Tag Archive: Spiegelbild


Wahnehe

„Wenn die Menschen eine völlig unvernünftige, oft sogar wahnsinnige Haltung einnehmen, sich aus irgendwelchen Gründen dauerhaft an einen anderen Menschen zu binden, obwohl es gar nicht funktionieren kann“, sagte der Vorübergehende grinsend, „dann nennen sie das im Spiegel ihrer Sprache eine Vernunftehe. Die Gesellschaft und insbesondere die Politik sind voll von derartiger Vernunft“.

Wahlen in Italien

Wie bemerkenswert, also wert, dass man es bemerkt, es doch ist, dass sich keine einzige Feminist:in¹ öffentlich darüber freuen kann, dass nach der jüngsten Wahl in Italien erstmals in der Geschichte Italiens mit Giorgia Meloni eine Frau zur Präsidentin des Ministerrates wird. Das Schweigen der sonst so Lauten zu diesem vor ein paar Jahrzehnten (die noch deutlich in meine politisch bewusste Lebensspanne hineinragen) unvorstellbaren Erfolg ist tosend, und im Spiegelbild dieses Schweigens zeigt sich, das beim vorgeblichen Einsatz für Frauenrechte und Gleichberechtigung in Wirklichkeit längst andere politische Ziele verfolgt werden, dass es sich nur um eine sympathisch anmutende Reklame handelt, hinter der die Wirklichkeit eines eigentlichen Produktes verborgen werden soll; dass der Feminismus schon in seiner Selbstbezeichnung eine Lüge ist.

¹Neudeutsche Neusprech-Genderschreibweise ausnahmsweise, aber vorsätzlich als Stilmittel eingesetzt.

Schöpfer und Ausschöpfer

Die, die am genauesten zu wissen meinen, wer die Welt erschaffen hat, tun im Spiegelbilde ihres kindischen Glaubens den größten Teil dafür, die Welt zu vernichten.

Matrix

The reason movies are often so bad out here isn’t because the people who make them are cynical money hacks. Most of them are doing the very best they can; they really want to make good movies. The trouble is with their heads, not their hearts.

Stanley Kubrick

Die modernste und wissenschaftstümelndste Verkleidung des religiösen Kreationismus ist die mit nichts im gesamten Kosmos falsifizierbare und damit völlig unüberprüfbare Annahme, dass der Kosmos einschließlich uns Menschen eine Simulation auf einer riesigen Rechenmaschine sein könnte. Die beliebte Filmreihe „Matrix“ ist ein einziger einsichtsnegierender, dummheitsverherrlichender kreationistischer Fiebertraum aus dem wahnwitzigsten Brutkeller des show business, und sie zieht genau daraus ihre Beliebtheit. Kein Wunder und erst recht kein Zufall, dass ein mit dieser schon in der Antike bewährten Stanze angefertigtes, contentindustriell-mythologisches Formstück so selbstverständlich auch eine auserwählte und vom Orakel bestätigte Erlöserfigur mitbringt, auf deren erfolgreiches Befreiungswerk der größte Teil der Menschheit nur hoffen und warten kann. Genau wie bei den alten Erlösungsgeschichten werden kleine Lücken in der Erzählung überspielt und überlesen, hauptsache, die Menschen besinnen sich niemals auf das, was sie können, nicht können, wollen und nicht wollen; hauptsache, die Hörer dieser Predigt bleiben passiv und duldsam; hauptsache, sie benutzen nicht eine Sekunde ihres Lebens ihren eigenen mentalen Apparat als Hilfs- und Kampfmittel gegen die vollständige Verwurstung ihres einmaligen und zeitlich sehr beschränkten Lebens durch die jeweils Herrschenden und Besitzenden, sondern sprechen ihre Wünsche und Klagen leise in ein geduldig dazu schweigendes Nichts, noch voller Angst vor übermenschlichen Strafen, wenn sie dabei zu weit gehen. Bislang waren noch alle Gottesideen nach dem Urbild der Menschen geschaffen, die an sie glaubten, und das gilt auch für die Matrix-Idee des industriellen Zeitalters und ihrem pseudowissenschaftlichen Wiedergänger in Form eines simulierten Kosmos: Ein Spiegelbild eines überpersonalen Selbstzweck-Irrsinns, in dem Menschen darauf reduziert und dazu verdammt werden, Batterien im betrieblichen Produktionsprozess und Verbraucher der dabei produzierten Güter zu sein.

Für S.

