Tag Archive: Wahl


Weltverbesserer

Dem aufgeregten Wahlberechtigten sagte der Vorübergehende: „Du verbesserst die Welt nicht durch Wahlen, sondern ganz im Gegenteil, du machst sie sogar schlechter, wenn du ihren schlechten Zustand mit deiner Stimme legitimierst. Du verbesserst die Welt mit Empathie, Ehrlichkeit, Respekt, Angstfreiheit und Vernunft, also mit dem genauen Gegenteil des gesamten politischen Betriebes in allen seinen schillernden Farben als Anstrich über der gleichen kranken Machtsucht und narzisstischen Selbstverherrlichung. Und nicht anders“.

Der Sieg der Demokratie

Als der Vorübergehende im Vorübergehen eine Äußerung die SPD-Vertreterin im Fernsehen wahrnahm, dass das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ein Sieg der Demokraten gegen die AfD sei, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen: „Diese Frau hat eben zwischen den Zeilen gesagt, dass die Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt die CDU für demokratischer und — trotz solcher ekelhaften Bräunlinge wie Hans-Georg Maaßen in der Landesliste für die kommende Bundestagswahl — für antifaschistischer halten als die SPD mit ihren achteinhalb Prozent. Und sie hat es bei ihrer Hervorbringung von Sprechbläschen nicht einmal gemerkt, denn wenn sie es gemerkt hätte, wäre sie auf der Stelle vor Scham und Hoffnungslosigkeit verstummt“.

Wer noch eine Zukunft vor sich hat…

Diagramm der ARD. Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021 -- Wahlverhalten nach Altersgruppen. Jeweils unter 25 Jahren und mehr als 60 Jahre alt -- CDU: 18%, 46% -- AfD: 17%, 15% -- Grüne: 15%, 4% -- FDP: 12%, 4% -- Linke 11%, 13% -- SPD: 6%, 11% -- infratest dimap

Wer noch eine Zukunft vor sich hat, wählt nicht die Partei, die zusammen mit den Grünen den Menschen in der BRD Hartz IV, Riesterrenten, staatlich subventioniertes Lohndumping, Jobcenterterror und die Militarisierung der Außenpolitik beschert hat. Das kann nur attraktiv finden, wer schon Freund Hein begrüßt.

Schade ist allerdings, wie schnell in Vergessenheit geraten ist, das für das alles die Grünen genau so verantwortlich sind wie die SPD — und dass die Grünen darauf ebenfalls nicht mit Aufarbeitung und Umkehr, sondern mit Verdrängung reagieren. Die Grünen haben aber immerhin auch nicht ihren Generalsekretär aus der Schröder-Ära zum Kanzlerkandidaten gemacht.

Wahldilemma

„Dein Glaube an die ‚Demokratie‘ im Parteienstaat ist unlogisch und dumm“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „du kannst keine richtige Wahl treffen wenn du nur verkehrte Auswahlmöglichkeiten angeboten bekommst. Niemand kann das. Und so werden die Parteien zum Staat, und diese nennen das zum Hohn für die Bevölkerung eine Demokratie“.

Kinderhabende

Wer Kinder hat und dennoch bei jeder Wahl die Feinde der Zukunft und Lebensfähigkeit seiner Kinder wählt, sollte sich sehr gründlich Gedanken darüber machen, warum er Kinder hat — und dann endlich wie jemand handeln, der Kinder hat. Wer das nicht tut, war offenbar nur zu dumm zum Verhüten.

Lohndumping

„Politisch die Bedingungen dafür zu schaffen und aufrecht zu erhalten, dass Menschen für ihre Arbeit immer weniger Lohn bekommen und von Jobcentern in reine Ausbeutungsmodelle der Marke Zeitarbeit gezwungen werden“, sagte der Vorübergehende zu seinem vom Wahlergebnis entsetzten Zeitgenossen, „ist niemals eine Politik der ‚Mitte‘ gewesen, sondern immer eine gegen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung machtvoll durchgedrückte politische Gestaltungsidee zu Gunsten einer winzigen Minderheit. Das Gleiche gilt für die scheibchenweise Abschaffung der Rente und der Krankenversicherung. Im wenig Mitleid und viel Spott erweckenden Jammerton der angeblichen ‚Parteien der Mitte‘, dass sie so viele Stimmen an den ‚extremen Rand‘ verloren hätten, spiegelt sich ein dermaßen vollumfänglicher Realitätsverlust, dass er in solch wahnhafter Breite, wenn er einmal bei einem Menschen statt bei einer Partei aufträte, dazu führte, dass vom Richter ein Vormund bestellt werden müsste. Die Classe politique in der CDU, CSU, SPD, FDP und bei den Grünen hat sich vollständig von der gesellschaftlichen Wirklichkeit der BRD emanzipiert. Sie kreist um sich selbst und um gefährliche Wahnideen“.

