Tag Archive: Sprache


Differenziert

Nicht, daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Wie fein der Herr Sozialpädagoge in seiner von den Herrschenden und Besitzenden bezahlten Tätig- und Tätlichkeit ein „das musst du differenziert betrachten“ zu seinem jeweiligen Opfer sagt, wenn er das von seinem Opfer Gesagte in Wirklichkeit relativieren und ignorieren will. Er äfft im Kleinen und Lächerlichen die sprachlichen Strukturen jener „Argumentation“ nach, mit denen die Ausübung der Herrschaft durch systematische (und zu ihrer Durchsetzung immer auch offen gewalttätige) Verneinung individueller Einsichts- und Verständnisfähigkeit gerechtfertigt wird. In der Kleinheit dieses Spiegelbildes der Herrschaft zeigt sich, was für ein großes Arschloch der Herr Sozialpädagoge ist. Es nimmt nicht Wunders, dass solches Geschmeiß nach einigen Jahren „Erwachsenennacherziehung“ an diversen, meist wegen ihrer Lebenssituation ausgelieferten und wehrlosen Opfern so häufig Interesse daran entwickelt, selbst politisch tätig zu werden und dass er dann in den Parteiapparaten der Herrschenden und Besitzenden mit größerem Willkommen empfangen wird und leichter zu Amt und Pfründen kommt als ein Maurer, Klempner, Programmierer, Physiker, Altenpfleger oder Arbeiter.

Palmwedel, wiegend im milden Wind

Das Wort „Steueroase“, hinter dem nur verborgen wird, dass ausgerechnet jene, die mehr als genug Geld und Güter angehäuft haben, dafür sorgen, dass möglichst wenig davon abgeben müssen und damit zeigen, dass sie der aktiv gelebten Auffassung sind, dass die abhängig Beschäftigten und relativ Mittellosen doch mit ihrem Schweiß den Laden laufen lassen sollen… dieses Wort zur Beschönigung des modernen Feudalismus aus dem Munde aller verdammten Journalisten und sonstigen Menschenfeinde widert mich an. Keiner der so Sprechenden und Schreibenden spräche oder schriebe davon, dass ich zu einem Geldbrunnen gegangen wäre, nachdem ich eine Bank überfallen hätte, um von dem Geld leben zu können.

Von der Bezeichnung

Erkläre du mir, was der Unterschied zwischen einem „Terroristen“, einem „Widerstandskämpfer“ und einem „Freiheitskämpfer“ ist und denke dabei gut und aufmerksam über deine dabei benutzten Worte nach, und ich brauche dir anschließend nicht mehr zu erklären, wie viel und wessen Propaganda über Jahre hinweg täglich in dein Gehirn gebissen hat, damit du mir das „erklären“ konntest.

Die angebliche „Sorge vor dem Rechtsruck“…

Die Politiker, die angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen ihrer „Sorge vor dem Rechtsruck“ Ausdruck verleihen, kommen mit dieser Sorge zwei Jahrzehnte zu spät, denn der „Ruck“ ist ein seit Jahren laufender Prozess, zusätzlich angetrieben von Hartz-Fear-Massenverarmung mit mies bezahlter Arbeit auf staatlich subventionierten Elendsarbeitsstrichs, politisch gewolltem, in verrottenden Gebäuden verabreichtem Bildungsnotstand, persönlicher Aussichtslosigkeit eines fast jeden Menschen in der BRD, der noch eine Zukunft vor sich hat, sowie einer zusätzlich für jeden wachen Betrachter völlig offensichtlichen und in ihren Einseitigkeiten und Lügen immer unverschämter werdenden, wie gleichgeschaltet anmutenden Propaganda in Glotze und Presse. Es ist ja auch gar nicht die wirkliche Sorge der so redenden Lügenredner, dass es einen „Rechtsruck“ geben könnte — ihre Sorge ist nämlich in Wirklichkeit, dass der gar nicht so geringe Anteil der Menschen in der Bevölkerung der BRD, der ein extrem-konservatives bis geschlossen rechtsradikales Weltbild hat, nun endlich in einer eigenen Partei parlamentarisch vertreten und wirkmächtig wird. Das gefällt mir auch nicht, aber die Vertretung der Wähler ist nun einmal der Zweck der Parlamente. Wenn es die größte geäußerte Sorge der „Demokraten“ geworden ist, dass die Parlamente tatsächlich die politischen Auffassungen der wählenden Bevölkerung widerspiegeln, dann hat sich das mit der „Demokratie“ schon längst erledigt, dann ist der zur Verwirrung des Denkens postulierte Rechtsruck nur dem längst schon geschehenem Untergang der „Demokratie“ gefolgt.

