Tag Archive: Arbeit


Billigkraft

„Ich bin ja der festen Überzeugung, dass die alten Griechen und Römer, die so beachtliche Leistungen der Ingenieurskunst hinbekommen haben, nur deshalb keine weitgehende Automatisierung der Arbeit angestrebt haben“, sagte der Vorübergehende zu seinem Mitmenschen im Vorübergehen an einer Filiale einer Zeitarbeitsfirma, „weil sie durch die Sklaverei billige und ausgelieferte Arbeitskraft in großen Massen hatten, so dass sich die Automatisierung nicht lohnte. Wer Menschen versklavt, Zwangsarbeit einführt und Löhne drückt, verhindert den Fortschritt“.

Tönnies

Logo von Tönnies -- Ein lächelndes Schwein, eine lächelnde Kuh und ein lächelndes Rind; die Schwänze von Kuh und Rind sind nach oben gestreckt und formen ein Herz

Ich empfinde tiefe Verachtung, ja, Ekel gegenüber allen diesen lichtscheuen Gestalten aus dem politisch-journalistischen Komplex, die erst dann bemerken, dass es in der industriellen Produktion von Lebensmitteln eine systematische Ausbeutung von Armen und Ausländern unter anachronistisch anmutenden Arbeitsbedingungen gibt, wenn dabei auch mal eine Seuche ausbricht, die in ihrer Gefährlichkeit auch die Besitzenden und Inländer erreichen könnte. Wer von denen geschützt werden soll, die erst jetzt in die Kameras und Mikrofone hinein nach Regulierung schreien, wird im Spiegel dieses Geschehens überdeutlich.

Unterdessen. Läuft der Betrieb einfach weiter. Und einige Bürgersöhne und Bürgertöchter mit kitschegrünem Bambi-Hintergrund oder gelbschwarzem Bananengeschmack fordern massenmedial verstärkt, dass das Fleisch teurer werden muss, weil der Preis ja sofort die Zustände ändert, und denkt doch mal bitte an die armen Tiere. Die Menschen. Sind ihnen dabei genau so gleichgültig wie bei der Einführung von Hartz IV und legalisierter Sklaverei durch Zwangszeitarbeit.

Tod eines Arbeiters

Foto einer Zeitungsanzeige -- Grenzenlos pietätlos -- Redaktion VW Wolfsburg II -- Wie menschenverachtend bei VW mit den Kollegen umgegangen wird, das versteht keiner mehr! Nachdem sich ein offensichtlich kranker Kollege mehrere Tage ins Werk geschleppt hat, wurde es dann doch zu viel für ihn. Am Dienstag, dem 10.12.2019 brach der Kollege A., 59 Jahre alt, während der Nachtschicht auf dem Weg aus der Pause am Heber in der Halle 12 mit Herzinfarkt tot zusammen! Bis der Notarzt und die Polizei ihre Arbeit beendeten und ein Bestatter den Verstorbenen abholte, lag dieser für mindestens 2 Stunden an der Linie, die natürlich nicht gestoppt wurde. Stattdessen wurde der verstorbene Kollege hinter einigen Materialkisten versteckt und mit einer Plane abgedeckt. Die Kollegen mussten dann an ihm vorbei fahren, um die Linie zu versorgen. Als sich einige über diesen Zustand erregten, wurden sie vom Meister mit den Worten zur Arbeit geschickt: »Der ist eh tot, der merkt nichts mehr!«. Ein weiterer merkte noch an: »Wenn die Alten sterben, ist mehr Platz für die Jüngeren!«. Wie asozial und gefühlsfrei sind die Führungskräfte bei VW geworden, die doch immer, wenn Mehrarbeit ansteht von einer »Familie« schwafeln? Was wäre wohl alles getan worden, läge stattdessen ein Vorstandsmitglied in der Halle? Kein Vorgesetzter muss sich so verhalten! Die Schuld haben letztlich die, die davon profitieren kranke Menschen zur Arbeit zwingen, die den Fortgang der Produktion höher bewerten, als den Anstand gegenüber Verstorbenen und die Meister absetzen, die »zu weich« sind! -- Der Vorwärtsgang spricht den Hinterbliebenen seine tiefe Anteilnahme aus!

via @arbeitsunrecht@twitter.com

Rindvieh

Er sagte zum Vorübergehenden: „Wir sagen: Arbeite wie ein Tier, damit du leben kannst wie ein Mensch“, aber es bedurfte nur weniger Minuten des Hinschauens und Zuhörens, um zu bemerken, dass er lebte wie ein Tier und arbeitete wie ein Sklave.

