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Die undemokratische Wahl

Wenn die Menschen ein Parlament wählen, das in der Praxis der Europäischen Union keine politische Gestaltungsmöglichkeit hat und wenn die Menschen mit dieser Wahl eine weitgehend undemokratische EU zu legitimieren helfen, dann ist diese Wahl wahrlich kein Hochfest der Demokratie.

Meine Wahlempfehlung (für jede Wahl)

Anders, als Anhänger und Mitglieder einer Partei empfehle ich hier keine bestimmte Partei. Ich empfehle nicht einmal das Wählen, außer, jemand findet das gegenwärtige, in meinen Augen scheindemokratische und neufeudale System der Herrschaft über sein Leben so gut, dass er es explizit und aktiv legitimieren möchte. Wer dieses Herrschaftssystem nicht gut findet, sollte gar nicht erst wählen gehen.

Leider gibt es viele Menschen, die es gut finden, wenn sich eine classe politique bildet, die unkontrolliert ihrem Hang zur Selbstbezüglichkeit und Korruption folgen kann. An diese richte ich mich.

Nur diesen Menschen gilt meine hier gegebene Wahlempfehlung.

Jedem anderen empfehle ich die völlige Verweigerung der Wahl. Es gibt keinen Grund, freiwillig ein “Spiel” mitzuspielen, das man ablehnt und bei dem man denkt, nur verlieren zu können.

Und wie schon gesagt, ich — als jemand, der dieser Ochlokratie nichts mehr abgewinnen kann — empfehle nicht eine bestimmte Partei, sondern ich empfehle die Verwendung der Augen, der Ohren, des Mundes, des Tastsinnes, ja, zuweilen gar des Geruchssinnes und anschließend des Hirnes bei der Wahl. (Dabei stehe ich völlig offenbar auf einer anderen Seite als jene professionellen Lügner¹, die für die Durchführung der Wahlreklame der Parteien viel Geld erhalten haben.)

Wenn sie wirklich wählen wollen, schauen sie sich vor ihrer Stimmabgabe ihr Wahllokal bitte einmal ganz genau an! Nehmen sie sich dafür, wenn sie das können, ruhig eine halbe Stunde Zeit! Oder auch etwas mehr. Sie sind schließlich im Begriffe, eine Entscheidung zu treffen, die für Jahre halten muss. Und danach denken sie noch einmal über ihre Entscheidung nach, denn ihre früheren Entscheidungen sind zu dem Zustand geworden, den sie gesehen und teilweise gar gerochen haben.

Häufig werden staatliche Schulen als Wahllokale benutzt. Schauen sie sich die Schule an! Machen sie sich bei ihrem langsamen Rundgang völlig bewusst, dass hier der Ort ist, an dem die Kinder von heute auf die (zurzeit natürlich nur bruchstückweise bekannten) technischen, sozialen und intellektuellen Anforderungen der kommenden Zeit vorbereitet werden — und dass die hier vorbereiteten Kinder in einer absehbaren Zeit ihr Leben im Alter finanzieren müssen²! Schauen sie sich den Zustand des Gebäudes an! Sie werden in sehr vielen Fällen verschimmelte Wände, erbärmliche sanitäre Anlagen, jahrzehntealte und teilweise kaputte Schulmöbel vorfinden. Dieser Zustand kombiniert sich mit Lehrmaterialien, die wie ein Anachronismus ins Jetzt hineinragen und damit den Eindruck vom oft ruinenhaften Zustand des Gebäudes vervollständigen. Davon, dass die technische Ausstattung vor zehn Jahren schon altmodisch war, ganz zu schweigen.

Lassen sie das auf sich wirken! Und dann benutzen sie ihren von Wahlreklame und nichtssagenden Floskeln von Chancen, Arbeit und Sicherheit eingelullten Verstand und überlegen sie, ob es so weitergehen soll, wie es unter der Herrschaft der in der politischen Praxis so leicht verwechselbaren Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen gelaufen ist! Und dann wählen sie etwas anderes! (Aber vorher lesen sie bitte noch diesen Text zu Ende, denn er geht weiter.)

Was ebenfalls häufig als Wahllokal verwendet wird, sind staatliche oder (in der BRD: staatlich finanzierte) kirchliche Altersheime, die man hier, um das unangenehme Wort vom “Alter” mit all seinen scheußlichen Assoziationen von Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit, Widerstandsunfähigkeit, Fremdbestimmtheit, Armut, körperlichem und intellektuellem Zerfall, voranschreitender Krankheit, Schmerzen und Tod nicht mehr nennen zu müssen, offiziell-euphemistisch als “Seniorenzentrum” bezeichnet. Widerstehen sie der Verdrängung, die ihnen durch Euphemismen abverlangt wird, und nehmen sie sich auch hier eine halbe Stunde, bevor sie eine Entscheidung treffen, die für Jahre gilt und Menschen in Amt und Herrschaft bringen, die ihnen jahrelang keine Rechenschaft mehr schuldig sind und die sie und ihre Intelligenz — wenn nicht gerade Wahlkampf ist — offen verachten! Schauen sie sich die Menschen an, die im Altersheim arbeiten, und versuchen sie, in Gespräche zu kommen, um zu erfragen, wie man als Mensch von dieser Arbeit leben kann und wie diese Arbeit bezahlt wird! Sprechen sie mit den Menschen, die in diesem Altersheim leben und fragen sie danach, wie ihr Alltag aussieht, was sie essen, wie man sich im Altersheim um ihre Schwäche kümmert und wie sie behandelt werden! Fragen sie auch mal nach einem Dekubitus, und auch danach, ob auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet wird, oder ob lieber Tabletten gegen die aufkommende Demenz gegeben werden.

Lassen sie das, was sie dort hören und erleben, auf sich wirken! Seien sie sich dabei völlig bewusst darüber, dass sie einen Blick in ihre eigene Zukunft getan haben! Und dann vergessen sie die feierlichen Sonntagsreden von Würde, Wohlstand, Sozialstaat, Gesundheit und Menschenrechten, benutzen sie ihren Verstand und überlegen sie sich, ob sie diese für sie vorgezeichnete Zukunft wirklich haben wollen! Denn in eine derartige Anstalt wird man sie unter der Herrschaft der in der politischen Praxis so leicht verwechselbaren Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen irgendwann abschieben, wenn sie nicht die Gnade eines frühen Todes erleben oder sich zum Freitod entschließen. Und dann wählen sie etwas anderes!

Und lassen sie sich niemals, niemals, niemals im Schatten sinnloser Prunkbauten zur Verherrlichung der classe politique und ihrer Herrschaftsausübung erzählen, für Bildung und die Würde des Menschen sei kein Geld da! Schauen sie sich stattdessen an, wofür das Geld da ist! Für Panzer immer, für Menschen nimmer…

Dann wird ihnen auch schnell klar, warum Parteien wie die CDU, SPD, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen in den Städten einiges an Aufwand treiben, um alte Menschen mit Bussen zum Wahllokal zu fahren: Wer noch eine andere Zukunft als den Tod vor sich sieht, kann diese Parteien wegen genau dieser Zukunft nicht wählen.

Wenn sie nach dieser Betrachtung und einiger Überlegung zu der Auffassung gelangt sind, dass eine Partei wie die “Alternative für Deutschland”, die alle gescheiterten Konzepte der Parteien CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen noch einmal an einer ganzen Gesellschaft ausprobieren möchte, eine bessere Wahl als die “Originale” ist, dann werde ich sie nicht daran hindern, dieser Auffassung zu folgen³. Wenn sie meinen, dass die gescheiterten Rezepte von gestern die Antwort auf die Anforderungen von heute und morgen sind, dann wählen sie die AfD! Es ist ihr Recht, so sehr es mir und einigen von Verlagsmilliardären bezahlten Journalisten, die das Wort “Rechtspopulisten” bis zur Bedeutungslosigkeit dehnen, auch missfällt. Wenn sie weiterhin wollen, dass die Technik der Vergangenheit subventioniert wird und die Technik der Zukunft behindert wird; wenn es ihr Wunsch ist, dass die Erwachsenen von morgen an den Schulen von heute auf die Anforderungen von gestern vorbereitet werden; wenn ihnen eine Gesellschaft erstrebenswert erscheint, in der menschliches Leben vor allem unter den Aspekten von Wirtschaftskraft, Umsatz und Ausbeutbarkeit betrachtet wird; dann freilich, dann brauchen sie nicht die AfD zu wählen: Sie sind mit CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen bereits gut bedient.

