Tag Archive: Heiterkeit


Dummstellen

Als der Vorübergehende von einem seiner Zeitgenossen gefragt wurde, warum er vorhin im Gespräch so viel gefragt hat, als ob er gar nichts wüsste, sagte der Vorübergehende: „Es ist für jemanden, der etwas weiß, gar nicht schwierig, sich dumm zu stellen, und oft erreiche ich damit mehr als mit arrogant aufgetischtem Wissen, bringe ich doch einen Anderen dazu, seine gedankliche Welt ausdrücken zu wollen und dabei noch einmal nachzuformulieren und nachzudenken zu müssen. Für den Dummen ist es aber viel schwieriger, sich wissend zu stellen“.

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Wider die Vernunftlähmung

Als sein Zeitgenosse „Lasst uns vernünftig bleiben, auch wenn unsere Gegner es nicht sind“ sagte, antwortete der Vorübergehende etwas lauter als gewohnt: „Nein. Genau das ist der dumme, narzisstische Weg, angetrieben von der süßen Illusion endloser Kräfte, Zeit und Möglichkeiten, auf dem man nichts erreicht und alle seine begrenzte Kraft in einen aussichtslosen Scheinkampf steckt — bis man schließlich erschöpft feststellt, verloren zu haben, obwohl man die besseren Argumente hatte. Wenn du dich mit einem Schwein im Schlamm raufst, wirst du dabei zwei Dinge feststellen: Dass ihr euch beide dabei dreckig macht, es dem Schwein aber gefällt“. Und der Vorübergehende setzte fort: „Wenn jemand unvernünftig ist und dir damit Kraft rauben will, sag es ihm und beantworte auch gern Rückfragen, damit Vernunft einziehen kann! Wenn er dir gegenüber auf seiner Unvernunft beharrt und in seinem Versuch, deine Kraft auszulutschen, nicht nachlässt, bitte ihn freundlich, sachlich und erklärungsbereit, damit aufzuhören! Für sich selbst mag er gern unvernünftig sein, es ist ein Freier Mensch. Und wenn er dann immer noch nicht aufhört, vernichte ihn, so unvernünftig das auch sein mag! Es ist kein Gegner, sondern ein Feind; ein Mensch mit dem kein Frieden möglich ist, weil er keinen Frieden will“.

„Das klingt brutal“, sagte der Zeitgenosse.

„Es ist vernünftig, so lange du dabei vernünftig bleibst„, antwortete der Vorübergehende lächelnd.

Die andere Göttin

Als der Vorübergehende von einem seiner staatsgläubigen Zeitgenossen mit der dummen deutschen Redensart „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“ anstelle eines diskutablen Einwurfes belästigt wurde, antwortete er vor tiefem Ekel breit grinsend: „Leider werden die einflussreichen, unser ganzes Dasein mitbeeinflussenden Ämter hier nicht von Gott vergeben, sondern von Angela Merkel“.

Erscheinung

Die meisten Menschen sind nicht das, als was sie anderen Menschen erscheinen wollen und worum sie so viel Aufwand machen, dass die Erscheinung auch bei anderen Menschen ankomme. Und nur sehr wenige sind besser als das, als was sie anderen Menschen erscheinen wollen.

Ausgelacht

Der Galgenhumor endet, wenn das Baumen am Strang beginnt.

Unernst

„Nimm das Leben nicht so ernst!“, sagte der Vorübergehende zu seinem bedrückten und mehr als nur latent neurotischen Zeitgenossen, „Du kommst hier sowieso nicht lebendig raus“.

Untotbar

„Es gibt so viele Wirklichkeiten“, sagte der Vorübergehende mit heiterer Stimme zu einem gewöhnlich tauben Ohr, „die können selbst Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht totkriegen“.

Chemie

Zum ängstlich in das teurere Regal greifenden und von der „Natur“ faselnden Zeitgenossen sagte der Vorübergehende: „Chemie ist doch das gleiche wie Natur, nur stärker“…

Kerzenmensch

Als der religiöse Fundamentalist zu ihm sagte: „Der Heilige Geist macht mich zu einem Licht, das in diese Welt hineinscheint“, da musste sich der Vorübergehende unwillkürlich vorstellen, wie ein brennender Kerzendocht in diesem Menschen steckt; nicht irgendwo versteckt, sondern schön oben auf dem Kopf, zum Leuchtturm für die Restwelt, gerade so dass das Gehirn auch ja als erstes vom Feuer aufgezehrt wird.

Rasend an den Rasenflächen vorbei

Eine ausgesprochen hässliches, rabenförmiges Dekorationsobjekt in einem Vorgarten

Mit einer der wichtigen, aber selten bewusst wahrgenommenen Gründe dafür, dass sich Menschen lieber so schnell wie irgend möglich auf den Wegen und Straßen bewegen, dürfte darin bestehen, dass sie die bürgerlichen Dekorations-Scheußlichkeiten niedersächsischer Gärten und Vorgärten nicht vertieft wahrnehmen wollen.

Bonsai

Als der von der psychischen Prostitution der Wohlfühl-Esoterik geprägte Zeitgenossen zu ihm sagte „Es ist alles eine Frage deiner Einstellung, jeder kann alles werden“, da sah der Vorübergehende einen kurzen Moment lang ganz deutlich ein verkrüppeltes Bonsaibäumchen vor sich, das laut von seiner Größe träumte.

Der Lächelnde

Als ein Zeitgenosse im Hohne dem bettelnden Vorübergehenden sagte: „Du bist auch immer nur am Lächeln“, antwortete der Vorübergehende: „Das mit der schlechten Laune habe ich in vielen Jahren meines Lebens schon vollständig durchprobiert, und es hat auch nichts geändert“.