Category: Alarmrufe


Products of Waste Economy

“Smartphones, Smartwatches, Pads”, sagte der Vorübergehende zum Reklamegenießer, “sie sind allesamt nichts weiter als fabrikneuer Giftmüll mit Internet”.

Da sind keine Unglücke im Mittelmeer

Dass zurzeit massenhaft Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, ist ebensowenig ein “Unglück”, wie die von DDR-Grenzsoldaten erschossenen Menschen ein “Unglück” waren. Es handelt sich um das politisch explizit gewünschte und mit beachtlichen staatlichen Aufwand und eigens dafür geschaffenen Strukturen herbeigeführte Geschehen.

Analogleichen

Lasst euch nicht von der propagandistisch so nützlichen Vorsilbe “cyber” auf einen Weg zu unzutreffenden Gedanken leiten! Das, was am Informations- und Cyberkrieg der Geheimdienste nicht digital ist, das sind die zerfetzten Leichen der Drohnenopfer.

Vorratsdatenspeicherung

Foto von Anne Frank -- Mit Vorratsdatenspeicherung wäre das nicht passiert. Anne Frank, 1929-1945

Lieber M.

Lieber M.,

bitte versteh mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen dich. Ich habe dich ja auch noch nie irgendwo getroffen, was auch nicht weiter überraschend ist, weil wir doch sehr verschiedene Lebensbereiche haben: Du als Naturwissenschaftler und ich als… naja… Penner.

Ganz im Gegenteil, ich mag dich sogar recht gern. Du hast einen bemerkenswert guten und breit gefächerten Musikgeschmack und machst wirklich den Eindruck eines aufgeschlossenen und vielseitig interessierten Menschen. Und außerdem scheinst du in technischen Fragen recht ungebildet zu sein. Das scheint dich aber nicht weiter zu stören, denn wenn ein Gerät mal — aus deiner Sicht der Dinge — kaputt ist, kannst du es dir leisten, das nicht mehr wie gewünscht funktionierende Gerät einfach wegzuwerfen und dir ein neues zu kaufen. Aber auch das mag ich in gewisser Weise, denn es sind Menschen wie du, die das dumpster diving zu einer lohnenden Betätigung machen.

Deinen Computer — der auf eBay übrigens zwischen 130 und 150 Euro eingebracht hätte; allein das Motherboard geht sicher für einen fluffigen Fuffie weg — habe ich im Müll gefunden. Computer aus dem Müll sind ja immer Glückssache, zu oft entpuppt sich der Kasten nach einer ersten Inspektion lediglich als ein Teilespender für halb-obsolete Hardware. Das war bei deinem nicht der Fall. Sicher, du hast ihn weggeworfen, weil er ziemlich “zerschossen” war, das darauf laufende Windows 7 Home Premium von unser aller Freund Microsoft brauchte fast zehn Minuten zum booten und war am Ende dieses Vorganges nahezu unbedienbar.

Woher ich das weiß? Nun, deine “Maßnahme zum Datenschutz”, die darin bestand, einfach das SATA-Kabel zwischen Board und Festplatte herauszunehmen, war nicht besonders wirksam. Nein, es ist wirklich nicht so, dass ich in deinem Privatleben herumschnüffeln wollte, ich wollte einfach nur wissen, ob die Terabyte-Platte nur ein dekoratives Objekt für einen Haufen Schrott ist, oder ob ich sie noch verwenden kann. Ich kann große Festplatten immer gut gebrauchen. Erfreulicherweise war deine Festplatte kein Stück Schrott. Dein Windows-Desktop sieht übrigens so aus (und der Monitor, auf dem er dargestellt wird, stammt ebenfalls aus dem Müll):

