Archive for Mai, 2008


Weltschaben

Der Quantenmechanik hat die Menschheit die noch recht neue Einsicht zu verdanken, dass alle Erscheinungen im Kosmos wellenförmig sind, dass sie in ihrem Wesen einfach nur sich überlagernde Schwingungen sind. Die Erkenntnis, die noch fehlt, besteht darin, dass der Eindruck von Materie überall dort entsteht, wo diese Schwingungen nicht harmonieren. Sondern. Ein stummes und für unsere Wahrnehmung abstrakt bleibendes Äquivalent für einen dissonanten, kreischenden Lärm sind. Wo die Menschen einst glaubten, dass eine klangvolle Harmonie des Kosmos alles Seiende durchwest, da wird es Zeit, dass sie mit den Ohren ihrer Erkenntnis den wirklichen Klang alles Materiellen zu hören beginnen: Das Weltschaben.

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Zur Wahrnehmung von Grenzen

Die Tatsache, dass das menschliche Bewusstsein nicht die Realität ist, sondern dass die vom Bewusstsein erzeugten wirksamen und damit wirklichen Erfahrungen und Wahr-Nehmungen lediglich ein vom Gehirne erzeugter Spiegel der Realität sind, lässt sich mit erstaunlich einfachen Experimenten belegen. Einige dieser Experimente sind so leicht durchführbar, dass sie von jedem Menschen mit geringem Aufwand reproduziert werden können. Dennoch sind diese — und ihre ent-täuschenden Resultate — viel zu wenig bekannt.

Eine „Leistung“ — vielleicht wäre „Illusion“ ein besseres Wort dafür — unseres Bewusstseins ist zum Beispiel die Wahr-Nehmung scharf abgegrenzter Entitäten in der Umwelt und die gleichzeitige Selbst-Wahr-Nehmung als von der Umwelt abgegrenzte, frei und unabhängig agierende Wesenheit. Denkt man nur einen Moment darüber nach, so stellt man fest, dass dieses vom Gehirne erzeugte Abbild nicht der Realität entsprechen kann. Denn die Grenzen der Dinge sind keineswegs scharf, alles befindet sich in stetem Fluss und in Wechselwirkung mit seiner Umwelt, formt sich gewissermaßen erst als vorübergehendes Resultat dieses unablässig ablaufenden Prozesses. Und. Die Grenzen des eigenen Körpers in seinem Fließgleichgewicht, der beständig aus seiner Umwelt aufnimmt und an seine Umwelt abgibt, sind noch viel diffuser als etwa die einer Tastatur oder einer Kaffeetasse. Das einzige. Was in Realität existiert. Ist die Einshaftigkeit des gesamten, unverstanden als Prozess über allem ablaufenden Kosmos. Dessen tatsächliche Existenz so unbemerkt an unserem, im Spiegel des Selbstes erscheinenden Sein vorbeifließt wie die Existenz der in die Form eines Computers gegossenen Logik am Sein einer Kröte. Aus dem Gefängnis der Bedingtheit des eigenen Bewusstseins gibt es kein Entkommen, und die vom Bewusstsein vorgespiegelte eigene Freiheit oder gar Unabhängigkeit ist eine gefährliche Selbst-Täuschung.

Wie wenig sich ein Mensch auf die Wahrnehmung seiner eigenen Körpergrenzen verlassen kann, zeigt ein leicht durchführbares Experiment, das deutlich macht, wie dieses bewusste und schon vorbewusst für wahr und unzweifelhaft gehaltene Bild — vom Bewusstsein unbemerkt — erst durch das Gehirn aus Wahrnehmungen erzeugt wird. Bei der Durchführung des Experimentes wird ein lebloses Stück Kunststoff als Bestandteil des eigenen Körpers empfunden; ein Ergebnis, das den meisten Menschen wohl recht unglaubwürdig erscheint. [Die folgende Übersetzung aus dem Englischen ist von mir, ich habe mich wegen des informellen Stiles für die Du-Form bei der Wiedergabe entschieden.]

Zur Durchführung werden benötigt

  • Ein Freund
  • Eine recht realistisch nachgebildete Hand oder ein Arm aus Gummi

Durchführung

  • Lege einen deiner Arme hinter einem Sichtschutz oder hinter einem Kasten auf den Tisch! Lege den Arm so hin, dass du ihn nicht sehen kannst!
  • Positioniere den Arm [oder die Hand] aus Gummi so auf dem Tisch, dass es [von der Lage her] aussieht, als handele sich um deinen eigenen Arm [oder deine eigene Hand]! Schau dir diese Hand [aus Gummi] an.
  • Nun bitte deinen Freund, dass er gleichzeitig über deine wirkliche Hand und deine scheinbare Hand [aus Gummi] streiche.
  • Es muss in identischer Weise über die beiden Hände gestrichen werden. Auf beiden „Händen“ müssen einander entsprechende Teile zur gleichen Zeit berührt werden.
  • Du bekommst die skurrile Wahrnehmung, dass die künstliche Hand aus Gummi zu dir gehört.

Bevor ihr anfangt, bitte deinen Freund darum, dass er ungefähr eine Minute nach dem Anfang des Experimentes unvermittelt und ohne Warnung sehr fest nach der Gummihand schlägt! Wie ist deine Reaktion?

Die Beschreibung dieses Experimentes habe ich über Brights — die Natur des Zweifels gefunden. Fröhliche Grüße nach Berlin zu O.H.

ARD-Videotext archivieren

Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht. Als Nichtanwender des immer obsoleter werdenden Mediums Fernsehen empfinde die Aufbereitung des ARD-Videotextes für das Internet als praktisch unbrauchbar. Sie macht den Eindruck, als gäbe es sie nur, um ein bisschen mehr die Rundfunkgebühr für Computerbesitzer zu rechtfertigen. Und deshalb werden auch nicht die technischen Möglichkeiten des neuen und alles in allem besseren Mediums Internet ausgenutzt. Es gibt kein Archiv und somit auch keine Möglichkeit, einen im Videotext erscheinenden Text dauerhaft zu verlinken. Stattdessen wurde die Flüchtigkeit des bestehenden Mediums bruchlos in das Internet gerettet, was in Bezug auf das Internet schon ein recht schmerzhafter Medienbruch ist — da hilft es auch nicht, dass mit einem Fetzen JavaScript die aktuelle Uhrzeit eingeblendet wird, als ob nicht seit 1985 jeder verbreitete Desktop eine Möglichkeit böte, die Zeit einzublenden, während man eine Information über den zeitlichen Stand der Meldung (außer natürlich bei den Börsenkursen, denn die sind ja ganz wichtig) vergeblich sucht.

