Tag Archive: Contentindustrie


Terrorprävention

Menschen, die gebildet sind, nicht gemobbt werden und eine halbwegs erfreuliche persönliche Aussicht haben, laufen weder ohne explizite religiöse Motivation mit Waffen menschenmetzelnd durch den öffentlichen Raum, noch kommen sie auf die Idee, selbstmörderische Totmacher mit religiöser Motivation zu werden. Die nach jeder derartigen Mordtat von Journalisten und anderen Propagandaschergen in ermüdender Regelmäßigkeit aufgeworfene und breit mit Spekulationen und Fakten abgehandelte Frage, ob der Täter nun religiös motiviert war oder nicht und ob es sich deshalb um „Terrorismus“ gehandelt habe oder nicht, sie geht meilenweit an einem möglichen Aufschluss vorbei und nimmt in ihrer bewusstseinserstickenden Primitivität die „Argumentationsmuster“ rechtsradikaler Mordbrenner vorweg. So lange derartige Mordtaten dazu führen, dass absurde und menschrechtsfeindliche politische Agenden leichter ausgeführt werden können und dass sich die Nachrichten der Contentindustrie besser monetarisieren lassen, so lange besteht keine Aussicht auf ein Ende dieser psychischen Rückkopplung im Nachrichtenstrom — außer durch einen Ausgang in einer gesellschaftlichen Katastrophe. Die Prävention der Mordtaten besteht nicht darin, dass die Menschenrechte abgeschafft werden und die anlasslose Überwachung aller Menschen ausgebaut wird, sondern darin, dass man beginnt, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten darauf zu suchen. Ein solches Vorgehen trüge übrigens — im Gegensatz zum derzeitig vorangetriebenen Abbau der Menschenrechte — das Potenzial in sich, das Leben aller Menschen besser zu machen, denn das, was die mörderische Verzweiflung hervorbringt, prägt nicht nur jene, die zu Tätern werden.

Straffe, dumme Körper

„Ich lebe in einer Zeit“, sagte der Vorübergehende, „in der das Aussehen von populärkulturell prägenden Sängern und Sängerinnen wichtiger als ihre Stimme und ihre Gesangstechnik geworden ist. Kein Wunder, dass ich überall vom Betrug umgeben bin — und von der Dummheit, die den Betrug erst möglich macht“.

Mediale Realitätsverzerrung und Wirklichkeit

Die Verzerrung des Sehens durch die Medien, die den Blick im Zweifelsfall mit Gewalt auf sich reißen müssen, um den Reklameplatz teurer verkaufen zu können, bringt genau den Zerfall hervor, den wir jeden Tag sehen müssen. Wenn einer einen maroden Deich beim Hochwasser mit Sandsäcken stopft, ist er ein Held, ein Güter- und Lebensretter und eines Fotos und einer Meldung für seinen selbstlosen Einsatz würdig. Wenn einer aber über Jahre hinweg durch kleine, banale und nahezu unsichtbare Arbeiten dafür sorgt, dass der Deich gar nicht erst Löcher bekommt, ist er nur ein Bauarbeiter, unbeachtlich und irrelevant, keiner Erwähnung wert. Denk daran, wenn du siehst, was im politischen Betrieb nach oben gespült wird — und bedanke dich bei den Werbern, die solche Verantwortungslosigkeit mit ihrem Anspruch an Content, den Wurm am Angelhaken der Reklame, hervorgebracht haben!

Der Journalist liest vor

Ich hätte niemals geglaubt, dass ich auch nur die geringste Sehnsucht nach dem früheren Journalismus bekommen könnte, der vor allem Presseerklärungen von Parteien, Organisationen und Unternehmungen zunächst wiedergegeben und dann noch einmal mit eigenen Worten wiederholt hat, um diese Übung für schriftstellerisch Unbegabte mit Reklame und Reklame zu umstempeln, dem eigentlichen Daseinsgrund des Journalismus — aber inzwischen lesen die Journalisten immer häufiger „Twitter“ vor, ganz so, als hätten die Leser der journalistischen Elaborate noch gar kein Internet und könnten sich nicht selbst in diese Grube stürzen, wenn sie daran Interesse hätten.

Filme

„Ich schaue mir keine Filme an“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, der ihm erzählte, wie er sein Geld im Kino ausgibt. „Es wäre Verschwendung von Lebenszeit. Bei den meisten Filmen, die ich zu schauen versucht habe, wusste ich nach lediglich zehn Minuten die gesamte folgende Handlung und war dementsprechend gelangweilt, zumal auch die vielleicht noch interessanten Einzelheiten weitgehend den erwartungsgemäßen Cliches entsprochen haben. Das Kino hat sich immer noch nicht vom Korsett freigemacht, das es einst vom Theater übernommen hat¹, sondern schnürt es fester und fester zu, bis es beinahe tot ist; die immer aufwändigeren Effekte, die an der Psyche des Betrachters zu zerren suchen, können über dieses eingeschnürte Gestorbensein nicht hinwegtrösten“.

¹Es gab allerdings zwischendurch, in der Zeit zwischen 1960 und 1990, ein durchaus beachtliches Aufbegehren, diesem Korsett zu entkommen — so dass alle halbwegs sehenswerten Filme schon recht alt sind.

