Vielfach höre und lese ich, vor allem in älteren Büchern, dass sich die Intelligenz des Menschen im Gebrauch von Werkzeugen zeigt. Diese Betrachtung scheint am Thema vorbei zu gehen. Werkzeuge werden auch von Halbaffen und sogar von einigen Vögeln verwendet. Was einzigartig am Menschen ist, was den Menschen von allen anderen bekannten Lebensformen unterscheidet, das ist sein Sprachgebrauch. Der Mensch ist ein sprechendes Wesen.

Es ist nicht die Fähigkeit zur Kommunikation, diese ist weit verbreitet. Es ist die Qualität des Kommunizierten. Was Menschen einander mit Lauten mitteilen, ist etwas qualitativ anderes als das Leuchten von Glühwürmchen oder das Zwitschern der Vögel. Die sprachliche Befähigung des Menschen ermöglicht es ihm, anderen Menschen Dinge präzise mitzuteilen, die nicht unmittelbar der direkten Anschauung offenliegen, die also abstrakt sind. Dies meint nicht nur mathematische oder philosophische Erwägungen, die von ihrer Natur her schon abstrakt sind; jede Mitteilung einer Erinnerung ist bereits abstrakt, da sie sich auf etwas nicht mehr offensichtliches, also der Sicht offen liegendes bezieht.

Diese eine Fähigkeit ist es, die alles spezifisch menschliche in der Kultur hervorbrachte. Von daher ist der gegenwärtig zu beobachtende Zerfall der Sprache bedenklich. Wenn die von der affektiven und oft auch affigen Sprache der Medien erzogenen Menschen unserer Zeit kaum noch einen zusammenhängenden Sachverhalt sprachlich mitteilen können, zeigt sich in diesem sprachlichen Zerfall auch der Zerfall des Kulturellen selbst. Die von jedem Feinsinnigen bemerkte Ausbreitung der „modernen“ Barbarei ist eine Folge dieses Verlustes der einen, exquisit menschlichen Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation.