Tag Archive: Deutschland


Das deutsche Wesen

Wer Gehorsam, Beständigkeit und Vertrauen in die journalistisch verstärkten Worte der Herrschenden und Besitzenden für Tugenden hält, wird es ums Verrecken nicht schaffen, „nein“ zu sagen.

Deutsche Kinder

„Deutschland ist das Land“, sagte der Vorübergehende zum Patrioten, „in dem die durchschnittliche Garage größer als das durchschnittliche Kinderzimmer ist, und in dem in die Autos mehr wirksame Luftfilter als in die Klassenräume der Schulen verbaut werden“.

Mauerbau damals und heute

Die gleichen Gestalten aus der gegenwärtigen Classe politique, die den Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961 durch die DDR-Regierung mit so deutlichen, aber auch recht preiswerten Worten als das Verbrechen brandmarken, das er war, haben keine Probleme damit, unter Aufbringung modernerer politischer Schlagwörter wie „Cyber“, „Fake News“ oder „Hate Speech“ immer mehr und möglichst willkürliche Zensur im Internet zu fordern und zum privatwirtschaftlich durchgesetzten öffentlichen Rechtsmaßstab ohne Rechtsbehelfmöglichkeit für davon betroffene Menschen zu machen, scheiß auf die Menschenrechte, damit der moderne „antifaschistische Schutzwall“ in jedem Kopf entstehe; damit kein unbedachtes und sorgsam abgewogenes Wort mehr kommuniziert werde, sondern alles stets gegen mögliche Interpretationen dummer Zensoren oder „künstlicher Intelligenzen“ abgewogen wird, die zwar Stellen „lesen“, aber keinen Text verstehen können. Die moralische Bankrotterklärung des „real existierenden Sozialismus“ durch Einsperren der eigenen Bevölkerung, um sie am Weglaufen zu hindern, spiegelt sich durch den Dunst der Jahrzehnte wider, und zwar in der nunmehr erreichten Zukunft des Einundzwanzigsten Jahrhunderts als die moralische Bankrotterklärung der „Demokratie“ des wirtschaftsfaschistischen Parteienstaates durch geistiges Einsperren der Bevölkerung, um sie an unerwünschten Gedanken zu hindern, wobei der größte Unterschied immer noch darin besteht, dass die Mauertoten nicht obszön offen sichtbar im Niemandsland zwischen zwei Staaten ausbluten, sondern vom staatlich geforderten und geförderten Terror der so genannten „Jobcenter“ in den Freitod getrieben werden, isoliert, einsam, still und unbeachtet von den wie beamtet staatsfromm auftretenden Journalisten im Lande, in dem „wir“ gut und gerne leben. Und über allem schwebt das zur Raute aus Blei gewordene symbolische Bild der mit den Händen geformten Vulva der Genossin Angela und ihrer verachtenswerten Komplizen in der gesamten Classe politique.

Der verunglückte Adler

Ich habe den Bundesadler gesehen:
Beute hat er gemacht,
Fette, schwere Beute
Von seinen Fängen entschlossen umschlossen.
In der rechten Klaue ein großer Zirkel,
In der linken Klaue ein schwerer Hammer.
Sein Gefieder
War völlig veheddert
In einem nutzlos bei der Beute
Herumliegenden Ährenkranz
Aus längst vertrocknetem Getreide
An dem schwarz-rot-gelbe Fetzen
In andre Zeiten wiesen.
Kein Adlerflug war mehr
Und kein erhabenes Erheben;
Nur noch bodenniedre Gangart,
Wie das Kriechen einer Schnecke
Unter der grellen dörren Sonne,
Dem gleichgültigen grauen Mond
Und den kalten triefen Wolken.
Die Zeit rührte es nicht weiter
In ihrem Vergehen
Wie er verging.

Erneuerung

„Erneuerung geschieht niemals von allein, sondern ist gezielt aufgewändete Mühe und eingesetzte Kreativität gegen die Wirkungen der ablaufenden Zeit“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, der von Deutschland unter der bleiernen Raute sprach, „im Gegenteil, das, was von ganz allein geschieht, ist Zerfall, Tod und Verwitterung“.

Selbstaufreibung

Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.

Napoleon Bonaparte

Symbolbild

Junkfood-Dose mit Fußballmotiv und aufziehbare Spieluhr, die das Deutschlandlied spielt, reduziert

Das Objekt ist gefüllt mit teurem Junkfood. Es besteht aus Blech. Eine Spieluhr ist darinnen. Diese kann man aufziehen, mit gewollter Drehung eine Feder unter Spannung setzen. Dann erklingt sogleich „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in mechanischem Geklirr. Nach kurzer Zeit verlangsamt sich die Melodie, weil die Federspannung nachlässt, bis die aufgezogene Feder schließlich wieder völlig entspannt ist und Ruhe einkehrt. Dieses Gesamtkunstwerk wurde mit Fußballmotiven bestempelt, weil ein paar Wochen lang Korruptions-, Polit-, Brüll- und Geldball in Presse und Glotze lief. Jetzt wird es verramscht und ist doch noch zu teuer. Ein treffliches Symbolbild für so vieles in Deutschland… 😦

