Archive for November, 2006


Blasphemie

So so, in der CSU fordert man also wieder einmal die härtere Bestrafung der „Gotteslästerung“. Weil der Schutz und die Achtung religiöser Gefühle zu den „Grundwerten“ unserer Gesellschaft gehört, vor allem derjenigen „religiösen Gefühle“, die in der CSU besonders breit vertreten sind. Dass hier von einem Schutz islamischer Grundwerte die Rede sein soll, klingt wenig glaubwürdig; ebenso wenig wird in der grundgesetzlichen Trennung von Staat und Religion ein wichtiger „Grundwert“ unserer Gesellschaft gesehen.

Und wie üblich stört es keinen aus dieser kalten, gottlosen und Menschen missachtenden Clique, wenn dabei die Denkenden und Fühlenden jeden Tag mit Füßen getreten werden. Menschenrechte sind eben den Rechten der scheinheiligen röm-kath. Kirche und ihres lutherischen deutschen Ablegers unterzuordnen.

Wenn die es in der CSU nicht so ernst meinen würden, dann wäre mein Monitor jetzt mit Kaffee vollgespritzt. Ein guter Witz zwingt zum Lachen.

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Gleisstrauch

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Wild zwischen den Gleisen wachsener Strauch; ein so genanntes „Unkraut“ inmitten technischer Anlagen, rostigen Installationen und flugs nächtlich gesprühten Graffiti. Zu sehen in Hannover, Bahnhof Bismarckstraße.

Parkplatzregel

Eine Regel zur Einordnung der Autos auf einem Parkplatz: Je glänzender der Lack, desto faltiger der Sack.

Zweierlei Maß

Die im Moment so vebreitete Kritik an „Killerspielen“ durch diverse Politbeteiligte in der BRD wird den Denkenden und Fühlenden so lange nicht überzeugen, wie

  • ein Staat wie die USA als „befreundet“ betrachtet wird, obwohl die aktuelle Außenpolitik dieses Staates täglich hunderten bis tausenden Menschen das Leben kostet und obwohl dieser Staat mit erfundenen Gründen Angriffskriege führt, um seinen wirtschaftlichen Bedarf an Erdöl zu sichern;
  • die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland weiterhin militarisiert wird; und
  • jede nur denkbare Einschränkung von Freiheitsrechten und sogar präventive Gewaltmaßnahmen erwogen werden, um die Menschen vor einem zu diesem Zweck recht nützlichen Terrorismus zu „schützen“.

Eine solche Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Was sich in barbarischen und verzweifelten Mordläufen Einzelner und Vereinzelter zeigt, ist nur das Spiegelbild der politisch und gesellschaftlich als Lösungsmittel akzeptierten Gewalt und Staatsgewalt.

Das Mobiltelefon

Sie sagte: „Ich muss noch so viel telefonieren, und ich habe mein Handy vergessen. Ich muss unbedingt nach Hause, da wartet mein Handy auf mich.“

Und ich wäre jetzt so gern ihr Handy.

Der Sprechende

Vielfach höre und lese ich, vor allem in älteren Büchern, dass sich die Intelligenz des Menschen im Gebrauch von Werkzeugen zeigt. Diese Betrachtung scheint am Thema vorbei zu gehen. Werkzeuge werden auch von Halbaffen und sogar von einigen Vögeln verwendet. Was einzigartig am Menschen ist, was den Menschen von allen anderen bekannten Lebensformen unterscheidet, das ist sein Sprachgebrauch. Der Mensch ist ein sprechendes Wesen.

Es ist nicht die Fähigkeit zur Kommunikation, diese ist weit verbreitet. Es ist die Qualität des Kommunizierten. Was Menschen einander mit Lauten mitteilen, ist etwas qualitativ anderes als das Leuchten von Glühwürmchen oder das Zwitschern der Vögel. Die sprachliche Befähigung des Menschen ermöglicht es ihm, anderen Menschen Dinge präzise mitzuteilen, die nicht unmittelbar der direkten Anschauung offenliegen, die also abstrakt sind. Dies meint nicht nur mathematische oder philosophische Erwägungen, die von ihrer Natur her schon abstrakt sind; jede Mitteilung einer Erinnerung ist bereits abstrakt, da sie sich auf etwas nicht mehr offensichtliches, also der Sicht offen liegendes bezieht.

