Tag Archive: Spiegelbild


Differenziert

Nicht, daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Wie fein der Herr Sozialpädagoge in seiner von den Herrschenden und Besitzenden bezahlten Tätig- und Tätlichkeit ein „das musst du differenziert betrachten“ zu seinem jeweiligen Opfer sagt, wenn er das von seinem Opfer Gesagte in Wirklichkeit relativieren und ignorieren will. Er äfft im Kleinen und Lächerlichen die sprachlichen Strukturen jener „Argumentation“ nach, mit denen die Ausübung der Herrschaft durch systematische (und zu ihrer Durchsetzung immer auch offen gewalttätige) Verneinung individueller Einsichts- und Verständnisfähigkeit gerechtfertigt wird. In der Kleinheit dieses Spiegelbildes der Herrschaft zeigt sich, was für ein großes Arschloch der Herr Sozialpädagoge ist. Es nimmt nicht Wunders, dass solches Geschmeiß nach einigen Jahren „Erwachsenennacherziehung“ an diversen, meist wegen ihrer Lebenssituation ausgelieferten und wehrlosen Opfern so häufig Interesse daran entwickelt, selbst politisch tätig zu werden und dass er dann in den Parteiapparaten der Herrschenden und Besitzenden mit größerem Willkommen empfangen wird und leichter zu Amt und Pfründen kommt als ein Maurer, Klempner, Programmierer, Physiker, Altenpfleger oder Arbeiter.

Werter Qualitätsjournalist!

Anders, als du es mir und vielen anderen Lesern in deiner entpolitisierenden und dummen Propagandaschreibe unterstellst, habe ich keinerlei Hass auf Europa. Ich finde nur die gegenwärtige Europäische Union ausgesprochen fragwürdig und veränderungsbedürftig, ohne dass ich auch nur die geringste Möglichkeit sehe, wünschenswerte Veränderungen herbeizuführen¹ — und würde von daher sogar einen möglichst schnellen Zerfall dieses unerfreulichen Gebildes begrüßen.

Und im Gegensatz zu dir, werter Qualitätsjournalist mit deiner billigen und dummen Propagandaschreibe, verwechsele ich ein undemokratisches, vom Lobbyismus zerfressenes und korruptes Staatenbündnis wie die Europäische Union nicht mit dem Kontinent Europa, zu dem übrigens auch das von dir an anderen Stellen mit den unschönsten und zuweilen offen kriegslüsternen Wörtern benannte Russland gehört. Wer im von Presseverlegern bezahlten Willen, die Menschen mit Propaganda zu manipulieren, Geografie mit Staatsgrenzen verwechselt, zeigt in diesem lächerlichen Spiegelbild nur, wie blöd er die Menschen mit seinem Geschreibe machen will.

¹Die Wahl eines machtlosen Theater-Parlamentes ohne legislative Möglichkeiten gehört nicht zu diesen Möglichkeiten, sie ist noch weniger wert als in einer so genannten „repräsentativen Demokratie“.

Die angebliche „Sorge vor dem Rechtsruck“…

Die Politiker, die angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen ihrer „Sorge vor dem Rechtsruck“ Ausdruck verleihen, kommen mit dieser Sorge zwei Jahrzehnte zu spät, denn der „Ruck“ ist ein seit Jahren laufender Prozess, zusätzlich angetrieben von Hartz-Fear-Massenverarmung mit mies bezahlter Arbeit auf staatlich subventionierten Elendsarbeitsstrichs, politisch gewolltem, in verrottenden Gebäuden verabreichtem Bildungsnotstand, persönlicher Aussichtslosigkeit eines fast jeden Menschen in der BRD, der noch eine Zukunft vor sich hat, sowie einer zusätzlich für jeden wachen Betrachter völlig offensichtlichen und in ihren Einseitigkeiten und Lügen immer unverschämter werdenden, wie gleichgeschaltet anmutenden Propaganda in Glotze und Presse. Es ist ja auch gar nicht die wirkliche Sorge der so redenden Lügenredner, dass es einen „Rechtsruck“ geben könnte — ihre Sorge ist nämlich in Wirklichkeit, dass der gar nicht so geringe Anteil der Menschen in der Bevölkerung der BRD, der ein extrem-konservatives bis geschlossen rechtsradikales Weltbild hat, nun endlich in einer eigenen Partei parlamentarisch vertreten und wirkmächtig wird. Das gefällt mir auch nicht, aber die Vertretung der Wähler ist nun einmal der Zweck der Parlamente. Wenn es die größte geäußerte Sorge der „Demokraten“ geworden ist, dass die Parlamente tatsächlich die politischen Auffassungen der wählenden Bevölkerung widerspiegeln, dann hat sich das mit der „Demokratie“ schon längst erledigt, dann ist der zur Verwirrung des Denkens postulierte Rechtsruck nur dem längst schon geschehenem Untergang der „Demokratie“ gefolgt.

Auf die Knie

Bei der Betrachtung eines feierlichen Gottesdienstes sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin: „Menschen, die sich vor jemandem verbeugen oder gar auf die Knie gehen, weil er so groß ist, spiegeln in dieser Geste so lächerlich deutlich wider, dass sie diesen mit ihrer Haltung erst groß machen“.

