Tag Archive: Wahnsinn


Ideenbesessene

Man kann die meisten Menschen dazu bringen, für jede nur denkbare Idee entschieden einzutreten, zu kämpfen und sogar im Kampfe zu sterben, solange man immer nur fein dafür Sorge trägt, dass ihnen diese Idee nicht völlig klar wird. Die Welt ist voller Ideenbesessener, die den Dämon in sich selbst nie betrachtet, geschweige dann richtig untersucht, sondern nur als Maßstab zur Untersuchung aller anderen Erscheinungen verwendet haben.

Auch wenn nicht gegendert wurde, sind Frauen hierbei mitgemeint.

Liebe

„Sie behandeln die Autos viel besser als menschliche Wesen“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „sie geben ihren Autos reichlich und regelmäßig Liebe“.

Ehre

Journalisten, die allen Ernstes in ihrer Berichterstattung von einem Verbrechen das Wort „Ehrenmord“ benutzen, tragen die Selbstrechtfertigung des Mörders weiter, geben ihr damit Gewicht und treten mit ihrem Tintengekleckse noch einmal kräftig auf ein schon totes Opfer ein. Sie sind genau so psychopathisch-asozial wie ein für jedes zivilisierte menschliches Miteinander ungeeigneter Mörder, der im Wahnrausch in einer erlittenen narzisstischen Kränkung bereits genügend Grund sieht, einen anderen Menschen totzumachen.

Die hin und wieder um das Wort gesetzten Anführungszeichen sind ein klarer Beleg dafür, dass die so schreibenden Journalisten genau wissen, wie widerlich sie beim Schreiben sind, aber trotzdem nicht auf ihre psychopathische Würze verzichten mögen.

Nichtbesitz

„Es ist nicht nur so, wie es schon Goethe¹ gesagt hat, dass man nicht besitzt, was man nicht versteht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Begleiter, „im Zeitalter der ’smarten‘ Geräte ist es sogar so schlimm, dass viele Menschen besessen sind von dem, was sie nicht verstehen, teilweise bis hin zur Selbstaufgabe und Inkaufnahme des Todes mit gesenktem, entschlossen zum Telefon blickenden Kopf im Straßenverkehr besessen, eingelullt von einem mit vom Verstand weitgehend abgekapselten Fühlen, das Richtige und Wichtige zu tun“.

¹Maximen und Reflektionen, Nr. 252

Die Influencerin

…und am Ende des anstrengenden Tages wird zur Entspannung diese Influencerin angeschaut, dieses Bewundernswerte, die immer so hübsch aussieht mit ihrer stundenlang hergestellten Frisur und Schminkung, und diese erzählt mit wie gewohnt etwas übertriebener Gestik und viel zu dynamischer Stimme — irgendwie muss man ja den längst erlittenen Verlust echter Gefühle überspielen — dass sie heute das schönste Kleid trägt, das sie jemals getragen hat, natürlich nicht, ohne die Nennung der Marke zu vergessen und ihren Abonnenten einen 10-Prozent-Rabatt-Link in die Videobeschreibung zu setzen. Wenn man hinschaut, was sie trägt, ist es eine eng anliegende Zwangsjacke mit sehr fest gezogenen Gurten. Hach, wie sich die Nippel ihrer Brüste auf dem straffen Stoff abzeichnen!

Meinungsfreiheit

Die Welt ist voller Menschen, die das Wort „Meinungsfreiheit“ hören, und es nicht so verstehen, dass sie ein Recht auf das Eintreten für ihre eigene Meinung haben (selbst dann noch, wenn sie dumm ist), sondern so, als ob sie ein Recht auf „eigene Fakten“ hätten — und wer diese nicht anerkennt, ist in ihren Augen ein Extremist, Nazi oder Unterdrücker. Und nicht nur die Welt ist voll davon, vor allem Politik, Parteien, Kultuswesen, Verwaltung und Sozialwissenschaften sind voll mit diesen Menschen, die dort ausgedehnte, von der Wirklichkeit emanzipierte Parallelgesellschaften bilden. Nicht erst seit der Coronaseuche.

