Tag Archive: Arbeit


Die gleichen Leute

„Es sind die gleichen Leute“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin mit dem wehen Rücken, „die dich bis zum siebzigsten Lebensjahr arbeiten lassen wollen, um damit die massive Rentenkürzung in einer anderen Konstruktion vor deinem Blick zu verschleiern, die dich aber ab dem vierzigsten Lebensjahr kaum noch einstellen wollen, um dich für deine Arbeit zu bezahlen“.

Nachtschicht

Der einst — nicht etwa aus Menschlichkeit, sondern zur Verhinderung einer kommunistischen Revolution — durch eine Rentenversicherung finanzierte Lebensabend auf dem Gnadenhof des Sozialstaates wird scheibchenweise durch eine müde und schmerzhaft durchgearbeitete Nacht ersetzt, an deren „Feierabend“ kein neuer Morgen, sondern eine Begräbnisfeier steht.

Hochdruck

Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Ausfalls

Vodafone in einer typischen Presseerklärung zu technischen Problemen

Mir, und vermutlich nur nur mir, wäre es ja lieber, die Techniker arbeiteten nicht unter einem selten hilfreichen Hochdruck (neudeutsch auch „Stress“ genannt), sondern besonnen, gründlich und effizient (und würden dafür auch sehr gut bezahlt). Eine solche Haltung führte nicht nur schneller zur Behebung der technischen Probleme, sondern hülfe vielleicht sogar, zukünftige Probleme zu verhindern.

Siebzehnter Juni

„Hach ja, damals“, sagte der Vorübergehende zu seinem verdummten Zeitgenossen, „als eine Arbeitsnormerhöhung um zehn Prozent zu einem Volksaufstand in der DDR führte. Heute machen die Angehörigen der Classe politique so etwas zwar in der gleichen Größenordnung, aber in viel geschickterer Verpackung: Sie erhöhen das Renteneintrittsalter. Und es funktioniert so verpackt ganz hervorragend. Die Menschen arbeiten rd. zehn Prozent mehr, ohne einen persönlichen Vorteil dadurch zu haben; ja, einige sind dabei sogar froh, Arbeit zu haben und nicht auf Hartz fear im rechtsfreien Raum des Sozialsystems angewiesen zu sein. Nichts ist so wirksam wie die Kombination aus Angst und Propaganda“.

Kapitalistische Lohnformel

Je offensichtlicher eine Arbeit eine unmittelbare Erledigung von Dingen ist, die aus zivilisatorischen oder schlicht menschlichen Gründen getan werden müssen, desto geringer wird diese Arbeit entlohnt und geachtet. Die mit Geld und Ansehen arbeiten nicht.

Würdelose Angst

Menschen, die Angst davor haben, dass ihr „Job“ demnächst von einer Maschine übernommen werden könnte, haben nicht das geringste Gefühl für ihre eigene Würde. Eine Arbeit, die von einer Maschine verrichtet werden kann, ist schlicht menschenunwürdig — und ein Fortschritt, der auch einen Nutzen für Menschen hat, besteht darin, immer mehr Arbeit auf Maschinen zu verlagern, so dass sich Menschen würdigeren Dingen widmen können.

Leistung muss sich wieder lohnen

Wenn Menschen durch harte Arbeit reich würden, dann wäre jeder Bauhelfer ein Millionär.

Wer nichts wird, wird nicht mehr Wirt…

Ausgehängtes, großes Transparent am Jobcenter Hannover: BiZ Berufs Informations Zentrum -- Blaulichttag im BiZ, Berufe in Uniform stellen sich vor! Samstag 13. Juni von 10:00 bis 14:00 Uhr im BiZ

…sondern Polizist, Soldat oder sonstiges menschliches Verschleißmaterial für den gewaltsamen Aufrechterhalt von Zuständen, die dringend verändert werden müssen.

Übrigens: Schönes bundesbehördliches Deppen Leer Zeichen in „Berufs Informations Zentrum“. Offenbar müssen Beamte auch kein fehlerfreies Deutsch mehr können, was die Einstiegshürde noch weiter heruntersetzt.

Sei bedingungslos arbeitswillig oder verrecke!

Antikes Schild an einer Haustür in Hannover: Mitglied des Vereins gegen Hausbettelei und Obdachlosigkeit -- Werkheim für Arbeitswillige: Büttnerstraße No. 12

Von den bourgeoisen Auffassungen, die sich einst in solchen Schildern an Haustüren manifestiert haben, bis hin zur gegenwärtigen „Sozialpolitik“ der CDUSPDCSUFDPGRÜNETC führt ein gerader Weg, der auch völlig unbeirrt durch den Hitlerfaschismus geführt hat. Der Schlachtruf der heutigen Menschenverachter, dieses unsägliche „Sozial ist, was Arbeit schafft“, ist für die gleichen Ohren bestimmt wie „Arbeit macht frei“ — und weder die so in die geistige Umnachtung schreienden Münder noch die auf solche Blutrede ansprechenden Psychen lassen sich nur eine Sekunde lang davon beirren, dass sich das Zeitalter der Arbeit zum Ende neigt, dass absehbar ist, dass sich in recht naher Zukunft eine wesentlich größere Menge Güter mit sehr viel weniger menschlicher Arbeit erzeugen lässt. Nein, stattdessen wird den Menschen, deren Arbeitskraft niemand mehr so bezahlen will, dass sich davon leben lässt, die Schuld für den geringen Marktwert ihrer Arbeitskraft zugeschoben und mit dem amtsmürrisch und niemals als sichernd empfindbar gewährten Dasein im weitgehend rechtlosen Zustand namens „Hartz IV“ abgestraft.

Lebenslauf

Er hat Lücken in seinem Lebenslauf; ja, Zeiten, in denen er einfach gelebt hat und nicht getan hat, was andere von ihm wollten… das ist nachteilhaft am „Arbeitsmarkt“.

Der gut geschützte Jugendliche

Er ist fünfzehn Jahre alt, der gut geschützte Jugendliche, und damit im Rechtsraum der Bundesrepublik Deutschland zu jung für die allermeisten Dinge. Nur für eines ist er alt genug, ja, er soll und muss es sogar: Wissen, welchen Beruf er für den Rest seines Lebens ausüben will.

Die „Freien“

Menschen, die ihr Auto brauchen, damit sie zur Arbeit kommen, und die arbeiten, damit sie sich ihr Auto leisten können. Und. Die diesen Kreis für eine „Freiheit“ halten.

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