Die Grünen-Wählerin

Die Grünen-Wählerin sagte heiter schwätzend zum Vorübergehenden im Vorübergehen an den hässlichen Wahlplakaten zur hannöverschen Oberbürgermeisterwahl: „Ich kann diesen grünen Kandidaten nicht wählen. Er ist ein Moslem, und das fühlt sich nicht gut an„. Und der Vorübergehende sagte gar nichts dazu. Selbst sein Lächeln. Dass ihm sonst so anhänglich in die Finsternis begleitet. Verschwand kurz.

„Wenn dieses ‚Nicht-gut-Anfühlen‘ häufiger werden sollte und sich schließlich im Wahlergebnis spiegelte“, dachte er sich ein Stündchen später, „dann werden die Grünen sicherlich bei nächster Gelegenheit wieder jemanden aufstellen, bei dem die Zielgruppe ein besseres ‚Gefühl‘ hat; die Vermarktung von Politik und Hundefutter ist doch verblüffend ähnlich. Wie viel doch schon gewonnen wäre und wie anders es hier aussähe, wenn die Menschen mit ihrem Gefühl liebten und hassten und mit ihrem Verstand wählten und kauften“.

Stadtluft macht grün

„Die ‚Grünen‘ sind stark in den größeren Städten“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „also dort, wo es wenig Natur gibt und wo die fehlende Natur als innerpsychische Projektionsfläche für ein Spiegelbild des gesamten entgangenen Lebens, der geraubten Zukunftsaussichten und der Hässlichkeit der Städte herhalten muss. Je mehr ein Mensch von der Kälte, Dummheit und geistlosen Grimmigkeit der Natur mitbekommt — und das geschieht schon durch geringfügig ländlicheres Leben, es bedarf gar nicht richtiger Zivilisationsferne — desto geringer wird seine Neigung, ‚grün‘ zu wählen. Nur, wer aus erfahrungsfreier Naivität heraus die niedlich-kindische Wahnwelt aus Disneys Bambi-Film mit der Natur verwechselt, kann der Natur etwas abgewinnen“.

Hohe Wahlbeteiligung

Bei der Wahl zum EU-Parlament gab es eine hohe Wahlbeteiligung. Und je mehr Menschen aus dem Volke wählen, und je gewisser sie sich sein können, dass ihre Stimme nicht in einen Fünf-Prozent-Stimmmülleimer geworfen wird, desto schlechter schneiden die selbsternannten „Volksparteien“ bei der Wahl ab.

Aber auch bei den „völkischen Parteien“ ist es mit dem Aufwärtstrend vorbei und sie verdanken ihren Erfolg sehr ihren Hochburgen in Mitteldeutschland, ehemals hinter dem „antifaschistischen Schutzwall“ gelegen, und dann mit CDU-Lügen von blühenden Landschaften gefolgt vom anschließendem Ausverkauf gedemütigt.

Doch keine Sorge, alle kommenden Wahlen haben wieder einen Fünf-Prozent-Stimmmülleimer…

Tonnenkreuz

„Es ist kein Zufall, sondern ein treffliches Spiegelbild“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dass das Aufnahmebehältnis für die abgegebenen Stimmen bei einer Wahl, das man als ‚Urne‘ bezeichnet, als sollte tote Asche darin verscharrt werden, in der BRD meist wie eine Mülltonne aussieht“.

Journalistische Meinungsforschheit

Journalisten, die Ergebnisse von Telefonumfragen wichtigtuerisch als einen „DeutschlandTrend“ bezeichnen… käme mir jemand am Telefon nach dem Wählen der mich ziemlich eindeutig identifizierenden Telefonnummer mit den leicht aussprechbaren Worten „Ich bin Meinungsforscher von einem wichtig klingenden Institut“ und fragte mich, was ich wähle, legte ich wortlos — oder bei entsprechender, schon vorgereizter Stimmung: mit deutlicher Beschimpfung dieses Ansinnens und der Schergen, die es durchführen — auf.

Was der von Journalisten vielzitierte und und zur Stützung ihrer contentindustriell ausgebreiteten Meinung breit interpretierte „DeutschlandTrend“ der „ARD“ zeigt, ist lediglich, was jene Menschen wählen würden, denen das Wahlgeheimnis völlig gleichgültig ist und die jedem Dahergelaufenen dumm, sofort und schwanzwedelnd-freudig erzählen, was sie wählen.

Werte Journalisten…

Werte Journalisten,

seit einigen Monaten beobachte ich mit einer Mischung aus Erheiterung und Kopfschütteln, wie ihr versucht, den gegenwärtigen Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, „nach oben zu schreiben“ und was für lustige Wörter ihr euch dafür ausgedacht habt.

