Tag Archive: Spiegelbild


Die Datennackten

Leute, die Gardinen und des Abends Vorhänge vor ihre Fenster ziehen, damit man nicht so leicht in ihr Wahnzimmer hineinschauen kann, aber auf die Datensammlung Facebooks, Googles, Twitters und Konsorten sowie die immer mehr ausgeweitete staatliche Überwachung angesprochen, schnell und ohne jeglichen Umweg ihrer Worte über das Gehirn versichern, dass sie doch nichts zu verbergen hätten; Leute, die sich nicht einen Moment in ihrem Leben daran stören, das börsennotierte Wirtschaftsunternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell mehr über sie, ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Ideen, ihre Vorlieben und ihre Tagesabläufe wissen als der Nachbar, mit dem sie immerhin das gleiche Haus teilen und dem sie doch im Zweifelsfall nicht recht vertrauen würden – kurz: Leute, die mit ihrem täglichen Tun die unablässige Überwachung zur Norm erheben, die sich dabei noch persönlich ermächtigt fühlen, die alles dafür tun, dass jede Form der Privatheit zum Verdachtsmoment oder doch mindestens zur befremdlichen, eigenbrötlerisch anmutenden Verschrobenheit gerät, über die man Witze machen kann, diese Leute sind es, die freiwillig und aktiv mit ihrer gewohnheitsmäßigen Entblößung vor den Borgköniginnen individuumsverneinender Kollektive, welche sich zum tieferen Hohn für dieses Wort als „sozial“ bezeichnen, dafür Sorge tragen, dass der neue Faschismus komme. Dass auf den Selbstentblößungssites dieser Leute in technokratisch-neurotischer Manie jegliche Form oder auch nur Andeutung der körperlichen Nacktheit zensiert wird, ist ebenso ein treffliches Spiegelbild der dort geforderten intellektuellen, psychischen und ästhetischen Nacktheit wie die weitgehende Unempfindlichkeit derartiger Selbstentblößungssites gegenüber hetzerisch die Psyche aufkochenden Lynchmobinhalten ein Spiegelbild des dort geforderten und geförderten, neubourgeoisen Faschismus ist.

Postfaktische Scheinpanik

Die scheinbare Panik vor Desinformation, die große Bereiche der classe politique erfasst zu haben scheint und im Begriff der fake news und des im Sommer dieses Jahres von Angela Merkel geprägten Wortes vom Postfaktischen greifbar geworden ist, ist keine Panik wegen der Desinformation, sondern wegen der Tatsache, dass die von Herrschenden ansonsten stets gewünschte Desinformation der Bevölkerung nicht mehr unter alleiniger Kontrolle der classe politique und ihrer Speichellecker steht. Sie ist ein Spiegelbild der eigenen Demagogie des Herrschaftsapparates und seiner Strukturen, die in einem erheblich werdenden Anteil der Bevölkerung nicht mehr die gewünschte manipulative und meinungsprägende Wucht und Wirkmacht entfalten kann.

Lügner warnen vor den Folgen der Lüge

Die Wahrheit vor der Wahl? Das hätten Sie wohl gerne gehabt…

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler

Es ist schon von erheblichem realsatirischen Liebreiz, dass ausgerechnet Zeitgenossen mit Parteihintergrund, die durch systematische und allmedial vorgetragene Wahlkampflügen in politische Ämter der Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, unter dem Banner der gefährlichen fake news gegen die Lügen im Internet vorgehen wollen…

Oder, um es mit einem anderen Zitat des oben schon erwähnten Politikers zu sagen:

Diese Arschlöcher im Internet labern immer nur Scheiße und haben gar keine Ahnung!

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler [Archivierte Version]

Die Blindgläubigen

Jene, die tröstliche und feierliche Gedenk- und Trauergottesdienste für die Opfer religiös motivierten Massenmordes abhalten, sind in gleicher Weise von ihrer Gottesidee am Gehirne kastriert wie die Mörder; sind ein Spiegelbild dessen, was sie entsetzt.

