Tag Archive: Gewalt


Klapps

“Ein kleiner Klapps hat noch niemanden geschadet”, sagen die Geschädigten so gern.

Am Mahnmal

Am dekorativ hingesetzten Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen im Schuldritualmodus: “Hier kannst du sehen, was in letzter Konsequenz geschieht, wenn man sich gegen staatliches Unrecht, staatliche Menschenverachtung und staatliche Gewalt nicht mit allen Mitteln zur Wehr setzt; wenn man stattdessen nur passiv und angstvoll darauf hofft, dass es schon vorübergehen wird”.

Tag der Kinderrechte

Und der Vorübergehende sagte zu seinem Begleiter, als sie an einer Mutter vorübergingen, die in aller Öffentlichkeit ihr Kind in sozial akzeptierter und als von ihr selbst und allen anderen selbstverständlich erachteter Weise verängstigte und misshandelte: “Dafür haben die Staaten einen ‘Internationalen Tag der Kinderrechte’ eingeführt: Damit der rechtlose Zustand werdender Menschen während des Restes eines Jahres um so besser vergessen werden kann”.

Der unerwünschte “Irre”

Die beeindruckende Kraft der inappellable Beharrlichkeit, mit der der so genannte “Irre” noch an der widerlegbarsten Wahnidee festhält, ist ein Spiegelbild der ebensogroßen inappellablen Beharrlichkeit, mit der die gesamte ihn umgebende Gesellschaft an ihren noch widerlegbarsten Wahnideen festhält — und genau deshalb ist der “Irre” so unerträglich, dass er hinter Mauern entsorgt wird, von denen sich jeder einreden kann, er wisse nicht, was hinter ihnen vorgeht.

Gewalttäter warnen: Gewalt ist falsch!

Es ist doch immer wieder erhebend und klingt klingeling schön nach Menschenrecht und Demokratie, wenn die classe politique des Staates, der — nur ein einziges Beispiel von vielen — Gegnern eines sinnlosen Prestige-Bahnhofes in Stuttgart die Augen aus dem Kopf schießt, vor Gewalt gegen Demonstranten im Ausland warnt. Es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen dem Widerstand gegen die Entscheidungen “demokratisch” gewählter Regierungen im Ausland und dem Widerstand gegen die Entscheidungen “demokratisch” gewählter Regierungen, zu denen man selbst gehört…

Pfefferspray

Eine Substanz, die gegen die Genfer Konventionen verstieße, setze man sie im Kriege ein, und die deshalb nicht von Soldaten an Gegnern, sondern von Polizeibeamten an der eigenen Bevölkerung verbraucht wird.

Letzte pazifistische Konsequenz

Was werden die ihr Lebensrecht einfordernden Menschen eigentlich machen, wenn sie bemerken, dass gewaltfreie und vom Staatsapparat vorgesehene Formen des Widerstandes nichts bewirken? Wenn sie einsehen müssen, dass ihr Pazifismus nicht etwa Ethik ist, sondern nur daher kommt, dass sie Angst haben; dass es sich nur um eine psychische Zementierung der Gewalt der Herrschenden und Besitzenden durch Verdrängung derselben handelt? Werden sie dann endlich ihren Unterdrückern die letzte denkbare Freude wegnehmen, indem sie ihren Weg konsequent zu Ende gehen und sich demonstrativ für ihr Lebensrecht selbst töten?

Gewürz

Pfefferspray, dieses von der herrschenden und besitzenden Klasse immer stark zu dosierende Gewürz für die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Kopffessel

Die stärkste und wirksamste Waffe eines Unterdrückers ist die Denk- und Lebensweise der Unterdrückten.

Die Gewalt

“Die Gewalt des Gewalttäters”, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, “lässt dem davon betroffenen, anderen Menschen nur noch drei Möglichkeiten: Dass er sich unter der Gewalt bücke und angstvoll darauf hoffe, dass der Gewalttäter nicht so arg mit ihm verfahren möge; dass er versuche, mit schnellem Fuße vor der Gewalt zu fliehen, um ihrem zerstörerischen Einfluss zu entkommen und andernorts unbedrängter zu leben; und dass er versuche, gegen den Gewalttäter zu kämpfen.”

Was der Vorrübergehende nicht so klar sagte, ist, dass das auch für die Gewalt gilt, die mit dem Worte “Staat” zusammengefasst wird und die den Menschen als “Staatsgewalt” gegenübertritt. Und. Diese “Staatsgewalt” gewöhnt die Menschen von Kind auf ans Bücken.

Neutralität

Wer in Situationen offensichtlichen Unrechts einen “neutralen” Standpunkt einnimmt und diese Herzlosigkeit sich in einer gängigen und aus dem Presseton so gewohnten Rationalisierung als “Objektivität” verkauft, hat sich auf die Seite der Gewalttäter und der Profiteure der Gewalt geschlagen und hilft mit seinem tätlichen Nichttun dazu, die angestrebte Herrschaft der Angst zu errichten. Genau. Wie beinahe jeder Journalist in beinahe jeder Zeit an beinahe jedem Ort.

Gruß auch an die Wikipedia

Dschungelcamp

Ich lebe in einer Zeit, in der immer Geld für den Krieg da ist, und in der niemals Geld für die Bildung da ist; ich lebe in einer Zeit, in der die Profite der Banken und Großunternehmen privatisiert und ihre Verluste und Geschäftsrisiken vom Staate übernommen und zu Kosten der Gemeinschaft gemacht werden; ich lebe in einer Zeit, in der sich so genannte “Jobcenter” in einem quasi Rechtsfreien Raum unfassbare Demütigungen und existenzielle Einschüchterungen von Menschen, für deren Arbeit niemand mehr bezahlen will, herausnehmen, und in der sadistische Demütigungsshows im Fernsehen ein gut unterhaltenes und spürbar begeistertes Millionenpublikum finden. Und du fragst mich danach, was ich für eine Aussicht habe? Braun ist mir vor Augen, nur noch braun. Ein Mob macht nur so lange Spaß, so lange man selbst ein von Gruppendynamik gesteuerter Teil seiner ist, sein lästiges Verantwortungsgefühl und die Zwangsjacke der Zivilisation in diesem überpersonalen Geschehen ablegen kann. Und auch dann nur. Wenn sich kein leerer Kreis um einen bildet.

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