„Schulz-Effekt“. Das klingt schon ungesund. „Schulz-Zug“. Ist der etwa entgleist? Und der Schulz hier, und der Schulz dort… so manchen Bundesminister habt ihr deutlich seltener mit eurer Tintenkleckserei in „Erinnerung“ gebracht.

Was euch, werte Journalisten, mangels Einsichtsfähigkeit allerdings nicht klar zu sein scheint, ist eine an sich sehr simple Tatsache: Ihr habt schon einmal so gleichtönend und gleichtuend auf allen euren stinkenden Kanälen einen Kanzlerkandidaten der SPD nach oben schreiben wollen, und bei diesem Ansinnen wart ihr deutlich erfolgreicher. Gerhard Schröder — so etwas wie der Donald Trump der Bundesrepublik Deutschland, zwar eine etwas kleinere Ausgabe, aber dafür mit genau so großer narzisstischer Persönlichkeitsstörung¹ — ist tatsächlich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und in dieser Position hat er in einer Mischung aus Machtwort, kriminellem Kumpelkreis, Bier her, Bild, BamS und Glotze den sozialen Frieden in der BRD zerstört, einen staatlich subventionierten Billigarbeitsstrich in der BRD eingeführt, die Ausdehnung der als „Zeitarbeit“ bezeichneten modernen Sklaverei vorangetrieben und begrüßt, die Hartz-IV-Armut und den erzwungenen Sklavenjob über viele Menschen in der BRD gebracht, die solidarische Rentenversicherung abgeschafft und jede Illusion, dass das Wort „Sozialdemokratie“ etwas mit „sozial“ oder „demokratisch“ zu tun haben könnte, nachhaltig und bis heute nachwirkend zerstört. All dies, werte Journalisten, mit eurer bemerkenswert verständnisvollen Unterstützung.

Jeder Mensch, der um die dreißig Jahre alt oder älter ist und nur einen Funken politischen Bewusstseins hat, weiß das noch. Und damit weiß er, was von SPD-Kanzlerkandidaten, die von euch, werte Journalisten, hochgejazzt werden, zu halten ist: Sie sind genau so Feinde, wie ihr, werte Journalisten, es seid. (Was für eine Regierung ein Kanzler Martin Schulz wohl eingesetzt hätte? Die Frage habt ihr niemals aufgeworfen, werte Journalisten, denn die Antworten sind zum Gruseln. Und dieses Gruseln wolltet ihr halt nicht. Das mit der Propaganda könnt ihr ganz gut, werte Journalisten.)

Ihr seid bedeutungslos geworden, werte Journalisten. Oder, um es mit einem bei euch sonst sehr beliebten Fremdwort zu sagen: irrelevant. Oder, um es genau so zu sagen, wie es mir auf der Zunge liegt: zum Glück für die Menschen in der BRD seid ihr irrelevant geworden.

Das Resultat eurer — als Aufforderungen zum Personenkult direkt an die dumme Psyche adressierten — Manipulationsversuche bleibt inzwischen unterhalb der Wirkungsschwelle. Der „Schulz-Effekt“ bei der heutigen Landtagswahl in Schleswig-Holstein klingt bei der ARD-Tagesschau etwa so: CDU siegt im Norden – Schlappe für SPD.

Eure Parallelgesellschaft wechselwirkt nicht mehr stark genug mit der richtigen Gesellschaft. Ihr habt euch endlich entkoppelt. Manchmal wundert ihr euch bestimmt, dass euch keiner eurer Leser mehr Geld für eure journalistische Tätig- und Tätlichkeit geben will. Auf die politische und lebenspraktische Irrelevanz (oder gar Gefährlichkeit) des Journalismus für die meisten Menschen folgt halt, dass diese Menschen euch die Irrelevanz gern zurückgeben. Ihr habt nichts mehr mit den Menschen zu tun. Und jeder Mensch kann das an eurem schmierigen Geschmiere bemerken, wenn er einfach nur hinschaut.

Hört ihr das Tappsen aus der Ferne, das da täglich näher kommt? Das ist der Insolvenzverwalter auf dem Weg zu euch. Werte Journalisten, das von euch aktiv und vorsätzlich herbeigeschriebene Hartz IV, das werdet ihr bald selbst „genießen“ dürfen. Vielleicht lernt ihr sogar mal unfreiwillig das Leben eines Bauhelfers für achtfuffzich kennen. Und wisst ihr was: Das freut mich für euch Schreibtischtäter.

Euer euer Treiben bald nicht mehr ertragen müssender
Nachtwächter

PS: Eure Versuche, das Internet zensieren zu lassen, werden fruchtlos bleiben, aber vielen Menschen zusätzlich die Augen öffnen, was für ein widerliches Geschmeiß ihr seid.

¹Er hat sogar ein Gerichtsverfahren wegen seiner Haarfarbe geführt.