„Mutti“

Dass es den Menschen in der BRD so leicht fällt, Bundeskanzlerin Angela Merkel spöttisch als „Mutti“ zu bezeichnen, ist ein Spiegelbild der gernverdrängten Tatsache, dass Mütter im Regelfall nicht für ihre Kinder da sind, die Entfaltung und jede Erfahrung ihrer Kinder mit willkürlicher Gewalt verhindern, ihren Kindern vorsätzlich Schaden zufügen und ihre Kinder niemals ernst nehmen — denn eines hat noch keine Mutter ihrem Kinde verziehen: Dass der Zwerg einfach wächst und ein richtiger Mensch wird. Die Menschenverachtung der Politik der „alternativlosen Mitte“ erscheint als eine natürliche Fortsetzung der grimmigen Nestkälte entvaterter Kinder; die wirtschaftlich so „wertvolle“ Entpolitisierung und Infantalisierung ganzer Gesellschaftsschichten setzt einfach nur fort, was früh schon begonnen wurde und sich mit vorbewusster Wirkmacht durch das Leben zieht.

Im Spiegel der Bitcoins

Wenn „Bitcoin“ eines deutlich widerspiegelt, dann ist es die vollkommene, psychische Irrationalität des Geldsystemes und der daran geknüpften Idee vom „Wert“.

Star Wars

„Luke Skywalker“, sagte der Vorübergehende zu einem Zeitgenossen, der ihm von einem Disneyfilm erzählte, „ist das US-amerikanische Comic-Abziehbild eines Jihadisten: Ein Mensch, der durch die Religion radikalisiert wird und für ein abstraktes Ziel andere tötet“.

Die Menschen in spätkapitalistischen Gesellschaften unterwerfen sich in blöder Verantwortungslosigkeit einem System, dessen Propagandisten Sicherheit als „Freiheit“, Lohnarbeit als „Autonomie“ und Fremdbestimmung als „Selbstfindung“ verkauften und tatsächlich — trotz des greif- und offen sichtbaren Unglücks vieler Zeitgenossen — immer noch verkaufen. Die Entfernung zwischen der niemals in der erforderlichen Tiefe betrachteten, lebensverachtenden, alles Miteinander in einen als „Wettbewerb“ bezeichneten Kampf auf einem Schlachtfeld voller Überfluss verwandelnden Dummheit der eigenen Gesellschaft und der gruseligen, mörderischen Dummheit des „Islamischen Staates“ mag viel weniger weit sein, als es für das „Weiter so“ angenehm wäre; die Frage, warum Menschen freiwillig aus der sicheren europäischen Zivilisation in das syrische Gemetzel gehen, wird niemals ohne Hinzutun einer großen Portion Verdrängung betrachtet und damit niemals beantwortet. Wenig überraschend ists, dass die Soldaten unter dem Befehl der Milliardäre gleich hinterherziehen müssen, um „Frieden“ und „Freiheit“ wiederherzustellen. Der mörderische Terror der „Islamisten“ ist ein Spiegelbild des stumpfen, menschenverachtenden Horrors im späten Kapitalismus, dessen obszöne Deutlichkeit den genaueren Blick schwer erträglich macht.

Zeitumstellung

Wer von einer Zeitumstellung spricht, wenn er die Uhr umstellt, zeigt im trüben Spiegel dieses Wortes auch, wie sehr ihm die wegen der Anforderungen des Fabriksystems mechanisch gemessene und von Automaten angezeigte Zeit längst völliger Ersatz für seine Lebenszeit geworden ist.

Landesväterchen und Landesmütterchen

Wie bereitwillig Eltern doch sind, wenn es darum geht, das allgegenwärtige, allsehende Auge des menschenverachtenden Überwachungsstaates an ihren eigenen Kindern zu reproduzieren — und wie wenig sie bereit sind, ihren eigenen Kindern so etwas wie ein Menschenrecht einzuräumen, einfach nur, weil sie lebende Menschen sind. Natürlich. Aus den „besten“ Gründen. Und damit genau so wie die Horch- und Mordstaaten der Jetztzeit.

Cocacola

Cocacola ist die konsumierbare Zusammenfassung jener US-amerikanischen Psychohölle, die wie eine Sintflut über die ganze Erde geschwappt ist und scheinbar jede Vernunft mit sich gerissen hat. Das großindustriell hergestellte Getränk schmeckt unerträglich süß, es macht zahnlos, fett und krank — und eine ganze Armee von Hirnbekämpfern, Lügnern und psychischen Aufheizern wird mit Millarden von Dollar dafür bezahlt, den Menschen überall und jederzeit zu erzählen, es handele sich dabei um Sport, Musik, Freude, Freiheit, Spaß und gutes Leben. Und jenen, die den ungesunden Trank nicht trinken mögen, denen aber dennoch die alldurchwaltende Reklame in das Hirn gebissen hat, werden dann „gesündere“ Plörren zum Kauf angeboten.

Gefahrene

Das so breitmedial angepriesene und demnächst sicherlich Alltag seiende „selbstfahrende“ oder gar „autonome Auto“ ist nichts weiter als die Kontinuität des Kinderwagens im Leben widerwillig großgewachsener Menschen — und an die Stelle der „Unterhaltung“ durch den Griff nach einem darin angebrachten Gehängsel aus bunten, sinnlosen Figuren, die auch gern mal ein Tönchen von sich geben, wenn sie ergriffen werden, treten nahezu bruchlos die Wischgesten über die Oberflächen der Internetgenussgeräte, um sich während der automatischen Fahrt oder anderer Passivitätsphasen ein bisschen Input in die darbenden Sinne zu geben; ein dürrer kommunikativer fast food gegen den Hunger nach Menschsein. Im Spiegelbild solcher als „Bequemlichkeit“ und „Sicherheit“ verkaufter Technikverwendung zeigt sich der infantile Charakter der Gesellschaft genau so deutlich wie das auf infantilem Niveau zurückgebliebene Denkvermögen.

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