Tag Archive: Sprache


Jugendschutz

Jugendschutz (der) — Sammelbegriff für technische Verfahren und politische Ideen, mit denen Menschen von klein auf an zentral organisierte Zensur und eingeschüchtertes Verschweigen und Unsichtbar-Machen von allgemein bekannten Tatsachen gewöhnt werden sollen. Die Gründe, warum ein derartiger Schutz nötig sein soll, brauchen dabei niemals mit Fakten belegt zu werden, es reicht selbst ein rhetorisch unbeholfenes Heraufbeschwören von postulierten “Entwicklungsrisiken” und ein Appell an die bourgeoisen Moralvorstellungen. Wenn die wirkliche Absicht hinter dem Wort “Jugendschutz” einmal zu deutlich werden sollte, muss stattdessen das noch stärker entrationaliserende Wort “Kinderschutz” verwendet werden. Menschen, die durch solchen “Schutz” daran gewöhnt wurden, dass der zu Schützende niemals gefragt wird, nehmen beinahe jeden politischen Unsinn hin, selbst, wenn sie älter geworden sind.

Der Reklamesprachige

Er nennt seinen Körper body, und wegen reklameinduzierten Mangels braucht er für sein brain kein Wort mehr im Munde zu führen.

Die “sachliche” Sprache der Herrschenden

Es ist möglich, die Sprache so lange zu verdrehen und die Formulierungen zu dermaßen lachhaft-graziösen Pirouetten zurechtzubiegen, dass die Wüste am Ende dieses seine Lügenhaftigkeit kaum verbergenden Prozesses zu einem Waldgebiet minderer Baumdichte wird. Die Herrschenden und Besitzenden und ihre Schergen sinds, die diese krampfdadaistische Kunst zur Perfektion bringen, die Journalisten sinds, die Gefallen daran finden und die restlichen Menschen sinds, denen man Bildungsferne, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Verbohrtheit, Derbheit oder Dummheit vorwirft, wenn sie trotz aller aufgewendeter Mühe in Schule, Presse und Glotze nicht damit aufhören, die Dinge beim Namen zu nennen.

Und das Schlimmste daran: Die gezielt aus ihrer Parallelwelt heraus so Vorgehenden finden sich gar noch bestätigt, wenn man ihnen mit ihrem dummen, entsinnlichten Geplapper entgegenhält, sie könnten einen mal am Arsche lecken.

“Smarte” Geräte

Wenn das Gerät (oder später einmal: die Wohnung, die Infrastruktur das Haus, die ganze Stadt) “smart” ist, dann meint dieses Wort, dass der Nutzer des Gerätes verdummt, beherrscht, enteignet und fremdbestimmt ist. Die meisten Nutzer mögen jene Anspannungslosigkeit, die mit dem Verzicht auf eigene Denktätigkeit einhergeht lieber als den Genuss der Freiheit; und als zusätzliche bunte Glasperle, die den Tausch im Auge des Verdummten noch leichter und besser erscheinen lässt, gibt es ja kostenlose Apps…

Hungerwort

Wenn man Sprache als ein Mittel betrachtet, um “intellektuelle Nahrung” zu geben, dann kann man den Mitgliedern der classe politique und ihren contentindustriellen Megafonen, den so genannten Journalisten, nur noch eines zurufen: “Verhungert doch einfach an euren leeren Worthülsen!”

Existenzängste

Screenshot der Website der Frankfurter Allgemeinen -- Schlagzeile: 'Digitalisierung: Banken in Existenzangst'

Dieser Moment, in dem ich einem Milliardärsspeichellecker und FAZ-Scheißjournalisten wie diesem Markus Frühauf von ganzem Herzen wünsche, dass er die Bedeutung des Wortes “Existenzangst” an seinem eigenen, von intelligenz- und menschenverachtenden Zynismus erfüllten Entseelungsrest von Körper in seiner ganzen Tiefe kennenlernen möge.

Schriftverkehr

Zu denen, die jetzt schief angeschaut und wie leichtlebige Nichtsnutze verachtet werden, weil sie immer wieder einmal für viele Stunden lang dieses Internet nutzen, hätte das gleiche etablierte, staubstickige Bürgertum in früherer Zeit bei Verwendung der damaligen Medien gesagt: Sie waren immer wieder ganze Abende lang mit ihrer Korrespondenz beschäftigt.

“Neoliberalismus”

Wer etwas, was in seinem Immernochhervorkommen mehr Ähnlichkeiten zum Feudalismus als zur irgendeiner Idee bürgerlicher Freiheiten an den Tag legt, trotz seiner Faschitoidität als eine Form des “Liberalismus” bezeichnet, belegt damit nicht etwa seine politische Bildung, sondern nur, dass er entweder durch regelmäßigen Genuss des medial verbreiteten Neusprechs leicht manipulierbar und denkfaul, oder aber dumm ist. Wenn sich diese Denkfaulheit, Dummheit und Manipulierbarkeit in diesem sprachlichen Spiegelbild nun ausgerechnet bei den Gegnern des Neofeudalismus zeigt, ist die gesellschaftliche Zukunft schon erschreckend früh klar.

Netzpolitik

Jedes Mal, wenn ein Mitglied der classe politique das (Un-)Wort “Netzpolitik” in den Mund nimmt, will es in Wirklichkeit irgendetwas unter seinem Politiknetz einfangen, um so einen weiteren Freiraum für Menschen zu entfernen.

Hundert Jahre später

Der Erste Weltkrieg wurde nicht durch Naturgewalten und auch nicht durch einen zum Vorwand genommenen Mord an zwei Produkten des jahrhunderlangen Inzests im so genannten “Adel” hervorgebracht, sondern durch die menschlichen Tätigkeiten der korrumpierbaren Politik einer gesellschaftlichen Minderheit, des alles korrumpierenden geldmächtigen Wirtschaftens und einer Armee von Schreibtischtätern, die als Journalisten das Unkraut der Propaganda in jeden keimfähigen Kopf einpflanzten — sowie durch hunderte Millionen von atomisierten Menschen, die sich jeder einzeln sagten: “Was kann denn ein Einzelner dagegen tun”. Nichts. Davon hat sich wirklich verändert. Und. Damit das auch niemals jemand bemerke, schreiben die heutigen Schreibtischtäter im Dienste der heutigen Geldherrschaft beim Absondern ihrer als Reklameköder und Hirnerweichungsmittel industriell erstellten Texte von einer “Urkatastrophe”…

Dieses Spielen der Kinder aber auch immer!

Das Spielen der Kinder auf dem Hof und in der Durchfahrt ist verboten

“Gerechtigkeit”

Dass im Koalitionsvertrag der so genannten “Großen Koalition” so häufig von “Gerechtig­keit” abgeleitete Wörter zu lesen sind — etwa “Generationen­gerechtig­keit”, “Chancen­gerechtig­keit”, “gerechte Bildung”, “gerechte Weltordnung”, “alters­gerecht”, “tier­gerecht”, “geschlechter­gerecht”, “gerechte Haushalts­politik”, “gerechte Teilhabe” (unvollständige Liste) — und dass alle diese Wörter, wenn man prüfend darauf klopft, recht hohle Klänge von sich geben, ist ein Spiegelbild der in Wirklichkeit beabsichtigten Kontinuität der bestehenden Ungerechtigkeit. Denn von einer Gerechtigkeit ist an keiner Stelle des blähwütigen, nichtssagenden Polit-Dada-Werkes die Rede: Von einer auch nur halbwegs gerechten Verteilung der Güter und Profite.

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