Tag Archive: Sprache


Gipfel

Seit wann nennen die Journalisten aus Presse und Glotze eigentlich jede Besprechung von Politikern aus der Bundesrepublik Deutschland einen Gipfel?

Hochdruck

„Es ist doch klar, dass es nirgends voran geht, wenn die Menschen in ihrem PResseerklärungen immer ‚mit Hochdruck an der Lösung arbeiten'“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, und setzte fort: „Würden sie sorgfältig, überlegt, planvoll und entschlossen an der Lösung arbeiten, kämen sie auch voran, ja, auch mit Rückschlägen, Fehlern und Pannen, aber voran. In der atemlosen Phrase vom Hochdruck spiegelt sich nur allzudeutlich der Unwille, das öffentlich angegebene Ziel auch wirklich erreichen zu wollen, und in diesem Spiegel wird das vorgeführte Gestrampel als Theater offenbart“.

Community-Richtlinien

Es gibt in social media keine „Community-Richtlinien“ in dem Sinne, dass sich die Gemeinschaft selbst Richtlinien gegeben hätte, anhand derer sie ihr Miteinander gestaltet. Das Wort ist eine hirnfickerische Lüge, die leider viel zu oft wiederholt wird, als sei sie wahr. Es sind „Richtlinien“ eines digitalen Gutsherren, der nach Gutsherrenart entscheidet und je nach Bedarf oder geschäftlichen Möglichkeiten sein selbst gesetztes Gesetz beliebig anpassen darf, was die „Community“ nur abnicken kann. Oder etwas einfacher: Es ist „gutes altes“ Hausrecht. Dass der digitale Gutsherr sich hinstellt und faselt, als sei dieses Hausrecht aus der „Community“ entstanden und seine eigene Herrschaft so indirekt mit einem „Willen der Community“ begründet, ist nichts als eine dumme propagandistische Metapher für autokratische Tyrannei, und dass dieses fundamentalfalsche Wort „Community-Richtlinien“ von so vielen Menschen (und vor allem: so vielen Journalisten) unreflektiert übernommen wird, ist ein Spiegelbild der Unterordnung unter die Herrschaft eines Tyrannen. Nichts ist so antidemokratisch und antisozial wie social media.

Gluck, gluck, gluck…

Die Deutschsprechenden sind ein seltsames Völkchen mit seltsamer Ausdrucksweise. Wenn jemand trinkt, sagen sie, dass er säuft; aber wenn jemand säuft, sagen sie, dass er trinkt.

Altgeworden

Der Altgewordene sagte: „Gott, bin ich alt geworden“. Und der Vorübergehende dachte sich, wie trefflich es doch ist, wenn jemand „Gott“ sagt, aber mit diesem Wort sich selbst meint. Wäre es mit Einsicht statt nur mit Alter verbunden, es wäre schon weise.

Bildung

Gut gebildete Menschen erkennt man nicht daran, dass sie einfache Dinge in einem Schwall unangemessen komplizierter Ausdrucksweisen zu verbergen wissen, sondern daran, dass sie komplizierte Dinge einfach und klar erklären können, ohne sie unangemessen zu vereinfachen. In diesem Sinne ist vieles vom geforderten Textausstoß eines Studenten in der BRD ein Zeichen schlechter Bildung, und viel zu viele Opfer dieses Lehrbetriebes, vor allem aus den so genannten Geisteswissenschaften, legen den einmal versauten Stil ihr ganzes Leben nicht mehr ab, bis dahin gehend, dass sie Lehrbücher für die nächste Generation Studenten in größtmöglicher Weitschwafeligkeit und Aufgedunsenheit verfassen, damit sich auch niemals etwas daran bessere.

