Tag Archive: Spiegelbild


Dass ausgerechnet Journalisten kritisch anmerken, dass social media dazu führen, dass sich Menschen vollständig innerhalb ihrer selbstgeschaffenen filter bubble bewegen, ist nur der dürftig verlarvte und zudem lächerlich-erbärmliche Trauergesang darüber, dass es nicht mehr Journalisten im Dienst und Brot zentral herausgegebener Print- und Rundfunkmedien sind, die für andere Menschen darüber entscheiden, was für ihr Leben relevant und wichtig ist und wie sie dies auszudeuten haben — mit dem Ergebnis, dass bei vielen Menschen nach ernsthafter Selbstbefragung herauskäme, dass die letzte verbliebene Nachricht von lebenspraktischer Relevanz die Wettervorhersage für den morgigen Tag geworden ist.

“Warum kratzt du mich?” — “Ich bin Journalist und weiß genau, wo es dir juckt”.

Scheinbefriedigung

“Wenn Werber so etwas wie ‘Jedes Jahr ein neues Smartphone‘ auf Plakate stempeln lassen”, sagte der Vorübergehende zu einem, der nicht mehr hören konnte, “dann dokumentieren sie in diesem Spiegelbild nur in gleichermaßen obszöner wie realsatirischer Weise, was die konsumistische Antwort auf das Bedürfnis vieler Menschen nach befriedigender und erfreulicherer Kommunikation ist”.

Die Naiven

Die “Politisierung” der Menschen in den Zehner Jahren: Durch Naivität zur Radikalität¹ — ein so präzises Spiegelbild der kommunizierten Politik des Parteienbetriebes, wie sie von Presse und Glotze an die Menschen getragen wird, dass nur ein unheilbar Hirnblinder hoffen kann, damit sei ein unerträglicher Zustand überwindbar.

¹Hallo, Claudia!

Herzlichen Glückwunsch, ihr “Demokraten”!

Ich gratuliere zu ihrem Coming-Out allen “Demokraten”, die heute gesagt haben und sagen werden, dass die “Demokratie” in Gefahr ist, weil jemand nach hier üblichen, sonst stets als “demokratisch” bezeichneten Standards in ein Amt gewählt wurde. Besser hätte ich es auch nicht mehr deutlich machen können, wie weit es mit eurer “Demokratie” her ist — und welche Leute Feinde der Demokratie sind.

Der Islam

Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Lk. 6,42

“Der Islam”, sagte der Vorübergehende, “ist ein Spiegelbild des Christentums, genau wie jenes wurde er mit dem Schwert verbreitet und anschließend mit jahrhundertelanger, mörderischer Gewalt im militärisch eroberten Gebiet durchgesetzt. Was nötig war, um das Christentum zu zivilisieren, damit man als Denkender und Fühlender damit leben, ja, überleben kann, wird auch im Islam nötig sein, und selbst dann wird die Zivilisation des Islams genau so brüchig sein, wie es die Zivilisation des Christentums jetzt ist; selbst dann wird jede mittelgroße gesellschaftliche Krise die dünne Schicht der Zivilisation über der dummen psychischen Regung der Religion abblättern lassen und die blanke narzisstische Mordlust dahinter sichtbar werden lassen. Wie schön. Könnte eine Welt ohne Religion sein”.

Die Troll-Vorlage

Das Vorbild des typischen Internet-Trolls, der mit verkürzter Argumentation und affektivem Sprachgebrauch aus der sicheren Deckung seines Schreibtisches heraus wie ein Heckenschütze auf die dumme Psyche zielt und dabei immer wieder trifft; das Vorbild und der Lehrer dieses Internet-Trolls ist die verkürzte und affektheischende Schlagzeile des Journalisten. Und. Der Journalist, der ob des Treibens in den Foren der Zeitungswebsites so schrecklich erschrocken ist, erweckt dabei den Eindruck, als stünde er zwei Meter neben einer lichterloh brennenden Scheune und fragte sich dort, warum es nur so hell und heiß sei.

Homophobie

Die so genannte “Homophobie” ist bei Männern aus stark religiösen und konservativen Kreisen vor allem deshalb so verbreitet, weil sie in Wirklichkeit eine Angst jener Männer davor ist, von anderen Männern so angesehen und behandelt zu werden, wie in diesen Kreisen Frauen gewöhnlicherweise angesehen und behandelt werden.