Die Dürftigkeit dieses Angebotes ist insofern schade, als dass diese Kürzsttexte eben gerade durch ihre Kürze den Blick besonders scharf darauf richten, mit welchen Mitteln, Schwerpunkten und Verschweigungen die Redaktion der viel zu hoch geachteten Tagesschau den politisch und wirtschaftlich gewünschten Eindruck zu erwecken sucht.

Deshalb habe ich mich heute einmal an die Tasten gesetzt und ein kleines Python-Skript geschrieben, das mir gewisse Teile des dort Nachgerichteten in einer einzelnen Datei zusammenfassen kann. Das Ergebnis dieser Mühe stelle ich zum freien Download zur Verfügung, damit sich nicht noch einmal jemand anders diese Arbeit machen muss. Lizenziert ist das Programm unter der Piratenlizenz. 😉

Dies ist die aktuelle Version. Ältere Versionen finden sich am Ende des Textes.

Download-Link: Python-Skript zur Archivierung des ARD-Videotextes, V1.3

Das Skript ist — so weit ich das beurteilen kann — frei von Bugs. Ich habe es vorsätzlich so geschrieben, dass es als Modul in einer beliebigen anderen Python-Anwendung verwendet werden kann, sehe aber auch ein, dass einiges besser gehackt sein könnte. Die Kommentare sind knapp, aber für eine Anpassung an andere Bedürfnisse nach meinem Erachten ausreichend. Das im Skript enthaltene Beispiel gibt die zusammengestellten Texte einfach nur in die Standardausgabe aus, dieser Output kann mit Mitteln des Betriebssystemes in eine passend benannte Datei umgelenkt werden. Auf einem unixoiden System ist es auch sehr leicht, diese Ausgabe regelmäßig als Mail abzusenden, um auf diese Weise ein leicht durchsuchbares Archiv in seinem Mailclient anzusammeln.

Bei der Anwendung dieses Skriptes bitte ich zu bedenken, dass die Texte im ARD-Videotext einem Urheberrecht unterliegen und nicht einfach zweitverwertet werden dürfen.

Ältere Versionen

Geldball

Dies ist eine Fußballfreie ZoneEs ist doch immer wieder von leuchtender Klarheit, wie sich in der Kunstsprache der allgemeinen und totalen Vermarktung jedes menschlichen Tuns jene Wahrheit widerspiegelt, die eben hinter dieser Künstlichkeit verborgen werden soll. Jene groß angelegte kommerzielle Veranstaltung, die früher unter dem Begriff einer „Fußball-Europameisterschaft“ völlig klar machte, dass dort nach Bällen getreten wurde, braucht nun endlich auch ihr griffiges und werbewirksames Blendwort. Dieses Wort ist frei von jedem Bezug auf die dabei ausgeübte Sportart und kann endlich mit fast jedem Inhalt gefüllt werden, was dem Marketing von irgendwelchen Nuss-Nougat-Pasten und anderen unkorrellierten Dingen mit offenen Armen und Händen entgegenkommt. Aber es ist bei allem Ringen um die Waren auch das Wahre dabei herausgekommen. Denn. Diese Veranstaltung heißt einfach nur noch „EURO„, ganz ganau so, wie die Währung der Gelder, die bei diesem faulen Zauber mit Druckluft in Schweinshaut entgegen der Schwerkraft von unten nach oben fallen sollen. Selbst noch die Entscheidung, dass dies Wort in Versalien geschrieben wird, ist Spiegelbild des Zustandes geworden. Denn. Das Geld wird dabei GANZ GROSS geschrieben.

Dies bleibt mein einziger Beitrag zur EURO 2008, dieses Blog ist eine fußballfreie Zone. Die zugehörige Grafik ist unter der Piratenlizenz veröffentlicht, so dass sich jeder daran bedienen kann.

Über das Leben

Das bisschen Lust ist den ganzen Schmerz nicht wert.

Mein Testament

Spart euch das blende Gefasel vom „Leben“, wenn ihr nur noch einen Madensack vor euch seht! Es kommt Jahrtausende zu spät. Wenn dem Menschen schon das Leben nicht mehr gelassen wird, denn lasst ihm wenigstens seinen Tod.

Spart euch die träntriefe Heuchelei eurer Trauer! Sie hilft keinem Toten. Und. Noch weniger den Lebenden. Formt Wut aus euren Tränen, und formt Taten aus eurer Wut! Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und das. Ist euer einziges Leben. Lasst einfach die Toten ihre Toten begraben!

Erlaubt dem wracken Leib einmal nur, zu sein, was er ist! Wenn ihr Lügen haben wollt, gibt es immernoch das Fernsehen und die Bildzeitung. Dafür. Braucht ihr keine Leiche. Auch keine Pfaffen. Und. Auch nicht die ölglatten Phrasen der professionellen Bestatter.

Verzichtet auf die giere Wertschöpfung! Wäre die Medizin in dieser Gesellschaft ein menschlicher Dienst am Menschen, denn könnten die Ärzte ja gern ausweiden, es täte mir nicht weh. Aber. Dass eines armen Menschen Totleib die Besitzenden gesünder und schöner und die weiße Brut der Ärzte reicher macht, während meine Freunde in unbehandelten Schmerzen vegetieren, das verbitte ich mir. Ausdrücklich. Für. Meine wehrlosen Reste Biomasse.

Sperrt mich nicht im lochen Gefängnis eurer Erinnerungen ein! Wendet euern Geist denen zu, die noch Zuwendung fühlen können, statt mit eures Hirnes Kräfte einen bequemen Zombie zu erschaffen, den ihr bei Bedarf trostsam durch eure Erinnerungen geistern lassen könnt! Ihr seid spätestens jetzt mehr als ich, denn ihr seid noch nicht tot. Lebt das! Damit. Es wirklich wird! Ein Denkmal aus fleischen Taten ist besser denn ein Kultort von Stein.