Und nun die Lottozahlen

Jedes Mal, wenn des Samstags und des Mittwochs in den Nachrichtensendungen die Lottozahlen verlesen werden, ganz so, als seien sie eine richtige Nachricht, ist diese Meldung ein kleines Denkmal dafür, dass außerordentlich viele Menschen ihre von der Armut aufgezwungene Erwerbsarbeit nicht so beglückend finden, wie die Classe politique und ein ganzes Heer von bei der Gehirnwäsche mithelfenden Sozialpädagogen, Therapeuten und Journalisten ihnen immer wieder einzureden versuchen, dass ihre von der Armut aufgezwungene Erwerbsarbeit doch beglückend sei.

Sklaverei und Stagnation

„Einer der Gründe, weshalb nicht schon die Antike eine technische Zivilisation hervorbrachte, die sich etwa die Dampfkraft zunutze machte, war nicht das grundsätzliche Unvermögen der damaligen Menschen, sondern die Sklaverei“, sagte der Vorübergehende zum enttäuschten Sozialdemokraten. „Wenn die Arbeit des Sklaven billiger als die Erfindung und der Bau einer Maschine zur Erleichterung, letztlich Abschaffung dieser Maloche ist, dann wird die Maschine nicht erfunden. Und selbst, wenn sie jemand aus Freude am Denken und an der Menschenfreundlichkeit erfindet, wird sie nicht gebaut, weil sie bei aller objektiver Sinnhaftigkeit ökonomisch sinnlos ist. Hartz IV und ein staatlich subventionierter Billigarbeitsmarkt sind wirksame Maßnahmen zur Verhinderung technischen Fortschritts“.

Minimalinvasiv

„Wenn ich eine Gewerkschaft für die Angestellten im Öffentlichen Dienst wäre und den Nahverkehr bestreiken sollte, um dort angemessenere Gehälter zu erzwingen“, sagte der Vorübergehende leise zum gewerkschaftlich organisierten Mitmenschen, „dann würde ich das minimalinvasiv machen; bloß nicht alle Räder stillstehen lassen, um die vielen davon betroffenen, meist armen Menschen mit ihren teilweise existenziellen Problemen im Hartz-IV-Staat alleinzulassen. Ich würde nur für einige Wochen die Fahrkartenkontrolleure und die Menschen, die bei Fahrkartenverkaufsautomaten Wartungsarbeiten machen, das Geld leeren und Fahrkarten auffüllen und die Automaten damit betriebsbereit halten, streiken lassen — und Streikbrecherei durch flugs angestellte Zeitarbeits-Kontrolleure mit robusten Methoden unterbinden. Der Rückhalt und das Verständnis in jenem verarmten Teil der städtischen Bevölkerung, der auf den Nahverkehr angewiesen ist, wäre meiner Gewerkschaft sicher. Aber die vollständig korrumpierten BRD-Gewerkschaften, die offene Kumpanei zu ihren vorgeblichen Gegnern pflegen, während sie die Interessen ihrer Mitglieder verkaufen, werden sicherlich niemals auf so eine naheliegende Idee kommen“.

Wie es läuft

„Die gesamte Korruption der Politik und die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung basiert darauf, dass man sich auf diejenigen Menschen verlässt, die die eigentliche Arbeit machen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, und er setzte fort: „Und die Menschen machen auch immer weiter brav die eigentliche Arbeit, meist sogar, ohne sich auch nur eine Frage dabei zu stellen, und sie freuen sich wie die Hündchen, wenn einmal ein Krümel vom Tisch der Fresser fällt“.

Eine Arbeit, die es nicht einmal wert ist, bei der derzeitigen Kaufkraft des Euro mit mindestens fünfzehn Euro pro Arbeitsstunde entlohnt zu werden, ist es auch nicht wert, überhaupt getan zu werden.

Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes

Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.

Montag

Es ist nicht der Montag, der so scheußlich ist. Es ist deine Arbeit.

Vollbeschäftigungswahlversprechen

Hauptsache Arbeit“ ist so 1933, und der Leitspruch der Asozialen „Sozial ist, was Arbeit schafft“ ist im gleichen Sinne „sozial“ wie der Nationalsozialismus. Schon im Jahr 2033 werden wohl rund fünfzig Prozent der jetzigen Jobs ersatzlos weggefallen sein, weil der Fortschritt zur Folge hat, dass Maschinen arbeiten und Menschen sich angenehmeren Dingen zuwenden können.