„Deutschland“ und „die Deutschen“

Für den für ein paar von Millardären hingeworfenen Judaspfennige schreibenden Journalisten ist „Deutschland“ die brummende, gesunde Wirtschaft, „die Deutschen“ hingegen, diese trotz guter Zahlen chronisch unzufriedenen und pessimistischen Menschen, sind jene Mehrheit der Bevölkerung, denen es nicht so gut geht wie der Minderheit der Herrschenden und Besitzenden — sie können sich der breit verabreichten Verunglimpfung durch den Journalisten gewiss sein.

Existenzgründer

Wenn sich jemand beruflich selbstständig macht, wird er in der deutschen Sprache ein „Existenzgründer“ genannt — und das ist ein wundervolles Spiegelbild der Tatsache, dass jeder Mensch, der für eine Handvoll Geld allerlei Tätigkeiten für andere Menschen ausführt, selbst nur eine gespensterhafte, unwirkliche, missachtenswerte Existenz hat.

Entwickler

„Damals“, sagte der Vorübergehende, „als das Wort ‚Entwickler‘ nur in Fotolaboren zu hören war und als man die Menschen, die Computer programmierten, noch ‚Programmierer‘ nannte“.

Zeitumstellung

Wer von einer Zeitumstellung spricht, wenn er die Uhr umstellt, zeigt im trüben Spiegel dieses Wortes auch, wie sehr ihm die wegen der Anforderungen des Fabriksystems mechanisch gemessene und von Automaten angezeigte Zeit längst völliger Ersatz für seine Lebenszeit geworden ist.

„Investigativer Journalismus“

„Hast du dich schon einmal gefragt“, sagte der Vorübergehende zum Herrn Glaubedoof, „was denn ein ‚Journalismus‘ sein soll, der nicht ‚investigativ‘ ist? Und. Der, wie man an diesem ausgerechnet von Journalisten gern benutzten Adjektiv sieht, von Journalisten als Standardfall ihres Berufes empfunden und bezeichnet wird, dieser ’nicht-investigative‘ Journalismus? Der gewöhnliche, deine Nachrichten füllende Journalismus ist nichts weiter als abgeschriebene und umformulierte Presseerklärungen der Herrschenden und Besitzenden, er ist in seiner Gänze lediglich eine Fortsetzung der Reklame und Propaganda in den redaktionellen Teil hinein, und die Journalisten getrauen sich sogar, dir das quasi ins Gesicht zu sagen“.

Der Informierte

„Ah, du wirst also in-for-miert„, sagte der Vorübergehende zum Zeitgenossen, „du wirst also von den Mitteilungen anderer Menschen in die von ihnen gewünschte Form gebracht„.

Die Herrendiskutanten

Nachdem sie jeden denkbaren und auch manchen dummen Widerspruch mit allen Mitteln der Propaganda aus dem öffentlich wirksamen und damit wirkenden Diskurs herausgedrängt haben, sagen sie, dass jede Gegnerschaft eine rückständige, irrationale, antidemokratische Parallelgesellschaft sei, deren radikalisierte Anhänger sich längst aus dem öffentlichen Diskurs verabschiedet hätten.

Sparen

Sparen ist ein Zurücklegen für die Zukunft, eine Tätigkeit aus dem Überfluss, die sich der Möglichkeit schlechterer Zeiten bewusst ist. Jene aus der classe politique, die vor Kameras und Mikrofonen das Wort vom „Sparen“ in den Mund nehmen, meinen etwas völlig anderes damit.

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