Tag Archive: Natur


Chemie

Zum ängstlich in das teurere Regal greifenden und von der „Natur“ faselnden Zeitgenossen sagte der Vorübergehende: „Chemie ist doch das gleiche wie Natur, nur stärker“…

Die Natur des Menschen

Als der Zeitgenosse einwandte, dass die Überwindung der Idee des Staates und die Anarchie ja gar nicht möglich sei, weil die Natur des Menschen solches nicht zulasse, erwiderte der Vorübergehende: „Deshalb ist die Kultur des Menschen so wichtig. Die Natur des Menschen hat das Potenzial eines Bonobos, dessen gesamtes Dasein von unmittelbarer sexueller Lust und existenzieller Not geprägt ist; die Kultur des Menschen hätte hingegen ein Potenzial, wie es in star trek durch die Brille unserer beschränkten Imaginationskraft nur angedeutet ist. Und gerade in star trek zeigt sich auch, welche Wege die Kultur des Menschen nehmen könnte: Den Weg selbstverantwortlicher Individuuen, die ihre Fähigkeiten und Erfahrungen aus inneren Beweggründen heraus zwangfrei in den Dienst gemeinsamer Ziele stellen, obwohl es dank großartiger Technik keinen Mangel an irgend etwas gibt und kein allgegenwärtiges Belohnungssystem wie Geld das Wohlverhalten gegenüber den gemeinsamen Zielen erzwingt. Oder aber, und das findet die Menschheit in ihrem Staatsglauben und in ihrer Individualitätsverachtung leider zurzeit sehr viel attraktiver, den Weg des Borgwürfels“.

Der böse Mensch in Bambiland

Wer Angst vor den Menschen hat, hat vor allem Angst vor sich selbst.

Renato Guttoso

Der alternativ behauchte Kulturpessimist sagte (sinngemäß): „Man hätte die Erde so lassen sollen, wie sie ist. Man hätte niemals Kohle ausgraben dürfen, kein Erdöl an die Oberfläche der Erde pumpen dürfen, schon gar kein Uran aus den Bergen holen, um Kraftwerke damit zu betreiben. Der Mensch. Ist ein Feind der Natur, seit er sich nicht mehr darauf beschränkt, einfach spurlos zu vergehen. Und jetzt. Würde er am liebsten gar den Weltraum erobern, wo die Welt zur Wüste geworden“.

Und der Vorübergehende. Der das hörte. Antwortete: „Du gehst nicht weit genug in deiner Kritik an der menschlichen Kultur, deine Angst lässt deinen Gedanken auf halbem Wege stehenbleiben. Man hätte auch niemals die Bäume verlassen sollen, wenn du nur ein wenig weiter denkst. Oder. Die noch früheren Vorfahren des Menschen hätten niemals das Wasser verlassen sollen. Oder war es nicht so, dass das ganze Dilemma anfing, als irgendwelche DNA- oder RNA-Stränge sich in einer zeitlich weit entfernten schleimigen Pfütze darin einrichteten, von einer doppelten Lipidschicht umgeben zu sein, die in einem langen Prozess dann unsere Zellmembranen hervorbrachte? Was war das für eine Zerstörung von Umwelt! Die Erde ist nicht mehr die gleiche seitdem. Die gesamte Atmosphäre wurde in ihrer Zusammensetzung verändert und ist voll von hochreaktivem, gefährlichen Sauerstoff geworden, der ganz neue Mineralien hervorbrachte und übrigens auch das Klima veränderte. Denke deinen narzisstischen Angstgedanken zu Ende, damit du siehst, dass er das Leben verneint, und dann handele wie ein Lebender und tu ihn ab aus eigenstem Interesse! Und dann. Beginn am besten damit, das zu nutzen, was dich als Menschen auszeichnet — ein paar hundert Gramm organische Substanz im Schädel, die zu achtzig Prozent aus Wasser besteht. Denn diese Substanz. Ist die einzige Chance des Menschen für die Zukunft. Während du dich in der Nutzung deines Hirnes übst, wird das Antlitz der Erde immernoch von Wesen geprägt, die wir für unwichtig halten, von einzelligen Algen und Bakterien, die jeden Ort in ihren Lebensprozessen umgestalten. Und während du das in dein Bewusstsein tropfen lässt. Bescheide dich, du Mensch“!

Schwan

Ein Schwan, der in Wasser schwimmt, in dem sich die Sträucher und Bäume des Ufers spiegeln

Bambi

Der Nachtwächter sagte zu seinem Zeitgenossen: Das größte Problem der Ökobewegung und der im Fahrwasser dieser Bewegung mitschwimmenden Esoterik ist, dass diese Menschen ihre Auffassung von der „guten Natur“ und dem „bösen Menschen und seiner zerstörerischen Zivilisation“ nicht etwa durch Betrachtung dieser Natur gewonnen zu haben scheinen, sondern durch das Anschauen von Disneys Bambi-Film.

Naturschutz

Er sprach so scheinbar rational von der Wichtigkeit des Naturschutzes, dass es fast überzeugend klang. Doch mit „Naturschutz“ meinte er, wann immer man das Wort vorsichtig nach seiner Bedeutung abklopfte, dass „die Natur vom Menschen getrennt“ werden müsse, dass das zivilisatorische Agieren des Menschen also nicht ein Natürliches sei. In der scheinbaren Rationalität der Forderung nach dem Erhalt der natürlichen Lebensbedingungen verlarvte sich die Irrationalität des menschlichen Narzissmus, die scheinbar unausrottbare Auffassung, dass der Mensch über die gemeine Natur erhaben sei. Es war nur ein Spiegelbild des unbändigen und oft brutalen menschlichen Gestaltungsdranges, welcher der Welt seinen Stempel aufdrückte und aufdrückt; ein Spiegelbild, das sein Urbild anfeindete, aber dabei. Genau so unreflektiert wie dieses war.