Grabt keine Grube! Erlaubt einem Menschen, der niemals leben konnte, wenigstens das Totsein! Gönnt meinen blauschwarzen Freunden, den Raben und Krähen, ihr Fresschen! Nehmt den Fliegen ihr Nest nicht weg! Und lasst auch den Bakterien eine dufte Pfütze Jauche zum geselligen Schlürfen! Keiner dieser Aasfresser ist so gierig wie die hochgeehrten Menschen, die sich von den Herzen der Lebenden ernähren. Ökologie. Gibt es nicht in stempeldruckten Klarsichtpackungen bei Edeka und Plus, die von essender Natürlichkeit schwätzeln.

Denkt an die Lebenden, wenn ihr an den Tod denkt! Und. Denkt an euch! Das hilft gegen den niederträchtigen Appell an die jetzige Bequemlichkeit, der in allen Vertröstungen auf ferne Zeiten das mögliche Leben niederknüppelt. Seid ungläubig! Weil. Ihr glaubt, was ihr in jedem bewussten Nerv wisst! Schickt frohen Mutes zur Hölle, die den Lebenden schon die Hölle bereiten!

Und. Wenn ihr dabei wirklich daran denkt: Sendet einen lachen Gruß von mir hinterher!

Das. Ist. Angemessenes. Gedenken.

Das Sonstige ist einfach. Weil. Ich nichts von Marktwert habe. Das lässt die Gier erlöschen und die Vernunft strahlen. Wer etwas als brauchbar erkennt, bediene sich! Es gehört niemandem mehr. Der Rest in die Flammen, in das Nichts. Wo. Mein verlebtes Sein schon angekommen ist.

Und. Wohin euer einst verlebtes Sein noch folgen wird.

Reliquien braucht nur, wer den Tod zum Kult erhebt, um das Leben mit seinen Möglichkeiten einzusperren und beutbar zu machen. Spart euch diesen knasten Schwachfug! Und. Lebt! Endlich!

Und. Heute!

Dankbarkeit

Zeitgenosse: „Wenn du wirklich nicht an einen Gott glaubst, wie du es immer sagst, wie kannst du denn dankbar sein? Und wem?“

Nachtwächter: „Über Gott habe ich doch gar nicht gesprochen, nur über Religion. Woher weißst du also, was ich glaube, Bruder? Und die Frage lautet auch gar nicht, wie oder wem ich dankbar sein kann. Sondern. Wofür. Dankbarkeit ist nur eine Haltung, die einsieht, dass man sein Leben nicht selbst gemacht hat und nicht selbst in der Hand hat, mehr nicht. Und. Eben in dieser Beschränkung ein wirksamer Selbstschutz gegen die Schamlosigkeit, die so vielem um uns herum ihren Stempel aufgedrückt hat.“

Schaut mal zum Jupiter!

So lange irdische Astronomen den Himmel mit Fernrohren beobachten, so lange richten sie die Fernrohre auch schon auf die Planeten unseres Sonnensystemes. Was mit bloßem Auge immer nur wie ein „wandelnder Stern“ aussah, entpuppte sich bei der Betrachtung mit einem Fernrohr als Objekt mit einer deutlich wahrnehmbaren Ausdehnung, als eine Scheibe, auf der sogar Details sichtbar wurden, als eine ganze Welt, ebenso groß und beeindruckend wie jene, auf der wir selbst leben.

Eines dieser Details wurde seit den ersten Tagen der optischen Astronomie mit Fernrohren beobachtet. Der Jupiter hat einen großen, roten Fleck, den man auch gleich in Ermangelung eines besseren Namens den „großen roten Fleck“ nannte. Die Astronomen ahnten schon früh, dass vom Jupiter nur eine Wolkendecke sichtbar würde, aber niemand konnte damals die Natur des großen roten Fleckens erklären, der über einen Zeitraum von 300 Jahren hinweg stabil beobachtbar war und nur gelegentlich leichtere Schwankungen in seinem Farbton oder seiner Form aufwies. Erst die unbemannte Raumfahrt klärte die Natur dieser Erscheinung beim Vorbeiflug der Voyager-Sonde auf: Es handelt sich um einen gigantischen Wirbelsturm.

Das ist an sich bereits interessant, aber für die meisten Erdbewohner eher unwichtig und deshalb kaum bekannt. Allerdings gibt es zurzeit auf dem Jupiter eine Entwicklung, die für Erdbewohner wichtig genug ist, als dass ich sie hier einmal kurz erwähnen muss, da sie einen wichtigen Bezug zur gegenwärtigen politischen Propaganda aufweist. Denn dieses bislang sehr stabile Wirbelsystem hat sich in der letzten Zeit aus noch unverstandenen Gründen stark verändert. Erst entfärbte sich der rote Fleck vor ein paar Jahren sehr viel deutlicher, als das in den vergangenen 300 Jahren jemals beobachtet worden wäre. Und nun ist eine weitere Erscheinung sichtbar, die in dieser Form noch niemals beobachtet wurde. Der große rote Fleck ist nicht mehr einmalig, es gibt inzwischen drei derartige Wirbelstürme auf dem Jupiter.

Was das bedeutet und was das mit der Erde zu tun hat? Auf dem Jupiter ist zurzeit eine planetare Klimaveränderung beobachtbar. Die Entstehung weiterer roter Flecken ist ein Hinweis darauf, dass es am Jupiter-Äquator immer wärmer wird.

Diese Erscheinung hat der Jupiter ja mit der Erde gemeinsam, denn auch auf der Erde haben wir ja einen Klimawandel, von dem die Medien so voll sind, dass wohl kaum noch jemand daran zweifelt. Allerdings wird von der politischen Propaganda hienieden verbreitet, dass der irdische Klimawandel auf den Ausstoß von Kohlendioxid zurückgehe und damit also menschlichen Ursprunges sei — und diese Propaganda verbindet sich mit allerlei zukünftigen Geschäftsmöglichkeiten, massiver Angstmacherei und teils wirren politischen Ideen.

Eine menschliche Quelle von irgendwelchen Treibhausgasen scheidet jedoch auf dem Jupiter völlig aus. Die Parallelität dieser beiden Ereignisse wirft also durchaus die Frage auf, ob die postulierten Ursachen für den irdischen Klimawandel plausibel sind. Um das Klima auf dem Jupiter und der Erde gleichzeitig zu verändern, ist eine andere Ursache erforderlich, die auf beide Himmelskörper in gleicher Weise wirkt. Hierfür kommt eigentlich nur der Energieausstoß der Sonne in Frage, der auch starken Schwankungen unterworfen ist. Angesichts der aktuellen Entwicklung auf dem Jupiter erscheint die zurzeit populäre Erklärung des Klimawandels durch von Menschen verursachte Emissionen von Treibhausgasen zumindest deutlich fraglicher. Wenn der gegenwärtig laufende Wandel wirklich auf eine Steigerung der solaren Aktivität zurückgeht, denn werden alle jetzt geforderten Maßnahmen völlig wirkungslos bleiben, sie sind ein teurer Aberglaube und werden wohl in den nächsten Jahren ein gutes Geschäft werden.