Das Brüsseler Bombengeschäft

Kaum gibt es Terrorismus, Bomben und Tote, schon gibt es die „Liveticker“ auf den großen qualitätsjournalistischen Websites, in denen stundenlang live in Stummelsätzen mitgeteilt wird, dass noch nichts genaues bekannt ist… umrahmt mit Werbung, dem eigentlichen Geschäft der Contentindustrie. Es sind die Tage, an denen sich zeigt, dass die Tätigkeit der Journalisten genau so kalt und menschenverachtend ist, wie das, worüber der Journalismus zu berichten vorgibt, während er nichts zu berichten hat.

Unebachtet mahnt das Vergessmal

Hinweistafel an einer Bank am hannöverschen Maschsee: Sie blicken in Richtung des 1935 abgebauten Bismarckdenkmals. Dort fand am Abend des 10. Mai 1933 die Bücherverbrennung statt. Gestiftet von Teilnehmern des Kulturführerscheines Hannover 2013

Bitte setzen und nachdenken über die Bücherverbrennung. Bit aufstehen und sich engagieren bei Verfolgung Andersdenkender.

Heute hat der Bundesgerichtshof die von Providern erzwingbare, DNS- oder IP-basierte Internetzensur durch Richterrecht zu in der BRD geltendem Recht gemacht, und zwar nicht für „schwerste Verbrechen“ oder ähnliche Vorwände, sondern zur Durchsetzung des so genannten „Geistigen Eigentums“. Eine Ausweitung dieser Zensurmöglichkeit auf alle nur denkbaren und undenkbaren „Anwendungsfälle“ kommt im Verlauf der nächsten fünf Jahre so sicher wie das Amen in der Kirche.

Star Wars

„Luke Skywalker“, sagte der Vorübergehende zu einem Zeitgenossen, der ihm von einem Disneyfilm erzählte, „ist das US-amerikanische Comic-Abziehbild eines Jihadisten: Ein Mensch, der durch die Religion radikalisiert wird und für ein abstraktes Ziel andere tötet“.

Die Stimme für Deutschland

Jetzt, da das gleiche Untenhaltungsmanagement beim NDR, das — vor allem anderen von Vermarktungsmöglichkeiten ausgehend — so richtig wertneutral beflissen entschieden hat, dass Xavier Naidoo für die BRD zum ESC entsendet wird, sich wegen der schlechten Presse ob dieser Entscheidung flugs dazu umentschied, ihn doch nicht zu nehmen, stellt sich nur und immer noch die Frage, wen sie wohl an seiner Statt nächstes Jahr nach Schweden schicken werden. Mein Tipp: Helene Fischer.

Alarm! Wurst macht Krebs!

Ein beliebtes Spiel unter publikationssüchtigen Wissenschaftlern und miesen Journalisten im aufmerksamkeitsheischenden Klickabfischmodus der Contentindustrie geht so: Wer eine Korrelation gefunden hat, darf sich die Kausalität ausdenken. Das gilt insbesondere bei der Behandlung von Metastudien, bei denen Studien unterschiedlicher Qualität, Größe und Herangehensweise ausgewertet werden.

Nein, ich verlinke jetzt kein Beispiel dafür…

Journalismus nach dem Zusammenbruch des Werbemarktes

Erst, wenn der bereits jetzt höchst fragwürdige und zutiefst unseriöse Markt für Werbung im Web endgültig weggebrochen ist; erst, wenn die „hochwertigen“ Inhalte aller journalistischen Auftritte nicht mehr mit einem für die Computersicherheit gefährlichen und durch das site-übergreifende Tracking der Werbefirmen für die Privatsphäre zerstörerischen Kommunikationsmüll vergällt werden können, um daraus ein paar Judascent Profit schlürfen zu können; erst, wenn die ersten Websites von einst hochangesehenen Tageszeitungen hinter einer Paywall verschanzt werden müssen — erst dann werden die Journalisten bemerken, wie lächerlich „viel“ Geld ihre Tätig- und Tätlichkeit den Lesern wirklich wert ist. Dieser Enttäuschung. Ging eine jahrzehntelange Selbsttäuschung voraus. Und. Es ist anzunehmen, dass selbst nach dem Fall noch Hochmut kommen wird.

Und nein, das tote Pferd reitet auch nicht besser¹, wenn der Pferdeflüsterer es mit einer sanfteren Stimme versucht.

¹Wer diese Metapher nicht versteht, lese hier weiter!

Die Quotenkanzlerin

Das Vereinfachen komplexer Zusammenhänge und das Emotionalisieren der Dinge haben dasselbe Ziel: Information verkommt zu einer Art Unterhaltung. Die Medien werden zur Erregungsindustrie. Und die Politik agiert heute ebenfalls mit Gefühlen. Bestes Beispiel: Die Öffnung der Grenzen für alle, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Mit der Wir-schaffen-das-Rhetorik ist aber das Problem der Zuwanderung nicht zu lösen. Im Gegenteil. Stimmungen können, wie in diesem Fall, schnell kippen. Merkel ging es nicht um Problemlösung, sondern um die eigene Popularität. Sie verhält sich nicht anders als quotensüchtige Medien

Dr. Wolfgang Herles