Typenhebel und Mechanik

Schau sie dir genau an, die classe politique, die dir eine so genannte “elektronische Gesundheitskarte” aufzwingt und deine Daten allesamt in der cloud speichern will, selbst aber zum Schutz vor Spionage im NSA-Ausschuss mechanische Schreibmaschinen zu verwenden gedenkt! Was du so trüb und lichtschwach in diesem Spiegel siehst, das ist der Wert deiner Privatsphäre; der Wert deines menschlichen Seins in den Augen derer, die sich darüber zu bestimmen erhoben haben.

Nach der Wahl zum so genannten europäischen “Parlament”, bei der angesichts des laufenden entpolitisierenden Wahlkampfes¹ jetzt schon absehbar ist, dass die Wahlbeteiligung sehr gering sein wird, werden sich wieder Politiker und ihre speichelleckerischen Kumpel, die Journalisten, hinstellen und die üblichen Worte finden, um diese Nichtwahl von gut zwei Dritteln der Bevölkerung, die ja nichts weniger als ein allgemeiner und für die gesamte zur Wahl antretende classe politique ausgesprochener Legitimationsentzug ist, doch noch blendredend in eine Legitimation umzudeuteln. Und. Sie werden sich gewiss auch in diesem Jahr nicht zu schade sein, dabei auch den Spruch abzulassen, dass die Menschen den Glauben (oder das Vertrauen) in die Demokratie verloren hätten und dass man bewirken müsse, dass sie diesen Glauben zurückgewönnen — ohne in ihrem Deutungsrausch auch nur in einer kurzen Zuckung der Großhirnrinde zu bemerken, dass sie im Spiegelbild dieser Worte recht offen eingestehen, dass die so proklamierte “Demokratie” für die Menschen keine Sache der unmittelbaren Erfahrung ist, sondern nur ein Für-wahr-Halten dessen, was von anderen gesagt wird; eine absurde, erfahrungsferne, fremd-vermittelte Parareligion, die von ihren Gläubigen verlangt, dass sie die gebieterischen Erscheinungen ihrer Lebenswirklichkeit ignorieren.

¹Niemand sage, dass es nicht politische Themen gibt. TTIP ist eines. Die menschenverachtende Weltüberwachung durch Geheimdienste der USA ist ein anderes. Aber wenn die politischen Parteien hier ihre politischen Absichten zu diesen Themen auf die Plakate stempeln ließen, würden sie dafür von einer sehr großen Mehrheit der Menschen in Deutschland nur noch Verachtung empfangen, und deshalb gibt es halt leere Sprüche von Stabiltität, Wachstum, Arbeit, Demokratie und… angesichts der vielen Lottospieler, die das Kreuzemachen schon gewohnt sind, ganz wichtig… Chancen. Im Vermeiden der gegenwärtigen politischen Themen auf den Wahlplakaten spiegelt sich sehr genau, welche Agenda nach der Wahl durchgesetzt wird.

Das neue Studio der ARD-Tagesschau

Standbild mit dem neuen Studio der ARD-Tagesschau

Je weiter sich die vom Nachrichtenvorleser vorgelesenen Nachrichten und die niemals offen kommunizierten Relevanzkriterien für diese Auswahl von Nachrichten von der Lebenswirklichkeit der Menschen und vom journalistischen Anspruch der Ausgewogenheit, Faktentreue und Sachlichkeit entfernen, desto mehr gleicht sich das Aussehen der Räume, in denen der Nachrichtenvorleser diese Nachrichten in gut gespielter Objektivität vorliest, an die Gestaltung der Brücke eines Raumschiffes aus schlechter science fiction der Siebziger Jahre an. So wird schon beim Hinschauen klar, dass das, wo nach man sich richten soll, weit abgehoben über der leidigen, zur Bedeutungslosigkeit erklärten Wirklichkeit schwebt.

Medienakademie

Foto des Einganges der 'Medienakademie' von ARD und ZDF in Hannover

Der Eingang dieser “ARD ZDF Medienakademie” (mit recht modernem Deppen Leer Zeichen) sieht genau so grau, einfallslos, 70er-Jahre-muffig und kreativitäts­verachtend aus wie der größte Teil der Programm­gestaltung dieser beiden großen, mit Quasi­kopf­steuern finanzierten quasi­staatlichen Rundfunk­anstalten.

Die Verlogenheit

Die stickige geistige Enge, die durch ein Gewirr von Lügen und vom Schutz dieser Lügen vor jeder Überprüfung oder auch nur Infragestellung aufgerichtet wird, ist ein Spiegelbild der Angst.

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