Ich habe diesen Text schnell und etwas gedrängt heruntergeschrieben und nicht mit ergänzenden Links versehen; jeder sei selbst aufgefordert, sich einer Suchmaschine zu bedienen und sich aus verschiedenen verfügbaren Quellen selbst ein Urteil zu bilden. Vielleicht ist eine Veröffentlichung der NASA ja ein guter Einstieg für jene, die leicht Englisch lesen können. Eventuell werde ich in den nächsten Wochen noch einmal gründlicher recherchieren, im Moment fehlt es mir ein bisschen an den Möglichkeiten hierzu. Dennoch halte ich die beschriebenen Fakten an sich bereits für ausgesprochen wichtig, um in die gegenwärtigen irrationalen Debatten ein wenig Vernunft zu tragen.

Der tierhafte Ernst und das tierhafte Unverständnis — Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier scheint darin zu bestehen, dass Menschen eine Einsicht in die zwangsläufige Tatsache ihres eigenen Todes erwerben können, ja, dies sogar müssen, wenn sie nicht vollends verblödet sind. Diese eine Einsicht. Verfügt durchaus über das Potenzial, ein Individuum wenigstens aus der Humorlosigkeit seiner existenziellen Bedingtheit in der allgemeinen Lebensnot zu erheben, wenn sie nur nicht angstvoll verdrängt wird. Der bewusstlose, tierhafte Ernst, der so vielen Verhaltensmustern irdischer Lebensformen anhaftet und ihnen zuweilen beinahe die Gestalt physikalischer Kraftwirkungen wie etwa der des Magnetismus gibt, er spiegelt den Ernst wider, der dort entsteht, wo die Begrenztheit und das Vorübergehende des eigenen Seins nicht erfasst werden können und deshalb nicht zum Handeln führen. Wer erst einmal bewusst ein Vorübergehender geworden ist, kann darüber oft nur lachen, ohne dass er dabei vollends zynisch würde.

Der Schwung der Kultur — Sowohl in der Entwicklung eines menschlichen Einzelwesens als auch in der Geschichte der Menschheit ist die Einsicht in die eigene Sterblichkeit ein schweres intellektuelles Problem und damit ein Ansporn zu großer geistiger Mühsal. Die bewusst wahr-genommene Tatsache des eigenen Todes, die jeden Menschen zu einer vorübergehenden und vergänglichen Erscheinung macht, wird zum Motor eines überpersonalen kulturellen Prozesses und bringt beachtliche Leistungen hervor, die überall dort fehlen, wo die Einsicht in die gebieterische Bedingung der individuellen Sterblichkeit unterdrückt wird. Ein kultureller Zerfall ist immer auch ein deutliches Zeichen für eine zunehmende Verdrängung des Todes. Und. Er führt immer auch in gesellschaftliche Zustände hinein, die in ihrer Verdummung und damit in der Verneinung des Individuums und in der Reduktion seiner Handlungsoptionen auf ein bloßes Verhalten-können ein eher tierhaftes Gepräge haben, dass oberflächlich an einen In-sekten-staat erinnert. Nur unter den Bedingungen eines solchen kulturellen Zerfalles. Ist etwa eine Verhaltensforschung am Menschen überhaupt möglich.

Die unsterbliche Seele — Die Einsicht in die eigene Sterblichkeit ist eine jüngere und höhere Funktion des bewussten Geistes. Den ebenso vollgültigen, aber unbewussten psychischen Möglichkeiten eines Menschen ist eine solche Einsicht nicht zugänglich. Die Psyche, in diesem Zusammenhange oft als „Seele“ bezeichnet, sie weiß nichts von ihrer Begrenztheit und Sterblichkeit, sie ist in dieser Frage einem tierhaften Narzissmus verhaftet und vollkommen dumm. (Sie ist es nicht in jeder Frage.) Das mag der tiefere Grund dafür sein, dass so vielen teilbewussten Techniken zur Verdrängung des Todes die Auffassung zu Grunde liegt, dass es im Menschen einen inhärent unsterblichen Anteil, eben eine Seele, gäbe — eine solche Auffassung deckt sich schließlich mit dem psychischen Selbstspiegel des sich so um die Wirklichkeit Betrügenden und kann allein aus dieser einen Erfahrung heraus genügend überzeugende Kraft entfalten, dass eine weitergehende bewusste Analyse dieser Konstruktion aus Bequemlichkeit unterlassen wird. Der Verzicht auf diese Form der Todesverdrängung würde schnell die Frage nach der stofflichen Bedingtheit des eigenen seelischen Anteiles aufwerfen und dabei wie von allein die Sterblichkeit auch der Seele als zwar unbequeme, aber doch hilfreiche und fröhliche Einsicht hervorbringen.

Hokuspokus — Der Aberglaube, und zwar jeder Aberglaube in seinem unverlarvt mit Fantasien psychischer Allmacht spielendem Zauber. Ist nichts weiter als ein leicht verzerrtes Abbild noch verbliebener, älterer psychischer Schichten aus der jüngeren Entwicklung der Menschheit im Spiegel einer für das Individuum zwar bequemen, aber auch unnötigen, unnützen, verantwortungslosen und in ihrer Bequemlichkeit recht unverschämten Dummheit. Er kann aber gerade durch seine oftmals rohe, sich der Einsicht aufdrängende Form mehr über den so genannten „Glauben“ der Religionen offenbaren, als es dieser religiöse „Glaube“ in seiner bestehenden, konventionellen und damit stark verschliffenen Form tun könnte. Auch darin. Dass die Tatsache der eigenen Sterblichkeit und Begrenztheit im Aberglauben durch den darbenden Trost einer schier unbegrenzten psychischen Wirkmächtigkeit verdrängt wird, die allerdings vom abergläubischen Menschen als hohen Preis fordert, dass er nicht reflektiert und verantwortungsvoll handle, sondern sich blind seinem Aberglauben entsprechend verhalte.