Wenn sie aber mit ihrer Wahl eine andere Richtung der Gesellschaft bewirken wollen, dann wählen sie etwas anderes! Die AfD ist — anders als etwa richtige “Rechtsparteien” wie die NPD — zurzeit überflüssig wie ein Kropf, da sie für eine Fortsetzung dessen steht, was durch die Herrschaft der Apparate CDU, SPD, CSU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen gescheitert ist — und zwar unter beschleunigtem Abbau zivilisatorischer Errungenschaften.

Und nein, ich werde ihnen nicht sagen, was sie wählen sollen. Sie haben ein Internet, und sie haben ein Gehirn, und sie haben die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Gedanken zu verstehen, also nutzen sie, was ihnen zur Verfügung steht! Nur eines sage ich ihnen: Wählen sie etwas anderes als CDU, SPD, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, wenn ihnen ihr eigenes, einmaliges und schnell entschwindendes Leben etwas wert ist!

Fußnoten

¹Werbung ist professionelle — also zum Zweck des Gelderwerbs betriebene — Lüge, um Menschen damit unter Umgehung ihres Verstandes zu manipulieren. Ich finde diese “Profession” verachtenswert und halte sie für schädlich und gefährlich, und ich wünsche mir Zustände, in denen Prostituierte, Kleinkriminelle und Penner ein höheres Ansehen haben als Werber, das Geschmeiß, das von solcher verachtenswerter Tätigkeit lebt.

²Angesichts der Bevölkerungsentwicklung müssen diese Kinder als Erwachsene sogar wesentlich produktiver sein, als sie selbst es in ihrem Leben jemals waren. Dies setzt Fähigkeiten und Fertigkeiten voraus, deren Grundlagen in der Schule gelegt werden müssen.

³Ich erwarte tatsächlich bei der Europawahl einen überwältigenden Erfolg für die AfD, selbst 15 Prozent scheinen mir möglich zu sein.

Nach der Wahl zum so genannten europäischen “Parlament”, bei der angesichts des laufenden entpolitisierenden Wahlkampfes¹ jetzt schon absehbar ist, dass die Wahlbeteiligung sehr gering sein wird, werden sich wieder Politiker und ihre speichelleckerischen Kumpel, die Journalisten, hinstellen und die üblichen Worte finden, um diese Nichtwahl von gut zwei Dritteln der Bevölkerung, die ja nichts weniger als ein allgemeiner und für die gesamte zur Wahl antretende classe politique ausgesprochener Legitimationsentzug ist, doch noch blendredend in eine Legitimation umzudeuteln. Und. Sie werden sich gewiss auch in diesem Jahr nicht zu schade sein, dabei auch den Spruch abzulassen, dass die Menschen den Glauben (oder das Vertrauen) in die Demokratie verloren hätten und dass man bewirken müsse, dass sie diesen Glauben zurückgewönnen — ohne in ihrem Deutungsrausch auch nur in einer kurzen Zuckung der Großhirnrinde zu bemerken, dass sie im Spiegelbild dieser Worte recht offen eingestehen, dass die so proklamierte “Demokratie” für die Menschen keine Sache der unmittelbaren Erfahrung ist, sondern nur ein Für-wahr-Halten dessen, was von anderen gesagt wird; eine absurde, erfahrungsferne, fremd-vermittelte Parareligion, die von ihren Gläubigen verlangt, dass sie die gebieterischen Erscheinungen ihrer Lebenswirklichkeit ignorieren.

¹Niemand sage, dass es nicht politische Themen gibt. TTIP ist eines. Die menschenverachtende Weltüberwachung durch Geheimdienste der USA ist ein anderes. Aber wenn die politischen Parteien hier ihre politischen Absichten zu diesen Themen auf die Plakate stempeln ließen, würden sie dafür von einer sehr großen Mehrheit der Menschen in Deutschland nur noch Verachtung empfangen, und deshalb gibt es halt leere Sprüche von Stabiltität, Wachstum, Arbeit, Demokratie und… angesichts der vielen Lottospieler, die das Kreuzemachen schon gewohnt sind, ganz wichtig… Chancen. Im Vermeiden der gegenwärtigen politischen Themen auf den Wahlplakaten spiegelt sich sehr genau, welche Agenda nach der Wahl durchgesetzt wird.

