Tag Archive: Contentindustrie


Gar nicht mehr so schlimm

Wenn ein Günther Jauch “die prominenteste Talkshow-Bühne Deutschlands” zur Verfügung stellen kann, finde ich die Vorstellung einer Islamisierung auf einmal gar nicht mehr so schrecklich. Das “Abendland”. Hat sich lange schon in ein grottenfinstres Nachtland verwandelt.

“Je suis un menteur”

Wer dieses “Je sui CHARLIE” wie ein Banner der Meinungsfreiheit in seine Zeitung, Fernsehsendung oder Website stempelt, muss auch für die Abschaffung des §166 StGB (und jedes anderen zu Gesetz gemachten Verbotes der bloßen Meinungsäußerung) eintreten, und zwar ganz genau so auffällig und lautstark — außer natürlich, er will sich selbst lächerlich machen und stört sich nicht weiter daran, wenn er sich einfach nur als ekliger Opportunist entlarvt, der eine Gelegenheit darin sieht, als Marktschreier auf einem Leichenberg Zeitungen, Zeitschriften, Sendeminuten — und vor allem: teure, attraktive Werbeplätze — zu verkaufen!

Kein Problem

Hunger tötet jeden Tag mehr Menschen als Ebola in einem ganzen Jahr, wird aber dennoch von den Medien der Staaten und der Milliardäre niemals so drastisch als Problem dargestellt, weil Politiker und reiche Menschen nicht an Hunger sterben können.

Clickbait mit Messer und Gabel

Kaum werden — das ist ja auch eine gute Verkaufsförderung für ein Büchlein — ein paar Sprüche eines abgehalfterten Altkanzlers über die angebliche Unfähigkeit der amtierenden Bundeskanzlerin beim Essen mit Messer und Gabel publik, schon wird das vom Apparat der Contentindustrie klickträchtig aufgeschäumt, als ob es eine Nachricht wäre. Ganz so, als gäbe es über die Machenschaften der gegenwärtigen Regierung der Bundesrepublik Deutschland keine substanziellere Kritik zu schreiben. Der Beitrag der Contentindustrie zur Entpolitisierung der Menschen in Deutschland ist niemals zu unterschätzen.

Irgendwelche Links auf die dumme Click- und Linkbait der Presseverlage im Dienste einer Buchverkaufs-PR habe ich bewusst vermieden…

Die Troll-Vorlage

Das Vorbild des typischen Internet-Trolls, der mit verkürzter Argumentation und affektivem Sprachgebrauch aus der sicheren Deckung seines Schreibtisches heraus wie ein Heckenschütze auf die dumme Psyche zielt und dabei immer wieder trifft; das Vorbild und der Lehrer dieses Internet-Trolls ist die verkürzte und affektheischende Schlagzeile des Journalisten. Und. Der Journalist, der ob des Treibens in den Foren der Zeitungswebsites so schrecklich erschrocken ist, erweckt dabei den Eindruck, als stünde er zwei Meter neben einer lichterloh brennenden Scheune und fragte sich dort, warum es nur so hell und heiß sei.

Die wahre Seuche

Die Zeitungswebsites und Fernsehsender, die so wortreich, faktenlos und aktualitätssimulierend vom ersten möglichen Ebola-Fall in Berlin berichtet haben, zeigten im Spiegelbild dieses werbeeinnahmenträchtigen Tuns, was die wahre Seuche der gegenwärtigen Zivilisation ist: Die Contentindustrie.

Die Apokalypse nach FAZ

Drei Überschriften der FAZ nebeneinander: Dutzende Tote bei Anschlag in Afghanistan, Viele Tote bei Zugunglück in Moskau, Deutsche haben zu viel für Wurst bezahlt

[via Nọisïst]

Die Hassmentalität

30 Jahre lang musste ich mir erzählen lassen, dass ich mein Freizeit mit Killespielen [sic!] verbringe und dabei mein Gehirn in ein weiches, fernsteuerbares Brötchen verwandele. Sowas macht einen nicht nur wütend, sondern wirft ja auch die Frage auf, wie es denn um die Berichterstattung um alle jene Bereiche bestellt ist, in denen ich nicht Experte oder Betroffener bin?

Anmut und Demut: Hasszeit

Der Köder vom Koma erwacht

In einer Welt, in der sich die Contentindustrie Meldungen über Michael Schumacher ausdenkt, um mit diesem Contentköder die Menschen zum eigentlichen Geschäft, zur Reklame zu locken; in einer Welt, in der dieses gnadenlos zynische und nach allen Seiten menschenverachtende Kalkül gar funktioniert — in einer solchen Welt möchte ich nicht gern leben. Wer schon wie ein Toter nichts mehr fühlt, dem mags gleichgültiger sein…

Diether Dehm!

Als sie in einem kecken Moment sagten, dass US-amerikanische Geheimdienste die Medien in der BRD steuerten und mit diesen Worten dem gut geölten Empörungsapparat der Journaille eine Dreitagesration Treibstoff gaben, da hatten sie gar nicht so unrecht, wie es Mitmensch Journalist mit seiner Mensch­lich­keit wegätzenden Mischung aus Arroganz und hochgehaltenem Ethos gern hätte. Es reicht, wenn sie das Wort “US-amerikanische Geheimdienste” durch das Wort “eine Handvoll Nach­richten­agen­turen und den Zwang zur Finanzierung durch Werbung” austauschen; das Faktum der weitgehenden externen Steuerung und Vorgabe von Relevanzkriterien bleibt bestehen. Weder Intelligenz, noch Wissen noch die Fähigkeit, Einsicht in komplexere Sachverhalte nehmen zu können, sind ein gutes Umfeld für die “Kommunikation” der Werbelügner, für die dieser ganze mediale Betrieb läuft.

Schreiverstärker

In den auf Quoten, Leserzahlen und damit letztlich auf Einnahmen durch Reklame ausgerichteten Medien der Contentindustrie findet der Demagoge mit seinem sprachlichen Gepolter und dem gezielten Erwecken leicht erhitzbarer Affekte noch die beste Plattform, denn er ist eingängiger, skandalträchtiger, unterhaltsamer und damit verkaufbarer als das langsame, stille, verantwortungsvolle Denken und Abwägen eines Menschen, der nicht gleich schießen will. Sein Geschrei folgt den leeren Worten der Marktschreier und Quacksalber; seine Phrasen sind auch für tumbere Geister als etwas zu erkennen, was den slogans der Werber ähnlich ist; seine Verachtung der Intelligenz ist direktes Spiegelbild des mechanischen Menschenbildes jener, die mit Tricks, hypnotischen Verfahren und leicht erzeugbaren Affektketten aus einem vernunftfähigen Wesen einen dummen Konsumenten machen wollen, der Bestandteil einer leicht steuerbaren Masse ist. Von der Werbung als “Grund” für das Verbreiten jeglicher Kommunikation, von dem zur geschäftlichen Routine werdenden Gedanken jedes Medienschaffenden, mit welchen Mitteln, Personen und Themen jene Massen erreicht werden, die gegenüber den professionellen Lügnern der Werbebranche schließlich als Preis abgerechnet werden sollen, hin zum totalitären Staat voll von entpolitisierten und fügsamen Menschen ist es ein gerader und geradezu zwangsläufiger Weg.

Gruß an Mathias Döpfner

Übrigens, Madsack-Verlag, intelligenzverachtender, in deinem Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 26. Februar mit dem Titel “Investor für Ihme-Zentrum springt wieder ab” — nebenbei gesagt, ists nicht so überraschend, dass dieser von dir nicht näher bezeichnete Investor bessere Verwendung für Geld als die Verbrennung kennt — schreibst du neben vielem anderen, nebulösen und vorsätzlich irreführenden Kram folgendes:

Seit 2009 befinden sich 83 Prozent des Komplexes in der Insolvenz. Ein US-Fondsunternehmen war mit der Sanierung in die Pleite gerutscht.

Ein paar Worte, wie es die international tätige Wirtschaftsheuschrecke The Carlyle Group (kein so geheimer Name, den du da völlig vor deinen Lesern verschwiegen hast) mit eigens dafür aufgebauten, nur beim Hinschauen an die Organisierte Kriminalität erinnernden Strukturen geschafft hat, mit feuchten Träumen von einem “Linden-Park” aus brutalistisch zur Schau gestellten Beton Milliarden von Euro zu vernichten und am Ende den größten Schrotthaufen Niedersachsens zwischen Ihme und Blumenauer Straße zu hinterlassen, ohne dafür selbst auch nur für eine Handvoll Cent haftbar zu werden, wäre vielleicht für die politische Bildung deiner von dir verachteten Leser ganz hilfreich gewesen. Oder hast du etwa Angst davor, du nach Lüge und Scheiße stinkende Milliardärspresse aus dem Hause Madsack, dass die von dir ansonsten systematisch hochgejubelten stadtentwicklerischen Großprojekte auf Widerstand stoßen könnten, wenn da allzu viel Skepsis in den Köpfen der Menschen entsteht, vielleicht sogar störende Fragen, was das alles kosten wird und wer es bezahlt?

Während deine geldmächtigen Freunde mit ihren monströsen Visionen nicht zum Arzt, sondern — bezahlt mit dem Geld anderer Leute, versteht sich — zum Bauunternehmer gehen wollen, verschimmeln in der Stadt die Schulen.

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