Tag Archive: Kapitalismus


Sachbücher…

Sachbücher, deren Autor nach angemessener wissenschaftlicher Gründlichkeit statt nach ausschließlicher Belegsuche für seine vor dem Schreiben längst „fertigen“ Thesen strebte, werden nun einmal keine Bestseller, von niemanden öffentlich diskutiert und im Regelfalle nicht einmal verlegt.

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Tweet von Reuters Deutschland: Händler bunkern Öl auf See und warten auf höhere Preise

Ohne Worte.

Die Grundlage kapitalistischer Gesellschaften

Wer gierig ist, wird niemals satt.

Die angeprangerte Gier

Wenn sich die Menschen doch einmal hinstellen und mit ihrer leisen, nahezu wirkungslosen Stimme einfordern, dass sie von dem Lohn für ihre Arbeit auch leben können wollen, dann ertönt hoch oben von einem gewaltigen Berg aus Geld die durch Presse und Glotze millionenfach verstärkte, jede Widerrede übertönende Stimme: „Deine Gier ist schlecht für die Wirtschaft“.

Taksim-Park

Wenn alles, was der Kapitalismus den Menschen anzubieten hat, in shopping malls und Tränengas besteht, dann wird der Kampf der Demonstranten um den Erhalt einer kleinen Parkfläche in einer dröhnenden, von Abgasschwaden schwangeren Stadt zum Kampfe für das Leben selbst — und zeigt in diesem Spiegelbild, welcher Wert diesem Leben von der herrschenden und besitzenden Clique eingeräumt wird. Wenn der Kapitalist dir nicht den Schatten des Baumes gewinnbringend vermieten oder verkaufen kann, dann wird er den Baum fällen.

Kein Nachruf

Wenn ich überhaupt für jemanden Anteilnahme entwickeln kann, dann für die ungezählten anonymen Opfer, auf deren zerstörter Gesundheit, deren schwindendem Leben und deren miserabler Entlohnung der wirtschaftliche Erfolg der Unternehmung Apple erblühte. Der Rest ist Apples Reklame und Pressearbeit.

Wall Street

Screenshot des Arcade-Spieles Wall Street von Century Electronics, 1982

Im Jahre 1982 brachte die heute vergessene Firma Century Electronics den heute ebenso vergessenen coin op „Wall Street“ auf dem Markt. Es ist ein miserabel programmiertes, völlig zu Recht vergessenes Spiel. Der Spieler, der den Kasten mit einem quarter fütterte, steuerte zu Beginn des Spieles zwei Feuerwehrmänner mit einem Sprungtuch, und er hatte die Aufgabe, damit die vielen Menschen aufzufangen und zum Krankenwagen zu befördern, die aus den Fenstern und von den Dächern der Bankgebäude sprangen — währenddessen lief die Zeit ab, dargestellt durch einen ständig kürzer werdenden Balken, der sinnigerweise nicht etwa mit einem Wort wie Time, sondern als Dow Jones Index bezeichnet war. :mrgreen:

Die irdische Hölle

Der Glaube, daß Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts würd unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten. Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus.

Joseph Weizenbaum

Auswärtiges Denken

Ursprüngliche Akkumulation heißt ja, nicht durch Arbeit, sondern durch Raub, Gewalt, Verbrechen und Korruption, aber auch durch subtile Mittel der Überredung, Verwirrung und allerlei indirekte Betrügereien an Geld zu kommen – also beispielsweise durch finanzielle Zaubertricks usw. Und ist das nicht ein toller Dreh: den Staat und damit die Steuerzahler zu veranlassen, Schulden über Schulden zu machen, und damit ja uns alle zu Schuldnern – ohne dass die Gläubiger sichtbar werden? Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird ja praktisch nie gesprochen. Der Bund hat eine Billion Euro Schulden. Im kommenden Jahr müssen allein für die Zinsen im Haushaltsplan 40,4 Milliarden Euro angesetzt werden. Nach dem Sozialbudget (147 Milliarden Euro) ist dies der zweitgrößte Ausgabeposten im Budget der Bundesregierung. Wer also sind die Gläubiger, die vom Staat, dem sichersten aller Schuldner, Jahr für Jahr sichere 40 Milliarden an Zinsen einheimsen? Es sind nur in kleinem Umfange die Banken selbst, die agieren ja in erster Linie als Vermittler. Tatsächlich landen die Zinsen zum allergrößten Teil in den Taschen der Vermögenden, der Reichen. Das ist eine der sichersten Formen der Umverteilung von Reichtum und der Akkumulation von Superreichtum. Sie steht — mit den Fuggers, den Welsers usw. — am Anfang des Kapitalismus, sie hat sich durch dessen Geschichte geschlichen, und sie steht möglicherweise am Ende des Kapitalismus in seiner bisherigen Gestalt.