Die Religion des Todes — Zu den kulturellen Errungenschaften des Menschen, die der Einsichtsmöglichkeit in die eigene Sterblichkeit und den damit verbundenen psychischen und intellektuellen Problemen enthüpften, gehört auch die Religion. Das Todgeburthafte jeder Religion zeigt sich überklar im zentralen Platz, den Väterchen Tod im Gefüge des „Glaubens“ dieser Religion einnimmt. Das Angebot der Religion an die Menschen ist es, sich an der eigenen Sterblichkeit vorbeizumogeln, hierzu wird eine Form des umgewandelten Weiterlebens postuliert. Es ist dabei nicht von besonderer Wichtigkeit, ob es sich hierbei — wie in den meisten Fällen — um die psychisch so mundende Idee der „unsterblichen Seele“ handelt; oder ob eine Auferstehung der Toten postuliert wird, als würden diese sich nur kurz schlafen gelegt haben; oder ob gleich die Einmaligkeit des vorübergehenden Seins im linearen Zeitfluss geleugnet wird, indem ewige Zyklen des Existierenden behauptet werden, in welchen die Menschen reinkarnierend wiederkehren. Allen diesen Entwürfen gemeinsam ist die psychisch fatal wirkmächtige Leugnung des Todes. In der sich widerspiegelt. Dass der Tod das eigentliche Thema der Religion ist. Bei solcher Konstruktion nimmt es auch nicht Wunder, dass das Leben in allen seinen Möglichkeiten in so vielen Religionen eher gering geachtet, oft sogar offen verachtet wird. Die scheinbare „Todesverachtung“ jener, die sowohl sich selbst als auch andere Menschen kalten Herzens für ihre Religion opfern können, ist in Wirklichkeit nichts als Lebensverachtung.

Der Gott als Homunculus — Der Götterglaube ist ein Fortschritt der Erkenntnis gegenüber dem himmelschreiend dummen Aberglauben. Wo der Aberglaube das psychische Bild magisch auszuübender, menschlicher Allmacht und unverwüstlicher Ewigket unreflektiert für wahr nimmt, da hat der Gottgläubige wenigstens die Einsicht vollbracht, dass es mit seiner Allmacht und Ewigkeit nicht so weit her ist. Leider ist er in der Erkenntnis mutlos geworden und deshalb auf halbem Wege stehen geblieben. Dabei wurde die psychische Tatsache einer eingebildeten, individuellen Allmacht als falsch erkannt, sie wurde aber nicht verworfen. Sondern. Auf eine nach eigenen Abbildern gestaltete Gottheit verschoben, wo sie sich nun austoben darf, ohne dass dem Verstande übergroße Zumutungen aufgebürdet würden. Wo das Glauben an die eigene Allmacht und Unsterblichkeit angesichts des begrenzten und schwachen Seins den Verstand zum brüllenden Lachen reizen würde, da kann nun im vollem, tierhaften Ernst und mit weihevollen Worten von der Allmacht und Ewigkeit eines Gottes gesprochen werden. Das wahre Glaubensbekenntnis des Gottgläubigen müsste in Wirklichkeit etwa folgendermaßen lauten: „Im Anfang schuf ich Gott und gab ihm einen großen Anteil von meiner Allmacht. Und am Ende der Tage werde ich meine Allmacht von Gott zurückfordern und dann über Gott zu Gerichte sitzen.“ — angesichts einer solchen, in ihrem unreifen Narzissmus gnadenlosen psychischen Konstruktion verwundert es auch nicht weiter, dass kaum jemand selbst in seinem Leben so viel Respekt vor seinem Gotte zeigt, wie er es von anderen Menschen, oft auch mit aller Gewalt, einfordert.

Der Anblick einer Leiche — Wenn ein Toter daliegt, frisch verstorben und noch ohne Anzeichen des kommenden Zerfalles, dann wird klar, warum der Tod auch als eine Erlösung begriffen werden kann. Was da eben noch lebte, streitbar, mit Einsicht, Willen, Kraft und Absichten ausgestattet und in seinem Fließgleichgewicht der allgemein zunehmenden Entropie widerstrebend, das ist jetzt eigentümlich friedlich und widerstandslos gegenüber allem, was an ihm geschieht. Die noch frische Erinnerung an das einst so sinnlos kämpfende Leben und das nunmehr gleichfalls sinnlos herumliegende, von jeder Verantwortung befreite, indifferente und gleichmütige Sein im direkten Kontrast zueinander können auch beim Lebenden eine gewisse Sehnsucht nach dem Zustand des Todes erwecken. Der Schrecken des Todes ist bei weitem nicht so groß, wie er von der Propaganda derer gemacht wird, die ihre Macht aus der Verdrängung des Todes ziehen; der Schrecken des Lebens in seiner erbärmlichen Angst und Beschränktheit, in seinen Schmerzen und seiner sozialen Bedingtheit und Abhängigkeit ist da oft wesentlich größer. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass das Sterben der Menschen so weitgehend institutionalisiert und kommerzialisiert wird, dass die meisten Menschen niemals eine richtige Leiche zu Gesicht bekommen — zu leicht könnten die Mächtigen bei Verschärfung des Druckes auf die Menschen einen großen Teil ihrer menschlichen Verfügungsmasse durch den Freitod verlieren, wenn der Frieden des Todes in das allgemeine Bewusstsein dringt.

Hölle und Fegefeuer — Früher, als das Sterben noch nicht im Verborgenen stattfand, als man keine Horrorvisionen des Sterbens durch breitwirksame Massenmedien transportieren konnte und als jeder Mensch aus eigener Erfahrung wusste, wie ein Toter wirklich aussieht, musste der Schrecken des Todes auf andere Weise vermittelt werden. Hierzu wurden die überaus nützlichen jenseitigen Welten der Hölle und des Fegefeuers erfunden, in denen die weiterlebende Seele für lange lange Zeit gequält wurde; natürlich vor allem auch die Seele des Selbstmörders, der sich dem sozialen Druck verweigerte, statt sich wie gewünscht zu verhalten. Nicht bestimmt war jener albtraumhafte Ort jedoch für jene Herrscher, die ihr Volk für ein paar goldene Groschen verhökerten, damit sie besser ihre Pracht entfalten konnten, auch nicht für jene Generäle, die aus sicherer Entfernung mit dem Leben der Soldaten Schach auf dem Schlachtfeld spielten oder für jene in feinem Zwirn gekleideten und im teuren Duft gehüllten Kaufleute, die aus dem Hunger und dem Elend der Massen Profit schlürften — nein, diese Tätigkeiten wurden und werden geheiligt und als ein göttliches Prinzip erklärt. An der Zielsetzung der religiösen Konstruktionen lässt sich durch bloßes Hinschauen erkennen, wessen Stimme in der religiösen Verkündigung wirklich klingt. Und damit auch. Wer von der allgemein geförderten Todesverdrängung und von der Verschrecklichung des Todes in besonderer Weise profitiert. Damals. Wie. Heute. Wer vor der Hölle im Jenseits Angst macht, will damit die Hölle im Diesseits erhalten. Und. Macht meistens einen ganz guten Schnitt dabei.

