Archive for August, 2010


Die Mutter

Sie ist ein Tierfreund, wie man am Vogel sieht, der im engen Käfig hin und her flattert, sie liebt auch Blumen, wie sich an den abgeschnittenen Genitalien einiger Pflanzen zeigt, die zum Verdorren in eine Vase gestellt wurden. Und. Sie sagt auch, dass sie ihren Sohn liebt.

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Ganzjährige Neujahrsansprachen

Aber wir müssen unsere Vorstellungen vom Recht auf Datenschutz der sich immer weiter verändernden Netzwelt anpassen, ohne den Endgedanken eines freien Internets aufzugeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel qualifiziert sich in ihrem Nichtssagen gegenüber der bei der classe politique so beliebten meinungsstanzenden Plattform „Bildzeitung“ für den Preis „Ganzjährige Neujahrsansprachen zu jeder Gelegenheit“, dies natürlich nicht, ohne die obligatorische Prise Schlafsand in die Augen der Leserschaft zu streuen:

„Ich bin jemand, der erst einmal die großen Chancen und fantastischen neuen Möglichkeiten sieht – im Beruf und fürs Privatleben.“ […] Auch für die Politik sei das Internet ein „großartiges Mittel“, gerade mit jungen Menschen in einen Dialog zu kommen.

Nun dann, auf in den „Dialog“ mit dieser FDJ-Beauftragten für Agitation und Propaganda — und alles andere in der Haltung der classe politique zum Internet bitte einfach vergessen!

Was stört…

Wenn es etwas gibt, was an Google Street View wirklich stört, denn ist es die Tatsache, dass es die Hässlichkeit und Kälte des größten Teiles der Architektur in der BR Deutschland massenhaft reproduzieren wird. Leider sieht man den kalten und hässlichen Froten dieser Gebäude schon an, dass sich die Besitzer dieser umschlossenen Räume entweder über die Bilder bei Google freuen werden, oder dass ihnen die Bilder bei Google gleichgültig sein werden — und beides führt leider dazu, dass die Schandmale nicht verpixelt werden.

Gucke Gucke Hitler

Er sagte: „Heute war auf N24 mal wieder Nazi-Wochenende, mit Hitler und den Nazi-UFOs.“

Eines immerhin dokumentieren diese Dokumentationen, bei denen schon im Vorübergehen das Schwarz-Weiß und die Zeitlupe klar machen, welche Zeit dort wegen ihrer marktwerten Faszination thematisiert wird. Sie dokumentieren. Wie sehr einigen Fernsehsendern jedes Mittel recht ist, um an Quote zu kommen.

Der Unvoreingenommene

Als er zum Thema sagte: „Aber nein, ich bin nicht voreingenommen!“, da drückte er damit auch aus, dass er sich noch niemals mit wirklicher Hingabe und tiefem persönlichen Interesse mit diesem Thema beschäftigt hatte, dass er ziemlich ahnungslos ist…

Fakultät

Fakultät für Architektur und Landschaft

Muttersprache

Die Sprache, die wir ohne Mühe, Wörterbücher und Aufstellungen der Konjugationen erlernt haben, nennen wir Muttersprache. Vermutlich auch, weil der Vater nicht so zu Worte kommt…

Die Phantasie

In keinen anderen Bereichen scheint die menschliche Fantasie und Kreativität so groß wie in diesen beiden zu sein: beim Ausleben der geschlechtlichen Lust und beim Quälen und Ermorden anderer Menschen. Die psychologische Geschichte der Zivilisation bestand immer nur darin, die Entfaltung der Fantasie und Kreativität beim Sex zu unterdrücken und als ehrlose Sünde zu brandmarken; um auf der anderen Seite die Entfaltung der Fantasie und Kreativität beim Ermorden anderer Menschen einseitig zu fördern und zum Inbegriff des ruhmverdienenden Ehrenvollen zu machen.

Seefahrt

„Wir sitzen doch alle im gleichen Boot“, sagte der Peitschenschwinger zu den gefesselten Sklaven an ihren Rudern.

Von der Zeitung

Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.

Konrad Adenauer

Gefragt, welche Zeitung er läse, antwortete der Vorübergehende: „Keine“.

Gefragt, welche Zeitung er denn lesen würde, wenn es sie gäbe; wie eine Zeitung beschaffen sein müsste, die ihn zum Zeitungsleser macht, antwortete der Vorübergehende: „Eine Zeitung, die auch dann noch zum großen Teil lesenswert ist, wenn sie schon ein Jahr alt geworden; eine Zeitung, die sich nicht darauf beschränkt, unter dem Fetisch der Aktualität die Agenturmeldungen abzuschreiben und mit Reklame zu ‚dekorieren‘, sondern die sich darum bemüht, ihren Lesern die Hintergründe zu den Agenturmeldungen aufzuschließen; eine Zeitung, deren einzige Mitteilung von für mich unmittelbarer lebenspraktischer Bedeutung nicht die Wettervorhersage ist; eine Zeitung, deren Lokalmeldungen nicht beim bloßen Hinschauen als abgeschriebene Presseerklärungen und gekauftes Werbetexten zu erkennen wären — ja, eine solche Zeitung würde ich vielleicht manchmal lesen. Aber wo unter Journalismus das bloße zeitlich unmittelbare Vermelden dessen verstanden wird, was über die NITF-Feeds der Agenturen auf den Redaktionsrechnern ankommt, da ist Twitter längst der bessere Journalismus geworden, und genau so unerträglich wie das, was sich als ‚Journalismus‘ immer schlechter verkauft.“

Gruß an P.