Hans Jürgen Krysmanski
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[via Perspektive 2010]

Harold Hirsch

Harold Hirsch ist der Name eines US-amerikanischen Anwaltes. Er war ab 1909 bei der Coca Cola Company verantwortlich für Rechtsangelegenheiten. Um die Marke für eine braune, zuckrige Brause durchzusetzen — das Wort „Coca Cola“ war in der Umgangssprache der einfachen Menschen längst ein Gattungsbegriff für diese Art von alkoholfreier, mit Koffein und teils auch noch Kokain versetzter, anregender Limonade geworden — beauftragte und bezahlte er etliche Detektive, die in den damals populären Soda-Bars als Kunden auftraten und auf diese Weise Proben der dort unter der Bezeichnung „Coca Cola“ ausgeschenkten Limonaden nahmen. Auf diese Weise ermittelte er, ob dort auch wirklich das Produkt der Coca Cola Company ausgeschenkt wurde, und jeden Verstoß ließ er gerichtlich verfolgen. Später optimierte er die Vorgehensweise, indem er im Jahre 1915 eine firmeneigene Abteilung für derartige Ermittlungen aufbaute. Die „Spione“ waren Angestellte mit einem richtigen Vollzeit-Job geworden, externe Dienstleister wurden nicht mehr benötigt und nicht mehr beauftragt. Ferner strengte Hirsch Prozesse gegen jede Getränkefirma an, deren Produktnamen auch nur eine entfernte klangliche Ähnlichkeit zu „Coca-Cola“ hatten, oder die ebenfalls rote Fässer verwendeten oder auch nur das rautenförmige Etikett der damaligen Flaschen mit Coca-Cola. Ferner versuchte er — in diesem einen Punkt erfolglos — die braune Farbe der Limonade als Bestandteil der Marke schützen zu lassen. Nach nicht einmal zwanzig Jahren hatte der Rechtsanwalt gut siebentausend Mitbewerber auf juristischem Wege „erledigt“ und strengte weiterhin jede Woche eine Klage an, und zwar mit einem für die meisten Gegner existenzbedrohenden Streitwert.

So entstand eine Weltmarke, die heute so gern mit allerlei lustvollen Attributen wirbt und für viel zu viele Menschen, in deren Hirne leider jeden Tag die Allgegenwart der Reklame prasselt, zu einer künstlichen Ikone der Lust und der Freiheit geworden ist. Der „american dream“ ist vor allem traumhaft für Besitzende mit einem Hang zur rücksichtslosen Durchsetzung ihrer Ansprüche. Alle anderen. Dürfen kaufen und trinken, was ihnen vorgesetzt wird, wenn sie das noch können.

In letzter Zeit, in der ich immer wieder über Abmahnungen gegen kleine, private Internetsites in der BRD lesen musste, musste ich oft an dieses kaum bekannte Detail der Geschichte der US-amerikanischen Popkultur denken.

Habgier

Die dumme Idee, die — früher mit gutem Grund als niedere Strebung betrachtete und verachtete — Habgier zur ausschließlichen Grundlage des menschlichen Miteinanders in einer Gesellschaft zu machen, erzeugt zwangsläufig ein Miteinander von Dieben, Betrügern und Räubern in der Haltung ständigen gegenseitigen Misstrauens und Neidens. Alles weitere. Steht auch in jeder Zeitung.