Informationstechnisch verarbeitetes Klopapier

Während die einen sich mit einem flugen Klick von der Website irgendwelcher jubelberichtenden Glotz- und Presseprodukte — oder mit der vielfachen Echokammer der Journaille in diesem vorübergehenden Zustand namens social media — zum Wahl-o-maten begeben haben, um dort ihre persönlichen Politikwünsche mit den Programmen der antretenden Parteien zu vergleichen, wissen die anderen schon jetzt genau, dass die Lügen in den Wahlprogrammen der Parteien das Klopapier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden — selbst, wenn dieses Klopapier eine benutzerfreundliche informationstechnische Aufbereitung für Leseunwille erfahren hat. Wer klug ist, begnügt sich nicht mit der vom Gefühl der Herdplatte aufgenötigten Einsicht, dass die Herdplatte heiß ist, sondern er lernt nach spätestens der zweiten Erfahrung, dass man seine Händchen lieber für etwas anderes nutzt.

Das Kurzmärchen vom Zahltag

“Wahltag ist Zahltag”, sagte der mit breit verabreichter Angst gefügig gemachte Staatsbewohner; setzte sein Zeichen in den kleinen, eigens dafür vorgesehenen Kreis; pfefferte seine Stimme in das kleine, eigens für diesen Zweck vorgesehene Stimmkästchen und bezahlte vier weitere Jahre lang für seine in der vorgesehenen Weise selbst ausgestellte Entmündigung.

Auswärtiges Denken

Wenn Wahlen nur noch die bestehenden Verhältnisse reproduzieren, wird Nichtwählen zu einer echten Option

Marcus Klöckner in der Telepolis — Apologie des Nichtwählens

Auch weiterhin gilt für mich: Einen Wahlschein werde ich mir erst dann abholen […], wenn darauf ein weiteres Feld für die Stimmenthaltung vorgesehen wird, damit ich amtlich dokumentieren kann, dass ich mich von keinem dieser Wahlvereine und von niemandem aus dem in diesen Wahlvereinen großwerdenden Gesäuge vertreten lassen will. Ungültig wählen ist nur für diejenigen kurzdenkenden Dünnbrettbohrer eine Alternative, die sich nicht daran stören, dass ihre ungültige Stimme in die Wahlbeteiligung einfließt und hinterher von den korrupten Arschgesichtern aus der classe politique noch dafür instrumentalisiert wird, in jede bereitgestellte Kamera und in jedes Mikrofon von einer großen Zufriedenheit der Menschen mit der “Demokratie” in der BRD zu faseln. Wer so doof ist, dass er sich selbst verspottet, sei so doof! Ich kann es nicht ändern.

Wahl

Wenn der Zeitgenosse “Gehst du zur Wahl?” fragt, fragt der Vorübergehende nur kurz zurück, ob man bei dieser Veranstaltung denn auch eine Wahl habe.

Degenerative geistige Krankheit

Die häufigste degenerative geistige Krankheit in der Bundesrepublik ist immer noch der “Alzheimer der Wähler”.

Landtagswahl Niedersachsen: Amtliches Endergebnis

Amtliches Endergebnis (unter Berücksichtigung der Nichtwähler), Landtagswahl Niedersachsen -- CDU 21,38%; SPD 19,36%; FDP 5.88%; Grüne 8,14%; Die Linke 1,84%; Piratenpartei 1,25%; Sonstige Parteien 1,54%

Nicht regierungsfähig

Nicht, dass ich wählen würde, nicht, dass ich der classe politique mit diesem Schritt auch noch den Schwindel erlaubte, sie würde mich mit ihren Taten und Tätlichkeiten “vertreten”. Aber wenn ich dennoch einmal wählte, dann wählte ich niemals eine Partei, die im Sinne des von der Milliardärspresse verbreiteten Musters politischer Betrachtungen als “regierungsfähig” bezeichnet würde.

Die Zahlentafeln

Als der Vorübergehende mit seinem Zeitgenossen vor einem Fernsehgerät beim Empfang einer Nachrichtensendung saß, sagte er am Ende dieser Darbietung: Wie verblüffend ähnlich in diesen Nachrichten die Ästhetik der Zahlentafel mit dem Wahlergebnis doch der Ästhetik der Zahlentafel mit den Lottozahlen ist!

Ein Wahltag

Es ist wieder wie im Bauernhof: Die Schweine wechseln oft, aber der Trog selten.

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