Tag Archive: Politik


Bundesnotbremse

Der Zweck einer „Notbremse“ ist es nicht, dass man einfach mit lediglich reduzierter Geschwindigkeit weiter gegen die Wand fährt und sich auf die Funktionsfähigkeit der Notbremse verlässt. Dass der Begriff „Notbremse“ in der politischen Sprache verwendet wird, ist ein deutliches Spiegelbild der Tatsache, dass die lediglich mit medienwirksamen Scheinmaßnahmen — wie etwa ums Verrecken offen gehalten Schulen mit Schulpflicht bei gleichzeitigen nächtlichen Ausgangssperren — und groß heraustrompeteten Worten vorgehenden Gestalten aus der Bundesregierung unter Angela Merkel im Zuge ihrer „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ das Steuerrad längst aus der Hand gegeben haben.

Chatbot

Die vom journalistisch-politischen Komplex nahezu allgegenwärtig gemachten Mitglieder der Classe politique der Bundesrepublik Deutschland wirken wie Chatbots, die jede Eingabe ohne semantische Analyse nach Schlüsselreizen und Schlüsselwörtern durchsuchen, um dann ihre Antwort aus ihrer gesammelten Schatztruhe generischer Phrasen ohne belastbaren Inhalt oder ertastbare Substanz zu geben, je nach Thema gern auch mit einigen Spritzern Pathos dekoriert. Wenn diese Menschen die Sprache überhaupt zur Mitteilung von Ideen und Plänen verwenden können, dann scheinen sie es vor allem untereinander zu tun, in parlamentarischen und lobbyistischen Dunkelkammern, die der Öffentlichkeit entzogen sind. Die Intelligenz der Bevölkerung verachten sie. Und Angela Merkel ist die Meisterin dieser hässlichen Kunst. Sie kann zehn Minuten lang flüssig wohlgefällig-hohle Worte aus ihrem Munde strömen lassen, ohne dabei etwas zu sagen — nur für längere Reden bedarf sie eines Manuskriptes, weil ihr aktiver Phrasenschatz begrenzt ist. Deshalb ist sie hier auch Bundeskanzlerin geworden und wurde immer und immer wieder gewählt; gewählt von Menschen, die eine starke Sedierung und eine völlige Vermeidung jeglicher Gehirntätigkeit mit Frieden und Harmonie verwechseln. Jene Menschen aber, die sich bei dieser infantilen Behandlung durch Politik und Journalismus verschaukelt und beleidigt fühlen, werden fragwürdigen Populisten zugetrieben.

Bundespressekonferenz

Wenn Steffen Seibert antwortet, versteht man schon nach einer Minute gar nicht mehr, was überhaupt gefragt wurde.

Schimpf und Schande

„Dadurch, dass man Politiker verspottet und möglichst verletzend beschimpft“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „ist noch niemals eine Demokratie gefährdet wurden — aber sehr wohl dadurch, dass man diese Menschen verherrlicht oder auch nur ihre oft intelligenzverachtenden Äußerungen wiedergibt, während alles den Bach runtergeht. Wenn freidrehende politische Klassen den Rest der Bevölkerung verkaufen; wenn ‚Demokratie‘ nur noch darin besteht, dass man unterschiedliche Namen für das gleiche Programm und die gleichen charakterlichen Defekte auf den Landeslisten bekreuzigen darf, dann hat der verkaufte, entmächtigte Rest der Bevölkerung nur noch die Wahl zwischen Schimpf und Schande. Und wer schweigt oder gar zu einer alles verstärkenden Echokammer der bevölkerungsfeindlichen Politik wird, entscheidet sich für die Schande, so wie der gesamte contentindustrielle Journalismus sich schon längst für die Schande entschieden hat“.

Verkünderzweifel

Nichts macht mich bei den allmedial verkündeten wissenschaftlichen Fortschritten noch skeptischer und zweifelnder als ihre Verkündigung in den Pressekonferenzen der Politiker statt in denen der Wissenschaftler. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Fehlerfrei

„Du hast recht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „die Politiker machen wirklich keine Fehler. Denn aus Fehlern würde ein intelligenter Mensch ja etwas lernen, und gerade das findet seit Jahrzehnten nicht mehr statt. Sie machen also genau das, was ihrem Gestaltungswillen entspricht und sind mit dem Ergebnis hochzufrieden“.

Demokratie und Europapolitik

Anstelle eines Kommentars zum äußerst demokratisch durchgeführten Brexit ein Zitat eines wichtigen, bis heute nachwirkenden Politikers der jüngeren BRD-Geschichte:

Ich wusste, dass ich niemals eine Volksabstimmung in Deutschland hätte gewinnen können […] Eine Volksabstimmung über die Einführung des Euro in Deutschland hätten wir verloren. Das ist ziemlich klar. Ich hätte verloren, und zwar mit siebzig Prozent Gegenstimmen […]

Wenn ein Kanzler versucht, etwas durchzusetzen, muss er ein Machtmensch sein. Und wenn er klug ist, weiß er, wann die Zeit reif ist. In einem Fall — beim Euro — war ich wie ein Diktator. […] Der Euro ist ein Synonym für Europa. Zum ersten Mal ist Europa ohne Krieg

Dr. Helmut Kohl, CDU, ehemaliger Bundeskanzler [dauerhaft archivierte Quelle des Zitates]

Erfolgreiche Selbstemanzipation

Die Politik und der Journalismus sind voller Menschen, die sich so sehr von sich selbst emanzipiert haben, dass sie sich bei ihren dummen Untaten, intelligenzverachtenden Lügen und halbseidenen Machenschaften nicht mehr schämen müssen, sondern ganz allgemein und persönlich völlig unverbindlich über die Schwäche der menschlichen Natur klagen können — ohne die geringste Dämpfung ihres grenzenlosen Narzissmus.

Sinkenlassen

Der Vorübergehende sagte zu seinem ängstlichen Zeitgenossen: „Sie können keine Obdachlosigkeit, keinen Hunger, keine Armut bekämpfen, aber sie wollen jetzt den Klimawandel bekämpfen. Lass das nur eine einzige Minute in dich sinken!“.

Diamono

Wenn jemand seinen PRessesprecher oder seine Reklamefirma sagen lässt „Wir haben verstanden“ und im gleichen Atemzuge davon faselt, zu einem „Dialog“ bereit zu sein, könnt ihr euch auf zwar nicht neue, aber doch wenigstens werbewirksam neuformulierte Monologe voll der alten „Inhalte“ gefasst machen.

Mission

Der Vorübergehende sagte zu seinem politisch bewegten Zeitgenossen: „Zu einem Gespräch gehört immer auch die Haltung, dass der Andere in einigen Punkten recht haben könnte — so unverschämt diese narzisstische Kränkung im Einzelfall auch sein mag. Wo diese Haltung nicht mehr ist, wo die eigene Unfehlbarkeit und Richtigkeit zum Grundton jedes gesprochenen Wortes wird, da handelt es sich nicht um ein Gespräch, sondern um eine sehr spezielle Karikatur eines Gespräches: Um das Missionsgespräch eines Fanatikers. Kaum jemand von gesundem Geiste mag sich das lange anhören. Und wenn es aufgedrängt oder gar aufgezwungen wird, empfindet dies beinahe jeder Mensch als Gewalt. Doch genau zu diesem Aufdrängen oder gar Aufzwingen von fanatischen Missionsgesprächen, genau dazu ist die gesamte politische Kommunikation geworden“.

Viel Spaß beim Wählen!

Der Politik ist eine bestimmte Form der Lüge zwangsläufig zugeordnet: das Ausgeben des für eine Partei Nützlichen als das Gerechte.

Carl Friedrich von Weizsäcker