Tag Archive: Hirnfick


Jugendschutz

Jugendschutz (der) — Sammelbegriff für technische Verfahren und politische Ideen, mit denen Menschen von klein auf an zentral organisierte Zensur und eingeschüchtertes Verschweigen und Unsichtbar-Machen von allgemein bekannten Tatsachen gewöhnt werden sollen. Die Gründe, warum ein derartiger Schutz nötig sein soll, brauchen dabei niemals mit Fakten belegt zu werden, es reicht selbst ein rhetorisch unbeholfenes Heraufbeschwören von postulierten “Entwicklungsrisiken” und ein Appell an die bourgeoisen Moralvorstellungen. Wenn die wirkliche Absicht hinter dem Wort “Jugendschutz” einmal zu deutlich werden sollte, muss stattdessen das noch stärker entrationaliserende Wort “Kinderschutz” verwendet werden. Menschen, die durch solchen “Schutz” daran gewöhnt wurden, dass der zu Schützende niemals gefragt wird, nehmen beinahe jeden politischen Unsinn hin, selbst, wenn sie älter geworden sind.

Die “sachliche” Sprache der Herrschenden

Es ist möglich, die Sprache so lange zu verdrehen und die Formulierungen zu dermaßen lachhaft-graziösen Pirouetten zurechtzubiegen, dass die Wüste am Ende dieses seine Lügenhaftigkeit kaum verbergenden Prozesses zu einem Waldgebiet minderer Baumdichte wird. Die Herrschenden und Besitzenden und ihre Schergen sinds, die diese krampfdadaistische Kunst zur Perfektion bringen, die Journalisten sinds, die Gefallen daran finden und die restlichen Menschen sinds, denen man Bildungsferne, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Verbohrtheit, Derbheit oder Dummheit vorwirft, wenn sie trotz aller aufgewendeter Mühe in Schule, Presse und Glotze nicht damit aufhören, die Dinge beim Namen zu nennen.

Und das Schlimmste daran: Die gezielt aus ihrer Parallelwelt heraus so Vorgehenden finden sich gar noch bestätigt, wenn man ihnen mit ihrem dummen, entsinnlichten Geplapper entgegenhält, sie könnten einen mal am Arsche lecken.

Kein Problem

Hunger tötet jeden Tag mehr Menschen als Ebola in einem ganzen Jahr, wird aber dennoch von den Medien der Staaten und der Milliardäre niemals so drastisch als Problem dargestellt, weil Politiker und reiche Menschen nicht an Hunger sterben können.

Alternativlos 2.0

Das “Staatswohl”, das so schwer wiegt, es ist das neue “alternativlos” der BRD-Regierungen im Zeichen der Merkelraute und ihrer Freunde in den Schreibstuben des vom Leistungsschutzrecht geschützten Qualitätsjournalismus. Wer bemerkt, wo das “Staatswohl” so schwer wiegt und sich im Wege stellt, wenn Verbrechen verfolgt werden sollten, und wo es mit großer Leichtigkeit von den Regierenden hinweggewischt werden kann, um die Ukraine “heim” ins NATO-Reich zu holen, weiß diese Rede wohl zu deuten.

“Neoliberalismus”

Wer etwas, was in seinem Immernochhervorkommen mehr Ähnlichkeiten zum Feudalismus als zur irgendeiner Idee bürgerlicher Freiheiten an den Tag legt, trotz seiner Faschitoidität als eine Form des “Liberalismus” bezeichnet, belegt damit nicht etwa seine politische Bildung, sondern nur, dass er entweder durch regelmäßigen Genuss des medial verbreiteten Neusprechs leicht manipulierbar und denkfaul, oder aber dumm ist. Wenn sich diese Denkfaulheit, Dummheit und Manipulierbarkeit in diesem sprachlichen Spiegelbild nun ausgerechnet bei den Gegnern des Neofeudalismus zeigt, ist die gesellschaftliche Zukunft schon erschreckend früh klar.

