Tag Archive: Heiterkeit


Der Zettel

Als der Vorübergehende seiner Zeitgenossin dabei zuschaute, wie sie einen Taschenrechner für die vier Grundrechenarten aus der Verpackung auspackte, sagte er zu ihr: „Da! Sie haben einen Zettel gedruckt, gefaltet und mit in die Packung gelegt. Auf diesem Zettel wird dir erklärt, welche Tasten du drücken musst, um zu rechnen. Es ist doch erstaunlich, dass Hersteller von einfachen Taschenrechnern mit so großer Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass einem gewissen Anteil ihrer Kunden das Konzept der Zahl völlig fremd ist“.

Lernen und Erfahrung

„Jüngere Menschen“, sagte der Vorübergehende zum jüngeren Menschen, „sind Menschen, die ihr erlerntes Wissen zur Grundlage ihrer Weltsicht und ihrer Entscheidungen nehmen, und ältere Menschen bauen stattdessen eher auf ihrer Einsicht und Erfahrung. Beides hat seine Nachteile und seine Nachteile. Und die übergroße Mehrheit der Menschen lässt sich einfach nur von anderen beeinflussen, ohne die Mühe der Reflexion, ohne einen einzigen eigenen Gedanken, ohne das geringste Streben erwachsen und Mensch zu werden und zu sein“.

Grenzwissenschaftssex

Mit einem breiten, etwas unverschämten Grinsen sagte der Vorübergehende: „Ich habe die Existenz von Gespenstern für möglich gehalten, bis ich einige ‚Videos von Gespenstern‘ in bestem Beweiston gesehen und ertragen habe. Ich habe die Existenz von UFOs für möglich gehalten, bis ich einige ‚Videos von UFOs‘ in bestem Beweiston gesehen und ertragen habe. Es ist wohl besser, wenn ich mir keine Pornos anschaue“.

Trieb und Denke

Wer den Rudeltrieb in sich überwindet, wer niemals der Menge folgt, weil es die Menge ist, wer sich niemals eine Institution oder einen Herrschaftsapparat als Familien- und Beziehungsersatz andrehen lässt, der hat gute Chancen, jeden Tag etwas klarer und vernünftiger zu denken und schließlich in weitgehender Eigenverantwortung und Einsicht heiter neben dem dummen und verantwortungslosen Prozess herzugehen, der über der Gesellschaft abläuft, ohne davon aufgesogen zu werden.

Versprecher

Für seine gelegentlichen kleinen Versprecher, die der Verständlichkeit keinen Abbruch taten, hat er sich jedesmal mit einer neurotisch-automatisch anmutenden Geste bei mir entschuldigt, aber nicht einmal für seine des Verstandes spottenden Denkfehler.

Dummstellen

Als der Vorübergehende von einem seiner Zeitgenossen gefragt wurde, warum er vorhin im Gespräch so viel gefragt hat, als ob er gar nichts wüsste, sagte der Vorübergehende: „Es ist für jemanden, der etwas weiß, gar nicht schwierig, sich dumm zu stellen, und oft erreiche ich damit mehr als mit arrogant aufgetischtem Wissen, bringe ich doch einen Anderen dazu, seine gedankliche Welt ausdrücken zu wollen und dabei noch einmal nachzuformulieren und nachzudenken zu müssen. Für den Dummen ist es aber viel schwieriger, sich wissend zu stellen“.

Wider die Vernunftlähmung

Als sein Zeitgenosse „Lasst uns vernünftig bleiben, auch wenn unsere Gegner es nicht sind“ sagte, antwortete der Vorübergehende etwas lauter als gewohnt: „Nein. Genau das ist der dumme, narzisstische Weg, angetrieben von der süßen Illusion endloser Kräfte, Zeit und Möglichkeiten, auf dem man nichts erreicht und alle seine begrenzte Kraft in einen aussichtslosen Scheinkampf steckt — bis man schließlich erschöpft feststellt, verloren zu haben, obwohl man die besseren Argumente hatte. Wenn du dich mit einem Schwein im Schlamm raufst, wirst du dabei zwei Dinge feststellen: Dass ihr euch beide dabei dreckig macht, es dem Schwein aber gefällt“. Und der Vorübergehende setzte fort: „Wenn jemand unvernünftig ist und dir damit Kraft rauben will, sag es ihm und beantworte auch gern Rückfragen, damit Vernunft einziehen kann! Wenn er dir gegenüber auf seiner Unvernunft beharrt und in seinem Versuch, deine Kraft auszulutschen, nicht nachlässt, bitte ihn freundlich, sachlich und erklärungsbereit, damit aufzuhören! Für sich selbst mag er gern unvernünftig sein, es ist ein Freier Mensch. Und wenn er dann immer noch nicht aufhört, vernichte ihn, so unvernünftig das auch sein mag! Es ist kein Gegner, sondern ein Feind; ein Mensch mit dem kein Frieden möglich ist, weil er keinen Frieden will“.

„Das klingt brutal“, sagte der Zeitgenosse.

„Es ist vernünftig, so lange du dabei vernünftig bleibst„, antwortete der Vorübergehende lächelnd.

Die andere Göttin

Als der Vorübergehende von einem seiner staatsgläubigen Zeitgenossen mit der dummen deutschen Redensart „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“ anstelle eines diskutablen Einwurfes belästigt wurde, antwortete er vor tiefem Ekel breit grinsend: „Leider werden die einflussreichen, unser ganzes Dasein mitbeeinflussenden Ämter hier nicht von Gott vergeben, sondern von Angela Merkel“.

Erscheinung

Die meisten Menschen sind nicht das, als was sie anderen Menschen erscheinen wollen und worum sie so viel Aufwand machen, dass die Erscheinung auch bei anderen Menschen ankomme. Und nur sehr wenige sind besser als das, als was sie anderen Menschen erscheinen wollen.

Ausgelacht

Der Galgenhumor endet, wenn das Baumen am Strang beginnt.

Unernst

„Nimm das Leben nicht so ernst!“, sagte der Vorübergehende zu seinem bedrückten und mehr als nur latent neurotischen Zeitgenossen, „Du kommst hier sowieso nicht lebendig raus“.

Untotbar

„Es gibt so viele Wirklichkeiten“, sagte der Vorübergehende mit heiterer Stimme zu einem gewöhnlich tauben Ohr, „die können selbst Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht totkriegen“.