Tag Archive: Link


Stell dir mal vor…

„Stell dir mal vor“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke wäre gar kein Neofaschist in einer von Polizeien und Geheimdiensten finanzierten und durchsetzten Szene gewesen, sondern ein Linker! Oder ein Moslem! Was meinst du wohl, was jetzt in Politik, Polizei und Presse los wäre“…

Leseempfehlung: Nachdenkseiten — Mordfall Lübcke — NSU 2.0

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Der Zensor liest

Ich komme mir zensiert vor, von einer Maschine halbautomatisch aussortiert

Sebastian Bäumer [Archivversion]

Der mechanische Zensor aus dem braunen, kalten Traum des Technokraten und des Innenpolitikers, er sucht nur Stellen, er kann deinen Satz ja nicht und niemals lesen.

Doch wer dann immer noch die Welt darum bittet, den mechanischen Zensor anzuschreiben und um Gnade zu winseln, weil die Sehn-Sucht nach der täglich verabreichten Social-Media-Droge auch nach gehörigen Demütigungen und schmerzhaften Psychostrafen noch erhalten bleibt, sollte gründlich über einen Wechsel des Rauschmittels nachdenken. Verglichen damit. Ist ja Heroin noch würdevoller!

Der Börsenwert

Der so genannte „Börsenwert“ ist so weitgehend von der wirtschaftlichen Wirklichkeit der damit an einem Wettzettelmarkt bewerteten Unternehmungen entkoppelt, dass ein einziger Tweet reicht, um ihn zu manipulieren und um elf Prozent zu verschieben. [Archivversion] Das hindert Journalisten aber nicht daran, die Zahlen und Entwicklungen zu vermelden, als handele es sich dabei um richtige Nachrichten.

[…] nichts ist so flüchtig, wie das Interesse der Gerechten am Leid des anderen

Gegenseitig eingepresse Bosheit

Strafe ist und bleibt Rache. Alles andere ist bloße Rhetorik und Ausrede. Die Strafwut wird erst nachlassen, wenn wir die Gesellschaft so eingerichtet haben, dass den Menschen durch Erziehung und die allgemeinen Lebens- und Arbeitsumstände weniger Bosheit eingepresst wird

Hinter den Schlagzeilen: Die Strafe bessert den, der straft

Zwölf Jahre später

Heute sind die meisten Blogs, die es schon länger gibt, erheblich ruhiger geworden. Doch Personen, die wütende, einseitige und gern mit Beschimpfungen versehene Texte ins Internet schreiben, gibt es immer noch: Sie heißen Journalisten

Thomas Knüwer

Der gewünschte Eindruck vom Hartz-IV-Pöbel…

Als der Vorübergehende las, dass rd. siebzig Prozent derjenigen Befragten, die ihre eigene finanzielle Situation als schlecht einschätzten, der Berichterstattung in der Presse misstrauten, schüttelte er schnell den in solcher Deutung propagandistisch gewünschten Eindruck ab, dass es sich dabei um ungebildeten, arbeitsunwilligen und abgehängten „Hartz-IV-Pöbel“ handele und sagte zu sich selbst: „Jene Menschen, die im Hartz-IV-Staat BRD trotz jahrelanger Erzählungen vom Aufwärts und Aufschwung, vom wirtschaftlichen Wachstum und von gut bezahlter Arbeit für alle immer schlechter dastehen; alljene, die angesichts des im Halbjahreszyklus zur Einladung von billigem ‚Menschenmaterial‘ aus dem Ausland heraufbeschworenen Fachkräftemangels und trotz ihrer Ausbildung keine so bezahlte Arbeit finden, dass sie davon gut leben könnten — ja, diese Menschen fallen immer noch zu einem guten Drittel auf die allmediale Wirtschafts- und Regierungspropaganda herein. Aber es werden immer weniger. Und jeder einzelne von ihnen wird genau genug darum wissen, dass demnächst die Mindestlohnregelung aufgehoben wird, ‚um die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen und besser zu integrieren‘, so dass die Bimbesrepublik Täuschland noch weitergehend als schon jetzt zum politisch geforderten und geförderten Billiglohnland wird, um seine eigenen Daseinsaussichten realistisch einschätzen zu können — einschließlich der trüben Einsicht, dass sein von der grün-sozialdemokratorisch durchgesetzten Hartz-Fear-Angstpeitsche erwzungener Hungerlohn von heute zu seiner Elendsrente von morgen werden wird. Die intelligenteren Menschen sehen es nun einmal als Ansporn zum Denken an, wenn ihre Intelligenz jeden verdammten Tag in Presse und Glotze verspottet wird. Und das. Ist ein gutes Zeichen. Außer vielleicht für die Presseverleger, die endlich ihre Geschäftsgrundlage verlieren werden“.

