Tag Archive: Sex


Streben

Wie schön es doch wäre, wenn die Menschen nicht nach Schönheit, sex appeal und Geld strebten, sondern nach Intelligenz, wenn sie jeden Tag nicht mehr darüber nachdächten, wie sie sich kleiden, frisieren, schminken, mit welchen Gütern und Symbolen des Besitzes sie sich umgeben, welche Schönheitsoperation sie haben möchten, wie sie an mehr Geld kommen können, sondern stattdessen darüber nachdächten, wie sie intelligenter werden — und das mit der gleichen Hingabe verfolgten wie ihre tägliche Jagd nach mehr Schönheit, sex appeal und Geld. Nach nur zwei Jahren solchen Strebens wäre die Gesellschaft nicht wiederzuerkennen, so angenehm wäre sie geworden.

Erotikmarktware

Der wahre Zweck des privaten Autos, nämlich die Aufwertung seines Besitzers auf dem erotischen Markt, spiegelt sich ganz vorzüglich darin, dass sehr viele große oder elegante Autos von dummen und hässlichen Menschen gefahren werden, die eines hohen Maßes derartiger Aufwertung bedürftig sind, um überhaupt mal zum Zuge zu kommen.

Jungfrauenspiegel

Diejenigen, die das Dogma der „unbefleckten Empfängnis“ erfunden haben, haben im Spiegelbild jeden Geschlechtsverkehr zur fleckenfördernden, dreckigen Sache erklärt, und ihr neurotischer Irrsinn macht bis heute die Menschen irre, bis zur Verachtung ihres eigenen Lebens irre.

Holterdipolter

Als dem Vorübergehenden sehr lebhaft von einem Poltergeist-Spuk erzählt wurde, sagte er schließlich: „Dieses ganze heftige Ruckeln und Hin und Her hört sich für mich an, als versuchte das Gespinst zu masturbieren“.

Der Weg damit hieß: weg damit!

Irgendwo zwischen der Transformation von Frauenstudien zu Gender Studies und der Transformation von Universitätsjuristen zu Risikomanagern scheinen wir die Klitoris verloren zu haben.

Alice Dreger

Sparsamkeit

„Von meiner Hand bekomme ich keine angedrehten Kinder, verschwiegenen Geschlechtskrankheiten, teuren Hochzeiten und noch teurere Scheidungen“, sagte sich der Wichser, und er masturbierte einfach weiter, bis der Tod ihn schließlich von seiner Hand schied.

Alle, die über ihn lachten, lebten in vermeidbarem Unglück. Ihr Spott war gesellschaftsfähig verkleideter Neid.

Zwei Verwandte

Zwei Dinge machen erwachsene Menschen in erheblichem Maße kindisch, dumm und albern: Ein von Genussdrogen ausgelöster Rausch und akute Anfälle sexueller Lust in Gegenwart eines Partners. Und von beidem können erwachsene Menschen gar nicht genug bekommen… ja, einige würden sogar für diese paradiesische Kindischkeit töten.

Kein Wunder, dass jedes religiöse oder ideologische Neurosenregiment, das allen Menschen vorzuschreiben sucht, wie sie zu leben haben und diese Vorschrift im Zweifelsfall mit Gewalt bis hin zum Staatsmord durchsetzt, gleichermaßen die Sexualität und die Nutzung von Rauschmitteln unterdrücken muss, um den Menschen jegliche diesseitige Freude zu nehmen. Das Maß der Freiheit einer Gesellschaft erkennt man immer auch daran, ob es absurde Gesetze gibt, die Drogengebrauch oder gewaltfrei-verspielt ausgelebte Sexualität erwachsener Menschen kriminalisieren, obwohl es bei diesen „Verbrechen“ keine Geschädigten gibt. Denn alle Erwartungen sollen ja auf ferne, im eigenen Leben unerreichbare Ziele ausgerichtet werden, und alles andere wird mit künstlichem neurotischem Ekel überschüttet, der nur notdürftig rationalisiert werden kann.

Sie haben es in der Nase

Dass Journalisten so leicht eine Affinität zum Feminismus aufbauen, liegt auch daran, dass sie mit ihrer Journalistennase aufmerksamkeitsträchtige Sexskandale wittern, ein stets brauchbares Vehikel des Wegwerfschreiberlings, mit dessen Kraft und Hilfe sich die Werbeplätze in Presse und Glotze immer noch am besten und teuersten verkaufen lassen.

Geburtenkontrolle durch sexuelle Abstinenz

Die Leute, die sagen, dass Geburtenkontrolle durch sexuelle Abstinenz die einzig zulässige, natürliche und von G’tt erwünschte Methode der Geburtenkotrolle sei, sind die gleichen Leute, die es den Glauben daran, dass eine Jungfrau schwanger geworden ist, zur Grundlage ihrer Religion gemacht haben.

Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes

Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.

Lebensinhalt

Als der Vorübergehende wie beiläufig am späten Abend einer seiner Zeitgenossinnen sagte, dass er kelnerlei sexuelles Interesse mehr habe, da schaute sie ihn an und wusste einen kurzen Moment nicht, ob das die Wahrheit sein könne. Und dann fragte sie ihn: „Aber was machst du denn dann den ganzen Tag?“

Wie schön es doch sein könnte

Wie viel schöner doch das Leben sein könnte, wenn die moralgeknuteten Menschen sich für ihre Habgier aufs peinlichste schämten und dafür ihre Sexualität lebensfroh begrüßten und keine Gelegenheit ausließen, sie auszuleben! Und. Wie anders die Sprache und das von ihr mitgeformte Denken doch wären, wenn aus den Schamlippen endlich wieder „Lustlippen“ würden, und aus dem Geldbeutel endlich wieder ein „Schambeutel“! Die Entfesselung der Habgier als gesellschaftsbegründend und die gleichzeitige Abwehr der Sexualität als unanständig, unterdrückungswürdig und regulierungsbedürftig — übrigens zwei moralische Haltungen, die prächtig zusammen mit der jeweils quasistaatlichen Religion gehen, und zwar mit jeder quasistaatlichen Religion — arbeiten in die gleiche beklagenswerte Richtung, zerstören die Lebens- und Lustmöglichkeiten der Mehrzahl der Menschen und führen direkt in den Faschismus.