Tag Archive: Metapher


Auf der Datenautobahn hatten wir im Dritte-Welt-Digitalistan der BRD schon politische Forderungen nach Stoppschildern, Verkehrsregeln, Verkehrspolizisten, Polizeistreifen und Überholspuren, da wird es doch auch allerhöchste Zeit für Leitplanken, meint jedenfalls Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Leser können ihre eigene Intelligenz bei der Frage testen, aus welchem technischen Bereich diese „mühsam“ von CDU-Referenten ausgeheckten politischen Metaphern kommen und wie wenig dieser technische Bereich mit Computertechnik zu tun hat. Das könnte ein besserer Wegweiser für künftige Wahlentscheidungen sein als die bunten, im Vorfeld einer Wahl überall in den öffentlichen Blickraum gestellten und mit psychowirksamen Lügen bedruckten Werbepappen.

Ich warte jedenfalls noch auf den Airbag für E-Mail-Anhänge, das ABS für Internetteilhabe, saubere Dieselmotoren für Pressewebsites und die Schrottpresse für die Zukunft Deutschlands. :mrgreen:

Schloss

So genanntes Liebesschloss an einer Brücke

Menschen, die in einer noch romantischen Stimmung glauben, dass ihre „Liebe“ am trefflichsten durch ein stabiles, mechanisches Vorhängeschloss aus bestem Stahl symbolisiert wird, sollten sich nicht darüber verwundern, wenn sie sich nach Auflösung des letzten romantischen Nebels in einer Beziehung wiederfinden, die an ein Gefängnis erinnert.

Für U.

Das Schloss

Der Zeitgenosse sagte: „Der Staat kann nichts gegen die Internet-Überwachung machen, wenn alles öffentlich ist; dass ich überwacht werde, ist meine Schuld, wenn ich nicht verschlüssele. Es ist meine Aufgabe, ein gutes Schloss für meine Haustür zu kaufen…“ — und der Vorübergehende ergänzte: „…ein wirklich gutes Schloss, damit die Polizei nicht mehr so einfach wie bisher heimlich bei dir einbrechen kann“.

Die Hölle

Zwei Eingänge hat die Hölle, einen für das Personal und einen für die Kundschaft. Über dem Eingang für die Kunden der Hölle stehen die Worte: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Und. Über dem Eingang für das Personal der Hölle stehen die Worte: „Wir wollen immer für alle das Beste“.

Mit Dank an den Schattenkönig

Schwert und Schild des Internet

Nur ein Beispiel dieser Metapher, die sogar in freier Software Widerhall findetDie visuelle Metapher, mit der „Sicherheitssoftware“ für die Internet-Benutzung sich häufig ihrem Nutzer gegenüber darstellt, ist ein bemerkenswertes Spiegelbild der Zustände im derzeitigen Internet. Sehr beliebt bei den Herstellern der Software ist die Metapher des Schildes, die in eine längst vergangene Zeit der Gewalt und Kriegsführung zurückweist; in eine Zeit, in der die Menschen im Kampfe noch mit Schwertern, Streitäxten, Piken, Armbrüsten und dergleichen mehr aufeinander eindroschen, um sich zu ermorden und in der ein Schild Schutz im Kampfe bot, wenn man es richtig und geübt einzusetzen verstand.

In dieser auf das Mittelalter zurückgreifenden optischen Metapher und in ihrer Verbreitung zeigt sich, in welchen Zustand das Internet derzeit geraten ist. Wer durch diesen virtuellen Raum geht, soll auf seinen Wegen jederzeit dafür gewappnet sein, einer ruchlosen Bande von „Räubern“ und „Mordbrennern“ zu begegnen, die jede sichtbare Schwäche als Einladung für ihre Übergriffe betrachtet und ohne Erbarmen aus dem Hinterhalt zuschlägt. Und ich muss sagen, dass das eine durchaus treffende Beschreibung für das gegenwärtige Mittelalter des Internet ist. Es ist auch das Körnchen Wahrheit hinter dem politisch-propagandistischen Geschwafel vom „rechtsfreien Raum“, mit dem die Hirne und Seelen gebeizt werden sollen, um sie bereit zu machen für die staatlichen Überwachungsgelüste, deren Zielsetzung und „argumentative“ Begründung allerdings nur selten Bezug auf die konkrete Wegunsicherheit im Internet nimmt — ein breites Bewusstsein dafür wäre auch schlecht für die breite Kommerzialisierung durch jene Contentindustrie, die viel zu stark mit der classe politique verflochten ist — sondern bevorzugt einige Randerscheinungen des Irrsinnes mit hohem moralischen Empörungspotenzial herauspickt, um mit diesem psychischen Hebel dafür zu werben, die Dystopien eines George Orwell noch übertreffen zu können.

In derzeitigen „Mittelalter des Internet“ sehne ich mich oft nach der von mir ebenfalls erlebten „Steinzeit des Internet“ zurück, die ich glücklicherweise auch erleben durfte. Auch damals gab es die Übergriffe und allerlei Schlechtes, aber es war dünn besiedelt und man begegnete gewissen asozialen Subjekten nur selten, so dass es insgesamt entspannter und fröhlicher zuging. Ja, in mir macht sich ein Überdruss ob der Barbarei des Internet breit, der durch das schöne Sommerwetter eher noch vergrößert wird. Es gibt ja immer noch hübschere Betätigungen als das Führen sinnloser, technischer Kämpfe an Orten, an denen man sich nur etwas Ausdruck verschaffen möchte…

Wenn ich demnächst einige heftig angegriffene meiner Projekte aus dem Internet nehmen sollte, ist dies der Tatsache geschuldet, dass ich die gegenwärtig laufenden Attacken unter den Bedingungen meines Daseins nicht mehr behandeln so kann, wie es erforderlich wäre. Der Hintergrund dieser Attacken lässt sich übrigens an anderer Stelle im Internet nachlesen. Die Barbarei ist allgegenwärtig.

Zwei Formen des Eingesperrtseins

Freigehege bedeutet: keine Gitter, aber gestutzte Flügel, Käfig bedeutet: Gitter, aber ungestutzte Flügel.

Heinrich Böll

via Felix Bartels, via Woschod

Gegen den Strom

Unser Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.

Francis Picabia

Zeitgenosse: „Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.“

Nachtwächter: „Oh nein, Bruder, kein Mensch sollte sein Leben wegwerfen, indem er sich mit dem Strom treiben lässt oder seine beschränkte Kraft vergeuden, indem er gegen den Strom zu stratzen versucht. In aller Ruhe zum Ufer zu schwimmen, aus dem viel zu kalten Fluss herauszusteigen und den aufrechten Gang zu lernen — das allein ist die Haltung, die einem Menschen ansteht.“

Finsternis

Der Volksmund, dieser ungehörige Sprecher der ungebildeten Einsicht, er sagt manchmal beiläufig und fern von jedem wirklichen Bewusstsein, dass große Dinge ihre Schatten voraus werfen würden — und er bringt damit die Erfahrung von Generationen der so Sprechenden zum Ausdruck, dass der oft groß angekündigte gesellschaftliche Wandel für viele Menschen einer Verfinsterung ihres Lebens gleich kommt.