Hoffnung

Hoffnung bedeutet, bis zum Tod fest und angstvoll genug davon überzeugt zu sein, dass man nur geduldig auf eine Erlösung warten müsse, während aussichtslose, unerträgliche, grausame Zustände noch ein paar Tage, Monate oder Jahre einfach so weitergehen, ohne dass man ihnen auch nur vernehmbar widerspräche oder gar etwas dagegen täte. Viele Hoffende verschränken schließlich sogar ihre Hände zum Gebet und murmeln vor sich hin, damit sie überhaupt nicht mehr handeln und reden können; anderen genügt das Ankreuzen von Wahlzetteln, damit jemand anders so für sie handeln und leben mag, wie sie es gern hätten; wieder andere glauben an Ideologien und ihre Versprechungen einer wunderschönen und paradiesischen Zukunft. Wer die Hoffnung aufgibt, beginnt den Weg in die Freiheit zu gehen — und nimmt es mit Humor, wenn von den Hoffenden in ihren selbst angelegten Fesseln nichts als Beleidigung, Beschimpfung und schließlich sogar gewaltbereiter Feindschaft kommen, denn all dieses ist nur Spiegelbild jener fürchterlichen Angst, die in die Hoffnung führt.

Emotionalität

Noch ein Jahrhundert Zeitungen — und alle Worte stinken.
Friedrich Nietzsche

Wenn Journalisten eine Rede auf einem Parteitag wegen ihrer „Emotionalität“ feiern, dann ist das nur ein Spiegelbild der Tatsache, dass es eine in der Darbietung manipulative, aber im Kern unpolitische und inhaltsleere Rede war — und ein weiterer Beleg für die Tatsache, dass populistische Gefühlsaufwaller im stinkenden Journalisten stets ihren zuverlässigsten Schergen gefunden haben und auch weiterhin finden werden.

Verschiebung

Das Gendern der Schrift und Sprache verschiebt in jeder Aussage einen Teil der Aufmerksamkeit des Lesers oder Zuhörers vom eigentlichen Thema und eigentlichem Argument der Aussage hinfort zur in beinahe allen Fällen nebensächlichen und irrelevanten Information „Geschlecht“. Es zieht etwas von der begrenzten Aufmerksamkeitsfähigkeit vom eigentlichen Thema ab und erschwert dadurch das Verständnis jedes Argumentes und den rationalen Umgang mit jeglicher gegenderter Aussage. Es ist nicht überraschend, dass diese bürgerliche Sprachmode höherer Töchter mit lyssenkoistisch-pseudowissenschaftlichen Universitätshintergrund mit der zunehmenden Dummheit vieler Menschen in der Gesellschaft einhergeht, sondern das eine ist das Spiegelbild des anderen.

Jungfrauenspiegel

Diejenigen, die das Dogma der „unbefleckten Empfängnis“ erfunden haben, haben im Spiegelbild jeden Geschlechtsverkehr zur fleckenfördernden, dreckigen Sache erklärt, und ihr neurotischer Irrsinn macht bis heute die Menschen irre, bis zur Verachtung ihres eigenen Lebens irre.

Die Kinderschützer

„Die gleichen Politiker, die ihre Beglückungsideen damit begründen, dass sie Kinder besser schützen wollen“, sagte der Vorübergehende zur Mutter, „haben im noch jungen 21. Jahrhundert in der Bundesrepublik Deutschland den besser ins Mittelalter passenden § 1631b BGB eingeführt, um unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der ‚Religionsfreiheit‘ religiös motivierte Genitalverstümmelungen an Kindern zu legalisieren, auch solche, die durch irgendwelche nur religiös ausgebildeten Unterleibsschnippsler ausgeführt werden. Glaub niemals, niemals, niemals, dass diesem Pack etwas an den Kindern liegt! Die Kinder sind aus deren Sicht nur ein politisches Menschenmaterial, niedlich aussehend, um die Grausamkeit besser vermarkten zu können, eine Verfügungsmasse, die keine menschlichen Rechte gegen den Staatsbetrieb hat und sich nicht gegen den willkürlichen und brutalen Missbrauch durch die Classe politique wehren kann. Und darin spiegelt sich, wie sie Menschen im Allgemeinen betrachten, wie sie auch dich und mich betrachten“.

Kenntnis

„Die Menschen würden einander viel besser kennen und sich viel genauer verstehen, ja, vielleicht könnten sie sogar einander ein kleines wenig lieben“, sagte der Vorübergehende zum Mitmenschen, „wenn sie nur damit aufhörten, im anderen Menschen immer nur das Spiegelbild ihres Selbstes zu sehen“.

Wohl

In Deutschland ist es normal geworden und erregt keinen Anstoß mehr, dass die industriellen Metzger vom Tierwohl reden. Ein vortreffliches Spiegelbild der Gesellschaft ist das!

Investigativ

„Ich mag ja diese Marketing-Mode, dass Journalisten ihre besseren Artikel als ‚investigativ‘ bewerben“, sagte der Vorübergehende zum Zeitungsfresser, „weil sich darin so erfreulich klar widerspiegelt, dass der Rest der journalistischen Machwerke eben nicht ‚investigativ‘ ist, sondern in seinem Kern nur noch aus abgeschriebenen Agenturmeldungen und abgeschriebenen Presseerklärungen besteht“.