Leere Straße

Wo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht.

Karl Valentin

Zeitgenossin: Warum gehen die Menschen denn nicht auf die Straße, gegen Hartz IV, gegen den Krieg, gegen das alles?

Nachtwächter: Was sollen sie da? Sollen sie auf der Straße leben? Oder sollen sie ordentlich und bürgerlich bei ihrer Polizei eine Demonstration anmelden, einen Widerstand aufführen, für eine halbe oder ganze Stunde als vorübergehendes Verkehrshindernis in Erscheinung treten, einem Auto mit aufmontierten Megafon hintergehen und vergessen werden? Und wenn das: Wofür sollen sie auf die Straße gehen? Wissen die Menschen nach über einem Jahrzehnt einer Politik, die ihnen aus den Mündern aller Medien als „alternativlos“ bezeichnet wurde, überhaupt noch, dass etwas anderes möglich ist? Woher sollen sie das wissen? Können sie die Probleme der herrschenden Klasse und die vorgeblichen „Sachzwänge“ zum Durchsetzen des Programmes der herrschenden Klasse noch von ihren eigenen Wünschen und von ihren eigenen Bedürfnissen als Mensch unterscheiden? Und wie sollen sie es nennen, unter welcher Idee und für welche Veränderung sollen sie eine Stimme erheben? Welche Werte sollen im Schatten der Bildzeitung, der „Polit-Talkshows“ und der breiten Propaganda der INSM den vielen Einzelnen die zielführende Gewissheit geben, in ihrer Drangsal nicht allein zu sein? Nicht darauf zurückgeworfen zu sein, die Zähne zusammenzubeißen, sich durch das Dasein zu wursteln und angstvoll zu hoffen, dass das denkbare persönliche Unglück an ihnen vorbeigeht und jemanden anders trifft? Und sich zu trösten, mit der ganzen Breite des angebotenen Trostes im Unterhaltungsprogramm, im Supermarkt und im Versandhauskatalog über das mögliche Leben hinwegzutrösten, damit die Zustände, die solchen Trost erforderlich machen, auch ja unter einem See des klebrigen, einlullenden Trostes unversehrt erhalten bleiben? Oder sollen sie vereinfachenden Parolen folgen, die ihnen vorgesagt werden und die leicht nachzusprechen sind? Das tun sie doch schon, und die vorgegebenen Parolen werden industriell und mit hohem Aufwand produziert und allgegenwärtig präsentiert. Schau dort, im Schaufenster der Volksbank: „Kluge Köpfe riestern“! Die Köpfe der Menschen, denen nur das „Hartzen“ oder das Annehmen unterbezahlter Elendsarbeit in Verhinderung des „Hartzens“ übrig bleibt, sind also dumm — das erklärts doch, zwar nicht gut, aber eingängig und auch für den RTL-Dauerglotzer „verständlich“. Die Leere der Straße, die dich so nach einer revolutionären Bewegung der Menschen auf die Straße sehnen lässt, Schwester, sie ist nur das Spiegelbild der intellektuellen und ethischen Leere, die dort entsteht, wo die Mehrzahl der Menschen einer kleinen Gruppe anderer Menschen mit der Macht und der Fähigkeit, ihre Interessen und ihre Gedankenwelt in die Öffentlichkeit auszubreiten, die Deutungshoheit über die Belange ihres eigenen Lebens gibt. Das ist nichts Neues, wenn man diese Struktur betrachtet; die „Kirche“ hat einen anderen Namen bekommen, und in dieser Unveränderung immer noch viele Anhänger, die ihre Zweifel an den gepredigten „höheren“ Ideen und ihre unmittelbaren Erfahrungen im kindischen Hoffen auf ein kommendes Heil verdrängen. Wenn das einmal überwunden wird, kann die Straße der Prozessionen und Demonstrationen auch leer bleiben, denn es ist mehr geschehen, als jemals zu erwarten war.

Gruß an Sigrid

Ganzheitlich

Und der Vorübergehende sagte zu einem oft etwas esoterisch daher kommenden „Naturfreund“, Grüne-Wähler und sozialpädagogischen Menschen- und Welt-Umerzieher mit Stadtwohnung, den er traf, als dieser die Apotheke verließ: Freust du dich denn gar nicht über die Streptokokken in dir? Das muss doch gerade für dich ein sehr erhebendes Gefühl sein, wenn du dich als Bestandteil eines Größeren empfinden kannst, als zugehörig zu einem aktiven und sehr produktiven Ökosystem; es muss für dich doch sehr ganzheitlich sein… :mrgreen: