Tag Archive: Contentindustrie


Fälschung und Fälschung

Wer dem contentindustriellen Journalismus ernsthaft etwas entgegensetzen will, statt ihn einfach ersatzlos absterben und bedeutungslos werden zu lassen, sollte dabei nicht versuchen, Form und Kälte des contentindustriellen Journalismus zu imitieren und um jeden Preis vermeiden, unter Umgehung jeder Analyse und jedes Bewusstseins zum bloßen Spiegelbild des contentindustriellen Journalismus zu werden, sondern etwas spür- und belegbar Besseres produzieren — denn wer würde bei der Wahl zwischen Original und Imitat nicht das Original bevorzugen!

Der Gell-Mann-Amnesie-Effekt

Kurz gesagt, der Gell-Mann-Amnesie-Effekt ist der folgende: Sie schlagen die Zeitung auf und lesen einen Artikel über ein Thema, in dem sie sich gut auskennen. In Murrays Fall ist es Physik. In meinem Fall ist es das Showbusiness. Sie lesen den Artikel und stellen fest, dass der Journalist überhaupt kein Verständnis der Fakten oder der Thematik hat. Oft ist der Artikel dermaßen falsch, dass er in Wirklichkeit die Geschichte rückwärts darstellt, indem er Ursache und Wirkung umkehrt. Ich spreche von den „Nasse- Straßen-verursachen-Regen-Geschichten“. Eine Zeitung ist voll von davon.

Wie es auch sei, man liest verärgert oder belustigt die vielen Fehler in einer Geschichte, und dann blättert man den zu nationalen oder internationalen Angelegenheiten und liest, als ob die restliche Zeitung irgendwie genauer über Palästina wäre als in dem dummen Unfug, den man gerade gelesen hat. Man blättert auf eine andere Seite um und vergisst, was man weiß.

Michael Crichton

Danke, T. und hackbyte, für den Hinweis! Genau so geht es mir fast jedes Mal, wenn Journalisten über ein Computerthema berichten, und ich habe daraus immer geschlossen, dass der Rest der Meldungen nicht gründlicher produziert werden wird. Ich gehe allerdings nicht von Dummheit, sondern häufig auch von vorsätzlicher Fehlinformation der Journalismusgenießer aus.

Immer das gleiche Spiel

Es gibt so viele Politiker, die in einer Krise presse- und fernsehwirksam den starken Mann spielen wollen; aber so wenige Politiker, die zur Abwechslung einmal in einer Krise den klugen Mann spielen wollen. Und jene, die schon vor der Krise den klugen Mann spielen wollen, lassen sich ebensowenig finden, wie sich die Journalisten finden lassen, die anlasslose Intelligenz als den genau den Wert hinstellen, der sie ist. Klugheit und Voraussicht sind nun einmal nicht so toller Content, wenn man möglichst viele Menschen zu den vermarkteten Werbeplätzen ziehen muss, weil genau das nun einmal die Tätigkeit ist, für die ein Journalist bezahlt wird.

Dabeisein ist alles

Schon längst wurde die politische Berichterstattung vom Sportressort übernonnen: Die Presse, die Glotze und das Internet sind wortreich und gut gefüllt, jeder bekommt ein Gefühl, dabei zu sein — aber niemand wird dabei auch informiert.

Einsicht und Würde

Journalisten beim Pressesterben zuzuhören ist so erheiternd, als hätte man ein Abonnement im Hospiz. Nur, dass die Sterbenden im Hospiz mehr Einsicht und Würde haben.

Der bewusste Medienkonsument

„Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen“, sagte der bewusste Fernsehzuschauer und Zeitungsleser, hob angestrengt den Gullideckel ab und tauchte auf seiner Quellsuche in den kotigen Tiefen der Kanalisation unter.

