Tag Archive: Contentindustrie


Schwere

Als ein Zeitgenosse in Wiedergabe der laufenden Propaganda zum Vorübergehenden sagte: “Aber die Vorratsdatenspeicherung ist doch nur zur Bekämpfung schwerer Verbrechen”, antwortete der Vorübergehende: “Es gibt jetzt, im 21. Jahrhundert, Staaten, in denen ist Blasphemie ein schweres Verbrechen, und einige dieser Staaten überließen es vor noch gar nicht so langer Zeit dem allmächtigen Gotte selbst, für seine Ehre zu kämpfen. Ist ein vielseitig verwendbares Instrument da, kann seine Nutzung beliebig ausgeweitet werden — und es ist kein Zufall, dass die ‘geistigen Eigentümer’ aus der Contentindustrie, die Bagatelldelikte mit Pfennigschäden zivilrechtlich verfolgen, mit dem geplanten Gesetz zwar nicht an Vorratsdaten, aber dafür problemlos an Bestandsdaten zu einer IP-Adresse kommen, denn diese Leute haben das Gesetz klandestin in den Dunkelkammern des Reichstags geschrieben. Die Propaganda von schweren Verbrechen. Soll nur von der Wirklichkeit ablenken”.

Gruß auch an die Hartz-IV-, NSA-Aufklärungsverhinderungs- und Vorratsdatenspeicherungs-Partei SPD!

Voran im Untergang

“Die Presse, der Journalismus, das Presseverlagswesen geht unter, ihre Zeit ist vorbei”, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, “aber die Presse geht dem Fernsehen und dem Kino nur wenige Schritt voraus. Das so genannte ‘Leistungsschutzrecht für Presseverleger’ folgt der gleichen kaputten Mitstaatsgewaltfinanzierungslogik von Privilegiensicherern wie die Umwandlung der Rundfunkgebühr in eine Haushaltssteuer, und wenns nur noch ein paar Jährchen so weiter geht, wird jeder Mensch denmächst auch ‘Eintritt’ für Kinos und Konzerte zahlen müssen, die er niemals besucht hat oder auch nur besuchen wollte”.

Freut ihr euch auch alle schon so auf das Fernsehprogramm zu Weihnachten?

Verschwörungstheoretiker

Verschwörungstheoretiker m., f. -in — Mensch, der selbstständig recherchiert und von Presse und Glotze auch gern einmal “Bürgerjournalist”, “Experte” oder “Mitglied eines Recherchenetzwerkes” genannt wird, wenn seine Publikationen nur die contentindustriell-verlagszentral gewünschte Sicht auf die von ihm betrachteten Dinge erzeugen, auch wenn er dabei methodisch ausgesprochen unsauber vorgeht. Andernfalls ist er natürlich ein unbeachtlicher Spinnkopf, im Zweifelsfall geisteskrank.

“Es ist doch gar nicht überraschend”, sagte der Vorübergehende in der kleinen kopfschüttelnden Gruppe, “dass die gleichen Lügen- und Verdummungsmedien der Verlagsmilliardäre, die euch mit dem Mittel ständiger Wiederholung ins Gehirnchen hämmern, dass Niedriglöhne zu mehr Wohlstand führen, auch kein Problem damit haben, euch genau so unreflektiert und mechanisch zu erzählen, dass man durchs Essen von Schokolade schlank wird“.

Ton und Leere

“Die Berichterstattung”, sagte der Vorübergehende zu seinem aufgeregten Zeitgenossen, “erzählt in ihrem Ton und ihrer Leere mehr über die Medien und ihr Geschäft der psychischen Prostitution als über die Vorgänge, die vorgeblich berichtet werden”.

Das Drama

Wenn massenhaft gestorben wird, spricht der Journalist aus Presse und Glotze vom “Drama”, damit die Zuschauer und Zuleser sich auch entspannt zurücklehnen und die Darbietung des medialen Theatersaales genießen mögen. Und zwischendurch: Den Pausensnack aus der Werbung, so lecker, flockig und leicht…

Dass ausgerechnet Journalisten kritisch anmerken, dass social media dazu führen, dass sich Menschen vollständig innerhalb ihrer selbstgeschaffenen filter bubble bewegen, ist nur der dürftig verlarvte und zudem lächerlich-erbärmliche Trauergesang darüber, dass es nicht mehr Journalisten im Dienst und Brot zentral herausgegebener Print- und Rundfunkmedien sind, die für andere Menschen darüber entscheiden, was für ihr Leben relevant und wichtig ist und wie sie dies auszudeuten haben — mit dem Ergebnis, dass bei vielen Menschen nach ernsthafter Selbstbefragung herauskäme, dass die letzte verbliebene Nachricht von lebenspraktischer Relevanz die Wettervorhersage für den morgigen Tag geworden ist.

“Warum kratzt du mich?” — “Ich bin Journalist und weiß genau, wo es dir juckt”.

Würde

“Würde”, das ist dieser Konjunktiv in “Ich würde euch ja gern wie Menschen behandeln, aber ich bin Journalist und muss Content liefern”.

Contentindustrie = Menschenverachtung

Tweet von @mipff, 25. März 2015, 14:40 Uhr: Journalisten bieten Schülern Geld an, um an Fotos von der schulinternen Trauerfeier zu kommen. #Germanwings #4U9525

Auch, wenn es direkt nichts mit dem gescreenshotteten Tweet zu tun hat, zur weiteren Lektüre empfohlen: Sven bloggt — Medien zum Absturz der Germanwings 4U9525 — es ist einfach widerlich.

Nachtrag 27. März, 23:00 Uhr: Eine weitere Quelle lässt sich im Bildblog nachlesen.

Katastrophen

Katastrophen. Die Hölle für die Opfer und ihre Angehörigen. Ein Fest für Newsbetrieb, Contentindustrie und… mittelbar… die Werbevermarktung.

Selbstmit-Leid-Medien

Hieran zeigt sich die vollständige Auflösung des einstigen Selbstverständnisses von Medien und dem daraus abgeleiteten Recht auf Meinungsfreiheit. Ursprünglich ging es bei dessen Verteidigung darum, sich selbst – und damit auch den Bürgern – die eigene Meinung durch herrschende Kräfte, also durch die weltliche oder religiöse Macht im Staat, nicht verbieten zu lassen. Heute hingegen verstehen sich Medien als Bestandteil des Herrschaftsapparates und meinen nun, sich gegen den etwaigen Leserzorn abschotten zu müssen. Die größte Gefahr für die Debattenkultur im Lande geht dieser Sichtweise folgend nicht mehr von “den Mächtigen” aus, sondern von sogenannten “Trollen” […] Wer sich nach oben anpasst und Beleidigungen von unten nicht aushält, ist schlicht nicht robust genug, um Meinungsfreiheit gegen ihre wirklichen Feinde nicht [sic!] verteidigen. Wer Leser und Leserbriefschreiber für die wirklichen Feinde der Pressefreiheit hält und entsprechend attackiert, sollte besser seinen Presseausweis abgeben und den Staatsdienst antreten

Zeitgeisterjagd — Von Charlie Hebdo bis Giovanni di Lorenzo: Vom Aufstieg der Selbstmit-Leid-Medien

Gar nicht mehr so schlimm

Wenn ein Günther Jauch “die prominenteste Talkshow-Bühne Deutschlands” zur Verfügung stellen kann, finde ich die Vorstellung einer Islamisierung auf einmal gar nicht mehr so schrecklich. Das “Abendland”. Hat sich lange schon in ein grottenfinstres Nachtland verwandelt.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 709 Followern an