Tag Archive: Politik


Die Nachkämpfer_innen

Wenn einige Vorkämpfer für die Rechte der Menschen gegen erheblichen gesellschaftlichen Widerstand und unter oft physischem wie psychischem Schmerz so weitgehend ihre Erfolge errungen haben, dass ihre Forderungen längst genannt werden dürfen, ohne lächerlich zu wirken und ohne auf offenen Hass zu stoßen, ja, dass sie bereits zum festen, nicht mehr hinterfragten Bestandteil der bourgeoisen Politik und ihrer journalistischen Ausdeutung geworden sind, dann kommen die Nachkämpfer_innen wie ein Krebsgeschwür der einst not-wendigen Bewegung: All diese Unterstützer_innen, die mit ihrer Unterstützung inzwischen nichts mehr zu verlieren haben, weil es weitgehend ungefährlich geworden ist, sich für die Rechte der Menschen zu engagieren. Da es bei den Nachkämpfer_innen wegen des von ihnen gewählten Zeitpunktes keine wirklich drängende existenzielle Not mehr gibt, die von ihnen bekämpft wird, kämpfen sie freilich auf Außenstehende absurd wirkende Scheingefechte mit auf Außenstehenden absurd wirkenden Mitteln; dabei selbst gut finanziell abgesichert, mit allen von ihren Vorkämpfern kaum erträumbaren Möglichkeiten ausgestattet und oft in den von ihnen dabei offen verachteten bourgeoisen Institutionen reich alimentiert. Sie übernehmen von den mittlerweile gesellschaftlich akzeptierten Vorkämpfern den aggressiven, einst einem not-wendigen Kampf geschuldeten Tonfall und die um Aufmerksamkeit und billiges Gefühl schreiende populistische Methodik, doch ihr Feind ist eine in paraanalytischer Sprache verpackte, untereinander wie die heilige Erkenntnis mitgeteilte Leere, in deren zum Hass freigegebenen Hohlraum im Zweifelsfall jeder Mensch auch aus geringsten Anlässen untergebracht und vor einem aufgeheizten Mob für die Kühlung des Mutes präsentiert werden kann, ohne dass ein davon betroffener Mensch sich dagegen mit Mitteln der halbwegs zivilisierten Auseinandersetzung wehren könnte. Das Ziel beinahe aller Tätig- und Tätlichkeiten der Nachkämpfer_innen ist nicht die Herstellung von Menschenrecht, sondern möglichst bequem zu erreichende persönliche psychische Abfuhr für allerlei individuelles Ungemach der Vergangenheit; die grundsätzliche Haltung, die alle Nachkämpfer_innen in ihrer Verschiedenheit eint, ist eine manisch-depressive Verantwortungslosigkeit, der es nicht gelingt, mit den von den Vorkämpfern errungenen Möglichkeiten, Rechten und Freiheiten etwas wahrhaft Konstruktives mit gesellschaftlicher Strahlkraft für ein besseres Leben anzufangen. Unterdessen. Produziert der weiter über die Gesellschaft ablaufende Prozess seine zwangsläufige Not und Ungerechtigkeit für Viele, die mit den aufgesetzten Scheuklappen der Nachkämpfer_innen nicht sichtbar sind. Zu schlechter Letzt gelingt es den Nachkämpfer_innen gar, dass der Zustand vor den Erfolgen der Vorkämpfer von vielen Zeitgenossen als ein besserer Zustand denn der ablaufende Irrsinn wahrgenommen wird, weil sie die verschwenderische psychische Albernheit und das ziellose Hassgerase der Nachkämpfer_innen der offen von bourgeoisen Medien transportierten Propaganda ebendieser Nachkämpfer_innen folgend mit den Zielen der Vorkämpfer identifizieren, so dass das Krebsgeschwür der Nachkämpfer_innen schließlich den an sich begrüßenswerten gesellschaftlichen Fortschritt auffrisst. Nichts hat so rettungslos verloren wie eine innerhalb des bourgeoisen Gesellschaftssystems erfolgreiche emanzipatorische Bewegung.

Mit warmem Gruß an R. G. und meine anderen Hasser_innen!

Das Problem mit so genannten Handelsabkommen

Demokratie ist ein Handelshemmnis; Freiheit ist ein Handelshemmnis; Menschenrechte sind Handelshemmnisse; gebildete, informierte und zur reflektierten Entscheidung fähig gemachte Menschen sind ein Handelshemmnis; der wirksame Schutz der weniger informierten und gebildeten Menschen vor gefährlichen Produkten ist ein Handelshemmnis; generell sind glückliche Menschen mit gesenktem Konsumverlangen ein Handelshemmnis… und alles wird nur auch der Sicht des heiligen Handels und seiner Profiteure betrachtet.

Deshalb „muss“ man solche „Abkommen“ ja auch im Geheimen verhandeln und mit dem Kampfbegriff der Verschwörungstheorie eventuelle Proteste und Einwände abwiegeln.

Mediale Realitätsverzerrung und Wirklichkeit

Die Verzerrung des Sehens durch die Medien, die den Blick im Zweifelsfall mit Gewalt auf sich reißen müssen, um den Reklameplatz teurer verkaufen zu können, bringt genau den Zerfall hervor, den wir jeden Tag sehen müssen. Wenn einer einen maroden Deich beim Hochwasser mit Sandsäcken stopft, ist er ein Held, ein Güter- und Lebensretter und eines Fotos und einer Meldung für seinen selbstlosen Einsatz würdig. Wenn einer aber über Jahre hinweg durch kleine, banale und nahezu unsichtbare Arbeiten dafür sorgt, dass der Deich gar nicht erst Löcher bekommt, ist er nur ein Bauarbeiter, unbeachtlich und irrelevant, keiner Erwähnung wert. Denk daran, wenn du siehst, was im politischen Betrieb nach oben gespült wird — und bedanke dich bei den Werbern, die solche Verantwortungslosigkeit mit ihrem Anspruch an Content, den Wurm am Angelhaken der Reklame, hervorgebracht haben!

