Tag Archive: Kapitalismus


Die Tür

Sie stellen sich vor die Tür, hinter der die großen Antworten warten, und sie sehen zu, dass auch niemand anders durch diese Tür gehe, hinter der man überlegen müsste, wie eine Gesellschaft aussähe, in der ein Großteil der Arbeit von Maschinen erledigt wird, in der nicht mehr alles verbrannt werden kann, was brennbar ist und in der man zum ersten Mal seit Jahrhunderten das menschenfressende Fetischbild des immerwährenden Wachstums anzweifeln muss, nebst seinem Sidekick, dem heiligen Markt der Krämer und Spekulanten — alles sicher kommende Entwicklungen, wenn es keinen Rückfall in ein zweites Mittelalter geben soll; Entwicklungen, in denen auch das Potenzial eines besseren Lebens für viele Menschen steckt, so man ihnen nicht völlig irrational begegnet. Und damit wirklich niemand durch diese Tür geht, wiederholen sie in endlosem Gemurmel das immer wieder Gleiche, um es in jeden Kopf zu meißeln, und sie bemerken nicht einmal, dass ihnen immer weniger zugehört wird. Sie gehen nicht durch die Tür, hinter der eine andere Zeit liegt, sie verhindern mit Gewalt und Propaganda, dass andere durch diese Türe gehen und sie werden hinter sich die Trümmer einer rauchenden Welt zurücklassen, in der alles verbrannt wurde, was brennbar ist.

Fehlschaltung

Die grundlegende Vorstellung des kapitalistisch denkenden Menschen, Unternehmers und Politikers, dass es auf begrenztem Raum mit begrenzten Ressourcen unbegrenztes Wachstum geben könne, ist kein gedanklicher Kurzschluss. Bei einem Kurzschluss löst die Sicherung aus und es wird sofort dunkel. Es ist eine gedankliche Fehlschaltung. Die Sicherung funktioniert nicht, das Licht brennt zumindest eine Zeitlang gleißend hell und während dieser begrenzten Zeit kommen immer wieder die gleichen falschen Gedanken heraus.

„Zurück zur Normalität“

Das „zurück zur Normalität“, das von Gegnern der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung eingefordert wird, ist eine völlig unreflektiete Forderung, in der sich allerdings eine Tatsache sehr deutlich widerspiegelt: „Normalität“ ist ein Durchschnittswert des Verhaltens, mehr nicht. Und so wandelbar ist die „Normalität“ auch. Unter den Bedingungen der Coronaseuche ist es zum Glück normal geworden, dass die meisten Menschen ein hoffentlich vernünftiges und wirksames persönliches Risikomanagement betreiben, um ihr individuelles Risiko zu senken; und es ist auch normal, dass sie Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen, damit diese als mögliche Seuchenherde andere weder der Gefahr noch der Furcht vor einer Infektion aussetzen. Nur völlig asoziale Menschen, viele von ihnen mit einem bereits sichtbar werdenden Alkoholproblem, entziehen sich dieser Normalität. Wenn es die Coronaseuche nicht gäbe, wären die Vorkehrungen des persönlichen Risikomanagemens und der angemessenen Rücksichtnahme nicht nötig. Die Forderung nach „Normalität“ ist in Wirklichkeit eine Forderung des dummen, psychischen und antizivilisatorischen Bedürfnisses nach einer zügellosen Rücksichtslosigkeit, und genau so sehen die von Polizeien ungewöhnlich weich behätschelten Demonstrationen dieser Forderer auch aus. Noch in der Behätschelung dieser Fordernden durch die Polizei — die im Kontext von mit Wasserwerfern ausgeschossenen Augen bei friedlichen S21-Gegendemonstranten wie eine Liebeserklärung anmutet — zeigt sich ein Spiegelbild. In dieser ungewöhnlichen Milde der unmittelbar und sonst auch recht grob die Herrschaftsgewalt ausübenden Beamten spiegelt sich, dass die Forderung der Demonstranten nach unendlicher Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit ganz genau der Grundpfeiler jener notdürftig verlarvten rücksichtslosen Gier ist, die als so genannter „Kapitalismus“ nach Auffassung der Herrschenden und Besitzenden das gesamte Miteinander der Menschen durchwalten soll und die sich ebenfalls in der praktisch wirkungslosen und manifest irrsinnigen „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ von Politik und Verwaltung widerspiegelt.

Zweierlei Art

Es gibt zweierlei Art Wissenschaft. Die eine Art Wissenschaft passt zu den jeweilgen Beglückungsideen der Classe politique. Sie wird als sehr wichtig betrachtet, von allen Schergen aus der politisch-journalistischen Komplex ohne Ende kommuniziert und gibt dem Handeln der Classe politique einen vernünftigen Anstrich, wie korrupt es in Wirklichkeit auch sein mag. Wer dort als Wissenschaftler mitmacht, kann sich mindestens großer persönlicher Vorteile gewiss sein. Die andere hingegen, die widerspricht den jeweiligen Beglückungsideen der Classe politique und wird deshalb verschwiegen, missachtet und von jeder Förderung ausgenommen.

Ein wesentliches Ergebnis der Mathematik ist es übrigens, dass eine Exponentialfunktion in ihrem Wachstum jede Polynomfunktion übertrifft. Die gedankliche Grundlage des Kapitalismus, die Idee ständigen Wachstums, um damit die Schulden zu bezahlen, ist ein unwissenschaftlicher und naturgesetzlich unmöglicher Wahn, der nicht einmal im technisch allergünstigsten Fall erreichbar wäre, nämlich, wenn die Menschheit gleichzeitig in alle Richtungen mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum expandierte.

Es wird verschwiegen, missachtet und von jeder Förderung ausgenommen — und alle Schergen aus dem politisch-journalistischen Komplex machen mit.

Es ist kostenlos

„Das Coronavirus wird nur politisch bekämpft, weil es sich völlig kostenlos und beinahe von allein verbreitet;“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „wenn man es nur den Menschen verkaufen könnte, etwa so wie Autos, Glücksspiele, Zigaretten, Alkohol und Benzodiazepine, dann würde es von der Politik nicht bekämpft, sondern als wichtiger Impuls für die Märkte und Jobmotor begrüßt — und sämtliche Schäden und Langzeitfolgen würden einfach ignoriert und auf Einzelfall-Niveau herunterrhetorisiert, sowohl die individuellen als auch die gesellschaftlichen. Denn aus Verantwortungsgefühl für Menschen handelt hier niemand, es geht nur um Zahlen und das Wohlergehen eines winzigen Minderheit“.

Ausverkauf! Alles muss raus!

Jene Politiker, die alle gesellschaftliche Entwicklung so weit wie möglich irgendwelchen Marktmechanismen überlassen wollen, zeigen im Spiegelbild ihrer geldanbetenden Ideologie, dass sie sich ein Miteinander von Menschen wünschen, in dem alles käuflich ist. Es bedarf keiner großen Intelligenz und keines langen Nachdenkens, um in diesem Spiegelbild zu erkennen, dass diese Politiker ihre Politik ebenfalls als käuflich betrachten und entsprechend vermarkten werden, stets zum Vorteile dessen, der den höchsten Preis zahlen kann. Wer das Miteinander der Menschen von „den Märkten“ steuern lassen will, ist selbst käuflich und korrupt und nur allzugern dazu bereit, seinen Politikkäufern ihren Reibach zu lassen, aber die Verluste aus Steuermitteln zu erstatten, ohne dass hierfür irgendein Markt als Vorwand taugte. Die Politik dieser unerquicklichen Zeitgenossen erklärt sich daraus wie von selbst, und die von diesen Zeitgenossen vorgetragene angebliche Motivation ist so offenbar eine Lüge, also eine vorsätzlich unwahre Behauptung, dass man schon sehr viele Zeitungen lesen und Nachrichtensendungen gucken muss, um das mit seinen von parteienstaatlichen und reklamefinanzierten Content zugestopften Sinnen nicht mehr deutlich genug wahrzunehmen.

Der Kapitalismus hat keine Antwort auf die Frage der Gerechtigkeit

Norbert Blüm, ᛉ 21. Juli 1935, ᛣ 23. April 2020

Unsichtbare Hand

„Freu dich doch darüber“, sagte der Vorübergehende zynisch zu seinem Zeitgenossen, „dass die Märkte die Ausbreitung des Coronavirus regulieren werden“.

Die falscheste Religion

Die Behauptung, dass jeder Mensch alles erreichen könne, nebst der zugehörigen, meist nicht unterschwellig bleibenden Schuldzuweisung für alle jene Menschen, die krank oder in ihrem Leben gescheitert sind, ist die falscheste und vielleicht sogar die kälteste „Religion“ von allen. Sie ist leider auch zu einer tragenden Säule des Kapitalismus geworden.

Vor dem Kapitalismus

Diese Politiker, die immer weiter gehende und zeitlich immer ausgedehntere Rechte für Rechteverwerter einfordern, damit es auch ja Anreize für Innovation und Kunst gebe, konnten mir noch nie erklären, wieso eigentlich das Rad erfunden wurde. Das war doch lange vor jedem Kapitalismus. Woher hat der Erfinder denn einen Anreiz für seine Erfindung gehabt?

Greta kennt noch nicht das Zinsfeuer

Zu seinem verängstigten Zeitgenossen in Weltuntergangsstimmung sagte der Vorübergehende: „Nicht CO2 ist das wesentliche Problem, sondern der aus der dummen Psyche geborene kapitalistische Fetisch der Zinseszinsdynamik, der ständiges Wachstum erzwingt und damit allem eine exponentielle Dynamik gibt, für die im ganzen Kosmos kein Raum wäre¹, ist das wirkliche Problem. Das im medien- und schulvermittelten mathematischen Analphabetismus niemals zu bemerken und deshalb auch nicht zu thematisieren, ist das größte Problem von ‚Fridays for Future‘, und ich wollte, die hl. Greta der schulstreikenden Kinder und der ikonenfotografiegeilen Journalisten bekäme in dieser Sache nur ein wenig Einsicht durch schlichtes Aufschlagen und Lesen eines Mathematikbuches, die sie an ihre Anhänger weitergeben könnte. Aber das wird ein Wunsch bleiben, denn sobald dieses unzweifelhafte Fundamentalargument kommt, das man nur noch in einer Haltung der offenen Magiegläubigkeit, Dummheit und Wissensflucht ignorieren und verspotten kann, wird die hl. Greta von den Journalisten fallengelassen wie eine heiße Kartoffel und in der Folge in eine Bedeutungslosigkeit versinken, nach der sie selbst nicht die geringste Sehnsucht haben wird. Und das. Weiß sie“.

¹Eine Exponentialfunktion mit einer Basis größer eins wächst schneller als jede polynominelle Funktion, was übrigens jeder Mensch mit Grundbildung wissen sollte. Selbst, wenn sich die Menschheit in alle Richtungen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten würde, ihren gesamten Ausbeutungs- und Aktionsradius also mit dem Kubik der Zeit (polynominell) erhöhte, könnte sie nicht an die Ressourcen für ein exponentielles Wachstum kommen, und dies ist erst recht nicht unter den viel bescheideneren technischen Möglichkeiten der gegenwärtigen Menschheit möglich. Das ist so wahr wie jede andere wissenschaftliche Erkenntnis auch, es ist sogar einfach und nachvollziehbar beweisbar und steht damit jenseits jeden vernünftigen Zweifels, wenn es auch unter der Herrschaft der Bankentempler und ihrer diversen Schergen aus Politik, Presse und Glotze verdrängt und vergessen gemacht wird.

Zweierlei arme Menschen

„Zweierlei arme Menschen gibt es in der kultivierten Habgier des Kapitalismus“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „Menschen, die niemals genug haben, und Menschen, die niemals genug bekommen können“.