Tag Archive: Wahnsinn


Nichtbesitz

„Es ist nicht nur so, wie es schon Goethe¹ gesagt hat, dass man nicht besitzt, was man nicht versteht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Begleiter, „im Zeitalter der ’smarten‘ Geräte ist es sogar so schlimm, dass viele Menschen besessen sind von dem, was sie nicht verstehen, teilweise bis hin zur Selbstaufgabe und Inkaufnahme des Todes mit gesenktem, entschlossen zum Telefon blickenden Kopf im Straßenverkehr besessen, eingelullt von einem mit vom Verstand weitgehend abgekapselten Fühlen, das Richtige und Wichtige zu tun“.

¹Maximen und Reflektionen, Nr. 252

Die Influencerin

…und am Ende des anstrengenden Tages wird zur Entspannung diese Influencerin angeschaut, dieses Bewundernswerte, die immer so hübsch aussieht mit ihrer stundenlang hergestellten Frisur und Schminkung, und diese erzählt mit wie gewohnt etwas übertriebener Gestik und viel zu dynamischer Stimme — irgendwie muss man ja den längst erlittenen Verlust echter Gefühle überspielen — dass sie heute das schönste Kleid trägt, das sie jemals getragen hat, natürlich nicht, ohne die Nennung der Marke zu vergessen und ihren Abonnenten einen 10-Prozent-Rabatt-Link in die Videobeschreibung zu setzen. Wenn man hinschaut, was sie trägt, ist es eine eng anliegende Zwangsjacke mit sehr fest gezogenen Gurten. Hach, wie sich die Nippel ihrer Brüste auf dem straffen Stoff abzeichnen!

Meinungsfreiheit

Die Welt ist voller Menschen, die das Wort „Meinungsfreiheit“ hören, und es nicht so verstehen, dass sie ein Recht auf das Eintreten für ihre eigene Meinung haben (selbst dann noch, wenn sie dumm ist), sondern so, als ob sie ein Recht auf „eigene Fakten“ hätten — und wer diese nicht anerkennt, ist in ihren Augen ein Extremist, Nazi oder Unterdrücker. Und nicht nur die Welt ist voll davon, vor allem Politik, Parteien, Kultuswesen, Verwaltung und Sozialwissenschaften sind voll mit diesen Menschen, die dort ausgedehnte, von der Wirklichkeit emanzipierte Parallelgesellschaften bilden. Nicht erst seit der Coronaseuche.

Oder, um es mit der gegenwärtigen Verwaltung und Politik angesichts der über der Gesellschaft ablaufenden Coronaseuche und mit Jens Spahn zu sagen: „Im Supermarkt gilt: Ein Kunde auf zwanzig Quadratmetern. In den Schulen gilt: 33 Schüler auf siebzig Quadratmetern. Und im Bus gilt: Hundert Personen auf 27 Quadratmetern. Das ist doch einfach, logisch und einleuchtend“.

Der Tod der Satire

Es ist für Satiriker sinnlos geworden, von ihrem Stilmittel der bizarren Übertreibung Gebrauch zu machen, weil dieses Stilmittel mit der immer dümmeren, monströseren und kränkeren „Wirklichkeit“ von politischen, journalistischen und wirtschaftlichen Parallelwelten nicht mehr mitkommt.

Erfolg

Von einem Anhänger der allmedial vermittelten Wohlstands- und Wirtschaftsreligion gefragt, warum er denn (spöttisch vorgetragen) bei aller seiner Weisheit so wenig Erfolg habe, antwortete der Vorübergehende: „Ich habe nicht wie du dafür gelebt, ‚Erfolg‘ zu haben, sondern ich habe unter widrigen Umständen und trotz ständiger privater, religiöser und politischer Versuche, mit aller Gewalt genau das zu verhindern den Erfolg gehabt, leben zu können. Ich lächle, und du bist verbittert“.

Ein Woodstock für Trump-Anhänger

Tagesschau24 Livestream -- Eskalation in Washington -- Trump-Anhänger dringen ins Kapitol ein -- Dazu der Ticker mit den Breaking News: WikiLeaks-Gründer: Gericht in London lehnt Freilassung von Assange ab -- Dreikönigstreffen der FDP

PengPeng statt TikTok

Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika sind ein Staat, dessen von der Bevölkerung gewählter Präsident eine chinesische Videoschleuder für gefährlicher hält als die dort überall für jeden Menschen verfügbaren halbautomatischen Schusswaffen — dieses TikTok muss seiner Meinung nach verboten werden!