Verärgerung

Wer als Herrenmensch des Labors seine zynischen Gedankenexperimente nicht im Kopfe, sondern mit der Wirklichkeit anstellt, muss damit rechnen, dass Schrödingers Katze das nicht nur überlebt, sondern auch sehr sauer wird.

Mit Gruß an CDU, SPD, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Welken und alle ihre vermögenden Finanziers.

Es ist kein Zerfall

Die „politische Kultur“ in der BRD zerfällt nicht. Sie wird einfach nur — begleitet vom direkt vom Popmusikgeschäft abgeschauten hysterischen Applaus zu den Schlüsselwörtern in Nichtaussagen der Talkshowdarsteller mit Parteihintergrund — in diejenige manipulative und psychisch-dumme „Kultur“ umgestaltet, die in der politischen Reklame des Wahlkampfes schon seit Jahrzehnten von jedem Plakat jeder Partei von der kalten, kalten Wand herunter versprochen wurde. Und dahinter. Wuchert die gleiche Ochlokratie wie zuvor, stabiler denn je.

Politiksportverein

Ich wünsche mir, dass die Ähnlichkeit von Politik und Sport noch größer wird; dass sie sich nicht länger nur darauf beschränkt, dass die qualitätsjournalistische Berichterstattung über Politik immer emotionalisierender, irrationaler und manipulativer wird, sondern dass demnächst auch die ganzen Politiksportvereine — heute noch unter dem Namen Parteien bekannt — damit beginnen, Trikots an ihre Politiksportler auszugeben, auf denen die Logos der wichtigsten Sponsoren deutlich sichtbar sind. :mrgreen:

Ach ja, 2016! Frohes neues Jahr…

Der Gipfel der Dummheit

Ein monströser Klimagipfel, der bei der Anreise der Teilnehmer und bei seiner Durchführung wohl alles andere als klimaneutral sein wird und dessen CO₂-Bilanz der vorgeblichen Absicht spottet, wirft nur noch eine Frage auf: Können die dort versammelten Menschen und ihre weniger im Scheinwerferlicht stehenden wissenschaftlichen Berater nicht einfach regelmäßig miteinander videokonferieren und auf diese Weise verhandeln, ohne mindestens hundertfünfzig Flugzeuge aus aller Welt durch die Atmosphäre giften zu lassen, um in einer stinkenden Stadt im Ausnahmezustand unter obszöner Prachtentfaltung der Vernunft zu spotten? Und die Antwort auf diese naheliegende Frage lautet: Nein, sie können es nicht. Denn schon vorher steht fest, dass es keinerlei Resultate (außer einem unverbindlichen Kompromiss für den Anschein) geben wird, weil niemand dort ein Resultat will, und das medial nach allen Regeln der Kunst inszenierte Treffen simuliert dann wenigstens propagandawertig ein wenig Aktivität vor den Augen der Fernsehzuschauer und Zeitungsleser. Dieser so genannte „Klimagipfel“ ist eine auf jeder nur betrachtbaren Ebene dumme Veranstaltung, und diese Dummheit ist vorsätzlich.

Kindischer Zauber

Politiker träumen von magischen Geräten, die gegen alle Feinde geschützt sind, aber der Regierung offen stehen […] Es sind ausschließlich Politiker, die solchen kindischen Mist verzapfen. Es wäre Magie. Es ist unmöglich

Duncam Campbell

Fernforderer

Eine wie ein selbstbezüglich-masturbatorischer Lebensstil daherkommende politische „Linke“, die sich in Geste, Sprache und Gestaltungsideen noch entfremdeter von den Bedürfnissen der Mehrheit der Menschen zeigt als die gegenwärtig Herrschenden und Regierenden, sie braucht sich über das Fehlen jeglicher Strahlkraft nicht zu verwundern — und ebensowenig darüber, dass etwas gruselige Bewegungen wie „PEGIDA“ zur „außerparlamentarischen Opposition“ in der BRD geworden sind.

Die argumentative Jokerkarte in der Politik

Durch die neue Situation hat sich alles geändert, und deshalb fordere ich das gleiche wie schon immer.

Wort des Tages

Wenn Menschen, die sich professionell mit Politik beschäftigen, seien es Journalisten oder Politiker, auch nur versuchen, den Eindruck zu erwecken, dass ein manifester gesellschaftlicher Missstand maßgeblich von einer einzelnen Person verantwortet wird, sollte man ihnen sofort das Misstrauen aussprechen und das Abonnement kündigen

Telepolis — Malte Daniljuk: Rückblick auf ein besonderes Jahr für den Kriegs- und Krisenjournalismus

Immer ein trefflich Wort

Wer — wie ein Journalist oder ein Politiker — zu allem etwas zu sagen weiß, der wird zu nichts etwas intelligentes zu sagen wissen. Den mit Intelligenz und Wissen erkennt man daran, dass er weiß und sagt, was er nicht weiß und sich nicht daran stört, dass er von den Anhängern der Idiotie an den Stammtischen verspottet wird.