Tag Archive: Sprache


„Klimastreik“

Alle Journalisten sprechen und schreiben vom „Klimastreik“, aber es gibt keinen einzigen bestreikten Betrieb. Schaut mal nach Westen, zu den Franzosen: Die wissen noch, was ein Streik ist!

Zweifelzwang

„An nichts muss man mehr zweifeln“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „als an den Wörtern und Ideen, die zur Mode geworden sind“.

Diversität

Die, die bei ihren teils fördersfähigen Anliegen von einer Diversität, sprechen und schreiben, also von einer Vielfalt, meinen damit niemals eine Vielfalt der Meinungen, sondern ganz im Gegenteil.

Bretter, die die Welt bedeuten

Angesichts der dramatischen Werte für die Union setzen CDU und CSU darauf, dass Laschet in der Fernsehrunde mit einem kämpferischen Auftritt das Ruder herumreißt

Deutlicher als mit der Benennung einer politischen Diskussion als „Auftritt“ könnte man es gar nicht mehr machen, als was die politischen Parteien einen Wahlkampf betrachten: Als eine Theateraufführung, bei der Schauspieler den Wahlberechtigten fiktionale Erzählungen vorspielen.

Umdenken

Ein Umdenken ist nur möglich, wenn man vorher schon gedacht hat.

Antriebslos

„Ich bin antriebslos“, sagte der Vorübergehende zum Autofreund, „denn ich bin ein Radfahrer“.

Klimakrise

Jeder Mensch, der angesichts der kürzlichen Hochwasser von einer „Flutkatastrophe“, aber angesichts der atmosphärischen Veränderungen der Erde von einer „Klimakrise“ spricht, belegt mit seinem Sprachgebrauch, dass er völlig unreflektiert die Worthülsen wiedergibt, die ihm von Politikern, Journalisten, Werbern und Propagandisten hingeworfen werden, und er erweckt deshalb mindestens den Verdacht, dass er mit diesem Hülsen auch Gedanken formt und diese für eigene hält.

Wenn die schon lange prognostizierte Klimaänderung als Folge der Verbrennungskultur kommt — und denen, die das vorhersagen, kann man mit gutem Recht mehr Glaubwürdigkeit und Informiertheit zubilligen als dem Abschaum, der aus den Parteienapparaten in die so genannten Volksvertretungen und Regierungen hochgespült wird — dann ist die „Klimakrise“ nicht ein vorübergehendes Erschwernis des Daseins, das man irgendwie bewältigen muss, sondern eine Katastrophe, während das einige Nummern kleinere Wort „Krise“ eher zum Ahrhochwasser passt.

Vergessen

Als der Vorübergehende in einem Nachruf die Phrase „Wir werden sie niemals vergessen“ las, wusste er, dass das Vergessen schon längst begonnen hat.

Wirkungsort

Wörter erreichen Stellen im Gehirn… da kommen Bilder niemals hin.

Geschlossenheit

Seit Begriffe wie „Nibelungentreue“ politisch ungenießbar geworden sind, wird im Vorfelde von Wahlen und Parteitagen vom gesamten journalistisch-politischen Komplex die „Geschlossenheit“ der Parteien eingefordert, was ebenfalls das genaue Gegenteil offenen, auch ergebnisoffenen Diskurses ist.

Keine Deutschen unter den Opfern

Grundrechte

Wenn der Politiker und sein stinkender Freund, der Journalist, davon sprechen, dass man „Geimpften die Grundrechte zurückgeben müsse“, statt davon zu sprechen, dass man unnötig gewordene Einschränkungen zur Seuchenbekämpfung aufheben müsse, dann spiegelt sich in dieser Redensart deutlich, dass sie glauben, so genante „Grundrechte“ einfach entzogen zu haben, um sie in gönnerhafter Geste zurückgeben zu können — und dass das den Journalisten, der solchen Sprech wiedergibt und sich wie ein Sturmgeschütz der Demokratie in seiner täglichen Tätig- und Tätlichkeit fühlt, nicht einen Tag lang gestört hat. Wer Ohren hat zu hören, der höre!