Tag Archive: Sprache


Anstalt

Die Freunde des monströsen, kanalreichen BRD-Parteienstaatsrundfunks sprechen vom Bildungs-Fernsehen, aber meinen damit ein tägliches Bildungsfern-Sehen.

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Das Schicksal der Radfahrer

Was für ein seltsames Schicksal diese Radfahrer aber auch haben, dass sie niemals von einem Autofahrer totgefahren, sondern stets nur von einem Auto erfasst werden. In der hirnfickenden Pseudoobjektivität der journalistischen Sprachgebräuche in Presse und Glotze spiegelt und bestärkt sich die eiskalte Menschengruppenverachtung der bürgerlichen Gesellschaft, die immer erst dann als Metastase des Faschismus erkannt und verworfen wird, wenn die verachteten Gruppen nach ihrer Herkunft, Sprache, Kultur oder Genetik benannt werden.

Die Kopfgeburt der höheren Töchter

Der Genderjargon markiert. Die Literatur ist aber kein Stadtfaltplan. Die tobenden Frauen und Männer, die sich an der Debatte beteiligen, gehören der bürgerlichen Klasse an. Der Interpunktionsirrsinn ist die Ausgeburt der höheren Töchter. Der Restaurationswahn ist das Gespei der spröden Oberschichtler. Wir sind nicht in der Benimmschule. Ich halte mich nicht an eine Grammatik der Gesinnung

Feridun Zaimoglu [Archivversion des Deutschlandfunk-Artikels]

Wider die rhetorische Kriegsführung

Wir können das Arsenal der Waffen nicht aus der Welt schreiben, aber wir können das Arsenal der Phrasen, die man hüben und drüben zur Kriegsführung braucht, durcheinander bringen

Max Frisch, ᛉ 1911, ᛣ 1991

Nicht notwendig…

Werte Frau Merkel, die in Armut geratenen Menschen in der BRD bekommen nicht, wie sie es sagten, das Notwendige; sie bekommen also nicht das, was ihre Not wendete. Sie bekommen das Noterhaltende, also das, was ihre Not erhält oder gar noch ausweitet. Und genau das. Ist politische Absicht, die durchgesetzt wird, koste es, was es wolle.

Sachlich

Jeder Herrschende und Besitzende fordert in seiner Propaganda von den Ohnmächtigen und Veramten mehr „Sachlichkeit“ ein, wenn er ihnen in Wirklichkeit das Wort verbieten möchte und ihre Lebenswirklichkeit schon vor jeder Kommunikation für bedeutungsleer und kaumexistent erklären will.

Heimatministerium

„Mit denen, von denen seit drei Jahrzehnten ‚Flexibilität‘ eingefordert wird, also die im Zweifelsfall mit existenzbedrohenden Sanktionen erzwungene Bereitschaft, für einen schlecht bezahlten Job ihre Sozialkontakte aufzugeben und innerhalb der BRD umzuziehen, mit denen kann man es ja machen“, sagte der Vorübergehende zum Zeitungsleser, „denen kann man die Abwehr weiterer Flüchtlinge und die Ausweitung der permanenten Menschenüberwachung als ‚Heimatministerium‘ verkaufen. Die beim Volksverdummen stets recht wertneutral vorgehende Angela Merkel, die diesen Verkauf versucht, wäre sicherlich auch in der DDR etwas geworden, vielleicht sogar irgendwann einmal Vorsitzende des Politbüros“.

Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes

Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.

Malvertising

Die von Werbegeldern für die Schaffung attraktiver Werbeplätze bezahlten Journalisten sprechen vom Malvertising, als ob es jemals ein Goodvertising gegeben hätte.

Der feine Unterschied…

Wenn ich jemanden totschösse, dann beschrieben Journalisten diesen Vorgang in den journalistischen Produkten als: Er hat jemanden erschossen. Doch wenn ein Polizeibeamter jemanden mit seiner Dienstwaffe totschießt, dann beschreiben Journalisten das in den journalistischen Produkten mit den Worten: Jemand starb durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe. Und in Härtefällen stellen die Journalisten uns auch die ganz besonders gebauten Waffen der Polizeibeamten vor; diese Waffen, mit denen die werten Polizeibeamten gar nicht mehr schießen müssen, sondern bei denen sich nur noch ein Schuss löst.

Die Partei „Die PARTEI“…

Werter Journalist,

anders, als du es zurzeit so gern in die Presse und Glotze hinein tintenkleckst, ist die zur Bundestagswahl antretende Partei „Die PARTEI“ keine „Spaßpartei“. Kitzeln kann man auch den Traurigen und Verzweifelten, und ist die Gewalt nur groß genug, ertönt sogar ein widerwilliges, erzwungenes Lachen, das dem Lachenden keinen Spaß bereitet.

Dein dein Geschreibsel „genießender“
Nachtwächter

Das „Wüten“ des Hurrikans

Screenshot tagesschau.de -- 'Irma' wütet in Florida: Wind lässt nach - Gefahr bleibt

Dass die veröffentlichte Sprache von Journalisten immer wieder schreckliche, aber völlig emotionslose Naturereignisse „wüten“ lässt, doch auf der anderen Seite so viele Euphemismen für die psychisch-selbstsüchtigen, rücksichtslosen, asozialen und oft kriminellen Taten und Untaten der Menschen aus der herrschenden und besitzenden Klasse erfindet, sagt alles über die Journalisten.