Tag Archive: Contentindustrie


Filme

„Ich schaue mir keine Filme an“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, der ihm erzählte, wie er sein Geld im Kino ausgibt. „Es wäre Verschwendung von Lebenszeit. Bei den meisten Filmen, die ich zu schauen versucht habe, wusste ich nach lediglich zehn Minuten die gesamte folgende Handlung und war dementsprechend gelangweilt, zumal auch die vielleicht noch interessanten Einzelheiten weitgehend den erwartungsgemäßen Cliches entsprochen haben. Das Kino hat sich immer noch nicht vom Korsett freigemacht, das es einst vom Theater übernommen hat¹, sondern schnürt es fester und fester zu, bis es beinahe tot ist; die immer aufwändigeren Effekte, die an der Psyche des Betrachters zu zerren suchen, können über dieses eingeschnürte Gestorbensein nicht hinwegtrösten“.

¹Es gab allerdings zwischendurch, in der Zeit zwischen 1960 und 1990, ein durchaus beachtliches Aufbegehren, diesem Korsett zu entkommen — so dass alle halbwegs sehenswerten Filme schon recht alt sind.

Das Brüsseler Bombengeschäft

Kaum gibt es Terrorismus, Bomben und Tote, schon gibt es die „Liveticker“ auf den großen qualitätsjournalistischen Websites, in denen stundenlang live in Stummelsätzen mitgeteilt wird, dass noch nichts genaues bekannt ist… umrahmt mit Werbung, dem eigentlichen Geschäft der Contentindustrie. Es sind die Tage, an denen sich zeigt, dass die Tätigkeit der Journalisten genau so kalt und menschenverachtend ist, wie das, worüber der Journalismus zu berichten vorgibt, während er nichts zu berichten hat.

Unebachtet mahnt das Vergessmal

Hinweistafel an einer Bank am hannöverschen Maschsee: Sie blicken in Richtung des 1935 abgebauten Bismarckdenkmals. Dort fand am Abend des 10. Mai 1933 die Bücherverbrennung statt. Gestiftet von Teilnehmern des Kulturführerscheines Hannover 2013

Bitte setzen und nachdenken über die Bücherverbrennung. Bit aufstehen und sich engagieren bei Verfolgung Andersdenkender.

Heute hat der Bundesgerichtshof die von Providern erzwingbare, DNS- oder IP-basierte Internetzensur durch Richterrecht zu in der BRD geltendem Recht gemacht, und zwar nicht für „schwerste Verbrechen“ oder ähnliche Vorwände, sondern zur Durchsetzung des so genannten „Geistigen Eigentums“. Eine Ausweitung dieser Zensurmöglichkeit auf alle nur denkbaren und undenkbaren „Anwendungsfälle“ kommt im Verlauf der nächsten fünf Jahre so sicher wie das Amen in der Kirche.

Star Wars

„Luke Skywalker“, sagte der Vorübergehende zu einem Zeitgenossen, der ihm von einem Disneyfilm erzählte, „ist das US-amerikanische Comic-Abziehbild eines Jihadisten: Ein Mensch, der durch die Religion radikalisiert wird und für ein abstraktes Ziel andere tötet“.

Die Stimme für Deutschland

Jetzt, da das gleiche Untenhaltungsmanagement beim NDR, das — vor allem anderen von Vermarktungsmöglichkeiten ausgehend — so richtig wertneutral beflissen entschieden hat, dass Xavier Naidoo für die BRD zum ESC entsendet wird, sich wegen der schlechten Presse ob dieser Entscheidung flugs dazu umentschied, ihn doch nicht zu nehmen, stellt sich nur und immer noch die Frage, wen sie wohl an seiner Statt nächstes Jahr nach Schweden schicken werden. Mein Tipp: Helene Fischer.

Alarm! Wurst macht Krebs!

Ein beliebtes Spiel unter publikationssüchtigen Wissenschaftlern und miesen Journalisten im aufmerksamkeitsheischenden Klickabfischmodus der Contentindustrie geht so: Wer eine Korrelation gefunden hat, darf sich die Kausalität ausdenken. Das gilt insbesondere bei der Behandlung von Metastudien, bei denen Studien unterschiedlicher Qualität, Größe und Herangehensweise ausgewertet werden.