Zwei Verwandte

Zwei Dinge machen erwachsene Menschen in erheblichem Maße kindisch, dumm und albern: Ein von Genussdrogen ausgelöster Rausch und akute Anfälle sexueller Lust in Gegenwart eines Partners. Und von beidem können erwachsene Menschen gar nicht genug bekommen… ja, einige würden sogar für diese paradiesische Kindischkeit töten.

Kein Wunder, dass jedes religiöse oder ideologische Neurosenregiment, das allen Menschen vorzuschreiben sucht, wie sie zu leben haben und diese Vorschrift im Zweifelsfall mit Gewalt bis hin zum Staatsmord durchsetzt, gleichermaßen die Sexualität und die Nutzung von Rauschmitteln unterdrücken muss, um den Menschen jegliche diesseitige Freude zu nehmen. Das Maß der Freiheit einer Gesellschaft erkennt man immer auch daran, ob es absurde Gesetze gibt, die Drogengebrauch oder gewaltfrei-verspielt ausgelebte Sexualität erwachsener Menschen kriminalisieren, obwohl es bei diesen „Verbrechen“ keine Geschädigten gibt. Denn alle Erwartungen sollen ja auf ferne, im eigenen Leben unerreichbare Ziele ausgerichtet werden, und alles andere wird mit künstlichem neurotischem Ekel überschüttet, der nur notdürftig rationalisiert werden kann.

Geldsinn

Das größte Problem für die Befürworter eines so genannten „bedingungslosen Grundeinkommens“ ist, dass die gegenwärtige Idee des Geldes ihren Sinn verliert, wenn es bei keinem Menschen mehr Geldmangel gibt. Niemand, der über nennenswerte Mengen Geldes — etwa in der Form eines Rentenanspruches — verfügt, kann daran Interesse haben. Denn das in der Psyche geborene Geld der Menschen ist selbsterhaltend wie jede andere kollektive Wahnidee; es lässt seine Inhaber mit quasi religiöser Hingabe daran glauben, dass es ihnen diene, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist.

Angstmacht

Wenn eine Religion es nicht mehr hinbekommt, dass die Menschen Angst vor ihrem Gott bekommen, dann wird diese Religion alles daran setzen, den Menschen Angst vor den Gläubigen an ihrem Gott zu machen, in ihrem Teufelskopf wohlwissend, dass eine Religion ohne eine jeden Wunsch, jeden Gedanken und jede Freiheit erstickende oder doch wenigstens unterdrückende Angst keine Macht mehr hat.

Lockerungen der Corona-Maßnahmen

Ich höre die Politiker immer von „Lockerungen“ sprechen, und ich denke dabei an Schrauben.

Wenn Donald Trump Kapitän der Titanic gewesen wäre

Es gibt überhaupt keinen Eisberg. Ja, da war ein Eisberg, aber er war in einem völlig anderen Ozean. Der Eisberg ist in diesem Ozean, aber er wird sehr schnell wegschmelzen. Ja, da ist ein Eisberg, aber wir sind nicht mit dem Eisberg zusammengestoßen. Wir haben den Eisberg gerammt, aber der Schaden wird in Kürze repariert sein. Der Eisberg ist ein chinesischer Eisberg. Wir stellen uns dem Wasser, aber jeder Fahrgast, der ein Rettungboot haben möchte, kann ein Rettungsboot haben, und wir haben ein paar wirklich schöne Rettungsboote dabei. Sehen sie, die Fahrgäste müssen freundlich um Rettungsboote bitten, wenn sie welche haben möchten. Wir haben keine Rettungsboote, wir sind ja keine Rettungsbootversorger. Fahrgäste hätten damit rechnen müssen, dass es auch Eisberge gibt und folglich ihre eigenen Rettungsboote mitbringen müssen. Ich glaube nicht, dass wir wirklich so viele Rettungsboote brauchen. Wir haben Rettungsboote, und das sind unsere Rettungsboote, nicht die Rettungsboote der Fahrgäste. Die Rettungsboote wurden vom vorherigen Kapitän dieses Schiffes abgeschafft. Niemand hätte einen Eisberg voraussehen können. Ich habe schon immer vor dem Eisberg gewarnt.