Deutsche Kultur

Bei der ungeheuren Beschleunigung des Lebens werden Geist und Auge an ein halbes und falsches Sehen und Urteilen gewöhnt

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

„Dein Bach, dein Goethe, dein Schiller, dein Leibniz, dein Schopenhauer, dein Nietzsche“, sagte der Vorübergehende zu seinem nur scheinbar intellektuellen, völlig verblendeten Zeitgenossen, der gerade im Begriffe war, sich in Rage zu reden, „sie sind nicht die deutsche Kultur. Sie spielen für das Leben der Menschen in Deutschland im Alltag keine Rolle mehr, wenn man einmal von ihrer institutionellen Verherrlichung in Schulbetrieb und Bildungsbürgertum absieht. Sie sind längst deutsche Geschichte. Die deutsche Kultur besteht in RTL; Fußball; Industriemusik vom volkstümlich klingenden Schlager bis hin zu Helene Fischer; unwidersprochenen und dreisten Politikerlügen vor jeder so genannten Wahl; halbiertem Halbwissen aus schlechten, emotional-manipulativen TV-Dokumentationen; als Talkshow verkleideter Politik-Spam zur medialen Unterstützung der völligen Entpolitisierung der Bevölkerung; alles durch- und zersetzender Korruption; ’sauberen‘ Dieselmotoren; Hauptstadtflughäfen und anderen Prunkbauten zur Selbstverherrlichung einer peinlichen poltischen Klasse, die als baufrische Ruinen in die wehrlose Landschaft klagen; der Verarmung, teilweisen Verelendung und Verdummung großer Teile der Bevölkerung; einer namenlosen und vielgestaltigen Angst davor, etwas an diesen beklagenswerten Zuständen zu ändern und schließlich in einer rein psychisch bleibenden Angstabwehr durch Verdrängung und der direkt daraus ersprießenden intellektuellen Selbsteinlullung und rückwärtsgewandten Verherrlichung des wieder herbeigesehnten, längst Vergangenen — eine deprimierende Ersatzbefriedigung für die eigentliche, längst mit kollektiver Kapitulation begrüßte Anforderung, das Seiende und Werdende in möglichst eträglicher Weise zu gestalten“.

Die neue Nachbarin

Die deutsche Frau von nebenan sagte über die neue Nachbarin mit ihren fünf lebhaften Kindern: „Was für eine asoziale Frau“. Die türkische Frau von der anderen Seite nebenan sagte: „Was für eine gesegnete Frau“.

Das verdammte Auge

Der Vorübergehende sagte, als ihm — von Menschen, die sich für informiert halten, weil sie sich von Journalisten in Form bringen lassen — die „Nachrichten“ zugetragen wurden, die er schon kannte und die sich nicht etwa nur seit Tagen, sondern schon seit Jahrzehnten nicht mehr ändern: „Ich will nicht wegschauen, aber ich mag auch nicht mehr hinschauen, wie sich schamlose Lügner_innen bei gelegentlichen Zuspitzungen vor die Kameras und Mikrofone der Contentindustrie stellen und wegen der Werbewirksamkeit einer solchen Geste Empathie heucheln und wenig überzeugend Entschlossenheit schauspielern, während sie mit vielen Worten nichts sagen und tatsächlich beabsichtigen, noch weniger zu tun als sie sagen. Wer auf den Wogen der Tagesaktualität eine Toleranzlosigkeit gegenüber Rassismus einfordert, ohne dabei im gleichen Atemzug die blutiggeile Springerpresse und ihre vielen Verstärker aus dem reklamefinanzierten Jornalismus zu benennen, versteht nicht nur nichts, sondern steht dabei auch noch fest auf der Seite derer, gegen die er sich zum Scheine stellt“. Und wer hinschaute, konnte bemerken, dass das Lächeln auf dem Gesicht des Vorübergehenden bei diesen Worten ausgewandert war.

Der stolze Sünder

Der Vorübergehende hörte im Vorübergehen den Ton der Gedenkveranstaltungen zur Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager, er hörte, wie mit gedämpfter Stimme und langsamer Sprache die Einzigartigkeit und Unermesslichkeit der deutschen Schuld über die Asche der Toten hinweg in den wehrlosen Äther proklamiert wurde, und er dachte sich nur in stiller, hilfloser Wut: „Mitglieder der deutschen classe politique und ihre Anhänger und Speichellecker sind immer noch stolz wie Luzifer und ziehen sich angesichts verlorener Kriege und gescheiterter Politik gern darauf zurück, was für eine großartige, einmalige, in ihrer Unmenschlichkeit übermenschliche Leistung doch der Holocaust gewesen ist, den uns keiner nachmacht. Nur um ihren darbenden, kindischen Narzissmus daran zu mästen, mit der ganzen fressenden Kälte der Psyche zu mästen, während sie in lächerlichem Theater dem Bewusstsein Reue und Einsicht vorspielen“.

Mit Gruß an Frank-Walter Steinmeier (SPD)

Arbeitsteilung

„Das ist Arbeitsteilung“, sagte der Vorübergehende, „Für die Empathie sind in Deutschland die Hunde zuständig, das wollen die Menschen nicht auch noch leisten“.