Tag Archive: Sprache


Grundrechte

Wenn der Politiker und sein stinkender Freund, der Journalist, davon sprechen, dass man „Geimpften die Grundrechte zurückgeben müsse“, statt davon zu sprechen, dass man unnötig gewordene Einschränkungen zur Seuchenbekämpfung aufheben müsse, dann spiegelt sich in dieser Redensart deutlich, dass sie glauben, so genante „Grundrechte“ einfach entzogen zu haben, um sie in gönnerhafter Geste zurückgeben zu können — und dass das den Journalisten, der solchen Sprech wiedergibt und sich wie ein Sturmgeschütz der Demokratie in seiner täglichen Tätig- und Tätlichkeit fühlt, nicht einen Tag lang gestört hat. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Bundesnotbremse

Der Zweck einer „Notbremse“ ist es nicht, dass man einfach mit lediglich reduzierter Geschwindigkeit weiter gegen die Wand fährt und sich auf die Funktionsfähigkeit der Notbremse verlässt. Dass der Begriff „Notbremse“ in der politischen Sprache verwendet wird, ist ein deutliches Spiegelbild der Tatsache, dass die lediglich mit medienwirksamen Scheinmaßnahmen — wie etwa ums Verrecken offen gehalten Schulen mit Schulpflicht bei gleichzeitigen nächtlichen Ausgangssperren — und groß heraustrompeteten Worten vorgehenden Gestalten aus der Bundesregierung unter Angela Merkel im Zuge ihrer „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ das Steuerrad längst aus der Hand gegeben haben.

Arbeitsplätze

„Sie reden immer von den Arbeitsplätzen, die so wichtig sind, aber sie reden niemals von den Menschen, die dort die Arbeit machen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „und ganz genau so sieht ihre Politik auch aus“.

Verbrauchsgut

Der contentindustriell-massenmedial synchronisierte Zeitgeist hat einen hohen Verbrauch an Wörtern und jedes von ihnen blinkt aufdringlich mit seiner Neuigkeit, doch die Zustände bleiben währenddessen ermüdend gleich.

Theorie

„Ich mag ein Verschwörungstheoretiker sein“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „aber der staatsfromme Journalist, der die Wirklichkeit in hübschen Phrasen einkleidet und der Gerechtigkeit durch Neusprech und bizarre Orthografien herstellen will, der ist ein Beschwörungstheoretiker“.

Wohlgesprochen

Sie sprechen vom „Gemeinwohl“, aber sie meinen damit gemeinerweise „mein Wohl“ und sonst gar nichts. Das ist das ganze Elend.

„Social Media“

„Social Media“ wird „Social“ Media genannt, weil es sich dabei weder um ein intellektuelles, noch um ein intelligentes, noch um ein informiertes Medium handelt.

Selbstkontrolle

Wenn bei einer so genannten „freiwilligen Selbstkontrolle“ das bei einer Selbstkontrolle an sich unnötige Attribut der „Freiwilligkeit“ hinzugeschrieben und -gesprochen wird, dann spiegelt sich in diesem absurden politisch-journalistischen Sprachgebrauch wider, dass in Wirklichkeit niemals von einer „Freiwilligkeit“ die Rede sein kann.

Gipfel

Seit wann nennen die Journalisten aus Presse und Glotze eigentlich jede Besprechung von Politikern aus der Bundesrepublik Deutschland einen Gipfel?

Hochdruck

„Es ist doch klar, dass es nirgends voran geht, wenn die Menschen in ihrem PResseerklärungen immer ‚mit Hochdruck an der Lösung arbeiten'“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, und setzte fort: „Würden sie sorgfältig, überlegt, planvoll und entschlossen an der Lösung arbeiten, kämen sie auch voran, ja, auch mit Rückschlägen, Fehlern und Pannen, aber voran. In der atemlosen Phrase vom Hochdruck spiegelt sich nur allzudeutlich der Unwille, das öffentlich angegebene Ziel auch wirklich erreichen zu wollen, und in diesem Spiegel wird das vorgeführte Gestrampel als Theater offenbart“.

Community-Richtlinien

Es gibt in social media keine „Community-Richtlinien“ in dem Sinne, dass sich die Gemeinschaft selbst Richtlinien gegeben hätte, anhand derer sie ihr Miteinander gestaltet. Das Wort ist eine hirnfickerische Lüge, die leider viel zu oft wiederholt wird, als sei sie wahr. Es sind „Richtlinien“ eines digitalen Gutsherren, der nach Gutsherrenart entscheidet und je nach Bedarf oder geschäftlichen Möglichkeiten sein selbst gesetztes Gesetz beliebig anpassen darf, was die „Community“ nur abnicken kann. Oder etwas einfacher: Es ist „gutes altes“ Hausrecht. Dass der digitale Gutsherr sich hinstellt und faselt, als sei dieses Hausrecht aus der „Community“ entstanden und seine eigene Herrschaft so indirekt mit einem „Willen der Community“ begründet, ist nichts als eine dumme propagandistische Metapher für autokratische Tyrannei, und dass dieses fundamentalfalsche Wort „Community-Richtlinien“ von so vielen Menschen (und vor allem: so vielen Journalisten) unreflektiert übernommen wird, ist ein Spiegelbild der Unterordnung unter die Herrschaft eines Tyrannen. Nichts ist so antidemokratisch und antisozial wie social media.

Gluck, gluck, gluck…

Die Deutschsprechenden sind ein seltsames Völkchen mit seltsamer Ausdrucksweise. Wenn jemand trinkt, sagen sie, dass er säuft; aber wenn jemand säuft, sagen sie, dass er trinkt.