Der Eifer, mit dem Journalisten über die Nichtigkeit berichten, dass eine privatwirtschaftliche Website, die so etwas ähnliches wie ein globales Forum für verkürzende, unterkomplexe Stummeltexte anbietet, endlich auch einmal einen Stummeltext des amtierenden US-Präsidenten gelöscht hat… dieser Bericht erstattende Eifer ist nur ein Spiegelbild des Eifers, mit dem sich die so berichtenden Journalisten jeden Tag und jede verfügbare Minute ihres leeren Lebens das Weltbild von vorbeirollenden verkürzenden und unterkomplexen Stummeltexten machen lassen — deren Auswahl und Sichtbarkeit übrigens genau wie der Journalismus der Contentindustrie allein für die emotional-psychische Manipulation der Reklame optimiert wird; das Geschäftsmodell derer, die kein seriöses Geschäftsmodell haben.

Vor rd. vierzehn Jahren habe ich den Satz „Twitter ist der neue Journalismus“ noch als Satire gemeint. 😦

Reziprok

Moderne Journalisten erkennt man daran, daß sie schreiben können, aber nicht denken.

Karl Schwarzer

„Je mehr Daten es über COVID-19 gibt und je mehr Erkenntnis über diese gefährliche und sehr ansteckende Krankheit gewonnen wird“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „desto weniger wird in Glotze und Presse davon berichtet, obwohl es doch so viel zu berichten gäbe. Für jene Feinde der Vernunft, die sich als Journalisten dazu entschlossen haben, von der Vermarktung von Reklameplätzen zu leben, ist ein psychisch empörender rassistischer Mord durch einen Polizeibeamten nebst großen Demonstrationen und Ausschreitungen in den fernen Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika wegen der geilen Bilder nun einmal ein besserer Wurm an der Reklameangel als nüchterne Informationen, die das Leben der Menschen direkt und existenziell betreffen. Da ist es kein Wunder, dass die Demonstrationen der Menschen, deren billige Psychen sich allzuleicht von professionellen Werbeplatzvermarktern aufkochen lassen, zu regelrechten Coronaparties geraten — und niemand, der vor ein paar Wochen noch vor den so genannten ‚Hygienedemos‘ mit teils hysterischem Unterton gewarnt hat, sieht darin ein Problem“.

Ball und Börse

Die Journalisten aus dem Sport- und Börsencasinoressorts scheinen gerade wenig zu tun zu haben und haben sich diversifiziert, so dass die (völlig unseriös erhobene und deshalb unzuverlässige) Anzahl der Corona-Infektionen und der Corona-Toten jeden Tag gemeldet wird, gern auch mit Ländervergleich, ganz so, als handele es sich um den DAX oder die Bundesliga-Ergebnisse. Beim Genuss dieses kalten, contentindustriellen Stiles fragt man sich unwillkürlich, ob man auf diese Zahlen auch schon wetten kann.

Nachplappern

Wer Wahrheiten einfach nur unreflektiert und ohne eigene gedankliche Tätigkeit nachplappert und weitererzählt, erweckt ja schon den Verdacht, nicht zu den hellsten Leuchten im Lampenladen zu gehören, ist jedoch eher harmlos. Aber gefährlich dumm sind jene, die Unwahrheiten und bewusst geäußerte Lügen unreflektiert nachplappern und weitererzählen und damit massenhaft vermehren. Man nennt diese Menschen Journalisten: Ihr Werkzeug ist die Zwischenablage, ihre Tätigkeit ist die industrielle Anfertigung von Kopien, ihre Haltung ist die Intelligenzverachtung und ihr Beruf ist die Vermarktung von Werbeplätzen, die in so viel journalistischem Sumpf aus Lüge, Halb- und Unwahrheit gleich ein bisschen glaubwürdiger aussehen.

Verschwendet

An den meisten Journalisten in der BRD — und an ihren vielen Zulesern und Zuhörern — ist die Pressefreiheit verschwendet.

Lumpenjournalismusbande

Als der Vorübergehende eine dieser alles überdeckenden, bildfüllenden Aufforderungen auf einer Presseverlags-Website sah, dass man den Adblocker abschalten oder für das Lesen von Inhalten, die freiwillig im offenen Web abgelegt wurden, Geld bezahlen solle, sagte er: „Zum Schein in Lumpen gehüllte Journalismusbettler stellen sich mir in den Weg und betteln mich aggressiv um etwas Kleingeld an, aber es handelt in Wirklichkeit sich um wohlorganisierte, erwerbsmäßige Bettlerbanden. Da kenne ich aber eine Menge besserer Orte, meine Almosen zu geben“.