Tag Archive: Realsatire


Fake News

Am Ende der Woche kommt Sean Spicer mit erfreulichen Nachrichten in den Briefing Room. Die neuen Arbeitsmarktdaten sind da. Diese monatliche Statistik hatte Trump während des Wahlkampfes stets als gefälschte Zahlen diskreditiert. Wenn ihr 4,9 oder 5 Prozent Arbeitslosigkeit hört, so der Kandidat Trump, sind es in Wahrheit 28, 29 oder 35 Prozent. Ich habe neulich sogar 42 Prozent gehört. An diesem Tag lautet die Nachricht: Die Arbeitslosigkeit ist, wie zuvor schon unter Obama, weiter gesunken. Ob Trump denn den Zahlen jetzt glaube, fragt ein Journalist. Ich habe vorhin mit dem Präsidenten gesprochen, verkündigt Spicer fröhlich, er braucht jetzt keinen Post-It-Zettel. Und er sagte, ich solle ihn ausdrücklich zitieren: Die Zahlen mögen in der Vergangenheit gefälscht gewesen sein, aber jetzt sind sie sehr wahr.

Und wenn sich der Spiegel, der sich befleißigte, die schöne Geschichte aus einem fernen Land auf die Seite 80 seines Printmagazines zu stempeln, jetzt auch noch befleißigte, die Statistiklügen der BRD-Bundesregierung immer wieder zu entlarven, statt sie als Wahrheit weiterzumelden… ach, vergessen wir es! 😦

Fit fürs Netz!

Screenshot der Website des Bundesministeriums für Familie, Senoiren, Frauen und Jugend -- [...] Für Kinder liegt ein buntes Papierhandy mit sieben Kreativ-Karten bei. Damit lernen sie gute Kinderseiten kennen und können selbst etwas gestalten und fantasievoll umsetzen [...]

Ohne Worte. Mit Gruß aus Berlin von Bundesministerin Manuela Schwesig.

Lügner warnen vor den Folgen der Lüge

Die Wahrheit vor der Wahl? Das hätten Sie wohl gerne gehabt…

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler

Es ist schon von erheblichem realsatirischen Liebreiz, dass ausgerechnet Zeitgenossen mit Parteihintergrund, die durch systematische und allmedial vorgetragene Wahlkampflügen in politische Ämter der Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, unter dem Banner der gefährlichen fake news gegen die Lügen im Internet vorgehen wollen…

Oder, um es mit einem anderen Zitat des oben schon erwähnten Politikers zu sagen:

Diese Arschlöcher im Internet labern immer nur Scheiße und haben gar keine Ahnung!

Sigmar Gabriel, SPD, derzeitiger Parteivorsitzender und Vizekanzler [Archivierte Version]

Genetisch

Zum entschieden antirassistisch geprägten Zeitgenossen gewandt, sagte der Vorübergehende: „Du klingst ein wenig, als glaubtest du, ‚die Deutschen‘ hätten den Rassismus in ihren Genen“.

Er konnte nicht lachen, der Zeitgenosse.

Lachen oder verzweifeln

Manchmal ist der Vorübergehende hin- und hergerissen von seinem eigenen mentalen Apparat, der nicht weiß, ob er angesichts realdadaistischer Stammtisch-Forderungen der Marke „Todesstrafe für Selbstmordattentäter“ laut und haltlos lachen will, oder ob er wegen der brummenden, nach jeden Geist erstickender Psyche duftenden Dummheit, die solche grotesken Karikaturen des Denkens hervorbringt, doch lieber still verzweifeln möchte…

Man spricht übern Klimawandel

Tweet von @flightradar24: 1700 private jets expected to Davos in Switzerland to discuss climate change at World Economic Forum

Herzlichen Glückwunsch, ihr „Demokraten“!

Ich gratuliere zu ihrem Coming-Out allen „Demokraten“, die heute gesagt haben und sagen werden, dass die „Demokratie“ in Gefahr ist, weil jemand nach hier üblichen, sonst stets als „demokratisch“ bezeichneten Standards in ein Amt gewählt wurde. Besser hätte ich es auch nicht mehr deutlich machen können, wie weit es mit eurer „Demokratie“ her ist — und welche Leute Feinde der Demokratie sind.

Richtig falsch

Es löst schon eine gewisse Heiterkeit aus, wenn die sonst immer um treffende Sprache bemühten Qualitätsjournalisten die Tätigkeit einer börsennotierten Unternehmung mit einem Internet-Dienst für angeblich vertrauliche Kommunikation knackig und überschriftstauglich beschreiben wollen und ihnen dafür kein anderes Wort als „Nachrichtendienst“ einfällt… offenbar so dumm, dass sie sich nicht der bisherigen Bedeutung dieses Wortes bewusst sind, aber dennoch, wenn man beim Lesen eben daran denkt: sehr gut und genau benannt.

Oktober 2014, nicht Oktober 1995

„Faszinierend“, sagte der Vorübergehende, „wie die Computerzeitschriften und ihre Websites jetzt überall Bilder von einem Windows-Desktop mit einem geöffneten Startmenü zeigen, als ob es sich bei dieser Möglichkeit des Programmstarts — wie damals, im Jahr 1995 — noch um eine Neuigkeit handele…“

Die Nase ist so weit weggegangen

Allein die Überschrift des ursprünglichen Artikels war größer als die gesamte Richtigstellung

Pinocchio mit langer NaseAusgerechnet das gossenfaschistische Verlagsprodukt, das ich bislang noch allerorten in Deutschland verkauft bekommen habe, wenn ich um „Ein Lügenblatt, bitte“ bat, fragt auf seiner Titelseite, was man „dem Fernsehen“ — und damit den quasistaatlichen Sendeanstalten der BRD im Kriegspropagandamodus — glauben darf.

Vor dem inneren Auge des Vorübergehenden am Verkaufsstand für das Altpapier von morgen läuft ein absurder Film ab, in dem Pinocchio vergeblich versucht, sich an seine eigene Nase zu fassen…

Bild: Adrian Michael, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Typenhebel und Mechanik

Schau sie dir genau an, die classe politique, die dir eine so genannte „elektronische Gesundheitskarte“ aufzwingt und deine Daten allesamt in der cloud speichern will, selbst aber zum Schutz vor Spionage im NSA-Ausschuss mechanische Schreibmaschinen zu verwenden gedenkt! Was du so trüb und lichtschwach in diesem Spiegel siehst, das ist der Wert deiner Privatsphäre; der Wert deines menschlichen Seins in den Augen derer, die sich darüber zu bestimmen erhoben haben.

Charme (Ausgabe für Hannover)

Hallo C., ich mache mich jetzt auf dem Weg. Bis gleich!