Foto vom Desktop des Müllrechners

Vieles daran finde ich sehr erfreulich. Nein, deine Faszination für gerenderte Autos in der ungefähren Ästhetik eines Zäpfchens gehört nicht dazu, aber hey, wir haben alle unsere komischen Vorlieben. Doch ich finde es erfreulich, dass so viel Bewusstsein für die Probleme der Computersicherheit hast. Dabei bist du weit über solche einfachen Dinge wie einen Tor-Browser hinausgegangen; du verwendest GnuPG, vermutlich, um deine E-Mail zu verschlüsseln; du verwendest TrueCrypt, weil es halt andere Leute einen Dreck angeht, was du auf deiner Festplatte hast; du sorgst mit KeePass dafür, nicht überall das gleiche Passwort zu verwenden und dir deine Passwörter so festzuhalten, dass man sie dennoch nicht einfach lesen kann. Es wäre vermutlich schon viel gewonnen, wenn jeder so umsichtig wäre. Die Eingabe eines Passwortes zur Anmeldung an den Computer und die Verschlüsselung deiner Arbeitsverzeichnisse war dir aber scheinbar doch ein wenig zu viel Getippe vor dem Datengenuss, so dass der Rechner mit deinem Desktop hochfuhr, ohne dass ich eigens ein Passwort hätte erraten müssen. Das Experiment, ob ich deinen Thunderbird starten kann und ohne Eingabe eines Passwortes deine E-Mail abholen oder in deinem Namen E-Mail versenden kann, habe ich nicht gemacht, denn ich bin kein Arschloch, das so in deiner Privatsphäre rumlümmeln möchte. Einmal ganz davon abgesehen, dass ich sie dann mit POP3 abgeholt und damit dir vorenthalten hätte. Ich habe auch darauf verzichtet, deine alten Mails zu lesen, ich habe mich nur anhand der Dateigrößen davon überzeugt, dass sie noch lokal im Thunderbird-Verzeichnis vorliegen.

Ich habe mir ebenfalls gespart, mal zu schauen, was ich anhand der Browser-Chroniken der drei von dir verwendeten Browser über dich herausbekommen kann. Und deine privaten Fotos habe ich wirklich nur ganz kurz angeschaut, um nach Anblick deiner vollständigen Bewerbungsunterlagen schnell wieder davon abzulassen — eine hübsche Tochter hast du übrigens, die hoffentlich ein schönes Leben vor sich hat. Was die von dir genutzte Software über dich verrät, wenn man nur den Desktop betrachtet, hat mir als kurzer, leicht gruseliger Einblick schon gereicht. Und deinen anerkennenswert breit gefächerten und teilweise sehr interessanten Musikgeschmack — wenn man vielleicht einmal von peinlichen Fehlgriffen wie Rosenstolz absieht — habe ich ja schon erwähnt. Dieses uTorrent scheint dir ja auch ganz gut gefallen zu haben…

Du hattest natürlich Recht: Dein Windows 7 konnte man nicht mehr benutzen. Es war ein schmerzhaft zuckender Krampf im Allerwertesten, in einem Zustand, in dem man jemanden damit bestrafen konnte, der Vater und Mutter totgeschlagen hat. Ich habe mich deshalb auch gleich gefragt, ob es sich um ein Problem mit deinem Rechner — wie gesagt: er war ja Müll — handeln könnte, und deshalb habe ich nach zwanzig Minuten einer dir sicherlich wohlbekannten Qual¹ ein Xubuntu 14.04 LTS von einem USB-Stick gebootet, den ich zufällig in der Tasche hatte. Damit hatte ich nicht nur ein sehr performates Stück Computermüll vor mir stehen, sondern ferner keinerlei Hinweis auf irgendeinen Schaden an deiner Hardware gefunden. Nun gut, ich mag AMD nicht, weil ich schon viel Ärger mit AMD hatte. Aber das ist noch kein Schaden; dein Rechner lief wirklich gut, und auch die Performanz deiner Festplatte war mehr als nur befriedigend.

Denn darin hattest du ganz einfach unrecht: Dein Rechner war kein Müll. Dein völlig verhunztes Windows, das war Müll. Das hättest du einfach neu installieren können, und wenn du wirklich nicht weißt, wie das geht, hättest du ein paar hundert Meter weiter stadtauswärts einen kleinen Computerladen gefunden, dessen übrigens sehr freundlicher und kompetenter Inhaber dir sicher dieses Problem für rd. ein blaues Läppchen mit gotischen Fenstern gelöst hätte — oder dir noch einen richtig guten Preis für dein Gerät gemacht hätte, wenn du aus anderen Gründen einen neuen kaufen wolltest. Natürlich nicht die rd. 150 Öcken, die du auf eBay erzielt hättest, denn er will verständlicherweise auch von etwas leben; aber zwischen achtzig und hundert Euro hättest du dafür bekommen. Ohne, dass du dich dem üblichen Betrugsrisiko auf eBay hättest aussetzen müssen. Und hey, denk doch mal in Ruhe drüber nach, M.: Computer sind viel zu schade zum Wegwerfen!

Aber wie ich am Icon des Bietagent auf deinem Desktop sehe, hättest du wohl auch mit eBay keine Probleme gehabt.

Und mit noch etwas hattest du Unrecht: Es macht deine Festplatte nicht unlesbar, wenn du das SATA-Kabel entfernst. Man kann einfach ein anderes Kabel nehmen. Aber du kannst ja auch nicht alles wissen, M., wo du doch schon beachtliche Leistungen im Studium erbracht hast:

Eine der vielen Dateien von der Festplatte: Ein Zeugnis über eine Vordiplom-Prüfung in Chemie, vom Bildschirm abfotografiert.

Ich könnte noch viel über dich schreiben, M., wenn ich mir nur die Mühe gemacht hätte, ein bisschen weiter in deiner Privatsphäre rumzuwühlen. Die schwarzen Balken in deinem Zeugnis habe ich übrigens gemacht, weil ich vor deiner Privatsphäre mehr Respekt habe als du selbst — und deshalb Wert darauf lege, dass du aus diesem Artikel heraus für andere Leser nicht leicht identifizierbar bist.

Was ich alles hätte machen können, wenn ich kein Penner, sondern ein richtig asozialer Verbrecher gewesen wäre, kannst du dir vielleicht inzwischen vorstellen. Deine in sehr guter Qualität eingescannte Unterschrift und die umfangreichen Angaben über dich aus deinen Bewerbungsunterlagen wären mir zum Beispiel eine große Hilfe bei einem Identitätsmissbrauch gewesen. Den Rest, den ich — wie gesagt, ohne mir auch nur Mühe zu geben oder gezielt danach zu suchen; ich wollte nur nachschauen, ob die Festplatte noch benutzbar ist — in lediglich zehn Minuten gesehen habe, solltest du dir selbst vorstellen können, und wenn du wissen möchtest, welches Missbrauchspotenzial darin liegt, dann frag doch einfach mal die Polizeibeamten in der kleinen Wache um die Ecke, denn die werden dir darüber eine Menge erzählen können.

Zu meinem großen Missfallen gibt es leider richtige Arschlöcher da draußen; Leute, die jeden zwischenmenschlichen Maßstab verlieren, wenn sie die Möglichkeit sehen, sich auf Kosten anderer Menschen einen Vorteil zu verschaffen, Leute, deren Empathievermögen auf den Niveau eines gebrannten Ziegelsteines liegt. Und nur für den Fall, dass du das noch nicht weißt: Es gibt davon so verdammt viele. Gerade in deiner Umgebung.

Deshalb solltest du daraus lernen und nie wieder so eine Festplatte wegwerfen. Nein, du musst dafür nicht zum Hammer greifen. Ein auch für informationstechnisch weniger geneigte, Windows-verwendende Mitmenschen brauchbares Programm zum Unlesbarmachen einer Festplatte ist zum Beispiel Disk Wipe². Dafür musst du noch nicht einmal Geld bezahlen, aber so ein Fünfer für die Entwickler, die dir das schenken, wäre schon nett. Ein PayPal-Konto hast du ja…

Am besten, du erzählst jetzt auch jedem anderen, dass ein bisschen Selbstverantwortung im Datenschutz eine gute Idee ist und dass du schon einmal selbst ganz knapp an einer kleinen persönlichen Katastrofe vorbeigeschrammt bist. Denn ich habe derart “auskunftsfreudige” Festplatten aus Müllrechnern nicht zum ersten Mal in meinem Leben gesehen.

Dein
Nachtwaechter

P.S.: Natürlich ist die Festplatte jetzt vollständig gelöscht. Wenn du dich dafür bedanken möchtest, drück einfach dem nächsten Bettler, der dir übern Weg läuft, ein paar Euro in die Hand, statt ihn mit einem verachtungsvollen Blick und vielleicht sogar hässlichen Stammtischparolen und Schimpfwörtern abzuspeisen. Vielleicht bin es ja ich.

¹Auch im abgesicherten Modus war die Windows-Installation unbenutzbar. Wenn es mir das wert gewesen wäre, hätte ich mir vielleicht mal mit msconfig angeschaut, was deinen Rechner so lähmt. Der soeben gesetzte Link zu Microsoft benötigt übrigens zwingend JavaScript.

²Richtige Profis fahren ein GNU/Linux hoch und machen es mit dd. Wie das geht, findet sich unter Angabe sehr naheliegender Suchbegriffe in diesem Internet.

Die Benennung

Wenn es ein Moslem tut, nennen es Medien und Poltiker einen “feigen Mordanschlag eines Selbstmordterroristen” und fangen bei entsprechend großer Opferzahl sogar einen Krieg an. Wenn es ein Christ oder Atheist tut, nennen es Medien und Politiker einen “erweiterten Suizid”.

Contentindustrie = Menschenverachtung

Tweet von @mipff, 25. März 2015, 14:40 Uhr: Journalisten bieten Schülern Geld an, um an Fotos von der schulinternen Trauerfeier zu kommen. #Germanwings #4U9525

Auch, wenn es direkt nichts mit dem gescreenshotteten Tweet zu tun hat, zur weiteren Lektüre empfohlen: Sven bloggt — Medien zum Absturz der Germanwings 4U9525 — es ist einfach widerlich.

Nachtrag 27. März, 23:00 Uhr: Eine weitere Quelle lässt sich im Bildblog nachlesen.

Der neue Fleiß

Wenn du der allgegenwärtigen Propaganda aus Presse und Glotze glaubst, dann hältst du Griechen für (im neuvölkischen Tone geradezu genetisch) faul und jene Spekulanten und Bankster, die sich am Zerfall Griechenlands eine goldene Nase verdienen, für fleißig.

Das Leben als behandlungsbedürftige Krankheit

Was zur kindlichen Persönlichkeit dazu gehört − unfertig, verspielt, stürmisch und sprunghaft zu sein − würde heute in einem erschreckenden hohen Ausmaß für behandlungsbedürftig erklärt […] Vor allem Jungen werden Opfer dieser Entwicklung, so Beate Frenkel und Astrid Randerath und sprechen von der “Pathologisierung eines Geschlechts”

Susanne Billig bei Deutschlandradio Kultur — Psychologie: Kinder dürfen nicht mehr Kinder sein

Die Kreativität der Werber

Nachdem das Medium so weit vergällt und damit ungenießbar gemacht wurde, dass kaum noch jemand auf die Pest der Reklame reagiert, sollen jetzt in einem Akt der typischen Reklame-Kreativität die Inhalte zersetzt werden, um deretwillen das Medium überhaupt existiert — und damit das nicht so schmerzt, heißen die Inhalte im Zustand der Verwurstbarkeit neudeutsch “Content”. Werbung ist ein Krebsgeschwür an allem, woran sie sich zum Zersetzen setzt; Werber sind nichts weniger als Menschenfeinde.

Und die Journalisten, die völlig vom Krebs der Reklame durchfressen sind, stehen nur noch im Dienst der Menschenfeindlichkeit der Werber.

Edathy

Die gleichen Politiker, die ihrem Kollegen Sebastian Edathy in strafvereitelnder Absicht den Hinweis zugesteckt haben, dass gegen ihn wegen “Kinderpornografie” ermittelt werde¹, damit er auch ja Beweise vernichten könne und nicht dafür ins Gefängnis gehe, wurden zuvor nicht müde und werden auch danach nicht müde werden, mit mehr oder minder gut gespieltem und von Presse und Glotze bis ins Obszöne verstärkten Empörungston nach härteren Strafen und schärferen Gesetzen zu rufen.

¹Es handelt sich nicht um freiwillig produzierte Pornografie, sondern um fotografierten und gefilmten sexuellen Missbrauch, deshalb die Anführungszeichen. Die in Presse und Politik in durchgehender Gedanken- und Bedenkenlosigkeit verwendete Bezeichnung “Pornografie” macht schon klar, wie gleichgültig den so sprechenden Menschen die ausgelieferten Opfer sind.

Die selben Qualitätsdemokraten

Es sind die selben Gestalten, die kryptografische Infrastruktur gezielt und mit hohem Aufwand infiltrieren, korrumpieren und manipulierbar machen, die den Menschen auch so genannte “digitale Wahlcomputer” andrehen wollten und sie ihnen bei nächster günstiger Gelegenheit wieder andrehen wollen werden.

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