Oder, um es mit der gegenwärtigen Verwaltung und Politik angesichts der über der Gesellschaft ablaufenden Coronaseuche und mit Jens Spahn zu sagen: „Im Supermarkt gilt: Ein Kunde auf zwanzig Quadratmetern. In den Schulen gilt: 33 Schüler auf siebzig Quadratmetern. Und im Bus gilt: Hundert Personen auf 27 Quadratmetern. Das ist doch einfach, logisch und einleuchtend“.

Der Tod der Satire

Es ist für Satiriker sinnlos geworden, von ihrem Stilmittel der bizarren Übertreibung Gebrauch zu machen, weil dieses Stilmittel mit der immer dümmeren, monströseren und kränkeren „Wirklichkeit“ von politischen, journalistischen und wirtschaftlichen Parallelwelten nicht mehr mitkommt.

Erfolg

Von einem Anhänger der allmedial vermittelten Wohlstands- und Wirtschaftsreligion gefragt, warum er denn (spöttisch vorgetragen) bei aller seiner Weisheit so wenig Erfolg habe, antwortete der Vorübergehende: „Ich habe nicht wie du dafür gelebt, ‚Erfolg‘ zu haben, sondern ich habe unter widrigen Umständen und trotz ständiger privater, religiöser und politischer Versuche, mit aller Gewalt genau das zu verhindern den Erfolg gehabt, leben zu können. Ich lächle, und du bist verbittert“.

Ein Woodstock für Trump-Anhänger

Tagesschau24 Livestream -- Eskalation in Washington -- Trump-Anhänger dringen ins Kapitol ein -- Dazu der Ticker mit den Breaking News: WikiLeaks-Gründer: Gericht in London lehnt Freilassung von Assange ab -- Dreikönigstreffen der FDP

PengPeng statt TikTok

Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika sind ein Staat, dessen von der Bevölkerung gewählter Präsident eine chinesische Videoschleuder für gefährlicher hält als die dort überall für jeden Menschen verfügbaren halbautomatischen Schusswaffen — dieses TikTok muss seiner Meinung nach verboten werden!

Zwei Verwandte

Zwei Dinge machen erwachsene Menschen in erheblichem Maße kindisch, dumm und albern: Ein von Genussdrogen ausgelöster Rausch und akute Anfälle sexueller Lust in Gegenwart eines Partners. Und von beidem können erwachsene Menschen gar nicht genug bekommen… ja, einige würden sogar für diese paradiesische Kindischkeit töten.

Kein Wunder, dass jedes religiöse oder ideologische Neurosenregiment, das allen Menschen vorzuschreiben sucht, wie sie zu leben haben und diese Vorschrift im Zweifelsfall mit Gewalt bis hin zum Staatsmord durchsetzt, gleichermaßen die Sexualität und die Nutzung von Rauschmitteln unterdrücken muss, um den Menschen jegliche diesseitige Freude zu nehmen. Das Maß der Freiheit einer Gesellschaft erkennt man immer auch daran, ob es absurde Gesetze gibt, die Drogengebrauch oder gewaltfrei-verspielt ausgelebte Sexualität erwachsener Menschen kriminalisieren, obwohl es bei diesen „Verbrechen“ keine Geschädigten gibt. Denn alle Erwartungen sollen ja auf ferne, im eigenen Leben unerreichbare Ziele ausgerichtet werden, und alles andere wird mit künstlichem neurotischem Ekel überschüttet, der nur notdürftig rationalisiert werden kann.

Geldsinn

Das größte Problem für die Befürworter eines so genannten „bedingungslosen Grundeinkommens“ ist, dass die gegenwärtige Idee des Geldes ihren Sinn verliert, wenn es bei keinem Menschen mehr Geldmangel gibt. Niemand, der über nennenswerte Mengen Geldes — etwa in der Form eines Rentenanspruches — verfügt, kann daran Interesse haben. Denn das in der Psyche geborene Geld der Menschen ist selbsterhaltend wie jede andere kollektive Wahnidee; es lässt seine Inhaber mit quasi religiöser Hingabe daran glauben, dass es ihnen diene, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist.