Tag Archive: Arbeit


Rindvieh

Er sagte zum Vorübergehenden: „Wir sagen: Arbeite wie ein Tier, damit du leben kannst wie ein Mensch“, aber es bedurfte nur weniger Minuten des Hinschauens und Zuhörens, um zu bemerken, dass er lebte wie ein Tier und arbeitete wie ein Sklave.

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Und nun die Lottozahlen

Jedes Mal, wenn des Samstags und des Mittwochs in den Nachrichtensendungen die Lottozahlen verlesen werden, ganz so, als seien sie eine richtige Nachricht, ist diese Meldung ein kleines Denkmal dafür, dass außerordentlich viele Menschen ihre von der Armut aufgezwungene Erwerbsarbeit nicht so beglückend finden, wie die Classe politique und ein ganzes Heer von bei der Gehirnwäsche mithelfenden Sozialpädagogen, Therapeuten und Journalisten ihnen immer wieder einzureden versuchen, dass ihre von der Armut aufgezwungene Erwerbsarbeit doch beglückend sei.

Sklaverei und Stagnation

„Einer der Gründe, weshalb nicht schon die Antike eine technische Zivilisation hervorbrachte, die sich etwa die Dampfkraft zunutze machte, war nicht das grundsätzliche Unvermögen der damaligen Menschen, sondern die Sklaverei“, sagte der Vorübergehende zum enttäuschten Sozialdemokraten. „Wenn die Arbeit des Sklaven billiger als die Erfindung und der Bau einer Maschine zur Erleichterung, letztlich Abschaffung dieser Maloche ist, dann wird die Maschine nicht erfunden. Und selbst, wenn sie jemand aus Freude am Denken und an der Menschenfreundlichkeit erfindet, wird sie nicht gebaut, weil sie bei aller objektiver Sinnhaftigkeit ökonomisch sinnlos ist. Hartz IV und ein staatlich subventionierter Billigarbeitsmarkt sind wirksame Maßnahmen zur Verhinderung technischen Fortschritts“.

Minimalinvasiv

„Wenn ich eine Gewerkschaft für die Angestellten im Öffentlichen Dienst wäre und den Nahverkehr bestreiken sollte, um dort angemessenere Gehälter zu erzwingen“, sagte der Vorübergehende leise zum gewerkschaftlich organisierten Mitmenschen, „dann würde ich das minimalinvasiv machen; bloß nicht alle Räder stillstehen lassen, um die vielen davon betroffenen, meist armen Menschen mit ihren teilweise existenziellen Problemen im Hartz-IV-Staat alleinzulassen. Ich würde nur für einige Wochen die Fahrkartenkontrolleure und die Menschen, die bei Fahrkartenverkaufsautomaten Wartungsarbeiten machen, das Geld leeren und Fahrkarten auffüllen und die Automaten damit betriebsbereit halten, streiken lassen — und Streikbrecherei durch flugs angestellte Zeitarbeits-Kontrolleure mit robusten Methoden unterbinden. Der Rückhalt und das Verständnis in jenem verarmten Teil der städtischen Bevölkerung, der auf den Nahverkehr angewiesen ist, wäre meiner Gewerkschaft sicher. Aber die vollständig korrumpierten BRD-Gewerkschaften, die offene Kumpanei zu ihren vorgeblichen Gegnern pflegen, während sie die Interessen ihrer Mitglieder verkaufen, werden sicherlich niemals auf so eine naheliegende Idee kommen“.

Wie es läuft

„Die gesamte Korruption der Politik und die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung basiert darauf, dass man sich auf diejenigen Menschen verlässt, die die eigentliche Arbeit machen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, und er setzte fort: „Und die Menschen machen auch immer weiter brav die eigentliche Arbeit, meist sogar, ohne sich auch nur eine Frage dabei zu stellen, und sie freuen sich wie die Hündchen, wenn einmal ein Krümel vom Tisch der Fresser fällt“.

Eine Arbeit, die es nicht einmal wert ist, bei der derzeitigen Kaufkraft des Euro mit mindestens fünfzehn Euro pro Arbeitsstunde entlohnt zu werden, ist es auch nicht wert, überhaupt getan zu werden.

Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes

Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.

Montag

Es ist nicht der Montag, der so scheußlich ist. Es ist deine Arbeit.

Vollbeschäftigungswahlversprechen

Hauptsache Arbeit“ ist so 1933, und der Leitspruch der Asozialen „Sozial ist, was Arbeit schafft“ ist im gleichen Sinne „sozial“ wie der Nationalsozialismus. Schon im Jahr 2033 werden wohl rund fünfzig Prozent der jetzigen Jobs ersatzlos weggefallen sein, weil der Fortschritt zur Folge hat, dass Maschinen arbeiten und Menschen sich angenehmeren Dingen zuwenden können.

Belohnung

Je härter du arbeitest, desto schöner wird der Urlaub, den sich dein Ausbeuter nehmen kann.

Alltag

„Alltag“, sagte der Vorübergehende zu seinem von Arbeit gebeugten Zeitgenossen, „ist die Bezeichnung für alle diese scheußlichen Tage, an denen das Drängende und Dringende über das Werte und Wichtige obsiegt. Wohl dem, der nicht nur Alltag hat“.

Harte Arbeit

Jedes Mal, wenn einer dieser schmierigen SPD-Politiker angesichts der gestrigen Wahlniederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen davon faselt, dass die als „wir“ bezeichnete SPD bis zur Bundestagswahl noch „harte Arbeit“ in der „Vermittlung ihrer Inhalte“ zu bewältigen habe, muss ich unwillkürlich an den Fliesenlegerhelfer denken, der für einen Mindestlohn, von dem man in der BRD nicht leben kann, malocht — getrieben vom SPD-gewollten Hartz-IV-Jobcenterterror, ausgebeutet in SPD-gewollter Zeitarbeit, verspottet in SPD-naher Presse als ein Proll, Dummkopf und Neofaschist, weil er eine Partei, die alle seine für Menschen mit normaler menschlicher Empathiefähigkeit nachvollziehbaren Lebensinteressen mit Füßen tritt und dabei zum höheren Hohn auch noch mit „sozialer Gerechtigkeit“ werbelügt, mangels Selbsthass nicht mehr wählen kann. Was die schöngerechneten Zahlen sinkender Arbeitslosigkeit bedeuten, mit denen der falsche Glanz angeblicher Erfolge allmedial ins „politische Bewusstsein“ geätzt werden soll, weiß dieser an seinem eigenen Leben und am Leben seiner Freunde wohl zu deuten und zu verstehen. So viel Bier, dass man sich als Betroffener der SPD-Politik die SPD „schönsaufen“ kann, gibt es im ganzen Lande nicht. Selbst zwanzig Prozent. Wären noch ein viel zu gutes Ergebnis gewesen. Denn die Profiteure der SPD-Politik sind eine sehr kleine Minderheit, ihre Opfer hingegen sind die vielen Menschen, die mit wahrhaft harter Arbeit den Profit jener Minderheit zu steigern helfen und dafür nichts als Verachtung empfangen.