Die Hinterbliebenen — Wo der Gestorbene sich auflöst und seine einstige Körpermasse sich in wehrlose materielle Bausteine wandelt, da haben die Weiterlebenden psychische Arbeit zu leisten. Denn der Tote spukt weiter in ihren Assoziationen umher; sein Fehlen dort, wo er einst stets war, löst eine Abwehrreaktion aus, die dazu führt, dass man sich seiner erinnert. Die Zumutung des Todes wird nicht einfach hingenommen, der Tote wird nicht in seinem Totsein belassen; vielmehr wird sein Weiterleben von den Hinterbliebenen im psychischen Spiegel der Wirklichkeit simuliert. Da der Tote bei einer solchen Instrumentalisierung nicht mehr widersprechen kann, wird ihm dabei auch mancherlei Gewalt angetan, woran sich ein Toter jedoch naturgemäß nicht weiter stört. Es entsteht eine formbare und geisterhaft dünstelnde Persönlichkeit, die locker an eine einst konkrete Person gebunden ist und zur nützlichen Rechtfertigung für allerhand Unfug genommen werden kann. Dies ungefähr, nur in größerem Maßstabe, ist das Schicksal aller großen „Religionsgründer“ geworden, und es ist auch das Schicksal derer, deren Denkmäler überall im Lande gestreut werden, um damit Zustände zu rechtfertigen, die von den konkreten Personen verachtet und mit bittersten Spott belegt worden wären. Daran sollte man denken, wenn ein Denkmal dazu auffordert, dass man an Goethe, Leibniz, Schiller oder gar an Hoffmann von Fallersleben denke.

Der Gedanke der Toten — Wenn die Toten noch einen Gedanken denken könnten, dann dächten sie gewiss oft, dass die Lebenden gar nichts Rechtes mit ihrem Leben anfangen können.

In Erinnerung an A.D.

Der Gott ohne Alternative

Es ist schon sehr auffällig, dass die grausamen, mörderischen und barbarischen Gewaltakte besonders gehäuft aus Gesellschaften hervorgehen, die von einer monotheistischen Religion geprägt sind. Und. Dass bis in die heutige Zeit hinein eine religiös verbrämte Rechtfertigung solcher Mordtaten möglich ist und auch praktiziert wird — die stark religiös eingefärbte Propaganda zur gegenwärtigen Militanz der Außenpolitik der USA wirkt nur deshalb als besonders schrilles und klares Beispiel, weil diese heilige Mordlust eine so große mediale Präsenz hat. Es ist so auffällig, dass sich die geringe ethische Kraft dieser Religionen darin derart überdeutlich spiegelt, dass ein Hirnbenutzer geradezu zwangsläufig zum Zyniker werden muss.

Jede Religion dient immer zur Stützung der Herrschaft und damit als geistige Knute zur Unterdrückung. Doch wo eine polytheistische Religion kein besonderes Problem damit hat, dass andernorts Menschen an eine anders verpackte Gottheit glauben — es gibt ja der „Götter“ viele, und eine gut entworfene und für die Herrschenden handliche Gottheit lässt sich leicht in das bestehende System verbauen — da wird der Anspruch einer monotheistischen Religion an die Menschen schon durch eine existierende religiöse Alternative in seinem Kern gefährdet und ruft damit eine starken Impuls zur Abwehr dieser „Gefahr“ durch jene herrschenden Klassen hervor, die ihre Herrschaft auch durch die Religion absichern. So kommt es immer wieder dazu, dass selbst zwischen jenen Religionen, die auf dem ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sind, lang anhaltende und mörderische Konflikte entstehen. Ob man dafür die christlichen Pogrome gegen Juden zum Beispiel nimmt. Oder. Ob man die gegenwärtige Hetze gegen den Islam in christlichen Gesellschaften nimmt. Oder. Ob man sich die religiösen Konnotationen des mörderischen Nahost-Konfliktes anschaut. Es ist immer. Und überall. Die gleiche Erscheinung. Menschen verschiedener Religion, deren monotheistischer Glaube so viel Gemeinsames hat, dass man die Unterschiede schon suchen muss, überhöhen diese Unterschiede zu unüberwindlichen Gebirgen und lassen sich mit Leichtigkeit zur nützlichen und „geheiligten“ Raserei gegen die „Andersgläubigen“ aufstacheln.

Dort, wo es nur einen alternativlosen Gott geben darf, ist niemand bereit, darauf zu warten, dass dieser allmächtig und als deutliches Spiegelbild irdischer Herrschaftsprinzipen gedachte Gott für sich selbst kämpfe. Sondern. Verfolgung, Entrechtung und Mord werden zum „göttlichen“ Prinzip. Und. Zur Pflicht für die Menschen, die darin als „Heilige“ dargestellt werden, dass sie ihre Pflicht bis zur totalen Selbstverleugnung erfüllen. Der Weg vom Monotheismus — übrigens eine religiöse Innovation des innenpolitisch gewiss nicht zimperlichen Pharaos Echnaton und seiner Frau Nofretete, die ein paar Jahrzehnte später durch einen erfolgreichen Aufstand semitischer Fronarbeiter Weltbedeutung erlangen sollte — zur faschistischen Barbarei hat eine bedrückende Zwangsläufigkeit.

Erwachen

Ich schlief und mir träumte, das Leben sei Freiheit und Lust. Doch als ich erwachte und das Bewusstsein wieder an seinem Stammplatz zurückkehrte, musste ich feststellen, dass das Leben nichts als Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit und Sterblichkeit ist. Als ich nach dieser Einsicht damit aufhörte, die Bedingtheit meines Lebens zu verdrängen, indem ich mich in meine eigenen oder auch fremde Träume flüchtete, kam wenigstens ein kleiner Anteil von Freiheit und Lust zu mir.

