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Deutsche Schönheiten

Wenn man die Argumentationsweisen der BRD-Politiker auf allen Ebenen der Herrschaftsausübung hört und nicht für korrumpiertes, verlogenes und manipulatives Geschwätz, sondern für bare Münze nimmt, muss man zur Auffassung kommen, dass die Autobahnen, die Parkplätze und die Shopping Malls¹ das Schönste und Wichtigste an Deutschland seien, und dass ihr Fehlen dem Veröden, ja, dem Sterben des Ortes gleichkäme. Ja, man versteht gar nicht mehr, warum diese Menschen im Urlaub teuer ins Ausland fliegen, wo sie doch auch ihre ganze Sommerfrische lang an der schönen Autobahn sitzen und sich des Verkehrs erfreuen könnten — wenn sie nicht zur Abwechslung einmal einen der vielen Parkplätze vor der Shopping Mall belegten, um etwas teuren Tinnef zu kaufen.

Und ihre Kumpels, die Journalisten, verstärken dieses manifest wahnsinnige Geschwätz, bis es in den Gedanken vieler Köpfe zur Wahrheit und zur Wirklichkeit wird.

Darin, wie man Menschen anspricht, spiegelt sich übrigens sehr deutlich wider, wie man diese Menschen und ihre Intelligenz achtet.

¹Dieses ungenießbare doppelt gemoppelte Denglisch ist nicht mein Wort, sondern wurde von Werbern und von ihren hässlichen, stinkenden Brüdern, den Journalisten, ohne Not in den deutschen Gegenwartswortschatz eingepflanzt, weil frühere Wörter wie „Kaufhaus“ oder „Supermarkt“ nicht mehr hipp genug klangen. Ich bin froh darüber, dass ich es noch nicht in der Alltagssprache höre.

Lauf

Der Vorübergehende sagte zum Benutzer des Führerscheins: „Du täuschst dich. Das Reh ist gar nicht über die Straße gelaufen, um deinen Weg zu kreuzen, sondern die Straße ist durch den Wald gelaufen, um den Weg des Rehs zu kreuzen“.

Die Straße

Als der noch Ältere zum Vorübergehenden sagte: „Die Kinder sitzen heute nur noch am Computer oder sind mit ihren Smartphones beschäftigt. Als ich Kind war, haben wir auf der Straße gespielt“, antwortete der Vorübergehende: „Ich werde niemals vergessen, wie die totale Automobilmachung in Hannover-Linden angefangen hat und wie mehrere Jahre lang beinahe jede Woche ein Kind auf der Straße totgefahren wurde, noch mehr wurden verletzt, bis endlich auch die letzten Eltern vor lauter Angst ihre Kinder davon abhielten, sich eigenständig zu bewegen. Die Straße ist längst nicht mehr für Menschen gemacht, und schon gar nicht für Kinder, sie ist eine freie Fahrt für kalte, durstige Metallmaschinen, denen die Menschen alles unterordnen“.

Persönlich

„Ich kenne mehr Kinder als Autos persönlich“, sagte der Vorübergehende zum Erbosten, und setzte fort: „Deshalb würde ich es begrüßen, wenn mehr an die Zukunft von Kindern als an die Zukunft des Autos gedacht würde“.

Wissenschaftsleugner

„Nirgends anders wird Wissenschaft so häufig und entschlossen geleugnet wie auf einem Ikea-Parkplatz“, sagte der Vorübergehende grinsend, und er setzte fort: „Einige versuchen sogar, eine komplette Einbauküche in einen Smart zu bekommen“.

Die Idioten des 21. Jahrhunderts

Die Idioten des 21. Jahrhunderts sagen sich: „Es gibt viel zu viel gefährlichen Autoverkehr, als dass unser schulpflichtiges Kind zur Schule gehen könnte, deshalb fahren wir es einfach mit dem Auto zur Schule“. Und sie halten sich dabei für intelligent und verantwortungsvoll.

E-Autos

„Mit Batterien betriebene Autos mit Elektromotor“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „sind einfach nur ein ‚Weiter so‘ mit grünem Anstrich und genau deshalb bei der kernkorrupten Classe politique mit Lobbyhintergrund so beliebt und förderungsfähig. Sie lösen kein Problem, das durch die motorisierte Massenmobilmachung verursacht wurde, nicht einmal das Energieproblem, und erst recht nicht die vielen sozialen, ökologischen oder gar ästhetischen Probleme, die durch die Anpassung jedes öffentlichen Ortes an das Auto entstanden sind“.

Gedanken des Autofahrers im Stadtverkehr

Von rechts kommt ein Fahrrad, und von links ist auch frei…

Fitness

Im Vorübergehen am Parkplatz eines so genannten Fitnesscenters sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen: „Deutschland fährt mit dem Auto zum Standbike“.

Erotikmarktware

Der wahre Zweck des privaten Autos, nämlich die Aufwertung seines Besitzers auf dem erotischen Markt, spiegelt sich ganz vorzüglich darin, dass sehr viele große oder elegante Autos von dummen und hässlichen Menschen gefahren werden, die eines hohen Maßes derartiger Aufwertung bedürftig sind, um überhaupt mal zum Zuge zu kommen.

Polizeideutsch

Ich warte immer noch auf den Tag, an dem ich in einem Pressebericht der Polizei zu einem tödlichen Verkehrsunfall die autofahrerentlastende Phrase „Der Fußgänger verließ plötzlich den Bürgersteig und verschwand unter dem Wagen“ lese. Die Polizei gibt sich aber alle Mühe, dieses Niveau zu erreichen.

„Ich musste erst auf eine Regierungsbeteiligung der so genannten Grünen warten“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „bis ich erleben durfte, dass Benzin und Diesel durch Steuersenkungen staatlich subventioniert werden (Archivversion), um die Treibstoffpreise für die Käufer übermotorisierter Autos zu senken. Das sind die gleichen Grünen, die jemanden wie mir sagen¹, dass er auf alles mögliche verzichten soll und die mir in ihrer Gängelungsfreude Sondersteuern für Lebensmittel verordnen wollen, damit ich auch wirklich verzichte“.

¹Ich lebe seit mehr als zwanzig Jahren von Betteln und von dem, was mir kampflos gegeben wird, ich bin Fußgänger und Radfahrer, ich habe kein Auto.