Diese eine Fähigkeit ist es, die alles spezifisch menschliche in der Kultur hervorbrachte. Von daher ist der gegenwärtig zu beobachtende Zerfall der Sprache bedenklich. Wenn die von der affektiven und oft auch affigen Sprache der Medien erzogenen Menschen unserer Zeit kaum noch einen zusammenhängenden Sachverhalt sprachlich mitteilen können, zeigt sich in diesem sprachlichen Zerfall auch der Zerfall des Kulturellen selbst. Die von jedem Feinsinnigen bemerkte Ausbreitung der „modernen“ Barbarei ist eine Folge dieses Verlustes der einen, exquisit menschlichen Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation.

Positiv denken

Wenn die vielen, die „positiv denken“, nicht so negativ und verantwortungslos und zerstörerisch handeln würden, denn schaute ich schon viel optimistischer in diese Welt.

Freiheit

Freiheit ist dieser selbstverständlichste Zustand des Lebens und damit auch des Menschseins, der sofort verloren wird, wenn sich jemand Sorgen über den morgigen Tag macht oder nach Sicherheit strebt, wenn sich jemand selbst bindet und damit auch fesselt. Dort, wo am lautesten die Freiheit proklamiert wird, da ist niemand mehr frei; dort, wo große Bewegungen für die Freiheit der Menschen kämpfen wollen, wurden die Kämpfer schon längst zu hörigen Knechten ihrer Anführer gemacht.

Die Verantwortung eines Freien ist die unteilbare Verantwortung für sein gesamtes Leben. Wer Hände hat zum handeln, der handle!

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Über das Teilen

[…] das Elend wird durchs Teilen kleiner, selbst durchs Teilen des Elends. Deshalb sind’s auch überall die Elenden, die alles am leichtesten teilen können.

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Ausverkauf

Die Ware Kunst ist nicht die wahre Kunst.

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Galgen

Wie man doch in der christlichen Religion das Kreuz zum Kultobjekt erhoben hat. Einige schrecken nicht einmal davor zurück, sich die römische Form des Galgens an einem goldenen Kettchen um den Hals zu hängen. Dabei hätte der Galgen — ein schreckliches Symbol der rohen Gewalt, die zu viele menschliche Gemeinschaften zusammenhält — nicht bis zur Vergötzung reichende Verehrung und auch nicht die abergläubische Benutzung als Talismann verdient, sondern alle nur denkbare Verachtung.

Ein fröhlicher Gruß geht an Patchamanca.

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Stoppt die Killerschulen!

Es ist immer wieder der gleiche Ablauf in der BRD: Da läuft ein junger Mensch ohne Hoffnung und Aussicht mordend herum, und schon malen Politik und Journalie reflexartig die bösen „Killerspiele“ an die Wand. Dass die Stellungnahmen des Täters auch ganz andere, viel alarmierende Schlüsse zuließen, wird dabei ignoriert und entsprechende Dokumente werden von den Polizeibehörden in einem Akt der Zensur aus dem Internet entfernt, damit sich auch niemand eine eigene Meinung bilden kann. Im Moment gibt es neben einigen archivierenden Bloggern nur noch den Google-Cache, und der wird auch nicht sehr beständig sein — auch hier ist die schnell einsetzende Zensur in der BRD zu erwarten.

Mir fällt an diesen ganzen blutigen Ereignissen allerdings eine ganz bestimmte Parallele auf, die ebenfalls vom geradezu konditionierend beschworenen Thema der „Killerspiele“ wegführt: der Tatort.

Es handelt sich bei ResistantX nicht um einen Amokläufer, weshalb ich dieses Wort für die maßlose Tat auch vermeide. Die Tat war vorbereitet, ihr ging ein bewusster Prozess voraus: eine Vorbereitung, die auf eine Planung folgte, die wiederum auf eine Fantasie folgte. ResistantX mag sich in den Jahren davor oft verstellt haben, um in seiner Umgebung leben zu können, seine Tat war gewiss unverstellt und Ausfluss seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung, seiner Absichten. Dabei hatte er keine Verstellung mehr nötig, der eigene Tod war fester Bestandteil des gesamten Planes.

Es ist also nichts Beliebiges in der Ausführung einer Tat, die doch als letztgültige Karthasis für ein Leben dienen sollte, um dass sich ResistantX (wohl auch mit gutem Recht) betrogen fühlte.

Auch der Tatort ist nicht beliebig gewesen: Es handelte sich um seine Schule. Und genau dieses Muster gab es in der jüngeren Vergangenheit mit ermüdener Konstanz bei ähnlich gelagerten Mordanschlägen.

Was sich in der Gewalt dieser maßlosen Taten zeigt, ist nichts als das verzerrte Spiegelbild der Gewalt des jetztigen Systemes der staatlichen Zwangsbeschulung.

Nicht die „Killerspiele“ sind zu stoppen, sondern die „Killerschulen„.

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