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Träume verwirklichen

Du willst deine Träume verwirklichen? Das geht aber nur, wenn du erst einmal aufwachst.

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Der Tisch

Ich träumte, dass sich ein bezahlter Sozialarbeiter auf meinem Weg um mich kümmere, damit er mich verkümmern macht. In der Person dieses Sozialarbeiters überlagerten sich zwei Menschen, die mir früher einmal wichtige Freunde waren, mit denen ich viel viel sprach, die aber jetzt eben so gut auf dem Mars leben könnten, so fern sind sie von meinem Leben an der unsichtbaren Kette ihrer systemisch kontrollierten Bedürfnisse. Auch ein Lehrer, der in meiner Kleinzeit mir gegenüber den Menschen heuchelte, fand sich in den Gesten dieser Überlagerung. Er redete lange auf mich ein, um mich Erwachsenen zu erziehen, um mich, den Lächelnden und Vorübergehenden, zu dem zu führen, was er für Glück hielt.

Und. Er hatte einen gewissen Erfolg damit, weil ich Hunger hatte, selbst noch im Schlafen. Denn er lud mich, ganz unverbindlich, wie er in der Lüge der Werber sagte, dazu ein, dass ich doch einfach einmal kommen sollte, um wenigstens zu essen. Diese Menschen, die dafür bezahlt werden, dass sie an der Assimilation arbeiten, verpacken ihre Gewalt ja immer als ein Angebot, das freiwillig angenommen werden könnte, und sie verschweigen. Immer den Hunger und Einsamkeit und die Angst; diese Peitsche, die Menschen so scharweis in jene professionell kalte Hölle treibt, in der sie ihren Job machen.

Noch im Traum wusste ich das. Und lachte darüber. Aber ich kam, denn ich hatte Hunger. Dort. War ein großer, grellweiß neonflackernder Raum mit einem Tisch, an dem etwa fünfzig Menschen saßen. Als dieser Sozialarbeiter mich kommen sah, konnte er das Triumphierende in seiner Haltung kaum unterdrücken, aber er musste mich ja „professionell“ behandeln und tat dies auch in großer Geübtheit. Er rückte mir in gespielter Demut und Dienstbarkeit einen Stuhl an den großen Tisch, direkt neben seinem Platz, damit er besser vor dem Druck der versammelten Runde auf mich einreden könnte. Am Tisch das Schweigen des Elendsgemeinschaft. Alle dort bekamen das, was sie dort haben wollten: Einen schmalen Teller und kleine Geschenke. Nur ich nicht, denn „ich war ja noch nicht dabei“, aber ich könnte natürlich „freiwillig und in eigener Verantwortung“ mitmachen. Doch der Traum macht die Seele frei von der strukturellen Gewalt, deshalb flüchtet man auch so gern in ihn. Und so. Konnte ich dieser Ansage heiter entgegentreten und diesem Wolf im Schafspelze erklären, was er da gerade tut, was er an mir und anderen tut. Noch, als er vom Tode sprach — auch diese Wucht musste er an mir probieren — blieb ich heiter und sprach vom Leben, dass dem Tod vorangeht und dem Lebenden Alles ist. Die anderen Menschen an diesem großen Tisch hatten ihre bohrenden und gefräßigen Blicke auf mich gerichtet, sie sahen aus, als wollten sie jeden Moment die verinnerlichte strukturelle Gewalt an mir ausleben, doch sie waren während dieser Situation wie versteinert. Das Klappern der Bestecke, der Grund dieses Ortes, war. Verstummt. Ich stand auf und ging aus diesem grellen Raum in eine hungrige, graue Trübsal, die mir in diesem Kontrast wie ein warmes Licht erschien.

Und. Ich erwachte aus dem Albtraum. Ich musste weinen, weinen um meine zwei Freunde, die mir einst so viel bedeutet hatten, und die jetzt fernweit sind und um alle die anderen Menschen da drinnen. Es gibt Träume, die den Geschmack des Freitodes süß erscheinen lassen, Träume, in denen sich das geraubte, enteignete, missbrauchte Leben spiegelt.

Traum

Es ist wahr, dass in der BR Deutschland jeder „seinen Traum“ leben kann — oder, genau gesagt: leben muss.

Unwahr ist hingegen, dass jeder Traum etwas Angenehmes wäre.

Verständlich ist es, dass angesichts der bedrückenden, kollektiven Wachalbträume so viele Menschen in der BR Deutschland jede nur erdenkliche Form der Narkose verwenden, in der verzweifelten Hoffnung, auf diese Weise wenigstens in ihre individuellen Albträume flüchten zu können. So entsteht ein schwunghafter Markt für alkoholische Getränke, dämpfende Psychopharmaka und weniger legale Drogen und für geistlösende mediale Produkte zur so genannten „Unterhaltung“.

Traum und kollektiver Wahn

So lange nur einer träumt, bleibt es ein Traum. Jeder weiß um die „Substanz“ eines Traumes, der dann entstehen kann, wenn sich die Aufmerksamkeit eines Menschen von der Außenwelt entkoppelt und den inneren, psychischen Quellen zuwendet — auch die so genannten „Tagträume“ fügen sich in dieses Muster. Niemand misst einer solchen, vom Narzissmus hervorgebrachten Halluzination eine Wirklichkeit zu, die eine gesellschaftliche Verbindlichkeit hervorruft.

Wenn aber viele Menschen den gleichen Traum haben, denn wird der Inhalt dieses Traumes von den Menschen für etwas wirkliches gehalten. Und. Diese Menschen fordern auch von anderen Menschen Teilhabe an diesem Traum, gleich, um welche narzisstische und meist größenwahnsinnige Illusion es sich dabei auch handeln mag.

Die überlieferte Geschichte und die Gegenwart lehren, dass die in solchem überpersonalen Prozess entstehenden Bedingungen immer etwas albtraumhaftes in sich tragen. Wer es merkt, der wache auf!