Der ewige September

Ewiger September — Es ist kein besonderer Jahrestag. Heute vor 2443 Tagen wurde der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York durchgeführt, der einen bis heute sehr medienwirksamen Meilenstein der modernen Barbarei darstellt. So sehr es mir immer widerstrebte, etwas dazu zu schreiben, um nicht selbst in den Zynismus der Contentindustrie abzugleiten, so sehr drängt es mich auch, etwas darüber zu schreiben. Weil. Immer wieder auf dieses eine Ereignis Bezug genommen wird und weil ich auch immer darüber sprechen muss. Es ist auch kaum nötig, einen geeigneten Jahrestag abzuwarten, denn der 11. September 2001 ist seit den bewegten und bewegenden Bildern auf allen Kanälen allgegenwärtig geworden. Die damit verbundene affektive Kraft dient zur allgemeinen und sehr handlichen Rechtfertigung des fortschreitenden Abbaues aller Bürgerrechte unter der Angstpeitsche einer möglichen Wiederholung solcher Barbarei. Seit diesem Tag ist gewissermaßen ein ewiger September eingezogen, ein langer langer Herbst für die Idee der Menschenrechte. Der. Den nahenden Winter erahnen lässt.

Deckmäntelchen — Es ist keineswegs der Fall, dass die Anschläge vom 11. September eine besonders opferreiche oder außerordentlich grausame Form des Terrors darstellten. Es handelte sich lediglich um ein Ereignis, dass sich besonders gut für die Verwertung durch die Medien eignete und deshalb die beabsichtigte Aufmerksamkeit fand. Einige tausend Menschen. Sind unter schrecklicher Angst und grausamer Verzweiflung gestorben. Und. Viele Kameras filmten eifrig das zweite Flugzeug, den beeindruckenden Feuerball, den Einsturz der Gebäude und das bloße Entsetzen der Menschen, auf dass sich die Bilder des Schrecklichen mit aller Wucht in das Gedächtnis einprägen und den Zuschauer ob der Einmaligkeit eines solchen Ereignisses vor der Glotze fesseln. Der andere Terror wurde nicht, wird nicht und wird niemals gezeigt, und die hilflosen Gebete, die Flüche und das Weinen seiner Opfer entweichen aus den geschundenen, angstgebrochenen Seelen in ein kaltes, interesseloses Nichts. Niemand, und schon gar kein Poltiker, fordert, diesem Terror etwas entgegenzusetzen, nein, die fortwährende Ausbreitung dieses Terrors wird jeden Tag lautstark gefordert und seine Anführer werden mit Ehrungen überhäuft. Es handelt sich um den Terror des gegenwärtigen Wirtschaftssystemes, das unter anderem zur Folge hat, dass trotz einer Überproduktion von Nahrungsmitteln jeden Tag eine geschätzte sechstellige Anzahl von Namenlosen an der Bedingung permanenten Hungers verreckt — wobei gewiss oft die Überlebenden die Toten beneiden werden. Dieser mörderische Terror findet zurzeit seine nächste Ausbreitung darin, dass fortan unter dem ökonomischen und ökologischen Propagandabegriff des „Biodiesels“ landwirtschaftliche Produkte verbrannt werden sollen, um in den Terrorstaaten die knapp achtzig Kilo Körpermasse der stummen und allzu bewusstlosen Gehilfen dieses Terrors zusammen mit einigen hundert Kilo Stahl und Blech durch die Straßen zu bewegen, auf das sich das Geschäft auch lohne. Die Tatsache, dass ein Motor dann acht Brote auf 100 Kilometer verbraucht, wird wohl kaum als Merkmal in der Werbung auftauchen.

Krieg und Blutrache — Die Wortführer des alltäglichen wirtschaftlichen Terrors haben die Anschläge vom 11. September 2001 niemals als ein Verbrechen betrachtet, das mit angemessenen polizeilichen und juristischen Maßnahmen zu behandeln sei. Sondern. Sie haben sofort die sich bietende Gelegenheit ergriffen, daraus unter aufdringlichen Schlagens auf die Propagandatrommel einen Kriegsgrund zu konstruieren. Den. Sie auch planvoll in allerlei wirtschaftlich nützlichen Weltenbrand umsetzten. Die politische Praxis, die Barbarei jener Mordanschläge durch die Barbarei des Krieges zu beantworten, ist ein Rückfall in die Bedingungen der Blutrache unter dem blutigen biblischen Banner „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2.Ms 21,24) und sie führt zu einer weltweiten Ausbreitung der Barbarei. Und. Die Bereitschaft, mit der diese politische Gelegenheit so unmittelbar ergriffen wurde, zeigt die Barbarei unter denen, die in den Terrorstaaten der so genannten „ersten Welt“ die Herrschaft inne haben.

Trommeldenken — Wenn in Kriegszeiten überall zur Schlacht geblasen wird, geben die meisten Menschen ihren Verstand an die Pauken ab.

Verschwörung — Es ist eine interessante und viel zu wenig bekannte Tatsache, dass Usama ibn Ladin in den USA zwar wegen vieler schwerer Verbrechen gesucht wird, aber nicht wegen der Anschläge auf das World Trade Center. Die Ermittler haben keinerlei Grundlage, ihn wegen dieser Anschläge beschuldigen zu können. Die offiziell von der US-Regierung verbreitete Version der Anschläge vom 11. September 2001 ist nichts weiter als eine mit großem Einsatz, hohem medialen Aufwand und politischem Nachdruck verbreitete, aber kaum belegte Verschwörungstheorie. In diesem Zusammenhang ist es schon ein interessantes Spiegelbild der seitdem ausgebreiteten Irrationalität, dass die gläubigen Anhänger der offiziellen Theorie nicht müde werden, jeden Kritiker dieser Version als „Verschörungstheoretiker“ zu bezeichnen, während auf der anderen Seite auf der Grundlage einer völlig unbelegten Annahme jeden Tag Menschen im Krieg getötet werden.