Vertrauen in die Demokratie

Journalisten schreiben über die Machenschaften der classe politique ganz so, als ob man irgendein ominöses “Vertrauen in die Demokratie” noch verlieren könnte und sind damit bei aller zum Schein eingenommener kritischer Haltung die zuverlässigsten und verachtenswertesten Komplizen derer, die sich im Puppentheater des Reichstags als Volksvertreter aufführen und dabei so tun, als wäre ihnen etwas anvertraut. Wer im Angesicht aller obszön sichtbaren Korruption, Grundrechtsverachtung, Menschenrechtsverachtung, Überwachung, Willkür, Vetternwirtschaft, gezielten Verdrängung der geheimdienstlichen Überwachung, Selbstverherrlichung, Personenkulte, Vernunftverweigerung, Scheindebattenkultur, Erkenntnis- und Wissenschaftsverneinung und rein emotionalen Manipulation der Wahlberechtigten noch sagt, und sei es auch nur in der indirektesten Weise, er vertraue in die Demokratie, belegt damit, dass er ein Ausmaß der Blindgläubigkeit erreicht hat, die jedes ernsthafte Wort so sinnlos macht wie den Versuch, einem Denkgestörten seine fixen Ideen auszureden. Dieses “Vertrauen”, das in Wirklichkeit eine Mischung aus irrationalem Fürwahrhalten, Angst und Bequemlichkeit ist, muss nicht postuliert werden, es muss zerschlagen werden!

Titelseite der kostenlos verteilten Zeitung 'Hannoversches Wochenblatt' mit der Schlagzeile: Heute kommt der Mindestlohn -- Ab 2015 soll gelten: Weniger als 8,50 Euro in der Stunde soll keiner verdienen

Heute = Ein Datum, das im Jahr 2015 liegt, also zwischen 274 und 638 Tagen vom heutigen Tag entfernt ist.

Keiner = Nur die Menschen, die wegen ihrer Lebensumstände ganz besonders darauf angewiesen wären, dass sie für ihre Arbeit so bezahlt werden, dass sie auch davon leben können, also junge Menschen, Menschen nach langdauernder Hartz-IV-Armut durch Arbeitslosigkeit, Menschen in typischen Niedriglohn-Jobs wie Zeitungszusteller.

Die Frage, ob der Herr Arnold Petersen, der hier vom Madsack-Verlag für dieses offensichtliche und intelligenzverachtende Propaganda-Geschmiere bezahlt wurde, vor dem Schreiben seines Artikels drei bis vier Eimer Lack ausgetrunken hat oder ob er einfach vom Charakter her ein Arschloch ist, kann ich nicht abschließend beantworten.

Werte Qualitätsjournalisten!

Bitte schreibt es euch mit unauslöschlicher Tinte hinter die Ohren und graviert es euch tief in euer verrostetes Hirntäfelchen: Es ist noch lange keine “Debatte”, nur weil jemand mit großem Nachdruck in Richtung der Stammtische etwas unsäglich Dummes und nachweisbar Falsches sagt und dafür von anderen Menschen den angemessenen und mit Fakten belegten Widerspruch bekommt — dessen ätzende Ironie in der Regel nur ein Spiegelbild des “Nachdrucks” sind, mit dem populistisch das Dumme und Falsche verkündet wurde, verstärkt durch deine Feder und dein Maul, Qualitätsjournalist, du Berichterstatter!

Und, werte Qualitätsjournalisten, das gilt auch und gerade dann, wenn es eine mediale Frontfresse einer politischen Partei oder eines Interessenverbandes ist, die wieder einmal etwas Dummes und Falsches von sich gibt. Über Fakten wird nicht debattiert — außer in totalitären Staaten, in denen die Tatsachen der herrschenden Ideologie angepasst werden müssen. (Dafür ist übrigens in der Bundesrepublik unter der Ideologie des Marktfaschismus vor allem das Statistische Bundesamt zuständig — die nicht einmal besonders kunstvoll gefälschten Statistiken entnehmt bitte einfach euren Archiven, werte Qualitätsjournalisten.) Über die Deutung, Ursache, Konsequenz, Erwünschtheit und Veränderungsbedürftigkeit von Tatsachen kann man sehr wohl debattieren…

Hört auf damit, werte Qualitätsjournalisten, die obszön offenbare Dummheit und Falschheit der minderbegabten Schauspieler aus der classe politique mit einem Glorienschein der Diskutierbarkeit zu umgeben, indem ihr sie zu einer “Debatte” verklärt, die sie niemals ist und niemals werden kann! Und fangt an damit, Dummheit und Falschheit als das zu bezeichnen, was sie sind — und zwar mit Fakten belegt! Vielleicht werden eure Zeitungen dann noch einmal interessant, und vielleicht hört dann die Krise eures Berufsstandes auf.

Eurer eure Ausflüsse gelegentlich genießender
Nachtwächter

Auf einen Link, der für tausende seinesgleichen stehen müsste, habe ich bewusst verzichtet — allenthalben wird von “Debatten” gesprochen und getintenkleckst, wo es in Wirklichkeit um die Verdrehung von Tatsachen und ihre Richtigstellung geht.

Der Dreißigjährige Krieg, von Journalisten erklärt

Wie es klänge, wenn heutige Journalisten in Lohn und Brot der Contentindustrie in ihrem pseudoobjektiven, aber vor allem entpolitisierenden und verdummenden Stil Berichte über den dreißigjährigen Krieg schrieben, hat mir bei aller Bitterkeit sehr den Tag versüßt:

Hintergrund der am vergangenen Wochenende ausgebrochenen Unruhen ist ein Machtkampf des Kaisers und Wallensteins mit der Protestantischen Liga. Im Mitteleuropa leben mehrere verfeindete Volksgruppen. Der katholische Wallenstein gehört den Böhmen an, die die Katholischen Liga dominieren. Sein Rivale Gustav Adolf ist ein Schwede. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe zu einem Krieg ethnischer und religiöser Gruppen ausweiten.

Ernsthafter Journalismus wäre: Mir zu erklären, wer welche Interessen hat.

Danke!

(Und unbedingt den ganzen Text lesen…)

Aus einem Propagandahandbuch der BRD

In der Bewertung der meisten Menschen überwiegen emotionale Aspekte gegenüber rationaler Argumentation. […] Aus diesem Grunde müssen wir rationale Argumente emotional aufladen. Dabei müssen wir durch unsere Sprache Negativassoziationen vermeiden

Zitiert nach netzpolitik.org — und aus ganz alltäglichem Augen- und Ohrenschein vermutet, dass diese so trefflich beschriebene Herangehensweise sehr viel häufiger bewusst angewendet wird, um Menschen emotional und psychisch zu manipulieren. Wo der Verstand verkümmern gemacht wird und die tierhaft-mechanische Psyche zum Eigenlichen des Menschen erhoben wird, da hat der Demagoge, der professionelle Lügner¹ oder ein vergleichbarer Menschenfeind leichtes Spiel.

¹Werber und PR-Leute sind professionelle, also für diese Tätigkeit (oft recht hoch) bezahlte, Lügner.

Wirtschaftsnachrichten

Sie nennen es “Wirtschaftsnachrichten”, aber sie reden beinahe nur von der Börse, den dortigen Stimmungen, Erwartungen, Befürchtungen der Casinokapitalisten, ganz so, als sei das die ganze Wirtschaft. Und. Ganz so, als nennten sie etwas “Mathematik” und sprächen ständig nur vom Roulette.

Vom Volke

Wer behauptet, dass alle Staatsgewalt “vom Volke ausgehe”, der behauptet auch, dass sich die Menschen selbst um ihr Geld für nicht brauchbares Militärspielzeug und Rettungen für “notleidende Banken” brächten, dass sie sich selbst mit dem Polizeiknüppel verprügelten und dass sie sich sogar — ganz, ohne selbst etwas davon zu wissen oder wissen zu sollen — selbst überwachten, damit sie auch ja nicht selbst aufständig gegen sich selbst werden.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 704 Followern an