Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.

Konrad Adenauer

Gefragt, welche Zeitung er läse, antwortete der Vorübergehende: „Keine“.

Gefragt, welche Zeitung er denn lesen würde, wenn es sie gäbe; wie eine Zeitung beschaffen sein müsste, die ihn zum Zeitungsleser macht, antwortete der Vorübergehende: „Eine Zeitung, die auch dann noch zum großen Teil lesenswert ist, wenn sie schon ein Jahr alt geworden; eine Zeitung, die sich nicht darauf beschränkt, unter dem Fetisch der Aktualität die Agenturmeldungen abzuschreiben und mit Reklame zu ‚dekorieren‘, sondern die sich darum bemüht, ihren Lesern die Hintergründe zu den Agenturmeldungen aufzuschließen; eine Zeitung, deren einzige Mitteilung von für mich unmittelbarer lebenspraktischer Bedeutung nicht die Wettervorhersage ist; eine Zeitung, deren Lokalmeldungen nicht beim bloßen Hinschauen als abgeschriebene Presseerklärungen und gekauftes Werbetexten zu erkennen wären — ja, eine solche Zeitung würde ich vielleicht manchmal lesen. Aber wo unter Journalismus das bloße zeitlich unmittelbare Vermelden dessen verstanden wird, was über die NITF-Feeds der Agenturen auf den Redaktionsrechnern ankommt, da ist Twitter längst der bessere Journalismus geworden, und genau so unerträglich wie das, was sich als ‚Journalismus‘ immer schlechter verkauft.“

Gruß an P.

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