Je suis stupide

Sie hashtaggen „Je suis Berlin“, ganz so, als ob man hier französisch spräche oder als ob „Ich bin Berlin“ unanständig klänge. In der Schablonen- und Phrasenhaftigkeit der Reaktionen spiegelt sich jener nach pawlowscher Methodik massenmedial aufkonditionierte Reflex wider, der unter Umgehung höherer Funktionen des Gehirnes zum Verhalten (und nicht zum Handeln) wird, und sei es auch noch so dumm, maschinenhaft, kalt und sinnlos — hauptsache, es sorgt für eine schnelle emotionale Abfuhr des Individuums in der gleichsam post- wie parareligiös vorgetragenen Liturgie der Masse.

Die Heiligen der „Linken“

Jene, die am lautesten überall die maximale Diversität einfordern, üben sich darin, im von ihnen beherrschten Umfeld eine strikte, unhinterfragbare und für heilig erklärte intellektuelle Monokultur durchzusetzen. Darin spiegeln sie wider, dass sich nicht das Herrschaftssystem überwinden, sondern erhalten, stärken und darin die Herrschaft übernehmen wollen.

Check your privileges

Die Tatsache, dass sie eine beliebig kompliziert gestaltbare Kunstsprache verwenden und nach Möglichkeit auch anderen Menschen an vielen Stellen aufnötigen wollen, spiegelt nur wider, wie privilegiert jene Gestalten sind, die so vorgehen.

Alle Ächtung

Wer die Gewaltausübung gegenüber Frauen (statt gegenüber Menschen) geächtet sehen will, zeigt im Spiegelbild dieses geäußerten Willens seine Freude daran, dass die andere Hälfte der Menschen in alleiniger Abhängigkeit von der Beschaffenheit des 23. Chromosomenpaares sein ganzes Dasein unter den Bedingugen der Nötigung, des Kampfes und der Gewalt zu fristen hat. Meist wird diese gleichermaßen empathielose wie geistlose Zumutung zurzeit von Dampfplauderern mit Rotationsmaschinenhintergrund und vergleichbar geübten Heißluftspendern als „soziale Gerechtigkeit“ verkauft, und dieses Wort ist durchaus ähnlich gemeint und zu verstehen wie das „Sozialistisch“ als Bestandteil des Wortes Nationalsozialismus.

Spiegelbild der Reklame

Im Journalismus und in seinem Täter, dem Journalisten, spiegelt sich die Reklame wider, die er in Ermangelung eines seriöseren Geschäftsmodelles zu transportieren hat; er ist genau so reißerisch, unwahr, drängelnd, im schlimmsten Sinne des Wortes sendungsbewusst, manipulativ, intelligenzverachtend, psychisch, verdummend, entpolitisierend, gewalttätig, übervergewältigend, raumgreifend und feindlich wie jene geworden.

Den Anderen hassen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Ich kann dich gar nicht hassen. Wofür sollte ich auch? Dafür etwa, dass du nicht bist wie ich? Hasste ich dich dafür, würde ich ja genau so wie du werden“.

Gott ist klein

Jeder, der für „Gott“ tötet oder auch nur gesellschaftliche Zustände herbeisehnt, in denen der „Wille Gottes“ zum verbindlichen, mit Staatsgewalt durchgesetzten Gesetz für jeden Menschen wird, deklariert in dieser Geste eines dumm und fröhlich in die Welt hinaus: Dass er seinen „Gott“ in Wirklichkeit für viel zu klein und kraftlos hält, zu töten und seinen Willen durchzusetzen. So oft kann die Größe dieses „Gottes“ gar nicht lautschreihälsig beschwören werden, dass dieser offenbare Wahnsinn dahinter versteckt werden könnte — in der religiösen Gewalt, sei sie staatlich oder kriminell den anderen Menschen aufgezwungen, spiegelt sich deutlich des blasphemische, gleichermaßen gottesverachtende wie menschenverachtende Zug der Religion selbst.

Intelligenz

Dass einige Menschen, deren Stimmen wegen der Reklameabhängigkeit des Presse- und Medienapparates von journalistischen Betrieb gern millionenlaut verstärkt werden, in ihren geäußerten Ansichten von der „künstlichen Intelligenz“ allerlei Weltveränderung erwarten, sagt im kecken Spiegelbild alles über die Auffassung dieser Menschen von der menschlichen und damit auch von ihrer eigenen Intelligenz. Man müsste schon sehr dumm sein, um jemanden mit einer solchen Selbsteinschätzung ernst zu nehmen.