Nein, ich verlinke jetzt kein Beispiel dafür…

Journalismus nach dem Zusammenbruch des Werbemarktes

Erst, wenn der bereits jetzt höchst fragwürdige und zutiefst unseriöse Markt für Werbung im Web endgültig weggebrochen ist; erst, wenn die „hochwertigen“ Inhalte aller journalistischen Auftritte nicht mehr mit einem für die Computersicherheit gefährlichen und durch das site-übergreifende Tracking der Werbefirmen für die Privatsphäre zerstörerischen Kommunikationsmüll vergällt werden können, um daraus ein paar Judascent Profit schlürfen zu können; erst, wenn die ersten Websites von einst hochangesehenen Tageszeitungen hinter einer Paywall verschanzt werden müssen — erst dann werden die Journalisten bemerken, wie lächerlich „viel“ Geld ihre Tätig- und Tätlichkeit den Lesern wirklich wert ist. Dieser Enttäuschung. Ging eine jahrzehntelange Selbsttäuschung voraus. Und. Es ist anzunehmen, dass selbst nach dem Fall noch Hochmut kommen wird.

Und nein, das tote Pferd reitet auch nicht besser¹, wenn der Pferdeflüsterer es mit einer sanfteren Stimme versucht.

¹Wer diese Metapher nicht versteht, lese hier weiter!

Die Quotenkanzlerin

Das Vereinfachen komplexer Zusammenhänge und das Emotionalisieren der Dinge haben dasselbe Ziel: Information verkommt zu einer Art Unterhaltung. Die Medien werden zur Erregungsindustrie. Und die Politik agiert heute ebenfalls mit Gefühlen. Bestes Beispiel: Die Öffnung der Grenzen für alle, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Mit der Wir-schaffen-das-Rhetorik ist aber das Problem der Zuwanderung nicht zu lösen. Im Gegenteil. Stimmungen können, wie in diesem Fall, schnell kippen. Merkel ging es nicht um Problemlösung, sondern um die eigene Popularität. Sie verhält sich nicht anders als quotensüchtige Medien

Dr. Wolfgang Herles

Contentindustriell induzierte Mode statt Gehirn

Was kotzt mich mittlerweile dieser Common Sense von Willkommenskultur an. Hauptsache, alles in einen Topf werfen und schön verallgemeinern. Refugees welcome! Wer jetzt? Nur die guten oder auch die bösen? Egal! Hauptsache mitmachen. Letztes Jahr war’s noch die Icebucketchallenge, jetzt sind es die Flüchtlinge. Und so wenig, wie heute noch über den Kampf gegen ALS gesprochen wird, so unglaubwürdig ist die Anteilnahme, wenn sie Teil eines Spektakels wird, bei dem es vielmehr um das Image des engagiertesten Wohltäters zu gehen scheint, als um die Frage, wie man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann

Serdar Somuncu

Journalisten

Journalisten sind diejenigen Menschen, die erst alles mit Benzin übergossen haben, um dann Empörung zu heucheln, wenn endlich jemand zündelt.

„Es ist ja nicht so, dass die Journalisten überhaupt keinen Begriff von Würde hätten“, sagte der Vorübergehende zum Blinden mit seinen sehenden Augen, „schau nur, sie haben ihren Zuschauern und Zulesern einen ganzen Lastwagen voller Leichen von Flüchtlingen gezeigt, und sie haben keinen einzigen der toten Menschen unkenntlich gemacht. Der Begriff des Journalisten von der Würde spiegelt sich dennoch darin, dass sie das auf dem Lkw aufgedruckte Firmenlogo verpixelt haben“.

Nein, ich bringe das Foto nicht…

Sommermärchen

Auf die brennenden Unterkünfte für Flüchtlinge angesprochen, sagte der Vorübergehende: „Wenn die gleichen Idioten ihre Fahnen wegen des Fußballs schwenkten und ihre (oft gar nicht so sehr anders klingenden) Parolen wegen des Fußballs brüllten, dann sprächen die Journalisten in Presse und Glotze begeistert-verklärend von einem ‚Sommermärchen‘, und sie hätten keine Minute Kritik dafür übrig, dass das dumpfige Wir-Gefühl in hunderte lohnender Geschäfte eingespannt wird“.

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