Nachtschicht

Der einst — nicht etwa aus Menschlichkeit, sondern zur Verhinderung einer kommunistischen Revolution — durch eine Rentenversicherung finanzierte Lebensabend auf dem Gnadenhof des Sozialstaates wird scheibchenweise durch eine müde und schmerzhaft durchgearbeitete Nacht ersetzt, an deren „Feierabend“ kein neuer Morgen, sondern eine Begräbnisfeier steht.

Stellt euch mal vor…

Stellt euch mal vor, dass alles, was ihr zusammen mit den meisten anderen Menschen über bestimmte kulturell und sprachlich weit entfernte Regionen der Welt aus Presse und Glotze zu wissen glaubt, nichts weiter als die frei erfundenen Geschichten eines begabten Erzählers sein könnten, dem es gelang, zunächst Redaktionen und später sogar Gerichten seine Erzählungen als journalistische Recherche zu verkaufen¹! Was könnte das nicht für Folgen haben:

Auch das Oberlandesgericht Stuttgart, das im März 2015 den Dschihadisten Ismail I. und zwei Komplizen für viele Jahre ins Gefängnis schickte, stützte seine Entscheidung auf die Aussage des Journalisten. In seinem Urteil lobte der Senat den Zeugen als „sehr gut informiert“ und pries die „hohe Qualität der Angaben“.

¹Dauerhaft archivierte Version des Artikels auf Spiegel Online.

Der Datensammler wird Datenschleuder

Tja, Karma is a bitch. Die von der Datenmitnahme betroffenen Menschen, die ja allesamt in der US-Verwaltung arbeiten oder arbeiteten, können sich jetzt vielleicht etwas besser vorstellen, wie es dem Rest der Welt unter den Tätigkeiten und Tätlichkeiten der US-Geheimdienste geht…

Die Abschaffung des Bargeldes

Wer das Bargeld komplett abschaffen will hat entweder einen akuten Realitätsverlust oder träumt vom Endsieg der Überwachung

Liebe Regierung — Wer braucht schon Bargeld

Selbstmit-Leid-Medien

Hieran zeigt sich die vollständige Auflösung des einstigen Selbstverständnisses von Medien und dem daraus abgeleiteten Recht auf Meinungsfreiheit. Ursprünglich ging es bei dessen Verteidigung darum, sich selbst – und damit auch den Bürgern – die eigene Meinung durch herrschende Kräfte, also durch die weltliche oder religiöse Macht im Staat, nicht verbieten zu lassen. Heute hingegen verstehen sich Medien als Bestandteil des Herrschaftsapparates und meinen nun, sich gegen den etwaigen Leserzorn abschotten zu müssen. Die größte Gefahr für die Debattenkultur im Lande geht dieser Sichtweise folgend nicht mehr von „den Mächtigen“ aus, sondern von sogenannten „Trollen“ […] Wer sich nach oben anpasst und Beleidigungen von unten nicht aushält, ist schlicht nicht robust genug, um Meinungsfreiheit gegen ihre wirklichen Feinde nicht [sic!] verteidigen. Wer Leser und Leserbriefschreiber für die wirklichen Feinde der Pressefreiheit hält und entsprechend attackiert, sollte besser seinen Presseausweis abgeben und den Staatsdienst antreten

Zeitgeisterjagd — Von Charlie Hebdo bis Giovanni di Lorenzo: Vom Aufstieg der Selbstmit-Leid-Medien