilter, und euer „Kampf“ gegen die Adblocker ist so sinnlos und ganz genau so „erfolgversprechend“ wie der Kampf von Spammern gegen Spamfilter.

Wer davon lebt, Menschen zu überrumpeln, zu belügen und zu manipulieren, darf sich nicht darüber wundern, wenn er vor die Tür gewiesen wird. Genau das macht ein Adblocker mit euren verachtenswerten „Kommunikationsversuchen“.

Werte Werber! Werte Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell!

Wenn ihr intellektuell damit überfordert seid, diese einfache Tatsache zu verstehen, seid ihr für zivilisiertes menschliches Miteinander disqualifiziert. Wenn ihr aber Hirns genug habt, diese einfache Tatsache zu verstehen, euch aber mit allen Mitteln darüber hinwegsetzen wollt, dann seid ihr ebenfalls für zivilisiertes menschliches Miteinander disqualifiziert.

Werte Werber! Werte Webmonetarisierer! Werte Presseverleger!

Ihr seid asozial. Oder ihr seid dumm. Oder — was ich für viel wahrscheinlicher halte — ihr seid asozial und dumm.

Subtrahiert euch!

Ohne Gruß
Der Nachtwächter

Wert

Gefragt, was ihm der Journalismus wert sei, wie viel er für einen Artikel bezahlen würde, antwortete der Vorübergehende: „So lange der Artikel in contentindustriellen Machwerken eine Vorrichtung ist, mit der Menschen zur manipulativen Lüge der Reklame gelockt werden sollen, so lange ist mir der Artikel keinen Cent wert. Denn das. Spiegelt nur die ‚Wertschätzung‘ des Presseverlegers wider“.

Werber

Werber sind Menschen, die versuchen, dir den Weg in die Hölle so schmackhaft zu machen, dass du dich auf den Urlaub freust.

Hochdruck

Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Ausfalls

Vodafone in einer typischen Presseerklärung zu technischen Problemen

Mir, und vermutlich nur nur mir, wäre es ja lieber, die Techniker arbeiteten nicht unter einem selten hilfreichen Hochdruck (neudeutsch auch „Stress“ genannt), sondern besonnen, gründlich und effizient (und würden dafür auch sehr gut bezahlt). Eine solche Haltung führte nicht nur schneller zur Behebung der technischen Probleme, sondern hülfe vielleicht sogar, zukünftige Probleme zu verhindern.

Mediale Realitätsverzerrung und Wirklichkeit

Die Verzerrung des Sehens durch die Medien, die den Blick im Zweifelsfall mit Gewalt auf sich reißen müssen, um den Reklameplatz teurer verkaufen zu können, bringt genau den Zerfall hervor, den wir jeden Tag sehen müssen. Wenn einer einen maroden Deich beim Hochwasser mit Sandsäcken stopft, ist er ein Held, ein Güter- und Lebensretter und eines Fotos und einer Meldung für seinen selbstlosen Einsatz würdig. Wenn einer aber über Jahre hinweg durch kleine, banale und nahezu unsichtbare Arbeiten dafür sorgt, dass der Deich gar nicht erst Löcher bekommt, ist er nur ein Bauarbeiter, unbeachtlich und irrelevant, keiner Erwähnung wert. Denk daran, wenn du siehst, was im politischen Betrieb nach oben gespült wird — und bedanke dich bei den Werbern, die solche Verantwortungslosigkeit mit ihrem Anspruch an Content, den Wurm am Angelhaken der Reklame, hervorgebracht haben!