Zynismus — Der besondere menschenverachtende Zynismus der Anschläge vom 11. September 2001 hat unter anderem auch offen gelegt, welcher gewöhnliche, ebenfalls das Leben der Menschen verachtende Zynismus sonst im Medienbetrieb herrscht. Der Content der aufwühlenden Live-Übertragungen aus New York wurde praktisch nicht durch Werbung unterbrochen. Da. In diesem Zusammenhang auch noch der Stumpfeste den alltäglichen Zynismus dieser manipulativen Kommunikation hätte erkennen müssen. Für die Content-Industrie war es gewiss ein verlustreicher Tag, aber sie sicherte sich durch diese Verluste ihre zukünftigen Gewinne in ihrem einzigen Geschäft, das nur auf der Grundlage eines gedämpften Bewusstseins möglich ist.

Internet — Eine sehr interessante Randerscheinung ist der unverstummte Widerhall dieser Ereignisse im Internet. Während die etablierten Medien der Content-Industrie beflissen und oft kaum überprüft abschreiben, was ihnen von den Agenturen und den amtlichen Pressestellen so bequem geliefert wird, hat sich im Internet eine ganze, kaum organisierbare Bewegung entwickelt, die alles Unstimmige und Fragliche der offiziellen Darstellung zusammengetragen, überprüft, reflektiert und offen gelegt hat — dass sich in solchen Mühen auch manches Wirre findet, entwertet nicht den grundsätzlichen Wert in solchem Streben. Für jene, die den Massenmord vom 11. September 2001 für ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele nutzen, sind etliche Ergebnisse dieser Aufarbeitung eher unbequem. Es entsteht beinahe der Eindruck, dass sich die herrschenden Kasten und ihre im Hintergrund tätigen Zuarbeiter der besonderen Dynamik des Internet gar nicht bewusst waren, ist dieses freie Medium doch noch ein recht neues. Denn. Sonst hätten sie einige Argumentationen etwas „dichter“ gemacht, als dies unter den Bedingungen zentral organisierter und damit prinzipiell leichter kontrollierbarer Massenmedien nötig gewesen wäre. Doch für einen Jubelschrei zum Sieg des „Bürgerjournalismus“ ist es viel zu früh. Denn erstens. Hat die Aufarbeitung im Internet nur einen sehr kleinen Wirkungsradius und erreicht die meisten Menschen nicht. Zweitens. Orientiert sich diese Aufarbeitung an einem medial sehr präsenten Thema und damit an die Vorgaben der etablierten Medien, während die alltägliche Kälte und Barbarisierung der Menschen unter den Bedingungen des gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozesses weiterhin eher ein marginales Thema ist. Und schließlich. Werden die Profiteure der wieder salonfähig gemachten Barbarei des Terrors bei zukünftigen Taten das Internet besser berücksichtigen, so dass solche Stimmen in Zukunft entweder untergehen oder zensiert werden werden. Die Propaganda für eine zukünftige Unterdrückung der freien Mitteilung im Internet wird bereits betrieben; momentan wird das Wort „Internet“ von Vertretern der herrschenden Kaste immer in konditionierender Absicht in einem Atemzug mit „Terror“ und anderen schweren Formen der Kriminalität in den Mund genommen, um eine entsprechende gedankliche Verknüpfung bei möglichst vielen Menschen herzustellen. Dabei bedient man sich immer noch gern der affektiven Kraft der Bilder vom 11. September 2001 und hält den nützlichen ewigen September aufrecht. So vorbereitet und durchgeführt, während „das Internet“ für die meisten Menschen einfach nur ein anderer Fernsehempfänger und ein Kaufhauskatalog ist, wird es kaum einen Widerstand gegen weit gehende Einschränkungen in der Gewaltform entsprechender Gesetze geben. Dass man relativ zügig vorgehen muss, ist bei denen, die so vorgehen, wohl bekannt.

Irak — Auch ein Staat, der nachweislich nichts mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zu tun hatte, kann im Dunstkreis dieser Ereignisse kriegerisch angegriffen werden. Dass die vorgeblichen Kriegsgründe reine Fantasie waren, dass nicht eine Spur von den gefährlichen Waffen im Lande gefunden werden konnte, es spielt nach dem Einmarsch keine Rolle mehr. An dieser Barbarei sind auch Soldaten der BRD beteiligt, und eine Kritik in den etablierten Massenmedien findet entweder nicht statt oder hat eine reine Feigenblattfunktion, um den Betrieb der Contentindustrie nicht gänzlich nackt dastehen zu lassen. Menschen in Deutschland, die durch einen ganzen Ozean von New York getrennt sind, werden durch die affektive Kraft eines gar nicht richtig aufgeklärten Verbrechens und unter dem Banner einer reinen Verschwörungstheorie in einen völkerrechtswidrigen Krieg hineingezogen, der mit ihrem Leben und ihrer Heimat gar nichts zu tun hat. Sondern. Nur einem abstrakten politischen und wirtschaftlichen Ziel dient, das gegenwärtig mit der Angstpeitsche gegen die Menschen durchgesetzt wird. Dieser Krieg wird unter der Federführung eines Staates betrieben, der Konzentrationslager für seine Gefangenen baut, Wahlen fälscht, beinahe ausschließlich Menschen schwarzer Hautfarbe der Todesstrafe zuführt und viele weitere Zeichen eines totalitären und faschistoiden Herrschaftssystemes hat. Wenn im bestehenden, ewigen September nicht immer noch alle Sinne von dem Rauch benebelt wären, der aus den brennenden Türmen und etwas mittelbarer aus den Fernsehern stieg, denn wäre diese Politik wahrscheinlich nicht gegen einen so geringen Widerstand durchsetzbar.

Phobokratie — Wo man die Angst herrschen lässt, da lassen sich die Verängstigten gern beherrschen, wenn sie dabei nur ein bisschen von ihrer schrecklichen Angst besser verdrängen können. Wer unter den Bedingungen der Angstherrschaft ein Fühlender und Denkender sein will, der hört damit auf, seine eigene Angst verdrängen zu wollen und beginnt damit, genau zu untersuchen. Über welche Kanäle ihm von welchen Menschen und Institutionen Angst vermittelt werden soll und zieht in Selbstverantwortung seine Schlüsse daraus, so wenig sie ihm auch gefallen mögen. Denn dies. Verwandelt die diffuse Angst in eine konkrete Furcht und Vorsicht. Und. Ist das einzige Mittel gegen diese Form der Manipulation. Es gibt keine Alternative zum Bewusstsein.