Unter gut gebildeten Menschen entsteht auch nur selten eine neue Religion…

Die gleichen Menschen…

Die gleichen Menschen, die in den letzten Monaten nicht müde wurden, jeden Mitmenschen zu korrigieren, dass meinte, dass Menschen an Corona erkrankten und starben und erbost einwarfen, dass Menschen nur mit Corona erkranken und sterben, werden jetzt damit anfangen, über jeden einzelnen Menschen, der mit einer Corona-Impfung erkrankt oder stirbt, zu sagen, dass er an der Impfung erkrankte oder starb. So „argumentiert“ man eben an der Pippi-Langstrumpf-Universität des Stammtisches und seines modernen Nachfolgers mit größerem Wirkungskreis: Social Media.

Aber primitiv-magisch daran zu glauben, dass sich die Wirklichkeit auch so verhalte, wie man es sich wünscht, weil man ja die „richtige“ Sprache verwendet und in der richtigen Weise darüber denkt, ist eine Bankrotterklärung des Intellekts, die man nur noch mit der gegenwärtigen universitär-bürgerlichen Gender-Ideologie vergleichen kann.

Mobilität

Der Propagandaexperte, der es hinbekommen hat, dass das Wort „Mobilität“ für Motoren steht und das Fehlen von Motoren für Stillstand, war mit seiner Propaganda fast so erfolgreich wie der andere Feind, der es hinbekommen hat, dass „Verteidigung“ für Militär steht. Alle plappern es nach, und keinem kommt eine Frage auf.

Verschwörungstheoretiker

Der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ und der scheinbar abgemilderte Begriff „Verschwörungsgläuber“ sind Propaganda- und Kampfbegriffe, deren wichtigste Funktion es ist, jene Menschen, die Korruption und heimlich verfolgte persönliche Ziele bei mit Herrschaft ausgestatten Menschen annehmen und diese Annahme mitteilen, in die gleiche Schublade stecken zu können wie Menschen, die etwa an Chemtrails, eine flache Erde oder Mikrochips in Impfstoffen glauben — und sie anschließend als Idioten, Dummköpfe und Nazis beschimpfen zu können. Deshalb ist der Begriff „Verschwörung“ auch innerhalb des politisch-journalistischen Komplexes so populär geworden, um jede Annahme jenseits der offiziellen Selbstdarstellung politischen und wirtschaftlichen Agierens damit zu bezeichnen.

Was unterdessen ungestört weiter läuft, ist die Verschwörungspraxis. Oder, um ein klareres, von keiner Propaganda missbrauchtes Wort dafür heranzuziehen: Die Korruption.

Querdenker

Wen es schwer fällt, Schritt um Schritt voranschreitend geradeaus zu denken, der wird eben zum Querdenker.

Leistungsträger

Ein „Leistungsträger“ im Sinne des politisch-journalistischen Komplexes ist nicht etwa der Namenlose, der zum BRD-Mindestlohn mit ganz viel Kraft mal Weg durch Zeit im Schweiße seines Angesichts zum Beispiel Heizkörper in die fünfte Etage trägt, sondern der Börsenspekulant, der Geldverleiher, der Krämer, der Profisportler, das Vorstandsmitglied oder auch der Erbe, so lange er nur genug Geld oder Immobilien geerbt hat.

Die tote Wirtschaft

In Presse, Politik und Glotze ist jetzt ständig von einer „Wiederbelebung der Wirtschaft“ die Rede, die natürlich dadurch geschehen soll, dass man das Geld der Armen an die Reichen gibt. Im Wort „Wiederbelebung“ schwingt mit, dass „die Wirtschaft“ mittlerweile tot ist. Sie scheint daran gestorben zu sein, dass Menschen ein halbes Jahr lang coronabedingt nur das gekauft haben, was sie wirklich zum Leben brauchten. Im Spiegel dieser Sprache wird die „Substanz“ dieser Wirtschaft überdeutlich: Sie existiert nicht, weil sie den Bedarf der Menschen durch ihre Produktion deckt, sondern weil sie den Bedarf der Menschen durch allmediale Reklamemanipulation weckt.