Archive for Dezember, 2016


Postfaktische Scheinpanik

Die scheinbare Panik vor Desinformation, die große Bereiche der classe politique erfasst zu haben scheint und im Begriff der fake news und des im Sommer dieses Jahres von Angela Merkel geprägten Wortes vom Postfaktischen greifbar geworden ist, ist keine Panik wegen der Desinformation, sondern wegen der Tatsache, dass die von Herrschenden ansonsten stets gewünschte Desinformation der Bevölkerung nicht mehr unter alleiniger Kontrolle der classe politique und ihrer Speichellecker steht. Sie ist ein Spiegelbild der eigenen Demagogie des Herrschaftsapparates und seiner Strukturen, die in einem erheblich werdenden Anteil der Bevölkerung nicht mehr die gewünschte manipulative und meinungsprägende Wucht und Wirkmacht entfalten kann.

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Staatsdesign

Es muss demokratisch aussehen, doch wir müssen alles in der Hand haben

Walter Ulbricht

Die Wahrheit vor der Wahl? Das hätten Sie wohl gerne gehabt…

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler

Es ist schon von erheblichem realsatirischen Liebreiz, dass ausgerechnet Zeitgenossen mit Parteihintergrund, die durch systematische und allmedial vorgetragene Wahlkampflügen in politische Ämter der Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, unter dem Banner der gefährlichen fake news gegen die Lügen im Internet vorgehen wollen…

Oder, um es mit einem anderen Zitat des oben schon erwähnten Politikers zu sagen:

Diese Arschlöcher im Internet labern immer nur Scheiße und haben gar keine Ahnung!

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler [Archivierte Version]

Dankbares Nicken

Spendenbox: Die Negerfigur nickt dankbar beim Einwurf einer Münze

Screenshot: Wikimedia Commons (im Browser dargestelltes Foto: Güwy, Lizenz CC BY-SA 4.0) | Größerer Screenshot

Die Blindgläubigen

Jene, die tröstliche und feierliche Gedenk- und Trauergottesdienste für die Opfer religiös motivierten Massenmordes abhalten, sind in gleicher Weise von ihrer Gottesidee am Gehirne kastriert wie die Mörder; sind ein Spiegelbild dessen, was sie entsetzt.

Spießer

„Noch niemals waren die deutschen Spießer so kalt, selbstgerecht und widerwärtig wie heute“, sagte der Vorübergehende, als das Gespräch auf die Wähler der Grünen kam.

Wegen Überfüllung geschlossen

Sicherlich wäre es möglich gewesen, Anis Amri, den Mörder von Berlin, wegen akuter Fremd- und Eigengefährdung in eine forensische Psychiatrie der BRD zwangseinzuweisen, nachdem Polizeien und Nachrichtendiensten bekannt geworden war, dass er sich für ein religiös motiviertes Selbstmordattentat zur Verfügung gestellt hatte. Aber leider war kein Platz mehr in den forensischen Psychiatrien der BRD, sind sie doch voll mit den Gustl Mollaths, derer Namen und Geschichten niemals mehr gedacht werden soll, damit auch alles so bleibe. Wie es ist.

Terrorexperte

„Oh, die haben einen Terrorexperten für die Nachrichtensendung“, sagte der Vorübergehende, weil es ihm so unwiderstehlich juckte, „der hat doch sicherlich viele Jahre lang als Terrorist gearbeitet“.

Als dem Vorübergehenden von einem seiner bildungsprahlenden Zeitgenossen mit Soziologiestudiumshintergrund das Zitat von Victor Marie Hugo „Nichts auf der Welt ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ ins Gehirn geschlagen wurde, erwiderte er nur: „Ja, das stimmt. Aber die meisten dieser Ideen sind sehr dumm, wie du durch einen einfachen Rückblick überprüfen kannst“.

Je suis stupide

Sie hashtaggen „Je suis Berlin“, ganz so, als ob man hier französisch spräche oder als ob „Ich bin Berlin“ unanständig klänge. In der Schablonen- und Phrasenhaftigkeit der Reaktionen spiegelt sich jener nach pawlowscher Methodik massenmedial aufkonditionierte Reflex wider, der unter Umgehung höherer Funktionen des Gehirnes zum Verhalten (und nicht zum Handeln) wird, und sei es auch noch so dumm, maschinenhaft, kalt und sinnlos — hauptsache, es sorgt für eine schnelle emotionale Abfuhr des Individuums in der gleichsam post- wie parareligiös vorgetragenen Liturgie der Masse.

„Ich bin nur noch müde davon, traurig zu sein; ich werde jetzt einfach weitermachen, ohne etwas dabei zu fühlen“, sagte sich der Mordläufer vor seinem Mordanschlag.

Tweet von @PolizeiBerlin_E (PolizeiBerlinEinsatz, verifizierter Twitter-Account): Bitte verbreiten Sie keine Videos vom Ereignisort im Netz.So schützen Sie die Privatsphäre der Opfer & ihrer Angehörigen. #Breitscheidplatz

Leider wurde diese für jeden Menschen mit einer Grundausstattung an Empathie nachvollziehbare Aufforderung weder an die direktübertragenden Fernsehsender mit ihren bewegten und bewegenen Bildern direkt vom Tatort noch an die Gossenjournalisten von bild (punkt) de gegeben, die sofort ihren Artikel „mit Video“ fertig hatten und routiniert einen Live-Ticker mit den Bildern des Anschlags nachlegten — beide in erster Linie, um die so geschaffene Aufmerksamkeit für die Werbeplätze umso besser vermarkten zu können. Vermutlich handelt es sich um das gleiche Geschmeiß, das morgen schon in seinen fake news über die gleichermaßen respektlosen wie verlogenen, stets um Aufmerksamkeit buhlenden Internetnutzer reden wird, denen man sofort gesetzliche Schranken und eine weitgehende Zensur auferlegen muss.

Alle Screenshots von bild (punkt) de via @benediktg@gnusocial.de — mich lässt dieses Drecksblatt zum Glück nicht mitlesen, weil ich nicht gewillt bin, Sicherheitseinstellungen meines Webbrowsers zu lockern.